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Der Casus Mäckler bei der Wikipedia ist jetzt wohl geschlossen, und ich will - neben meinen Dank den besonnen Wikipedia-Autoren zu erbringen - auch nicht weiter hadern, sondern mich freuen und kurz resümieren, um den Fall abzuschließen:
Zunächst zur Info: Ich habe einen neuen Ordner eröffnet namens Wikipedia / Casus Mäckler. Hier finden Sie alle Artikel zu diesem Fall, zeitlich zurückgehend geordnet.
Dann sei noch eine Richtigstellung gemacht, die meine Biographiekurse in diesem Blog betreffen - vor allem den Großen Biographiekurs. Ein Wikipedia-Autor namens Schmitty schreibt dazu an seinen Kollegen namens Movicadz, der ihm auch antwortet, bevor ein weiterer Kollege namens Harm N. ergänzt:
”Du bzw. wir haben ein weiteren Selbstdarsteller erwischt, der die Wikipedia für sein Unternehmen unter dem Deckmantel der Kunst instrumentalisieren will. Zum Unternehmen noch ein kleiner Hinweis. Der Bibliographiekurs ksotet über 2Jahre 600€. Als Affiliate-Partner bekommt man die Hälfte der Einnahmen ab. Also nichts anderes als Multilevelmarketing…– schmitty 16:00, 15. Aug. 2010 (CEST)
@schmitty mit dem hitzig gebe ich dir recht:-). ich bin durch zufall auf m. und seinen blog gestoßen. er hat den fehler gemacht, derart arrogant über seine wikipedia-pr-versuche öffentlich zu triumphieren. da wurde ich natürlich stutzig und habe weiter recherchiert. und was ich fand, gefiel mir nicht. es spricht auch nicht gerade für seine geschmeidigkeit als unternehmer. aber das wäre ein anderes thema. pr lässt sich nie ganz vermeiden. aber derart dreist und mit gezielten diffamierungen von konkurrenten in seinem metier ist es dann doch schon bemerkenswert.–Movicadz 16:18, 15. Aug. 2010 (CEST)
@schmitty. Wenn man mal mit 600 Euroten hinkäme… Ich habe das fast vierfach an “Gebühr” recheriert! Sry, aber dieser “Autor” ist es einfach nicht wert, auch nur im geringsten ignoriert zu werden. Ein typischer Selbstdarsteller, mehr nicht. Also, warum sich darüber groß noch ärgern. Schlimm ist nur, der er es verstanden hat, wikipedia gegen wikipedia anzuführen. Nun denn, ist nun mal so. Als Trost, in vier Woche ist er aus dem öffentlichen Interesse verschwunden und bei Wikipedia vergessen. –Harm N. 21:53, 15. Aug. 2010 (CEST)”
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer_Diskussion:Movicadz#Andreas_M.C3.A4ckler_2
Nun sein richtiggestellt: Ich biete keinen “Bibliographiekurs” an (wie Schmitty schreibt), sondern mehrere Biographiekurse. Der “Große Biographiekurs” mit 100 wöchentlichen Biographiebriefen kostet im Abo monatlich EUR 27, also 23 Monate x 27 Euro = EUR 621. Wer den Gesamtbezug wählt, zahlt nur EUR 490. Doch ich will hier keine Produktpräsentation machen, sondern Harm N. zitieren, der daraus eine falsche Tatsachenbehauptung konstruiert: “Wenn man mal mit 600 Euroten hinkäme… Ich habe das fast vierfach an “Gebühr” recheriert!”
Diese Behauptung (fast vierfach an “Gebühr”) ist eine falsche Tatsachenbehauptung, die keinerlei Grundlage hat, wie ein einfacher Blick auf die Bezugsbedingungen des Kurses zeigt! Ausserdem diskreditiert eine solche Behauptung mein Angebot! Harm N. hat ohnehin zahlreiche falsche Tatsachenbehauptungen über mich und meine Bücher in der Löschdiskussion, in der Artikeldiskussion und in mehreren Autoren-Diskussionen der Wikipedia verbreitet, dass ich mich frage, was so jemand im Team einer Enzyklopädie zu suchen hat!
Ich wüsste wirklich gern, ob jemand der anonymen Wikipedia-Autoren mich persönlich kennt und deshalb nicht leiden kann, dass solche Angriffe gegen mich gestartet worden sind. Wenn ja, weiß ich immer noch nicht, wer es von meinen “vielen Feinden”
sein könnte. Vielleicht lüftet er mal sein Incognito?
Auf der anderen Seite haben sich etwa fünf Wikipedia-Autoren konstruktiv und kritisch des Artikels über mich angenommen, wobei ein Wikipedia-Autor namens “Jocian” wohl federführend war, wenn ich als Laie die Vorgänge richtig interpretiere. Einer seiner Kollegen mit dem Nick “FelaFrey” - eine nette Umschreibung für ”fehlerfrei” - hat eine kluge Notiz zu der Arbeit am Artikel verfasst und an Jocian adressiert:
“Für A.M. ergeben sich m.E. drei “Wirkungskreise”:
als Kunsthistoriker
als Autor
als Ghostwriter sowie Unternehmer im Bereich Book-on-Demand.
Und daraus ergibt sich m.E. auch jeweils die Fragestellung: Welchen Stellenwert bzw. welche Relevanz hat er hier für jedes Gebiet erreicht?
Der Kunsthistoriker ist bis auf seine Dissertation lediglich mit den Mitteln eines Herausgebers und Interviewers als “Sachbuchautor” bzw. Non-fiction-Autor innerhalb der “Populärkultur” mit “Trivialliteratur” aufgetreten. Dazu noch ein Drehbuch sowie 400 Tipps in einem Reiseführer. Diese belegbaren Fakten in seiner Bibliographie machen ihn m.E. in Maßen relevant für einen Artikel, aber wie relevant ist er für dieses “Sachgebiet” resp. was und wieviel davon ist in dem Artikel deshalb erwähnens- und herausstellenswert?
Als Autor zehrt er einerseits von seinen Veröffentlichungen als Kunsthistoriker andererseits als tatsächlich “originärer” Urheber einer Krimibuchveröffentlichung, sowie einigen, meinetwegen “zahlreichen” Kurzkrimi-Anthologiebeiträgen. Ohne die “Sachbuch”-Veröffentlichungen wäre A.M. als “Autor” m.E. jedenfalls nicht “relevant” - und wenn ein Günter Grass wie A.M. nebenher noch Krimis in dieser Form veröffentlicht hätte, wäre das als Trivia im Fließtext erwähnenswert aber m.E. eben nicht bei A.M. aus dessen Gesamtwerk ich keine bis heute durchgehende Passion, Triebfeder o.ä. für ein künstlerisch-kreatives oder wissenschaftlich-stringentes Arbeiten in seiner “Werkschau” ablesen kann.
Mir scheint hingegen, dass er als Ghostwriter sowie Unternehmer im Bereich Book-on-Demand letztlich genau da angekommen ist, was ihn in Sachen Literatur angetrieben hat oder er zumindest inzwischen als dessen Quintessenz anerkennt, nämlich die erworbenen Erkenntnisse seines früheren “Schaffens” in Marketingstrategien für sich und andere umsetzen zu wollen. Das halte ich ebenfalls für durchaus legitim, ja mehr noch, als das für ihn in einem WP-Artikel herauszustreichende Merkmal. Anstatt nun auch noch den Doktorvater zu erwähnen, der ja nichts dafür kann, dass auch A.M. bei ihm studiert hat, wäre es m.E. also weit eher angezeigt, das Wie seines Agierens als Unternehmer und Ghostwriter zu recherchieren und zu belegen. Sachlich und vorurteilsfrei.
Ich habe all das nun hier mehr für mich protokolliert und eben bewusst nicht auf der A.M.-Disk eingebracht, denn du selbst bist weder hier noch dort auf eines meiner sachlichen Argumente wie den Vergleich mit J. Sparschuh oder meine Auffassungen zur lexikalischen bzw. enzyklopädischen Prägnanz (Knappheit!) und Präzision eingegangen. Und es war durchaus auch sachlich gemeint, dass du ja nun mit dem Artikel auf der Zielgeraden zu sein scheinst, auf der meine Argumente nur stören würden. Ich nehme das nicht weiter persönlich, habe bei der Auseinandersetzung um diesen Artikel ja auch wieder eine Menge über die Dynamiken in der WP gelernt. Der angesprochenen Sache wegen kann ich dir nur bedingt weiterhin viel Erfolg aber uns beiden doch von Herzen mehr Gelassenheit in WP-Angelegenheiten wünschen. Grüße –FelaFrey 14:55, 24. Aug. 2010 (CEST)”
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer_Diskussion:FelaFrey/Archiv/2010#andreas_m.C3.A4ckler
Dazu kann ich nur sagen: Hut ab, FelaFrey - und herzlichen Dank für diese sachliche und kritische Notiz zu meinem beruflichen Lebensweg im Spiegel der Arbeit zu diesem Artikel! Unser Leben und Handeln ist letztlich auch ein Mysterium, wo wir selbst nicht immer durchblicken. Gehen wir daher pfleglich miteinander um.
So, damit ist für mich der Fall gerundet und abgeschlossen. Dank an alle!
10. September 2010
Es gibt Wikipedia-Autoren, denen kann ich nur danken. Einer nennt sich “Einpaarcent”. Er hatte schon am 16. August in der Löschdiskussion des Artikels Andreas Mäckler für Sachlichkeit plädiert und dafür von seinem Kollegen “Paulae” eine sehr gute Note bekommen.
