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Als ich im Jahr 2002 bei einem Symposium an der Frankfurter Uni über die Rematerialisierung digitalisierter Texte sprach, dachte ich nicht daran, dass es auch mich erwischen könnte. Jetzt staunte ich nicht schlecht über ein Buch mit dem Titel “Andreas Mäckler”, das laut Ausschreibung des Verlags 108 Seiten Umfang hat und aus Wikipedia-Artikeln sowie weiteren öffentlich zugänglichen Fundstellen aus dem Internet zusammengestellt worden ist. Ob auch meine Facebook-Einträge darin enthalten sind?
Na, ich werde sehen und habe das Buch bestellt. Ich glaube nicht, dass es ausser mir viele Käufer findet, aber ich kaufe es zum Preis von EUR 39,-, um mich auch über die Produktionsmechanismen zu informieren. Umstritten ist diese merkantile Verwurstung “on demand” gemeinfreier Texte ohnehin schon länger. Siehe beispielsweise http://www.taz.de/!74646/ und
http://plagiatsgutachten.de/blog.php/eine-warnung-bucher-mit-kopierten-wikipedia-artikeln-nun-auch-in-uni-bibliotheken/
Das Angebot des VDM Verlags finden Sie hier: https://www.morebooks.de/store/gb/book/andreas-maeckler/isbn/978-613-7-63658-9
Wenn ich das Werk in Händen halte, schreibe ich Ihnen dazu einen Kommentar mit Produktionsanleitung, damit auch Sie in Windeseile sich Bücher zusammenklicken können. Die “Timeline” von Facebook eignet sich bestimmt dazu, und wenn man später ein solches biographisches Werk über sich und sein Leben in Händen hält, mag sich schon der Eine und Andere fragen, in welcher geistigen Welt wir heute leben und unsere Lebenszeit sinnfrei verplempert haben.
(Klicken Sie auf die Abbildung, um sie zu vergrößern)

Lesen Sie die Fortsetzung hier: Etikettenschwindel – VDM, Alphascript, Betasript & Co
22. August 2012
WDR 5 bringt am Donnerstag, 28.6.2012, um 15.05 Uhr in der Reihe “Lebensart” eine hilfreiche Livesendung zur Familienforschung in Zeiten des Internets. Meine Kollegin Renate Naber hat dazu eine Expertin eingeladen, die auch Fragen beantwortet. Man kann dort anrufen und über eigene Erfahrungen berichten. Hörerinnen und Hörer können sich live an der Sendung beteiligen über das kostenlose WDR 5 Hörertelefon 0800/5678-555.
Link: http://www.wdr5.de/sendungen/lebensart/s/d/28.06.2012-15.05/b/familienforschung-in-zeiten-des-internets.html
Aus der Senderinformation: Viele Menschen befragen erst einmal Angehörige, Eltern, Großeltern und – tanten, wenn sie etwas über ihre Familiengeschichte erfahren wollen. Doch was tun, wenn keiner mehr lebt, den man noch fragen könnte? Oder die Informationen eher dünn gesät sind, wenn es um frühere Generationen geht und man Genaueres über die Familie herausfinden möchte? Auch kursieren in der Familie oft unterschiedliche Daten über Jahreszahlen, Orte, Heiratstermine oder auch Berufe. Wann war denn Großtante Johanna, die so früh verstorben ist, tatsächlich geboren? Und in welcher Einheit hat Opa nun wo gekämpft, bevor er im Krieg gefallen ist? Beim Zusammentragen solcher Daten kann das Internet eine wichtige Quelle sein. Wie man das Internet nutzen kann, um Daten über die eigene Familiegeschichte zu recherchieren, darüber spricht die Expertin in der LebensArt.
Die Vorbereitung der Recherche
Ohne eine gewisse Informationsgrundlage ist es sinnlos, im Netz zu suchen. Man braucht Namen und Daten, eine Person und dazu Geburts- oder Sterbedatum beispielsweise, am besten noch eine Ortsangabe. Deshalb ist zum Einstieg in die Ahnenforschung auch als erster Schritt die „Offline-Recherche“ wichtig: Dokumente suchen und ordnen, Verwandte befragen, ggfs. Erbstücke (Schmuck oder Haushaltsgegenstände) auf Gravuren oder andere Besonderheiten hin untersuchen.
Wie man recherchiert
Mit den bereits gesammelten Daten kann man sich dann im Internet auf die Suche begeben. Über Menschen, die ein herausgehobenes Amt bekleidet haben, können schon mit Hilfe einer Google-Suche Informationen gefunden werden: Fabrik- oder Gutsbesitzer, Richter, Ratsherren, Lehrer oder Pfarrer. Da gibt man einfach mal den Namen – mit Anführungszeichen geschützt – und den Ort bei Google ein und oft stößt man schon hier auf Informationen.