“+1 zu Einpaarcent. Diese LD (Anm. Löschdiskussion) und der Umgang mit der hinter dem Artikel stehenden Person ist eine Schande für die Wikipedia, vielleicht sogar eines ihrer schwärzesten Kapitel. Wie hier selbstgefällig und sarkastisch, sogar darüber hinausgehend hämisch und teilweise bar jeden Anstands gegen einen Autor gehetzt wird und er grundlos der Lächerlichkeit preisgegeben und beleidigt wird, nur weil es aus der Anonymität des Internets und einem mglw. empfundenen Überlegenheitsgefühl möglich ist, ist in der Tat ohnegleichen. Hexenprozesse im Mittelalter kommen mir da in den Sinn. Einige Benutzer, die sich hier gegenseitig mit ihren Kommentaren gepusht haben, sollten in einigen Tagen noch einmal mit Abstand ihre Beiträge lesen und sich ihres Verhaltens hier schämen. –Paulae 10:05, 16. Aug. 2010 (CEST)” - Auch Paulae sei herzlich bedankt für dieses klare Statement, das ich hier schon einmal zitiert habe.
Heute möchte ich einen Satz von Einpaarcent aufgreifen, der mir ebenfalls bezeichnend erscheint. “Wichtiger als das ist mir allerdings die Hoffnung, dass diese “causa” nun wirklich bald ad acta gelegt werden kann. Selten wurde einer doch so wenig interessanten Biografie so viel Aufmerksamkeit geschenkt (die, da bin ich mir sicher, von Wikipedia-Lesern nur selten aufgerufen werden wird). Mich treibt immer noch um, wie das möglich sein konnte, was hier in den letzten Tagen abging. Lasst es uns so schnell wie möglich vergessen. –Einpaarcent 19:53, 27. Aug. 2010 (CEST)”
Der Satz, “selten wurde einer doch so wenig interessanten Biografie so viel Aufmerksamkeit geschenkt”, hätte von mir kommen können. Schon vor zehn Jahren erzählte ich der Autorin Susanne Beck in einem Interview, wie langweilig mein äußeres Leben verläuft:
“S. B.: Noch ein paar Fragen zum Mensch Andreas Mäckler: Wie sieht bei Ihnen ein Tagesablauf aus?
A. M.: Langweilig! Sie wären entsetzt! Morgens um 8 Uhr aufstehen, Frühstück, die Computer in meinen zwei Büros anschalten, schreiben, eMails beantworten, telefonieren, manchmal Projekte mit Kollegen und Auftraggebern besprechen, und wieder schreiben den ganzen Tag bis in die Nacht hinein.”
Allerdings: Mein Innenleben ist alles andere als langweilig. Und ich glaube sogar, liebe Wiki-Autoren, dass auch mein Werk weit spannender ist, es als auf den oberflächlichen Blick hin aussieht. Natürlich hat die heftige Reaktion der Wikipedia-Gemeinde auf diesen Artikel “Andreas Mäckler” vielfach psychologische Gründe, die in den beteiligten Autoren selbst zu suchen sind. Doch muss es auch Gründe geben, die in meinem Werk und in meiner Webpräsentation liegen.
Ich bin der Überzeugung, die Beschäftigung mit meiner geistigen Arbeit ist sehr spannend! Warum sollten sonst so viele Leute - nicht nur bei Wikipedia - darauf reagieren? Polarisieren schafft Spannung und damit Reaktionen. Allerdings, das gebe ich zu, hat mich die Heftigkeit dann schon überrascht. Doch mit dem Ergebnis können alle zufrieden sein: Die Wikipedia-Autoren, die einen guten Artikel geschrieben haben, und ich, weil ich das nicht zu hoffen gewagt hatte. Also dank Ihnen allen!
PS. Seit zwei Jahren bin ich noch einmal Vater einer deutsch-kenianischen Tochter geworden, und damit reise ich jetzt öfters nach Afrika, besonders nach Ugangda und Kenia, um die Eltern und Verwandten meiner Frau zu besuchen und später dort eventuell einmal zu leben. Damit wird vielleicht auch mein äußeres Leben spannender
. Lesen Sie einfach mal hier!
03. September 2010
Eigentlich wäre schon viel früher ein würdigender Artikel über den Kunsthistoriker Prof. Dr. Wolfgang Kemp in der Wikipedia fällig gewesen. So freue ich mich, dass die Artikeldiskussion über Relevanz oder Nicht-Relevanz der Wenigkeit namens “Andreas Mäckler”
dazu geführt hat, dass mein Doktorvater jetzt einen ersten, zur Weiterarbeit einladenden Wikipedia-Artikel bekommen hat. Sehen Sie bitte hier.
Prof. Dr. Wolfgang Kemp ist der Doktorvater meiner Dissertation Die Farbentheorie und Malpraxis der Anthroposophie – Voraussetzungen und Erscheinungsform (Kunsthistorisches Institut Marburg, 1989). Sie wurde 1992 unter dem Titel Lichtoffene Farbigkeit im Novalis Verlag, Schaffhausen, publiziert.
Glücklich war Prof. Kemp über die Wahl meines Themas nicht – es versperre mir die Karriere als Kunsthistoriker an der Uni, zu der ich durchaus befähigt sei, gab er damals zu bedenken. Und er hatte recht! Meine weitere berufliche Vita wäre anders verlaufen, hätte ich ein weniger abseitiges und mehr rationalistisches Thema der Kunstgeschichte gewählt. Es passte nicht zum Kerngebiet von Wolfgang Kemp, dessen Forschungen zur Rezeptionsästhetik mich begeisterten. Andererseits hatte ich als Student der Kunstgeschichte in Marburg nahezu alle Hausarbeiten und Referate mit der Note 1 abgeschlossen und war damit promotionsreif und als Doktorand attraktiv. Ich war Prof. Kemp positiv aufgefallen und mochte ihn - und er mich vielleicht auch in meinem eifrigen Streben. Seit November 1982 sammelte ich zudem an meiner Sammlung zur Definition der Kunst, die fünf Jahre später im Dumont Buchverlag erschienen und sehr erfolgreich geworden ist. Die Arbeit gefiel ihm.
Unser Vorgespräch zum Promotionsthema werde ich nie vergessen, weil es kontrovers verlief. Letztlich bekam ich zwar das Thema durch, doch mein Preis war hoch. Es war nicht nur Prof. Kemps Satz, der mir hängen blieb und der sich später als wahr herausstellen sollte: “Sie werden sehen, für Ihre Forschungsarbeiten zur Kunstgeschichte der Anthroposophen wird Ihnen niemand danken.” So war es dann auch.
Schlimmer für mich war etwas anderes, worüber ich noch nie bisher gesprochen oder geschrieben habe: Nach dem Gespräch während der nachmittäglichen Sprechstunde von Prof. Kemp kaufte ich aufgewühlt eine Kiste Bier und trank in meinem Marburger 1,5-Zimmer-Studenten-Appartement in der Schückingstrasse zigarettenrauchend und sinnierend 8 Flaschen, bis ich früh abends betäubt einschlief (viel Alkohol vertragen habe ich nie).
Am nächsten Morgen wachte ich mit starken Schmerzen im Leber-, Gallen-, Darmbereich auf, die mich seit diesem Frühjahr 1985 bis heute nicht mehr verlassen haben. Kein Arzt und keine modernste Diagnostik konnte sie seitdem organisch lokalisieren oder gar kurieren. Sie ließen nach ein paar Tagen der Abstinenz zwar wieder nach, hörten aber nie ganz auf, bis heute nicht.
Zurück zum Thema. Unsere Diskussion war heftig gewesen, und ich würde heute in allen Punkten Prof. Kemp recht geben: Ich muste damals wohl meine unselige Waldof-Schüler-Vergangenheit aufarbeiten, und sah gleichzeitig kurzfristig ein lukratives publizistisches Feld, das ich dann auch eine Zeitlang erfolgreich beacktern konnte. Geistig überleben oder gar damit eine kleine wachsende Familie ernähren, konnte ich damit jedoch nicht. Heute stehe ich den Anthroposophen kritisch gegenüber und halte den Sekten-Vorwurf bisweilen für gerechtfertigt, aber das ist ein anderes Thema. Meine kleine Tochter (geb. 2008) würde ich in keine Waldorfschule geben, sondern suche nach einer guten Privatschule.
Gleichwohl hat mich Prof. Kemp 1986-1989 immer wohlwollend und fair begleitet und gefördert. Damit ich mir zum Schreiben der Dissertation einen Computer mit Drucker kaufen konnte – er empfahl mir einen “Schneider Joyce” -, lieh Prof. Kemp mir im Frühjahr 1987 den Kaufpreis von 2000 Mark. Ich sehe mich noch heute glücklich den blauen Euroscheck einlösen, den er mir in einem Brief nach Schloss Friesenhausen geschickt hatte. Vierteljährlich hatte ich Zwischenberichte, auf einer Kugelkopf-Schreibmaschine getippt, nach Marburg geschickt, da hatte er wohl Mitleid mit mir. Das geliehende Geld zahlte ich später in vier 500-er-Raten bis zum Rigorosum 1989 zurück.
Als ich Wolfgang Kemp 1990 mein Buch Anthroposophie und Malerei - Gespräche mit 17 Künstlern schickte, antwortete er mir mit folgender Postkarte (bitte klicken Sie auf die Grafik, um sie zu vergrößern):

(Postkarte, undatiert, Herbst 1990)
Hier der Text, falls Sie die Handschrift nicht lesen können: “Lieber Herr Mäckler, vielen herzlichen Dank für Ihren Dumont-Band, in dem ich schon ein wenig gelesen habe. Ich war positiv erstaunt, so interessante Menschen da anzutreffen u. von so seltsamen Institutionen wie der Alanus-Hochschule zu hören. Auch die Fotos waren mit verwundertem Interesse zu betrachten. Eigentlich schön, daß es das alles auch gibt. In den Interviews ist es Ihnen gelungen, die Aussagen faktenreich zu halten oder dahingehend zu komprimieren. Das macht die Sache sehr viel weniger beliebig als meistens bei solchen Interviewsammlungen. Was werden die Leute mit den silberweißen langen Haaren bloß sagen, wenn Sie nächstens mit Helnwein kommen. Können Sie nicht langsam mit Pseudonymen arbeiten? Hier ist das Graduiertenkolleg ausgebrochen, und das nennt man Freisemester.