Portale für Genealogen/Ahnenforscher im Netz
An erster Stelle ist hier das „Genealogienetz“ www.genealogynet.de zu nennen. Es wird getragen vom Verein für Computer-Genealogie. Dieses Angebot ist sehr umfassend. Für Einsteiger empfiehlt es sich, die Seite „Hilfen“ als erstes zu studieren: Hier gibt es praktische Hinweise für beginnende Ahnenforscher. Unter anderen auch Briefvorlagen, mit deren Hilfe Informationen von Standesämtern, Kirchen und Institutionen erbeten werden können. Denn: Jede/r hat das Recht, sich aus familienkundlichen Gründen Einblick in Personenstandsakten zu verschaffen – meist muss man das belegen, also z. B. Mitteilen, welcher Verwandtschaftsgrad vorliegt.
Datenbanken: kostenlos für alle
Dazu gehören die Genealogischen Ortsverzeichnisse (Informationen zu Orten, z. B. zum Namen, zur Siedlungsgeschichte, zur Stadtentwicklung), Online-Ortsfamilienbücher (auf der Grundlage von Kirchenbüchern werden die Familien eines Ortes alphabetisch aufgelistet, mit den zur Verfügung stehenden Daten, also Vornamen und Daten; wenn man einen Namen anklickt, kommt man auf die Einzelseite, wo z. B. Kinder, Ehepartner oder andere Familienverbindungen aufgezeigt werden).
Adressbücher: hier kann man Adressen nachschlagen. Familienanzeigen, Totenzettel, Grabsteine, Verlustlisten des Ersten Weltkriegs sind weitere verfügbare Quellen.
Mailinglisten und Foren dienen der Kommunikation unter den Ahnenforschern. Hier werden Fragen gestellt, nach Ortsgeschichten oder Personen, Bitten um Entzifferungshilfen bei Briefen oder andern Dokumenten finden sich da auch. Es gibt Foren mit unterschiedlichen Ausrichtungen; häufig sind sie regional orientiert.
Weitere hilfreiche Portale:
www.Ahnenforschung.net oder www.myheritage.com oder www.verwandt.de. Die meisten dieser Portale haben ähnliche Suchoptionen – nach Namen oder Ort. Ein paar Besonderheiten:
Bei myheritage können mehrere Menschen gemeinsam an einem Stammbaum arbeiten – es reicht, wenn eine Person beginnt und andere dazu einlädt.
Ahnenforschung.net gehört zu ancestry.de – da muss man Mitglied werden, um Ergebnisse zu sehen.
Verwandt.de bietet unter der Adresse http://www.verwandt.de/karten/ Karten an, die die Häufigkeit von Nachnamen abbilden; da kann man schauen, wo es noch Menschen gleichen Namens gibt.
Wenn Vorfahren oder Verwandte ausgewandert sind, erstreckt sich die Suche eben nicht nur auf Deutschland. Es gibt internationale Genealogieportale, die im Grunde ähnlich strukturiert sind wie die deutschen; hier ein paar Namen:
http://www.famililink.com/ – gehört zu derselben Gruppe wie myheritage
www.geni.com/ – Mitglieder arbeiten an einem Weltstammbaum …
Die Suchseite weltweit ist die der Mormonen: www.familysearch.org
Sie können nach Eingabe des Namens die Ergebnisliste immer weiter filtern, zu den einzelnen Personen gibt es Stammblätter, falls Bilder vorhanden sind (z. B. ein Blatt vom Zensus Anfang des 20. Jahrhunderts), sind sie abrufbar – eine gute Quelle.
Familiengeschichte in Osteuropa erforschen
Viele Dokumente aus Ost- und Westpreußen, aus Schlesien und Pommern sind zerstört. Einiges wurde allerdings während des Krieges ausgelagert und ist heute zentral untergebracht:
Zentralstandesamt Berlin: Daten von ca. 1400 Standesämtern
Evangelisches Zentralarchiv: Online kann man dort die Liste der vorhandenen Kirchenbücher sehen.
Bischöfliches Zentralarchiv in Regensburg: Kirchenbücher v.a. aus Ost- und Westpreußen; in Regenburg selber allerdings zunehmend nur noch Mikrofiches, da die Originale an die polnischen Bistümer zurückgegeben werden. Hier kann man nur nach vorheriger Anmeldung in den Lesesaal.
Kirchlicher Suchdienst: arbeitet im Auftrag des Bundesinnenministeriums; es ist eine Personensuche möglich, Feldpostbriefe werden ausgewertet, es gibt Hilfe bei der Suche nach Urkunden wie z. B. Geburtsurkunden. Das Angebot ist gebührenpflichtig.
Recherche weltweit:
bei www.deutsche-auswanderer-datenbank.de kann man mit Namen und Jahreszahlen suchen.
www.ellisisland.org bietet ebenfalls die Möglichkeit, einzelne Personen zu finden, mit Angabe von Schiff und Ankunftsdatum auf Ellis Island, der Einwandererschleuse vor New York. Den Datensatz als hübschen Druck zu erstehen, kostet rd. 50,-$. Die Website bietet aber auch echte Hilfen für Genealogen, inkl. Tipps auf Englisch.
Für jede Region gibt es mindestens einen Verein, der sich mit der Heimatgeschichte befasst und dabei auch biographischen Details kennt, nutzt und publiziert.
http://www.ostpreussen.net/
Banater Heimatforum
Hilfreich sind auch oft die Landsmannschaften: Banater Schwaben, Ostpreußen, Oberschlesien, Pommern, Schlesien, Siebenbürgen und Sudetendeutschland.
25. Juni 2012
Arte zeigt am 31. März um 15.30 Uhr eine sehenswerte Dokumentation, die ich als Uganda-Fan ansehen werde. In Uganda leben allein zwei Millionen Waisen, die ihre Eltern aufgrund von Aids verloren haben. Im Land entstand eine Initiative, genannt “Memory Books”, durch die HIV-infizierte Eltern angeleitet werden, ihre Familienerinnerungen aufzuschreiben. So entstehen Hefte mit Fotos, einfachen Zeichnungen, Ratschlägen, Gedanken und Wünschen. Sie sind oft das Einzige, was den Kindern bleibt, wenn die Eltern gestorben sind – ihr wertvollster Besitz. Christa Grafs Dokumentarfilm wirft einen berührenden Blick in diese Bücher und begleitet einige Kinder und Eltern beim Schreiben.
Aus der Senderinformation: 1992 wird die Organisation NACWOLA in Uganda gegründet. Sie hilft von Aids betroffenen Familien und verwaisten Kindern, mit der Krankheit und ihren Folgen umzugehen. Und die Organisation hat viel zu tun, denn in Uganda leben allein zwei Millionen Kinder, deren Eltern dem HIV-Virus zum Opfer gefallen sind.
Die ehrenamtlichen Gesundheitshelferinnen von NACWOLA führen Kurse in den Dörfern durch. Neben Fragen zu Gesundheit, Hygiene und Pflege geht es dabei vor allem um die Zukunft der Kinder. In diesem Rahmen ist auch das “Memory Book”-Projekt entstanden. Eltern, vor allem Mütter, schreiben zusammen mit ihren Kindern Erinnerungsbücher. Offen und sensibel wird den Kindern nahe gebracht, dass sie bald allein sein werden. Familiengeschichten, Traditionen, Märchen, Lieder, Fotos und kleine Zeichnungen, Ratschläge, Gedanken, Wünsche – alles findet Platz in den bunten Heften, die bald zum wertvollsten Besitz der Kinder werden.
Der Dokumentarfilm begleitet Christine, eine HIV-infizierte Krankenschwester und NACWOLA-Helferin bei ihrer Arbeit im Krankenhaus und beim Unterricht in den Dörfern.
Christine war 42, als ihr Mann an Aids starb. Für sie brach eine Welt zusammen, als sie erfuhr, dass auch sie infiziert ist. Es dauerte lange, bis sie den Schock, die Angst und die Wut auf ihren Mann verkraftet hatte. Sie nahm ihr Leben wieder in die Hand, schrieb Erinnerungsbücher für ihre drei Kinder und setzt sich mit aller Kraft und Überzeugung für andere Mütter und Kinder ein.
Auch Harriet schreibt ein “Memory Book”. Es ist für die kleine Winnie, da sie nicht weiß, wie viel Zeit ihr noch bleibt. Ihre Tochter Rachel hat sie bereits durch Aids verloren, und auch Tochter Angela ist infiziert. Nur Patrick ist gesund, ihr einziger Sohn. Sie lässt Winnie nicht testen, da sie Angst vor dem Ergebnis hat. Harriet und ihre Kinder leben nicht allein in dem kleinen Haus, das ihr Mann kurz vor seinem Tod gebaut hatte. Sie muss sich den Platz mit der Zweitfrau Elisabeth und deren Kindern George und Juliette teilen. Drei Kinder hat sie in der Nähe des Hauses schon begraben. Ihr Mann leugnete bis zum Schluss, dass er beide Frauen mit dem Virus angesteckt hatte. Auch Elisabeth weiß, wie wichtig es ist, Erinnerungsbücher für George und Juliette zu schreiben, aber sie ist dazu noch nicht in der Lage.
Betty lebt in einem kleinen Dorf weit entfernt von der Hauptstadt Ugandas. Erst nach dem Tod ihres Mannes erfuhr sie von einer Krankheit namens Aids. Nur zwei Kinder sind ihr geblieben, George und Lucy. Betty hat keine Angst vor dem Tod und hofft, ihre verstorbenen Kinder dann wiederzusehen. Da sie weder lesen noch schreiben kann, diktiert sie George das Erinnerungsbuch für Lucy: “Ich hoffe, du verlierst nie den Mut und schaust vorwärts.”