Beste Grüße Ihres
W. Kemp”
Im Herbst 1990 lebte ich schon in München und arbeitete als Verlagsvolontär, später als Lektor beim Schirmer-Mosel Verlag Prof. Kemp, der hier einige seiner Bücher publizierte und einen guten Kontakt zum Verleger pflegte, hatte mich empfohlen. Auch dafür bin ich ihm dankbar, selbst wenn dieses Arbeitsverhältnis (Frühjahr 1989 bis Frühjahr 1992) nicht lange und harmonisch währte. Lothar Schirmer als Verleger ist ohne Zweifel genialischer Natur, doch als Arbeitgeber nicht von allen Mitarbeitern genießbar gewesen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Wer Prof. Kemp und sein Werk nicht kennt, dem sei versichert: Er ist auch ein feiner Mensch, wie wir ihn nur selten finden. Ich danke ihm sehr. Lesen Sie seine Bücher!
30. August 2010
Normalerweise dümpelte die Klickrate des Artikels “Andreas Mäckler” bei Wikipedia monatlich zwischen 0 und ca. 100 Lesern - also nicht der Rede wert. Doch im August schnellte dank der Löschdiskussion zu diesem Artikel die Besucherzahl beachtlich hoch.
Klicken Sie auf die Grafik, um sie zu vergrößern.

Gezählt wurde nur bis zum 23. August - vielleicht deshalb, weil dann der Artikel wegen Vandalismusgefahr zur weiteren Bearbeitung vorübergehend gesperrt wurde?
Gleichwohl: Der Sturm im Wiki-Wasserglas ist wieder vorüber. Wer sich trotzdem für den statistischen Fortgang interessiert, klicke hier und gebe den aktuellen Monat ein: http://stats.grok.se/de/201008/Andreas_M%C3%A4ckler
Natürlich können Sie sich mit diesem Tool auch die Klickrate jedes anderen Artikels anzeigen lassen.
25. August 2010
In der Artikeldiskussion zu Andreas Mäckler wird u.a. diskutiert, ob ich auch ein Unternehmer sei oder nicht. Nun, das hängt vom Betrachter ab. Ich selbst hätte mich vor der Wikipedia-Artikel-Diskussion zu Andreas Mäckler nie als Unternehmer bezeichnet. Aber man kann es offenbar auch anders sehen.
In den Jahren 2000 bis 2005 war ich “geschäftsführender Gesellschafter” der Sequenz Medien Produktion GmbH in München, meiner Einmann-Gesellschaft mit ein paar ”festen Freien”, die Webpublikationen für Kulturinstitutionen und den Buchhandel anbot - mit mässigem Erfolg. Dagegen lief mein Book-on-Demand-Angebot unter der Marke xlibri.de von Anfang an profitabel, so dass ich diese Marke schnell weiter ausbaute und in die xlibri.de Buchproduktion GbR überleitete, die mich und meine Familie heute noch nährt. 2005 legte ich die GmbH still, aber nicht, weil sie pleite war, wie in der Wikipedia-Diskussion falsch behauptet wird (wie so vieles mehr), sondern einfach deshalb, weil mir der steuerrechtliche Aufwand zu hoch war. Ich habe mich nie für Bürokratie und Geldverdienen im größeren Maßstab interessiert, sonst wäre ich kein Autor geworden, sondern Betriebswirt, Wirtschaftsjurist oder Spekulant.
Eine gewisse Geschäftstüchtigkeit würde ich meinem Leben dennoch nicht absprechen. Ich glaube, Kunst kommt von Realisieren, und deshalb brauchen wir Geld. Ich habe immer nur so viel verdienen wollen, um meine Projekte realisieren zu können, und darüber hinaus etwas mehr, um meine Familie mit drei Kindern von zwei Frauen zu ernähren. Ich wurde mit 20 Jahren zum ersten Mal Vater, da machte ich noch Zivildienst in Marburg und musste mich ins Zeug legen, Passion und Pinke zusammenzubringen.
Als Schüler hatte ich Gedichte geschrieben, die ich heute niemandem mehr zeigen würde. Dennoch ließ ich 1977 rund 200 Exemplare als Heft im “Schnelldruck” drucken und verkaufte sie bei den Abendveranstaltungen in meiner Schule. Das Prinzip war einfach: Ich stellte meinen kleinen Verkaufstisch in die Nähe der Abendkasse und viele Leute glaubten, es handele sich um ein Zusatzangebot zum Programm
. Bald verwiesen mich die lieben Lehrer zwar in eine etwas entferntere Ecke, doch da hatte ich die Auflage inklusive einem 2. Heft schon verkauft.
Nachdem ich im gleichen Jahr (1977) bei einer Fete den Zeichner Dieter Hajek kennengelernt hatte und wir uns von Anfang an bestens verstanden, begann ich seinem Vorbild entsprechend auch Postkarten und Kalender zu zeichnen, drucken zu lassen und vor Uni-Mensas, auf Flohmärkten und Weihnachtsmärkten zu verkaufen - zum Gutteil gemeinsam mit Dieter, der damit u.a. zwei Häuser relativ schnell verdiente. Ich denke gern an unsere Marketender-Zeit zurück, die uns an Wochenenden durch halb Deutschland führte.
Die Umsätze waren auch bei mir groß genug, um mein Studium komfortabel zu machen und meine Promotionszeit 1985-1989 nahezu komplett und nebenbei zu finanzieren. Hinzu kamen die Vorschüsse, die ich ab 1986 für meine 4 Bücher im Dumont Buchverlag bekam: pro Buch waren es 7.000 Mark.
Hier einige Kostproben meiner “Kunst” als “Maler Mäckler” - diese Alliteration zu “Maler Müller” gefiel mir damals:


Ich kann mir schon vorstellen, dass ein derart gemischtes Werk (in den Abbildungen bis Anfang der 90-er Jahre) die Kritiker später irritierte, doch seien sie getröstet: Mit Beginn meiner Münchner Jahre 1989 gab ich die “Floh- und Weihnachtsmarkt-Karriere” auf. Als Zeichner war ich nicht gut genug, und irgendwann interessierte mich die Szene auch nicht mehr. Gleichwohl denke ich gern an diese Zeit zurück. Mag schon sein, dass ich manchmal noch eine unkomplizierte Trödler-Mentalität an den Tag lege - aber bitte: Ist unser Leben und Treiben bisweilen nicht auch ein Flohmarkt? Meine offiziellen Publikationen finden Sie hier.
Diese Karte (Auflage 5.000 Expl.) aus jener Zeit würde ich auch heute noch als mein Lebensmotto bezeichnen:

24. August 2010
Bewunderswert, wie akribisch das Wikipedia-Autoren-Team jetzt an dem Artikel “Andreas Mäckler” arbeitet. Schauen Sie sich einmal den bisherigen Stand der Werksdiskussion an!
Gestern wurde u.a. darüber ausgetauscht, ob und wenn ja, welche lexikalische Relevanz mein Aufenthalt in Schloss Friesenhausen (bei Haßfurt, Ostunterfranken) habe. Dazu möchte ich folgende Geschichte erzählen:
Mein bester Schulfreund W.F., der zwischenzeitlich in Köln lebte, wanderte Ende September 1984 mit einem anderen Freund durch das schöne Hassgau. In einem alten Gasthaus im idyllischen Königsberg (hier wurde Regiomontanus geboren) erzählte ihnen ein älterer Herr, sie sollten weiter nach Friesenhausen ziehen, dort sei ein Schloß mit zwei imposanten Turnierreitern aus Sandstein zu bewundern, deren Pferden die Amerikaner Ende des 2. Weltkriegs die Vorderbeine abgeschlagen hätten, um mit ihren LKWs in die Eingangshalle fahren zu können. Also wanderten W.F. und sein Freund zum Schloß Friesenhausen.
Im Schloßgraben arbeitete der Gärtner und sprach die beiden Studenten an. Nach einiger Zeit öffnete sich oben im 1. Stockwerk ein Fenster und ein alter Herr schaute heraus, neben ihm ein neugieriger Dalmatiner. ”Hier sind zwei Herren”, rief der Gärtner hinauf, “die wollen hier wohnen!”
“Dann sollen sie mal hochkommen”, rief der Herr freundlich hinunter. So begann eine Freundschaft, die bis zum Tod Wolfgang von Eichborns ging.
Am 3. Advent, 15./16. Dezember 1984, machten wir unseren offiziellen Antrittsbesuch bei Wolfgang von Eichborn und seiner Lebenspartnerin Margarethe von Rotenhan. Sonntag morgen besuchten wir die Dorfkirche, wo der Hausherr als Laienprediger sprach. An diesem Wochenende formierte sich der Plan, dass wir im Winter einhüten, während die Bewohner des Schloses im wärmeren Burgund weilten.
Und das taten wir dann auch: Anreise am Aschermittwoch 1985, 20. Februar. Ich seh’s noch vor mir, wie wir in der fallenden Dämmerung durch die eisige Landschaft zwischen Schweinfurt und Freezy fuhren - so nannten wir bald unser neues Heim. Es war saukalt in diesen Tagen, um die -15 Grad und kälter. Sorgfältig, wie mein Freund W.F. war, hatte er vorher dem Gärtner, Herrn Husslein, eine Karte geschickt, dass wir auch tatsächlich zum anvisierten Termin kämen.
Und dann kamen wir ins eisige Schloss - und kein einziger Raum war geheizt! Als wir eintrafen, hantierte Husslein gerade an einem Ölofen in der Bibliothek, das Thermometer zeigte - 7 Grad an. Wir waren irritiert, aber nicht untätig, feuerten Ölofen und Kamin an und holten zwei Matratzen mit einem Berg Decken aus den Schlafzimmern. In unsere Schlafsäcke gehüllt, saßen wir bibbernd, aber nicht unglücklich am prasselnden Kamin, tranken guten Frankenwein (der Hausherr hatte uns extra erlaubt, uns großzüg darin zu bedienen), rauchten und sprachen über Gott und die Welt, bis wir nicht mehr sprechen konnten
.