Die Menschen in Christa Grafs Dokumentarfilm haben mit Haltung, großer Würde und Selbsthilfeinitiative einen Weg gefunden, mit der Krankheit Aids umzugehen. Das gibt ihnen Kraft, die sie an ihre Kinder weitergeben. Dank der “Memory-Bücher” ist in Uganda ein Bewusstsein für die Krankheit entstanden, wie in keinem anderen Land in Afrika.
“Wir wissen alles darüber, wie Afrika stirbt, aber nichts darüber, wie Afrika lebt”, sagte der Schriftsteller Henning Mankell, als er auf dem Literaturfestival in Berlin, sein Buch “Ich sterbe, aber die Erinnerung lebt” vorstellte. Im Buch beschreibt er seine Begegnungen mit Aids-Kranken in Uganda, mit den Müttern, die Erinnerungsbücher für ihre Kinder schreiben und mit den Waisenkindern. Dies war Anlass für die Autorin und Regisseurin Christa Graf, mit Unterstützung der Schweizer Hilfsorganisation “co-operaid” und einem Stipendium des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission eine lange Recherchenreise in das Herz Afrikas zu unternehmen und ihren Dokumentarfilm “Memory Books – Damit du mich nie vergisst …” zu realisieren.
Christa Graf ist freie Journalistin, Filmautorin und Produzentin. Viele Jahre hatte sie in der Biochemieforschung gearbeitet, ehe sie nach langen und abenteuerlichen Reisen in die ganze Welt zum Schreiben und Filmen kam. Über 50 Filme sind in der Zwischenzeit entstanden, Beiträge, Reportagen und Dokumentarfilme, vor allem für ARTE und 3sat. “Memory Books – Damit du mich nie vergisst …” ist ihr erster Langfilm.
Der Dokumentarfilm wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Er erhielt den Grand Prix des Jeunes Européens (Jury junger Europäer aus 17 Ländern) beim 21. Festival International de Programmes Audiovisuels , den Ehrenpreis des Berliner Filmballs anlässlich der Berlinale 2008, den großen internationalen Dokumentarfilmpreis/URTI in Monte Carlo und den Prix Micheline Vaillancourt in Montréal. Außerdem bekam er das Zertifikat “besonders wertvoll” der Filmbewertungsstelle Wiesbaden.
15. März 2012
Dieses Erinnerungsprojekt hätte ich Ihnen gern schon früher vorgestellt, habe aber erst jetzt davon erfahren.
Aus dem Pressetext: Memoro – die Bank der Erinnerungen ist ein gemeinnütziges Internetprojekt für die Erfassung, Klassifizierung und Verbreitung von Lebenserfahrungen und Erinnerungen von Menschen, die älter als 60 Jahre sind, ein Zeitzeugenarchiv der Oral History.
Dieses wird durch Video-Interviews gewährleistet in einer durchschnittlichen Dauer von fünf Minuten. Jedem Erzähler ist es freigestellt, eine oder mehrere Episoden, die sie für interessant und würdig empfinden, den jüngeren Generationen zu überliefern.
Aus diesem Grunde ist das gewählte Medium das Internet, welches die jüngeren Menschen erfahrungsgemäß am häufigsten nutzen und so von diesen persönlichen Zeugnissen erfahren können, somit steht die Seite weltweit gratis rund um die Uhr zur Verfügung.
Die aufgenommen Clips werden kategorisiert und verschlagwortet. Die Themen sind weit gefächert und werfen bewusst nur ein kurzes Blitzlicht auf folgende Themen: von zweiten Weltkrieg, über den Hunger, die Nachkriegsjahre, aber auch über die damalige Moral, die Liebe, den ersten Kuss aussterbende Berufe, Traditionen, spezielle regionale Besonderheiten wie z.B. unbekannte Speisen und Gerichte.
Nach der Registrierung kann jede Anwender eigene Clips hochladen, welche nach Prüfung freigeschaltet werden. Ansonsten sind die meisten Aufnahmen durch das Memoro-Team erfolgt, bis jetzt hauptsächlich in München, Berlin und Köln.
Memoro – die Banca della Memoria
Das Projekt ging am 15.Juni 2008 in Italien online, die deutsche Seite folgte im November 2008, im Juli 2009 wurde der Verein Memoro – Die Bank der Erinnerungen e.V. gegründet und kurz danach wurde die Gemeinnützigkeit vom Finanzamt anerkannt (Volksbildung). Seitdem wurde die Website mehr als 1.800.000-mal besucht und hat über 2.500 Mitglieder (dazu summieren sich mehr als 2000 Mitglieder der Gruppe in dem Portal Facebook). Die Datenbank enthält jetzt mehr als 2800 italienische Filme, dank der ständig wachsenden Zahl der redaktionellen Produktion und durch die Teilnahme der User, die eigene Clips hochladen. Über dieses Projekt wurde wiederholt in den großen Medien berichtet: Fernsehen, Radio, Zeitungen und Zeitschriften haben diese Initiative bekannt gemacht.
Als Beispiele für die Zusammenarbeit mit den großen Medienkonzernen lässt sich der Verlag Einaudi nennen, der Energiekonzern Enel, sowie Radio- und Fernsehsender wie z.B.History Channel.
Memoro – die Bank der Erinnerungen im Ausland
Die Erinnerungen sind weltweit wertvoll und wichtig Inzwischen gibt es verschiedene nationale Ableger der Website Memoro: Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Kamerun, Venezuela, Spanien (spanisch und katalanisch), Japan, USA. Weitere Länder werden folgen wie z.B. Russland und Portugal. Die aktuellen Kontaktadressen können Sie der Website entnehmen.
Viele sind sozusagen zu spät geboren, um die Bedeutung der Erforschung des historischen Wissens als Grundlage für die Entwicklung der modernen Zivilisation zu schätzen. Junge Menschen lernen am besten durch persönliche Berichte, untermalt von Gestik, Mimik und Stimme. Geschichte lebt auf durch persönliche Geschichten. Viele Erwachsene erkennen die Bedeutung dieser Berichte erst im höheren Alter.
Das Ziel des Projektes ist es die Freude des Zuhörens an den Geschichten der älteren Menschen zu erkennen und in der Jugend das Bewusstsein zu wecken dass die Kenntnis der Vergangenheit einen Wert hat, und ohne diese es schwieriger ist, die Gegenwart zu verstehen oder in die Zukunft mit Zuversicht zu blicken.
Ein Projektprofil von Memoro können Sie hier runterladen.
Memoro – Die Bank der Erinnerungen e.V.
Dachauer Str. 123
80335 München
Tel.: +49-89-95455453
Mobil: +49-179-2963669
Website: www.memoro.org/de
Twitter: http://twitter.com/MemoroGermany
Mail: Nikolai.Schulz@memoro.org
09. März 2011
Für alle, die eine Woche im Sommer 2011 biographisch erzählen und schreiben lernen möchten, ohne dabei Urlaubsfreuden zu vermissen, sei die Sommerakademie vom 19.-24. Juli 2011 im Begegnungshaus Deinsdorf (bei Nürnberg) mit Norbert Kober empfohlen, an der ich als Dozent auch einen Tag lang teilnehmen werde.
Norbert Kobers grundlegendes Buch “Die Könnerschaft mündlicher Erzählkunst” habe ich ja vor kurzem bereits vorgestellt. Auch die Workshops mit dem Erzählkünstler - das kann ich als mehrfacher Teilnehmer sagen – sind allen ans Herz gelegt, die lernen möchten, besser zu erzählen und damit besser mit sich und anderen Menschen zu kommunizieren.
Aus der Seminarausschreibung: “Eine Reise ins Unbekannte, das wir selbst sind!” Das biographische Erzählen ist die “Königsdisziplin” der mündlichen Erzählkunst. Im biographischen Erzählen fließt “Mundwerk” und “Seelenkraft” ineinander. Das Auffinden und Aufbereiten von Stoffen aus dem eigenen Leben, oder dem Leben von nahen Angehörigen ist spannend, lehrreich und stellt uns mitunter vor persönliche Herausforderungen. Das Erzählen (oder Schreiben) derselben ist wärmend, Verständnis bildend und nicht selten auch heilsam. Biographisches Schreiben und Erzählen gleicht dem Blick in den Rückspiegel unseres Lebens, der uns ermöglicht, im Nachhinein “Sinn” in den Windungen und “Kurven” unserer Lebens für unser persönliches Wachstum zu erkennen.
In dieser Urlaubsseminarwoche werden wir uns die Zeit nehmen, uns mit uns und unserer persönlichen Geschichte zu beschäftigen – freudvoll und entspannt. Gefunden Geschichten können, je nach Wunsch, aufgeschrieben, erzählt, für die Bühne oder für kleinen Kreis aufbereitet werden. Ganz nach individuellem Belieben. Als Gastreferenten konnten wir Dr. Andreas Mäckler gewinnen – er ist Gründer und Vorstand des Biographiezentrums, der Vereinigung deutschsprachiger Biographinnen und Biographen, und somit einer der “Ersten” Ansprechpartner zum biographischen Schreiben.
Die Inhalte der Woche im Einzelnen:
•Was ist biographisches Erzählen und Schreiben? Was macht es so besonders, um als “Königsdisziplin” zu gelten?