Am nächsten Tag zeigt das Thermometer bereits 7 Grad Celsius an, es ging also aufwärts. Zum Arbeiten richteten wir uns in einem der ehemaligen kleinen Bedienstetenzimmer im Erdgeschoss ein, das mit einem Kohleofen gut und schnell auf normale Raumtemperaturen gebracht werden konnte, und schrieben konzentriert und munter unsere Hausarbeiten.
Nach Abschluss des Sommersemesters 1985 zog ich dann mit W.F.’s Hilfe am 30. Juli 1985 im Schloss ein (im Bild rechter Flügel Erdgeschoss, vom Baum verdeckt) und hatte eine rund 200-Quadratmeter-Wohnung für mich. Die einzige “Mietzahlung” war, vormittags mit der rüstigen Frau von Rotenhan eine halbe Stunde Tischtennis zu spielen - ich musste ihr die Bälle zuspielen, und sie schmetterte sie in die Ecken und freute sich. Nachmittags gegen 17 Uhr stand eine Stunde “Reversi” auf dem Programm. Manchmal half ich bei den Gartenarbeiten, aber auch das war mehr ein Vergnügen.
In Friesenhausen schrieb ich neben meiner Dissertation und einem Gesprächsband mit anthroposophischen Künstlern die Einführungstexte zu meinen drei Dumont-Zitatensammlungen, die ich bereits während meinem Studium in Marburg angelegt hatte, und arbeitete hier auch an der Herausgabe einer Bettine-von-Arnim-Anthologie, das 1989 erschien, als ich schon zum Verlagsvolontariat nach München gezogen war.
Der Familie von Eichborn bin ich zu großem Dank verpflichtet! Es gäbe noch viele Geschichten zu diesen Jahren in Friesenhausen zu erzählen, aber das ein anderes Mal.
20. August 2010
Mein Respekt vor den Wikipedia-Autoren wächst, seitdem die klugen Kräfte das Ruder übernommen haben und auch zahlreiche Löschaktionen despektierlicher Stellen in der Löschdiskussion vorgenommen worden sind.
Die konstruktive und sachliche Diskussion an dem Artikel “Andreas Mäckler” kann ich nur bewundern und Danke sagen für Ihre Mühe, die Sie sich damit machen! Auch ich muss jetzt anders über meine Leben und Arbeiten nachdenken, da haben Sie mir einen gehörigen (bisweilen drastischen) Anstoß gegeben - auch zur Selbstkritik in Bezug zu meiner Aussendarstellung. Einiges habe ich in den letzten Jahren sicherlich schleifen lassen, weil ich mich nicht mehr damit beschäftigt habe oder auch bisweilen übereifrig und betriebsblind war. Da bin ich durchaus selbstkritisch. Also Danke an die Wikipedia-Autoren.
Diskutiert wurde heute u.a. über den Nachweis zum Preis der Paul-Dierichs-Stiftung 1977, den einer der Autoren im Lexikon der deutschen Krimi-Autoren ausfindig gemacht und in den Artikel eingebaut hatte. Ich habe die Auszeichnung nie in meiner beruflichen Vita angegeben, ausser wohl vor 10/11 Jahren im Krimilexikon (keine Ahnung, was mich da geritten hat). Ich spiele bei der Auszeichnung zwar eine tragende Rolle, aber Hauptperson ist meine Mitschülerin Antje Siebrecht.
Durch die Diskussion darüber heute in Wikipedia angeregt, griff ich ins Archiv und zog den Zeitungsartikel vom 26. September 1977 in der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen (HNA) hervor: „…was ein einzelner vermag“. Paul-Dierichs-Stiftung verlieh zum zweiten Male Preise - Wirken Professor Bodes besonders gewürdigt. Hier sehen Sie unseren Ausschnitt, der Bericht selbst über den Preis und seine Preisträger ist eine Sonderseite lang (bitte klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern):
Von links: Name unbekannt, Andreas Mäckler, Antje Siebrecht, Name unbekannt, Christine Brückner.
Wer den Text nicht lesen kann, hier ist er: “Nach einem Einfall der Schülerin Antje Siebrecht verkaufte die Oberstufe der Freien Waldorfschule für 10.000 Mark Erde, die bei den Bohrarbeiten für den ‘vertikalen Erdkilometer’ bei der ‘documenta’ anfiel. Der Betrag kommt einem Behindertenheim zugute. Die Anerkennungsprämie von je 250 Mark überreichte das Kuratoriumsmitglied, die Schriftstellerin Christine Brückner.”
Ich stehe deshalb anonym mit im Bild, weil ich schon als Schüler künstlerisch engagiert und auch geschäftstüchtig war und Antje von Anfang an massgeblich unterstützt habe, andererseits aber bescheiden genug war, nur als Vertreter meiner Klassenkameraden aufzutreten, und nicht namentlich. Antje, die später selbst eine anerkannte Künstlerin geworden ist, sagte öfters mal, wenn wir über diese frühen Jahre sprechen: “Ohne dich hätte ich es nicht geschafft.”
Gern denke ich an die Zeit zurück: Immer, wenn wir keine Schule hatten, saßen wir Pennäler fröhlich mit unserem kleinen Campingstand am Zaun des Bohrlochs und bekamen jeden Nachmittag von den Bohrarbeitern die aktuelle Bohrlocherde in einem Eimer gereicht. Die Erde füllten wir portionsweise in kleine Reagenzgläser ab (Durchmesser 2,5 cm, Höhe 8 cm), setzen einen Stopfen drauf, trugen mit der Hand die aktuelle Bohrlochtiefe auf ein Etikett ein, klebten das Etikett auf die Reagenzgläser und fertig war unser “künstlerisches” Warenangebot.
5 Mark kostete ein Glas Bohrlocherde. Als einmal Joseph Beuys mit wehendem Mantel vorbeikam und unser Sortiment freundlich signierte, stieg der Preis pro Glas gleich um ein Vielfaches. Leider habe ich davon kein Exemplar, weil Selbstbereicherung bei uns damals verpönt war.
Natürlich hatten wir die Aktion und deren Sinn bei der Stadt und der Documenta-Leitung angemeldet, sonst hätten wir nicht rund 10.000 Mark mit der Erde des umstrittenen Bohrlochs von Walter de Maria zugunsten des guten sozialen Zwecks einnehmen können.
Antje und ich überreichten nach der Preisverleihung dann auch gemeinsam die 500 Mark Preisgeld (250 für Antje, und 250 für uns) einer zweiten Behinderteneinrichtung in Kassel, wo wir von den Kindern und ihren Betreuern mit Kaffee und Kuchen einen Nachmittag lang verwöhnt wurden. Die 10.000 Mark hatten wir vorher schon an das Behindertenheim am Grenzweg in Kassel gespendet.
Soweit meine Geschichte zum Preis der Paul-Dierichs-Stiftung.
18. August 2010
Gnädiger Gott, ich danke Dir! Heute Nachmittag wurde die Löschdiskussion zum Artikel „Andreas Mäckler“ bei Wikipedia aufgehoben. Lesen Sie zur Vorgeschichte des Albtraums mit Happy End bitte hier, damit ich mich nicht wiederholen muss.
In der Wikipedia-Öffentlichkeit einer Löschdiskussion mit groben Beleidigungen und falschen Tatsachenbehauptungen diffamiert zu werden, ist kein Vergnügen. Einer der wenigen besonnenen Wikipedia-Autoren hatte dazu am 16. August resümiert:
“Diese LD (Anm. Löschdiskussion) und der Umgang mit der hinter dem Artikel stehenden Person ist eine Schande für die Wikipedia, vielleicht sogar eines ihrer schwärzesten Kapitel. Wie hier selbstgefällig und sarkastisch, sogar darüber hinausgehend hämisch und teilweise bar jeden Anstands gegen einen Autor gehetzt wird und er grundlos der Lächerlichkeit preisgegeben und beleidigt wird, nur weil es aus der Anonymität des Internets und einem mglw. empfundenen Überlegenheitsgefühl möglich ist, ist in der Tat ohnegleichen. Hexenprozesse im Mittelalter kommen mir da in den Sinn. Einige Benutzer, die sich hier gegenseitig mit ihren Kommentaren gepusht haben, sollten in einigen Tagen noch einmal mit Abstand ihre Beiträge lesen und sich ihres Verhaltens hier schämen. –Paulae 10:05, 16. Aug. 2010 (CEST)”
Trotz mancher Schmerzen hatte die Kritik auch Gutes. Mit Hochdruck überarbeitete ich in meiner Autoren-Homepage alle berechtigten Kritikpunkte, auf die mich Wikipedia-Autoren aufmerksam gemacht haben. Und ich recherchierte weitere Fakten und Referenzen zu einzelnen Büchern.
Eitelkeit ist mir oft in der Diskussion vorgeworfen worden, ich sei ein Selbstdarsteller. Beides stimmt, wenn es um meine Profession als Autor und Publizist geht. Ich achte auf die Qualität meiner Arbeit, egal, ob ich ein wissenschaftliches Buch verfasst oder Kurzkrimis für die Yellow Press geschrieben habe. In unseren Weiterbildungskursen für Autoren und Auftragsbiographen ist Marketing – Kundengewinnung und Publikation biographischer Leistungen – eines meiner Schwerpunktangebote. Seid mutig! Traut Euch! Geht auf die Menschen zu, predige ich unseren Teilnehmern - neben dem unverzichtbaren Handwerkszeug. Stellt Euch und Eure Leistungen korrekt, aber in attraktivem Licht dar. Ein Autor, der für die Öffentlichkeit schreiben will und keine Öffentlichkeit erreicht, hat ein Problem, das er lösen muss! Soetwas ist oft nicht einfach, und vielleicht gibt es deshalb so viele Möchtegerns, Großschwätzer und frustrierte Gestalten in der schreibenden Szene.
Auf der anderen Seite, und das möchte ich gern das Wunder von Wikipedia nennen, gibt es in dieser gigantischen Online-Enzyklopädie auch hervorragende Kräfte, kluge, sachlich-konstruktive Autoren, die engagiert und professionell arbeiten und Qualitäten liefern, vor denen ich allergrößte Achtung und Respekt habe.
Einer dieser guten Geister bei Wikipedia hat sich meines umstrittenen Artikels angenommen, der in der Grundlage tatsächlich kaum wikipedia-gerecht geschrieben war, aber (in meinen Augen) genug Fakten enthielt, um die Relevanz-Hürde zu nehmen und damit eine Basis zur Weiterarbeit - statt zur Löschung - zu bieten. Okay, das ist der Streitpunkt gewesen, der nun zu meinen Gunsten entschieden worden ist, und das habe ich dem guten Wikipedia-Geist zu danken, der mit viel Recherche und zahlreichen Einzelnachweisen, die ich zum Teil selbst nicht kannte, zusammen mit rund fünf weiteren Autoren einen lexikalisch-biographischen Artikel über „Andreas Mäckler“ geschrieben hat, vor dem ich nur meinen Hut ziehen kann.
Danke, guter Geist von Wikipedia!
17. August 2010
Leser dieses Blogs sind der Zeit voraus. Deshalb publiziere ich heute schon meine Laudatio zum Deutschen Biographiepreis, die ich am 24. September halten werde. Warum den Text heute schon publizieren, mag mancher fragen, und den Überraschungseffekt nehmen?
Der erste Grund ist subjektiv: Die aktuelle Wikipedia-Diskussion hat mich wirklich angefressen, nach all meinen Jahrzehnten als professioneller Publizist derart abgekanzelt zu werden. Wer die Laudatio liest, kann erkennen, dass ich mehr als ein “kleiner eitler Selbstverlagsautor” bin und auch mit dem Biographiezentrum mehr Qualität geschaffen habe, als bloß eine Vereinigung von Auftragsbiographen ohne jede Relevanz.
Zum anderen geht der Text ohnehin in den nächsten Tagen im Zuge unserer PR-Arbeit an die Presse, muss also nicht als Geheimpapier behandelt werden. Last but not least sorge ich beim Vortrag für ausreichend Überraschung, so dass keiner bei meiner Rede einschlafen muss, weil er den Text schon kennt.
Laudatio zur Verleihung des Deutschen Biographiepreises 2010
an Prof. Dr. Lutz von Werder und Andrea Richter
Freitag, den 24. September 2010
16 Uhr, Forum der Kardinal-von-Galen Gesamtschule Nordwalde bei Münster,
anläßlich der Eröffnung der 3. Nordwalder Biografietage 2010
Von Dr. Andreas Mäckler, Biographiezentrum
© 2010 Dr. Andreas Mäckler, andreas@maeckler.com
Verehrte Damen und Herren,
ich freue mich, heute bei Ihnen anlässlich der Eröffnung der Biografietage in Nordwalde den Deutschen Biographiepreis 2010 an Andrea Richter und Prof. Lutz von Werder verleihen zu dürfen.
Wir verleihen den Deutschen Biographiepreis zum dritten Mal in zwei Kategorien: als Verlags- und Privatbiographie. Das erste Mal ging der Preis 2008 an die Autorin Alexandra Senfft, die dieses Jahr auch bei den Biografietagen in Nordwalde sein wird, und 2009 an den Regisseur Rosa von Praunheim für seinen autobiographischen Dokumentarfilm Meine Mütter. In der Kategorie Privatbiographie erhielt Dr. Inka Postrach den Deutschen Biographiepreis 2009. Sie ist auch dieses Jahr mit einer Lesung bei den Biografietagen hier in Nordwalde vertreten.
Der Deutschen Biographiepreis ist ein Kollegenpreis des Biographiezentrums, der Vereinigung deutschsprachiger Biographinnen und Biographen, also ein Preis von Biographen für Biographen. Er ist leider noch undotiert, aber gleichwohl möchten wir damit die Wertschätzung einer jeden Lebensgeschichte auf zweierlei Weise fördern: auf der Leistungsebene, indem wir ein hervorragendes Werk der biographischen Publizistik eines Jahres würdigen, und in der privaten, familiären Sphäre. Wir sind der Überzeugtung, ein jedes Leben und seine Geschichte sind wert, wahrgenommen, aufgeschrieben und damit für die Erinnerung nachfolgender Generationen erhalten zu bleiben. Wir glauben, dass jeder von uns bewusster aufwächst und lebt, wenn wir die Lebensgeschichte unserer Eltern und Großeltern, unsere Familiengeschichte kennen. Deshalb fördern wir im Biographiezentrum die Kultur der Privatbiographien – das sind Bücher, die in kleiner Auflage ediert, nur für die Familie, für Freunde und Nachkommen geschrieben werden. Hier suchen wir Werke, die aufgrund ihrer zeitgeschichtlichen und emotionalen Aussagekraft mit etablierten Verlagsbiographien berühmter Menschen mithalten können. Wir glauben, dass der innere Wert einer Lebensgeschichte nicht alleine über ihre Öffentlichkeitswirkung zu definieren sei, sondern vor allem auch über die Wirkung, die sie beim Lesenden oder Zuhörenden ausübt.
Schauen Sie sich daher bitte unsere Ausstellung der ausgezeichneten Bücher des Deutschen Biographiepreises der letzten Jahre an! Wir legen größten Wert auf eine bestmögliche Verbindung von Inhalt und Form, gerade bei den Privateditionen, die ein Familienschatz sind, der von Generation zu Generation weitergegeben werden kann.
Deshalb bin ich stolz auf Andrea Richter! Sie hat 2009 nicht nur mit Bravour unseren ersten Ausbildungsgang zur Biographin in der Akademie des Biographiezentrums absolviert und als Abschlussarbeit eine herausragende Privatbiographie eingereicht, sondern anschließend zusammen mit Oberstleutnant a.D. Andreas Timmermann-Levanas ein Buch geschrieben, das vor wenigen Tagen im Campus Verlag erschienen ist und ebenfalls hier bei den Biografietagen vorgestellt wird. Ich bin mir sicher, ihr Buch mit dem Titel Die reden – Wir sterben: Wie unsere Soldaten zu Opfern der deutschen Politik werden – ein Buch über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr, das auch zahlreiche Einzelschicksale biographisch behandelt – wird in Politik, Bundeswehr und Medien Aufmerksamkeit erregen.
Ich bin deshalb auch stolz auf die Autorin Andrea Richter, weil ich mir einbilden darf, unsere Studenten in der Akademie des Biographiezentrums für aktuelle biographische Themen sensibilisiert und ihnen das Handwerkszeug mit auf den Weg gegeben zu haben, solche Themen zu finden, aufzuarbeiten und erfolgreich anzubieten. Ich wünschte mir, alle unsere Absolventen wären so erfolgreich! Da empfinde ich wahrscheinlich ähnlich wie alle Lehrer hier im Saal.
Wir vom Biographiezentrum sind glücklich über diese Privatbiographie im Umfang von 386 Seiten, die Andrea Richter für ihre Mutter Elisabeth geschrieben und in kleiner Auflage ediert hat. Diese Biographie von Elisabeth Richter ist so hervorragend geschrieben und als Buch gestaltet worden, dass sie mit dem Deutschen Biographiepreis 2010 geradezu ausgezeichnet werden muss!
Schauen wir in das Buch hinein: Eine junge Münchnerin im Jahr 1934. Wie kommt sie zum Studieren nach Kanada und in die USA, 1936 zu einer West- und Weltreise durch den amerikanischen Kontinent, über den Pazikfik und durch ganz Ostasien? Und wie kommt sie Jahre später, Anfang 1945, von Siebenbürgen/Rumänien für dreieinhalb Jahre als Kriegsgefangene nach Russland, in ein ukrainisches Kohlebergwerk in einen Schacht auf 800 Meter Tiefe?
Zwei Leben? Ein höchst ungewöhnlicher Lebensweg rund um den Globus, den Elisabeth Richter vor 70 Jahren in Briefen, Tagebüchern und Fotos zeitnah dokumentierte und jetzt, im Alter von 95 Jahren, mit ihren Erinnerungen angereichert hat. Ihr präziser, persönlicher, humorvoller und auch kritischer Blick zeigt ein Leben der Extreme – zwischen Freiheit und Zwang, Abenteuerlust und Überlebenskampf.
Es ist das Lebensbild einer starken und mutigen Frau. Ein Heldenreise.
Hier schließt sich der Kreis zu dem Preisträger in der Kategorie Verlagsbiographie, Prof. Lutz von Werder, für sein Buch Die Welt romantisieren. Wie schreibe ich meine persönliche Mythologie?, das 2009 im Schibri-Verlag Berlin-Milow erschienen ist – ein biographischer Ratgeber, den wir mit unserem Preis ebenso würdigen. Gäbe es den Deutschen Biographiepreis für ein Lebenswerk im Dienste des biographischen Schreibens, hätte Lutz von Werder als Vater der deutschen Schreibwerkstättenbewegung diesen Preis mehr als verdient. Alle, die kreatives und biographisches Schreiben lehren oder praktizieren, haben ihm und seinen Büchern viel zu verdanken! Doch ich möchte den Jubilar mit einer Auszeichnung für sein Lebenswerk nicht ängstigen, vermittelt es doch immer auch ein gemischtes Gefühl, als sei damit in der Außenwirkung das eigene Leben und Schaffen abgeschlossen, während man selbst sich noch in voller Schaffensblüte fühlt.
Lutz von Werders Bücher zum kreativen und autobiographischen Schreiben sind eine Quelle der Inspiration. Sie nicht durchzuarbeiten heißt, die eigene Biographie in ihrem Facettenreichtum nur ungenügend auszuloten. So widmet sich sein neues Werk, das wir heute mit dem Deutschen Biographiepreis 2010 auszeichnen, der Heldenreise unseres Lebens.