•Wie finde ich Plots (Geschichtenkerne) in meinem Leben?
•Wie schreibe ich eine Autobiographie oder wie entwerfe ich eine Familienchronik? Wie gehe ich “Handwerklich” vor?
•Für welchen Zuhörerkreis sind welche Geschichten geeignet? Kann ich eigene Geschichten einem anderen “Helden” literarisch auf den “Leib schneidern?”
•und vieles mehr…
Zudem werden wir viel Zeit für geselliges Beisammensein haben – mit Musik und gemeinsamen Singen. Es ist aber auch genug Rückzugsraum da, um auch ganz bei sich bleiben zu können. Kleine Wanderungen und Spaziergänge lockern die Seminartage auf.
Anmeldung: Marlis Kramer, Tel. 089/484185
Weitere Infos unter: http://goldmund-erzaehlakademie.eu/23.html
13. Dezember 2010
“Wer schreibt, der bleibt.” Das ist der Titel des aktuellen WDR4-Beitrags zum biographischen Schreiben vom 16. Oktober. Interviewt wird u.a. die Biographin Claudia Cremer, Mitglied im Biographiezentrum.
Zur weiteren Info schauen Sie bitte hier: http://www.wdr.de/radio/wdr4/wort/in_unserem_alter/
2010/20101016_Wer_schreibt_der_bleibt.html
Aus der Senderinformation: Wer etwas erlebt hat, möchte darüber erzählen: dem Partner, den Kindern, Freundinnen und Freunden. Erfahrungen wollen mitgeteilt werden, die traurigen wie die beglückenden.
Manchmal entsteht aus diesem Bedürfnis zu erzählen auch der Wunsch, das Erlebte aufzuschreiben, die Lebenserinnerungen festzuhalten und sie für die kommenden Generationen zu bewahren. Die eigenen Memoiren zu schreiben, liegt im Trend, nicht nur bei Politikern, Schauspielern und anderen Prominenten. Doch nicht jeder hat den Mut und die Kraft, ein ganzes Buch zusammenzustellen. Um die Hürden beim Schreiben der eigenen Geschichte zu meistern, bieten ehrenamtliche wie professionelle Biografen ihre Unterstützung an. Sie sorgen dafür, dass die Geschichten im Kopf den Weg zwischen zwei Buchdeckel finden.
20. Oktober 2010
Vor kurzem erzählte uns eine Interessentin des Biographiezentrums, dass sie mit viel Freude ein Computerprogramm zum Schreiben ihrer Lebensgeschichte benutzt, das “Viae Vitae – Meine Lebenswege” heißt und unter der Domain www.viae-vitae.de vertrieben wird. Natürlich bestellte ich mir gleich dieses PC-Programm zur persönlichen Biographiearbeit, das mit EUR 29,95 preiswert und sehr empfehlenswert ist.
Entwickelt wurde es von dem Psychotherapeuten Walter Brüggen und dem Programmierer Petar Karl Sokacic. Walter Brüggen schreibt zur Entstehungsgeschichte des Programms: “Ich arbeite zusammen mit meiner Frau schon seit einigen Jahren in einer Kleinstadt in Norddeutschland in einer eigenen psychotherapeutischen Praxis. In der täglichen Praxisarbeit geht es immer wieder um Gegenwartsgeschichten, die häufig mit vergangenen Geschichten zu tun haben.
In der therapeutischen Arbeit erleben wir immer wieder, dass neben den therapeutischen Inhalten und Themen auch Erinnerungen und Assoziationen an andere vergangene Ereignisse “hoch” kommen. Deshalb empfehlen wir unseren Klienten während der Therapie häufig das Führen eines “Therapietagebuchs”, um zu notieren und fest zu halten, was “auftaucht”. Es arbeitet eben nicht nur das Bewusstsein, sondern es laufen auch unbewusste Prozesse ab, die dann den jeweils entsprechenden Erinnerungen den Weg bereiten.
Viele KlientInnen berichten, dass schon das Aufschreiben eine ordnende und beruhigende Wirkung hat (s. auch: Elisabeth Mardorf: Spaziergang durch das Leben. Ein biografisches Schreib- und Tagebuch).
Ich habe KlientInnen häufig eine dreispaltige Word-Tabelle mitgegeben. Nach einem bestimmten Modus sollte
•das Datum eingegeben werden,
•eine Überschrift zu Geschehen und
•eine emotionale Bewertung, bezogen auf damals und heute (“Wie ging es Ihnen damals damit und wie ist das heute”).
Dabei fiel mir immer die Aufgabe zu, die Eintragungen zeitlich zu sortieren, nachdem die Datei per e-mail oder Diskette mitgebracht wurde. Das überstieg auf die Dauer meinen Zeitrahmen.