Bestimmt haben auch Sie manchmal das Gefühl, Ihr Leben sei tiefer und kostbarer, als das tägliche Allerlei im Hamsterrad vermuten lässt. Diesen tiefen Wunsch nach Größe und Bedeutung, den der winzige Mensch im Universum seit Angedenken hegt, formuliert Lutz von Werder in seinem neuen Buch zeitaktuell: „Das Problem ist, viele Menschen sind heroischer als sie denken. Die heutige Welt braucht heroische Menschen, die angesichts größter Herausforderungen sich als Helden des Alltags erkennen und wissen, dass sie auf der Heldenreise für Männer wie für Frauen unterwegs sind.”
Manche Menschen glauben, wenn sie von dem Thema der Heldenfahrt hören, es ginge darum, wie im Karneval sich ein Heldenkostüm überzustülpen und als Superman oder Supergirl im Getümmel aufzutauchen. Das ist auch eine nette Form der Heldenreise. Es gibt sogar einige Übungen in dem Buch, mit denen die Lesenden schreibend in der Rolle ihrer Lieblingshelden agieren können: Manche Männer mögen gern Winnetou oder James Bond sein, Frauen gefallen sich in der Rolle der Amazone oder Mutter Teresa. Junge Leute stehen eher auf Lara Croft oder Luke Skywalker aus dem Krieg der Sterne. Jede Generation hat ihre Helden, die andere Namen und Gestalt haben, im typologischen Kern aber sehr ähnlich sind, denn in unseren Träumen, Sorgen und Nöten – in unsere mythopsychischen Struktur – sind wir Menschen eins.
Was tun in der Krise, wenn der Lebenssinn verloren gegangen scheint? Brechen Sie auf, machen Sie sich auf den Weg. Jede Heldenreise ist auch eine Suche nach dem Sinn des eigenen Lebens! Dazu ermutigt Lutz von Werders Buch. Unterwegs begegnen Ihnen spannende Figuren und Symbole: Götter und Engel, Suchende, Krieger, Tänzer und Lacher, die Hexe, der Narr… und viele faszinierende Persönlichkeiten mehr! Nachtmehrfahrten und lichte Höhen erwarten Sie, Höllen und Himmel – und das Spannende daran ist: All das ist in uns selbst, in unserer Lebensgeschichte verborgen. Sie aufzudecken und zu beschreiben, positive Lebensziele setzen und erreichen, sind Grundprinzipien der Heldenreise, wie sie in diesem hilfreichen Ratgeberbuch von Lutz von Werder angeleitet werden: „Schreiben Sie Ihren Tageslauf zwei Mal, zum ersten ganz banal: die Fakten vom Aufstehen bis zum Ins-Bett-Gehen. Den zweiten Tagesablauf verwandeln Sie dann in ein Geheimnis. Beschreiben Sie möglichst viele Aspekte der Begegnung mit dem Geheimnisvollen.”
Unser Leben ist voller Potential, Überraschungen, Wunder und auch Wunden, die wieder heilen können. Mit dem Deutschen Biographiepreis 2010 danken wir Andrea Richter und Prof. Lutz von Werder für ihre Bücher, die uns Vorbild geben, die eigene Lebensgeschichte mit neuen Augen zu sehen und zu gestalten. – Vielen Dank.
14. August 2010
Als ich mir die Webanalyse vom Mittwoch, den 11. August anschaute, staunte ich nicht schlecht, dass an diesem Tag von Wikipedia 71 Besucher gekommen waren, und zwar direkt oder indirekt über den Weblink des Artikels Andreas Mäckler.
So viel “Ehre” wäre wirklich nicht nötig gewesen, dachte ich mir und dachte nichts böses. Doch auch in den folgenden Tagen war der Traffic von Wikipedia auf meinen alten Artikel Wikipedia und die lexikalische Unsterblichkeit groß. Deshalb schaute ich heute bei Wikipedia nach, was die Ursache sein könnte und fand sie, nicht nur in der Löschdiskussion zum Artikel “Andreas Mäckler”.
Die Artikel “Biographiezentrum” und “Deutscher Biographiepreis” waren bereits mit dem Argument der Irrelevanz aus der Wikipedia gelöscht worden, jetzt sollte es mir und meinen Büchern ans Leder gehen. Deshalb meine Empfehlung an Sie, liebe Leser: Genießen Sie einmal in Ruhe das Niveau der Wikipedia-Löschdiskussion zu dem Artikel “Andreas Mäckler” und auch die erläuternden Kommentare zu meinem Artikel der “Wikipedia-Unsterblichkeit”. Ist schon bemerkenswert, in der Wikipedia als “Arschloch” tituliert, bzw. in dessen Nähe gebracht zu werden!
13. August 2010
Nettes kleines Portrait meiner Mutter, aufgezeichnet von Hedi Delfino in der Johanneshaus Rundschau (Frühjahr 2010), die 4 x jährlich vom Johanneshaus Öschelbronn - Zentrum für Lebensgestaltung im Alter herausgegeben wird. Am 9. Juli 2010 haben wir den 86. Geburtstag unserer Mutter gefeiert, die immer noch sehr aktiv ist, wie Sie hier lesen können.
Eine Stille im Lande
Von Hedi Delfino, Bewohnerin
Schon früh morgens strebt Ilse Mäckler mit schnellen, energischen Schritten von ihrer Wohnung durch den Park zum Haupthaus – man merkt, dass sie ein arbeitsreiches und ausgefülltes Leben hinter sich hat als Apothekerin mit einer eigenen Apotheke, einer Familie mit drei Kindern und vielen Enkeln. Sie macht nicht viel Aufhebens von ihrer segensreichen Tätigkeit für das Haus und arbeitet in der Stille – eigentlich ist es ihr gar nicht recht, dass ich sie um ein Interview bitte.
Vor dreißig Jahren lernte sie das Johannneshaus kennen, als eine Freundin hier zur Probe wohnte und auch sie hier eine Woche Urlaub machte. Danach war sie regelmäßig als Gast im Johanneshaus und half schon in dieser Zeit auf den Pflegestationen bei der Betreuung der Bewohner. Nach dem Tod ihres Mannes zog sie dann vor 17 Jahren hierher und beschäftigt sich seither intensiv mit der Arbeit auf den Stationen. Sie ist seit 3 Jahren als Mitglied des Heimbeirats eine der vier Persönlichkeiten, die sich die Betreuung in den Pflegestationen aufgeteilt haben und kümmert sich um die Bewohner der Station III/5. Durch diese Beschränkung ist gewährleistet, dass die Betreuer zu den Bewohnern enge persönliche Bindungen aufbauen können. Im Laufe der Jahre betreute sie täglich mehrmals insgesamt sechs Bewohner, denen sie Essen reicht, mit denen sie spazieren geht, soweit es ihre Kräfte noch erlauben, die Rollstühle zu schieben, sie liest vor, singt und betet und tut alles, was notwendig ist – nur die finanzielle Verantwortung überlässt sie anderen.
Während der Jahre ihrer Betreuertätigkeit hat sich die Bewohnerstruktur erheblich verändert - die Leute, die auf die Pflegestationen kommen, sind wesentlich älter, unterschiedlicher Herkunft und haben andere geistige Interessen – man hat oft fast den Eindruck, es handele sich um ein Hospiz. Frau Mäckler ist es ein besonderes Anliegen, dass sich in den Fällen, in denen keine oder nur entfernt wohnende Angehörige vorhanden sind und die Pflegebedürftigen selbst nicht mehr in der Lage sind, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu äußern, jüngere Leute zur Verfügung stehen sollten. Sie könnten sich im Notfall gemeinsam mit dem von Herrn Schott geleiteten Kreis der ehrenamtlichen Helfer sowie dem Kreis Sterbebegleitung um alles kümmern. In der letzten Zeit sind einige neue Mitglieder nach der Auflösung einer Gruppe ehrenamtlicher Helfer in Mühlacker hinzugekommen, die diese sehr zeitaufwändige Tätigkeit mit übernehmen, die von den Mitarbeitern nicht geleistet werden kann.
Ilse Mäckler interessiert sich besonders für die Biografie-Arbeit und lebt sich innerlich in die bisherige Biografie und jetzige Situation ihrer Schützlinge ein, ohne darüber Berichte zu verfassen. Sie fragt sich und ihr Gegenüber nach dem Warum und versucht Antworten zu finden darauf, wie man dem Menschen in seiner Situation helfen kann. Es ist oft nicht leicht, sich so völlig darauf einzulassen, aber dann auch wieder die Kraft zu finden, sich daraus zurückzuziehen. Auf den Formblättern bei der Aufnahme der Bewohner werden eigentlich nur äußere Dinge abgefragt, nicht aber das Wesentliche, was die Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion ausmacht. Das kann nur in der persönlichen Begegnung und in langen Gesprächen erfahren werden. Ilse Mäckler hat die Gabe, in ihrer selbstlosen und zurückhaltenden Art viel Gutes zu tun - dafür sei ihr Dank gesagt, auch wenn sie diesen mit aller Bescheidenheit abwehrt.
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Und hier noch ein Foto der Jubilarin mit ihrer Enkeltochter Anelia:

19. Juli 2010
Wie heißt es so schön: “Das Biographiezentrum Schweiz ist tot”, es lebe das “ActiVantis Biographiezentrum”? Als ich heute routinemässig bei www.swissreg.ch nachschaute, was Rita-Norma Schulthess in Sachen “Biographiezentrum Schweiz” neues ausgeheckt hat und ob ihre “hängiges Gesuch” zur Markenanmeldung “Biographiezentrum Schweiz” inzwischen abgelehnt worden ist, konnte ich einerseits durchatmen: Ja, die Eidgenossen, die derzeit ohnehin den Mißbrauch der Marke “Schweiz” verstärkt ins Visier nehmen, wie man an aktuellen Debatten verfolgen kann, haben das Markengesuch von Rita Schulthess offenbar gelöscht - zumindest ist es derzeit nicht mehr recherchierbar. Doch dafür sehen wir jetzt staunend seit dem 11. Juni 2010 ein neues - wiederum “hängiges Gesuch”: “ActiVantis Biographiezentrum”.