So entstand die Idee, dieses Programm zur Biographiearbeit zu schreiben. Viele PatientInnen, die sonst nicht mit dem PC arbeiten, waren von den Möglichkeiten, die das Programm ihnen bietet, sehr angetan und haben teilweise richtige Bücher über Ihr Leben geschrieben.”
Zum Programm selbst schreibt Petar Karl Sokacic: “Der Geschichtenschreiber muss sich keine Gedanken mehr machen über die zeitliche Reihenfolge und Sortierung der Geschichten: dass übernimmt komplett das Programm. Denn die Erinnerung des Menschen arbeitet nicht chronologisch, sondern ordnet eher nach Bedeutung: so genügt ein ungefährer Zeitbezug für die chronologische Einordnung eines Eintrages. Das Erstaunliche ist aber, dass dann aus diesem Zeitraum weitere Geschichten und Erinnerungen nach vorne drängen, die die Chronologie immer präziser machen.
Zur weiteren Übersichtlichkeit der Einträge können diese verschiedenen Kategorien zugeordnet werden, von denen das Programm bereits einige standardmäßig vorhält: Der Schreiber kann jedoch beliebig viele eigene Kategorien hinzufügen.
Dass das Programm direkt aus der psychologisch Arbeit entstanden ist, ist daran zu bemerken, dass jeder Eintrag auf zwei Arten eingetragen werden kann: zum einen als Ereigniseintrag und zum anderen als Reflexion, wie es einem damals mit diesem Erlebnis gegangen ist und wie man heute zu dem Erlebnis steht.
Bei der Entwicklung des Programms haben wir großen Wert auf die Benutzerfreundlichkeit gelegt. Aus vielen Rückmeldungen unserer Kunden wissen wir, dass uns dies gut gelungen ist. Ziel war, dass auch ungeübte Nutzer innerhalb von 15 Minuten das Programm bedienen können.
Es lassen sich auch Bilder zu den Ereignissen an jeder beliebigen Stelle im Text einfügen. Ausserdem ist es möglich, eine Kategorie mit dem Namen eines Kindes anzulegen und dessen Lebensgeschichte im Sinne eines Tagebuches aufzuschreiben. Nicht zu vergessen den Effekt, dass die Kommunikation in der Familie sich enorm verdichtet, weil man doch häufig „noch einmal nachfragen“ muss in der vorherigen Generation.
Alle Ihre Einträge sind passwortgeschützt, so dass Unbefugte nicht einfach auf Ihre Texte zugreifen können.”
Übrigens: Die Downloadversion kostet nur EUR 24,90.
Weitere Infos hier: www.viae-vitae.de
24. Februar 2010
Für mich ist Kristof Zirkels Blog zum biographischen und kreativen Schreiben der Beste im Web – deshalb hab ich ihn auch in meine Linkliste aufgenommen. Für alle, die nach kreativen Schreibideen suchen – nicht nur zur Aufarbeitung der eigenen Lebensgeschichte -, hat er hier eine wunderbare Liste mit derzeit 150 Schreibideen zusammengestellt!
06. Dezember 2009
Frohe Nachricht: Im September-Heft (erscheint am 12. August 2009) wird meine CD zur biographischen Arbeit besprochen. Wer sich jetzt schon informieren will: http://www.psychologie-heute.de/artikel/heft0909.html.
Eine Hörprobe finden Sie hier: http://www.biografiezentrum.de/meditationen/meditationen.php
Eine Info auch hier: http://www.meine-biographie.com/?p=762
13. Juli 2009
Lutz von Werders Bücher zum autobiographischen Schreiben sind eine Quelle der Inspiration - eines habe ich kürzlich ja besprochen. Mehr noch: Sie nicht durchzuarbeiten heißt, die eigene Biographie in ihrem Facettenreichtum nur ungenügend auszuloten. So widmet sich sein neues Werk der Heldenreise. Ich werde es für den Deutschen Biographiepreis 2010 nominieren.
Sicher hatten auch Sie immer wieder das Gefühl, Ihr Leben sei tiefer und kostbarer, als das tägliche Allerlei im Hamsterrad vermuten lässt. Diesen Wunsch nach Größe und Bedeutung, den der winzige Mensch im Universum seit Angedenken hegt, formuliert Lutz von Werder in seinem neuen Buch zeitaktuell: “Das Problem ist, viele Menschen sind heroischer als sie denken. Die heutige Welt braucht heroische Menschen, die angesichts größter Herausforderungen sich als Helden des Alltags erkennen und wissen, dass sie auf der Heldenreise für Männer wie für Frauen unterwegs sind.”
Lutz von Werder
Die Welt romantisieren
Wie schreibe ich meine persönliche Mythologie?