Nun ist gegen einen originellen Markennamen nichts einzuwenden, wie ActiVantis einer ist, doch warum Rita N Schulthess nach all den Auseinandersetzungen, nicht nur hier im Blog und demnächst auf juristischer Ebene, keinen originellen Zusatz für ihr neues ActiVantis-Angebot gefunden hat, bleibt mir unverständlich. Warum wieder “Biographiezentrum” klauen, den Namen der größten und bekanntesten Vereinigung deutschsprachiger Biographen? Glaubt sie, Rechtsstreitigkeiten wegen Unlauteren Wettbewerbs, Urheberrechtsverletzungen etc. gegen die rund 60 Mitglieder des Biographiezentrums gewinnen zu können? Und wofür der ganze Aufwand? Haben wir nichts besseres zu tun, als zu prozessieren?
Besonders erstaunt mich jetzt, was ich über den neuen Handelsregistereintrag von Rita Norma Schulthess unter http://www.webofant.ch/hrdetail.asp?fid=CH28010132194 lese:
“Franchisegeberin für das Markenrecht ‘ActiVantis Biographiezentrum’ an Franchisenehmer in der Schweiz, Deutschland und Österreich”
Ich glaube es wirklich nicht! Wie kann man etwas anbieten, das man nicht hat? Und an gleicher Stelle ist weiter unten zu lesen: “Betreiben und Leitung des Biographiezentrums.”
(Klicken Sie auf den Screenshot, um den Text lesen zu können.)

Liebe Rita-Norma Schulthess: Das geht langsam entschieden zu weit! Das Biographiezentrum leiten seit 2004 Stefan Schwidder und ich. Zudem agieren Sie gegen geltende Franchise-Gesetzgebungen, auch in der Schweiz - würde ich mal vermuten. Firmen, die Franchise anbieten, müssen u.a. den wirtschaftlichen Erfolg ihres Angebots in eigenen Musterbetrieben vor dem Franchising beweisen können. Machen Sie sich darüber mal schlau! Ihre Kunden werden sich ausserdem bedanken, etwas bei Ihnen zu kaufen, das anwaltliche Abmahnungen, Gerichtsstreitigkeiten und jahrelang viel Ärger ins Haus bringt, statt Freude und Verdienst.
Hören Sie auf, Frau Schulthess, uns weiter zu plagiieren! Nehmen Sie einen anderen Namen für Ihr neues Unternehmen! “ActiVantis” ist eine durchaus gute und unverwechselbare Marke, warum verderben Sie sich Ihren guten Namen mit solchen schmutzigen und dumm anmutenden Aktionen? Wie wäre es mit “”ActiVantis Biografien”, so wie “Rohnstock-Biografien”? Die Firma hat vor Jahren mit mässigem Erfolg eine eigene Form der Auftragsbiographik als Franchising angeboten und ihr Angebot wohl wieder eingestellt (korrigiert mich, liebe Leser, falls ich irre) - doch umstritten oder nicht: Der Unterschied zu Ihnen, Frau Schulthess, ist der, dass Katrin Rohnstock seit 1998 die neue Auftragsbiographen-Branche - aus den USA kommend - in Deutschland maßgeblich begründet hat, unbestreitbare Kompetenzen und Referenzen besitzt, die ich bei Ihnen, Frau Schulthess, selbst im Grauzonen-Bereich vermisse! Ich würde mich schämen an Ihrer Stelle!
Um es klar zu sagen: “Biographiezentrum” ist kein frei verfügbarer Allgemeinbegriff wie “Seniorenzentrum” etc., sondern ein Name, den wir seit 2004 entwickelt und aufgebaut haben und der in zahlreichen öffentlichen Verzeichnissen und Publikationen dokumentiert ist. Referenzen unserer Mitglieder des Biographiezentrums und des Verlags des Biographiezentrums finden Sie auch hier.
Von den ca. 8.740 Einträgen bei Google hängen nahezu alle Einträge zum Suchbegriff Biographiezentrum mit unserer Vereinigung deutschschprachiger Biographinnen und Biographen zusammen. Ihre kleine unrühmliche Rolle darin, Frau Schulthess, als “Franchising” zu Markte tragen zu wollen, ist wohl eher ein Beitrag zur Realsatire, oder meinen Sie das, was Sie tun, ernst?
Zur Information der Leser: Frau Schulthess liest meinen Biographieblog und unsere Angebots- und Ausbildungskonzepte offenbar intensiv, so auch diese Artikelserie. Am 10. Juni 2010 mailte sie mir: ”Ferner weise ich Sie darauf hin, dass Sie vorsichtig über mich in Blogs schreiben. Sonst müsste ich einen Anwalt beziehen.”
Ja, dazu wird es ohnehin kommen mit Ihrem zweifelhaften Geschäftsgebahren, Frau Rita N Schulthess … Ich habe schon viele (gescheiterte) Geschäftsgründungen in der neuen Privatbiographenbranche gesehen, aber noch keine, die so dreist und dilettantisch gestartet wurde, und das dann anderen Menschen als Franchise anbieten, grenzt schon an - na, was wohl?
Bezeichnend ist ja auch, dass Rita Norma Schulthess zu keiner öffentlichen Stellungnahme über ihr Tun hier bereit ist, obwohl sie Marken anmeldet und Handeslregistereinträge macht - also öffentlich agiert und unseren Namen Biographiezentrum trotz guten Zuredens weiterhin für sich exklusiv nutzen will (exklusiv deshalb, weil ja sonst eine Markenameldung keinen Sinn macht).
Da frage ich mich: Warum nicht gleich zum Nachbarn gehen und ihn aus seinem Haus werfen? Oder eine Bank überfallen? Oder sonstwo stehlen, lügen und betrügen? Lesen Sie dazu nochmal Rita-Norma Schulthess’ Mail vom 8. Juni 2010, wie sie in Anmerkung 3 auch im ersten Artikel zum “Biographiezentrum Schweiz” zu lesen ist und ind er sie uns verspricht, die Domain www.biographiezentrum.ch zurückzugeben - ohne ihr Versprechen dann einzuhalten:
Rita N. Schulthess
Da kann sich jeder Leser selbst seine Gedanken machen, wessen Geistes Kind die Dame ist…
28. Juni 2010
Erste Informationen, Screenshots und Kommentierungen zum Thema “Biographiezentrum Schweiz” finden Sie hier: http://www.meine-biographie.com/?p=3897
Eine Stellungnahme der Betreiberin dieses Falls von Namensklau und Domaingrabbing, Rita-Norma Schulthess und ihrer activantis GmbH, steht noch aus. Am 5. November 2009 hat sie - wie man unter www.swissreg.ch recherchieren kann - beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum die Marke “Biographiezentrum Schweiz” angemeldet - wenn das keine Form des “Geistigen Diebstahls” ist …
Den Inhalt der Domain www.biographiezentrum.ch hat Rita N Schulthess inzwischen aus dem Netz genommen und die Domain an ihren Webmaster übertragen.
Wir, das Biographiezentrum - Vereinigung deutschsprachiger Biographen (gegründet 2004), werden als Geschädigte fristgerecht gegen die Markenanmeldung Einspruch erheben, sobald das “hängige Gesuch” beendet und die Marke publiziert worden ist, sowie weitere rechtliche Schritte in die Wege leiten.
Eventuell lasse ich Rita Schulthess auch für den Plagiarius 2011 nominieren, den der Ulmer Designer Rido Busse 1977 iniitiert hat und der jährlich die dreisteste Produkt- und Markenfälschung auszeichnet. Rido Busse lernte ich vor rund 12 Jahren kennen, als ich für meinen Designerkrimi Tödlich kreativ recherchierte. In der Figur des “Rido Valcke” habe ich den renommierten Formkünstler portraitiert.
16. Juni 2010
Heute ist ein schöner Tag! Eben brachte mir der Briefträger ein Belegexemplar des neuen Handbuchs für Autorinnen und Autoren von Sandra Uschtrin, das nun in 7., völlig überarbeiteter und erweiterter Auflage vorliegt. Hatte ich schon in der vorigen Auflage den Artikel über Books on Demand und das Geschäft mit Autoren geschrieben, durfte ich nun noch einen zweiten Artikel beisteuern: Privatbiographien schreiben.
Besonders freut mich, dass auch meine beiden Kolleginnen Claudia Cremer und Kerstin Murmann mit einem fundierten Artikel vertreten sind: Berufsbild Biograph/Biographin: das Leben anderer Menschen aufschreiben. Das macht mich sehr glücklich, schreiben sie doch auch positives über unsere Ausbildungskurse im Biographiezentrum, an denen sie teilgenommen haben. Erfolgreiche Absolventen sind die beste Referenz! Mein Freund und Partner in der Leitung des Biographiezentrums, Stefan Schwidder, ist ebenfalls mit einem Beitrag zu seiner langjährigen Seminartätigkeit dabei.
“Seit 25 Jahren: Das Standardwerk” steht auf dem Buchrücken, und das kann ich nur unterstreichen! Sollte ich die 10 wichtigsten Bücher meines Lebens auflisten, Sandra Uschtrins Handbuch wäre mit Sicherheit dabei. Seit der 2. Auflage hat es mein Autorendasein nicht nur begleitet, sondern beflügelt und mir geholfen, mich stetig in meiner Arbeit zu professionalisieren. Ich glaube, es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, dass ich ohne Sandras Handbuch nicht so weit gekommen wäre. Vor allem in meinen frühen Jahren als Autor hat es mir sehr geholfen, die bei mir 1987 begonnen haben mit meinem Buch Was ist Kunst…? (Dumont Buchverlag, inzwischen zahlreiche Auflagen und immer noch auf dem Markt).
Dieses Handbuch sollte jedem Autor schon in die Wiege gelegt werden!
Doch nicht nur frische und fröhliche Autoren-Aspiranten, auch alte Hasen wie ich finden in dem 704-seitigen Monumentalwerk so viel Neues, dass sie sich wünschten, wieder jung zu sein (und das nicht nur im Herzen).
Auf die nächsten 25 Jahre, Sandra! Viel Erfolg und noch mehr Dank!
www.uschtrin.de
28. Mai 2010
Arno Funke, besser bekannt als Kaufhauserpresser Dagobert, lernte ich im Juni 2007 kennen. Da heiratete mein Freund, der Regisseur Rudolph Herzog, (Sohn des Regisseurs Werner Herzog) auf der Insel Patmos, und einer der rund 150 Gäste war Arno Funke: ein stiller, sehr sympathischer Mensch, der drei Jahre zuvor in Rudolphs Trilogie THE HEIST (Channel 4) mitgespielt hatte: eine spannende Versammlung hochkarätiger Gangster, die unter Reality-TV-Bedingungen das bzw. die “perfekte(n) Verbrechen” in Szene setzten.
Schade, dass ich mich damals auf Patmos mit Arno Funke nicht fotografieren ließ, dann könnte ich jetzt den Schnappschuss zweier mittelalterlicher Männer in Shorts zeigen. Über seine Jahre als Dagobert habe ich ihn auch nicht befragt. Tagsüber lagen wir wechselnd an einem der schönen Strände der Insel und abends gab es kulinarische Köstlichkeiten, da stand uns nicht der Sinn, über Professionen zu sprechen. Arno Funke hatte ohnehin alles, was es zu seinem Thema zu sagen gibt, ausführlich zu Papier gebracht.
Schön, dass es die spannende Autobiographie wieder in einer nahezu unveränderten 3. Auflage im Handel gibt! Eine Zeitlang wurde in der Politik ja darüber debattiert, ob es rechtens sein könne, dass Straftäter mit ihrer Autobiographie als Film und Buch auch noch Geld verdienen dürften, ganz nach dem Motto: “Crime does not pay.”
Um es gleich zu sagen: Dagoberts Autobiographie ist eine der spannendsten und facettenreichsten, die ich gelesen habe. Unbedingt empfehlenswert auch für Leute, die gerne Krimis lesen! Ob Kriminalität - wie bei Arno Funke - aus der Not geboren wird, oder - wie all die Wirtschaftsverbrecher in der “Bankenkrise” derzeit demonstrieren - aus dem Überfluss und dem “den-Hals-nicht-voll-genug-kriegen-Können”, sei dahingestellt. Arno Funkes Buch regt auch zum Denken an.
Aus der Verlagsinformation: Kaufhauserpresser »Dagobert« gilt ohne Zweifel als Deutschlands populärster Nachkriegsganove. Jahrelang hatte er die Spezialisten des Bundeskriminalamtes und Tausende Polizeibeamte mit raffinierten technischen Tricks in Atem gehalten. Da bei seinen Anschlägen nie jemand ernstlich verletzt wurde und seine Aktionen von Witz und Humor zeugten, gewann er zunehmend die Sympathien der Öffentlichkeit.
Von den Medien angeheizt, kursierten die abenteuerlichsten Spekulationen darüber, wer sich hinter diesem modernen »Hauptmann von Köpenick« verbarg. Als das Rätsel bei seiner Verhaftung am 20. April 1994 gelöst wurde, war die Überraschung groß: Es war der 43-jährige Schildermaler Arno Funke aus Berlin-Mariendorf, der in seiner Hobbywerkstatt all die einzigartigen Geräte und originellen Geldübergabetechniken erdacht hatte. Kein Wunder, lag sein Intelligenzquotient doch bei überdurchschnittlichen 145.
Nach seiner Verurteilung zu neun Jahren Haft hat Funke in seiner Einzelzelle Rechenschaft abgelegt und in verblüffender Ehrlichkeit und sprachlicher Gewandtheit seine ungewöhnliche Geschichte aufgeschrieben. Sie spiegelt auf ihre Weise ein Stück jüngster deutscher Zeitgeschichte.
26. Mai 2010
Ich habe es ja schon angedeutet: Mit seinem Schopenhauer-Roman - historisch, biographisch, fein gezeichnet in Dichtung und Wahrheit - ist Christoph Poschenrieder zu meinem Lieblingsautor geworden. Sein Debüt zu lesen oder eine seiner Lesungen zu besuchen, wie jüngst am 6. Mai 2010 in Weilheim/Oberbayern, vergnügen Geist, Phantasie und Sprachkunst. Besuchen Sie Christoph Poschenrieders Homepage: www.poschenrieder.de

Foto: Michael “Mikeman” Weinreich, Weilheim. 6.5.2010
Unser gemeinsamer Freund Tomski (Thomas Soyer, SZ) hat die Faszination gestern in einer Mail auf den Punkt gebracht:
“christoph schafft es mit seinem wunderbaren text, in kürzester zeit inneres kino bei den leuten zu erzeugen.
da sitzt jede beobachtung, die sprache ist erstaunlich frisch und kraftvoll, obwohl ungemein differenziert. ich bewundere ihn auch sehr dafür, hab es ihm auch mehrfach gesagt.
um es mal so zu sagen: da hätt ein thomas mann noch was lernen können.
poschenrieder liest sich weit weniger anstrengend, obwohl er ein ähnliches literatur-qualitätsgefühl hinterlässt beim leser.
und das ist für die meisten autoren unerreichte kunst!
docmäc wird’s bestätigen.”
Das tue ich gern! Am 18. März 2010 hat Christoph auf der Leipziger Buchmesse ein facettenreiches Interview über seine Arbeit an dem Roman gegeben, das jetzt auch online zu lesen ist. http://www.belletristiktipps.de/archives/612
PS. Hier noch ein Foto von der ausverkauften Lesung am Dienstag, 4. Mai 2010, in der Vinothek “Marcipane” in Münsing (bei München). So stelle ich mir das Trinkerparadies - nicht nur für Autoren - vor…

08. Mai 2010
Eben bekam ich einen Schreck. Ich schaute im Archivregal nach, wann ich für Mediakonzept Karmann in München das Drehbuch zum Dokumentarfilm „Wissen ohne Ende – Brockhaus und Meyer – Vom Lexikon zu Multimedia“ geschrieben hatte: 1998 (Deutsche Welle TV). Also vor rund zwölf Jahren – so lange ist es her, dass ich Christoph Poschenrieder kennengelernt habe.
Christoph hatte als Drehbuchautor bei Fritz Karmann bereits einige Dokumentarfilme geschrieben, die mir Vorbild waren (darunter „Das Jahrhundert der Technik“, BR 1998). Als Neuling hatte ich damals keine Ahnung vom Film-Business und vom Drehbuchschreiben, und Christoph half mir mit guten Tipps, das Drehbuch in gute Form zu bringen. Es blieb mein einziges – die Filmwelt war nicht meine Welt, wie sich schnell im Laufe der Zusammenarbeit mit der Filmproduktion zeigte. Ich glaubte an den Autor und dessen maßgeblicher Instanz für die Produktion, wurde jedoch rasch belehrt, dass er in diesem Gewerbe zumeist kaum mehr als ein Wasserträger ist. Dazu hatte ich keine Lust.
Zwei Punkte erscheinen mir heute bezeichnend: Christoph hatte schon damals ein aussergewöhnliches Sprachvermögen, mit dem er mir kollegial und unprätentiös half, Unzulänglichkeiten im eigenen Skript auszubügeln, und er unterstützte mich bei der Recherche. Er machte mich auf die Verbindung des Philosophen Arthur Schopenhauer zu F. A. Brockhaus aufmerksam, und auf Schopenhauers Wutbrief an den Verleger. „Es liegt am Tage, dass bei Ihnen Wort und That, Versprechen und Halten, zwei sehr verschiedene Dinge sind. […] Ich habe nicht des Honorars wegen geschrieben, wie die Unbedeutsamkeit des Selben von selbst beweißt; Sondern um ein lange durchdachtes und mühsam ausgearbeitetes Werk, die Frucht vieler Jahre, ja eigentlich meines ganzen Lebens, durch den Druck zur Aufbewahrung und Mitteilung zu bringen. Woraus folgt, daß Sie nicht etwa mich anzusehen und zu behandeln haben wie Ihre Konversationslexikons=Autoren und ähnliche schlechte Skribler, mit denen ich gar nichts gemein habe als den zufälligen Gebrauch von Tinte und Feder.“
Dieses Zitat Schopenhauers aus dem Jahr 1818 fügte Christoph auch in die Eingangsszene seines Romans ein: Die Welt ist im Kopf, der am 27. Februar 2010 im Diogenes Verlag erschienen ist.
Ein wenig erschüttert bin ich, dass die zwölf Jahre mindestens auch die Arbeitsjahre sind, in denen Christoph Poschenrieder an diesem, seinem ersten Roman, gearbeitet hat – völlig gegen den Trend des Quick and Dirty, der schnellen Produktion und Konsumption von Literatur (und Film). Doch herausgekommen ist ein wunderbares Buch! Christoph Poschenrieders Debüt liest sich von der ersten Seite an wie ein filigranes Meisterwerk des frühen 19. Jahrhunderts, das die Zeiten überdauern kann. Es wäre kaum verwunderlich, wenn der Roman verfilmt würde, so visuell und szenisch ist er geschrieben. Ein Genuß zu lesen!
Aus der Verlagsinformation: „Genug studiert – nun will er leben: Eine monatelange Reise führt den jungen Arthur Schopenhauer von Dresden nach Venedig, von Goethe zu Lord Byron, über schroffes Gebirge und weite Täler ins Labyrinth der Kanäle, in den Strudel der Wirklichkeit – und zu Teresa.“
02. März 2010
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