Schibri Verlag 2009
Die “Heldenreise” können Sie ruhig auch bei diesem Buch wörtlich nehmen, wenn Sie es zur Hand nehmen, denn Sie sollten es nicht nur lesen, sondern damit arbeiten, und zwar vom ersten Kapitel an. Es ist eine wunderbare Fundgrube voller Übungen zum biographischen Schreiben mit dem Schwerpunkt der Selbstmythologisierung. “Schreiben Sie Ihren Tageslauf zwei Mal, zum ersten ganz banal: die Fakten vom Aufstehen bis zum Ins-Bett-Gehen. Den zweiten Tagesablauf verwandeln Sie dann in ein Geheimnis. Beschreiben Sie möglichst viele Apskete der Begegnung mit dem Geheimnisvollen.”
Schon Goethe hatte geschrieben: “Ich kehre in mich selbst zurück und finde eine Welt.”
Nun geht es nicht nur um alten Mythen, in sich Götter und Helden der Antike wieder aufleben zu lassen – nehmen wir Herkules als Idealbild des Mannes. Schon der amerikanische Traum vom “Tellerwäscher zum Millionär” ist ein Mythos, der sich heute in der Finanzkrise vielfach umkehrt. Wie das Kaninchen vor der Schlange verharren viele Menschen daher in einem “Mythos der Hilflosigkeit und Ohnmacht”, wie von Werder konstatiert. So lautet denn auch eine Übung: “Legen Sie eine Liste an, die Ihre großen Krisen auflistet und die Lösungen, die Sie zur Beendigung der Krise gefunden haben.”
Gut gefällt mir die Imagination, die vier Prozesse des eigenen Geburtsprozesses niederzuschreiben: “Mein Leben als Fötus. Meine Erlebnisse im Geburtskanal. Das Überstehen des Todes während der Presswehen. Mein Ankommen in der Welt.” Und ja: Die vielen Variationen zur “Zeugung des Helden” – der auch eine Heldin sein kann – gefallen mir als frisch gebackender Vater einer wundersüßen Tocher ohnehin…
“Der Heldenweg durch das Chaos des Lebens ist nicht für wenige da, sondern für alle”, schreibt Lutz von Werder – auch wieder so ein Mythos, woran Sie sehen, wie wichtig die Aufarbeitung unserer Glaubenssätze und tieferen Seelenschichten ist, denn durch das Schreiben persönlicher Mythen schaffen wir unsere inneren Vorbilder und Leuchtfeuer, die uns Orientierung geben in der Finsternis. “Das Schreiben von persönlichen Mythen kann Verdrängtes und Tabuisiertes gestalten. Persönliches Mythenschreiben ist immer autobiographisch. In seinem Kern ist der persönliche Mythos nicht Biographie, sondern Autobiographie von Krisen und ihrer Bewältigung. Wie im Traum befriedigt der persönliche Mythenschreiber infantile und asoziale Wünsche, die ihn ohne die mystische Gestaltung neurotisch machen würden.” Kurzum: “Betrachten Sie Ihr Leben als einen Mythos, der von dem Aufbruch, von dem Abenteuer und der Rückkehr des Helden handelt.”
Ein hübsches Phantasiespiel, das sich in sogenannten Rückführungen noch intensivieren lässt, sind biographische Projekte a la “Mein Leben als antiker Held oder antike Heldin” – selbst wenn Spötter Reinkarnierten gern entgegenhalten, es sei traurig, dass sich starke Persönlichkeiten wie Jesus, Napoleon etc. offensichtlich nur nach unten reinkarnierten… Humor also sollten Sie als Held haben!
Was glauben Sie, welcher Heldenreise-Typ Sie sind? Der Krieger? Der Suchende? Der Magier? Der Weise? Der Narr? Wo immer Sie sich ansiedeln, ächzen müssen alle, weshalb schon Schopenhauer meinte: “Mensch sein heißt leiden.” Manch einer begreift die Welt als Straflager, C. G. Jung empfand das Leben als Nachtmeerfahrt. Auf die Suche nach Klärung und Erlösung gehen sie alle.
Gerade in Phasen, wo uns der Sinn des Lebens zweifelhaft wird, bietet sich das Modell der Heldenreise an, den eigenen Lebenssinn wiederzufinden und dadurch gestärkt aus der Krise hervorzutreten, selbst wenn Sie – wie so manch anderer Held – erstmal durch die Hölle gehen müssen, um zum Paradies zu gelangen. Dieses Buch hilft Ihnen auf Ihrem Weg!
Unsere Workshops zur biographischen Arbeit finden Sie u.a. hier.
22. April 2009
Als ich im Januar 2009 meinen eigenen Blog zum biographischen Schreiben startete, schaute ich mich natürlich vorab im Internet um und entdeckte schnell die „Schreibschrift“ von Christof Zirkel unter http://schreibschrift.wordpress.com.
Der Facettenreichtum seiner Themen rund um biographisches und kreatives Schreiben, Lebensgeschichte, Schreibpädagogik, aber auch Kommunikation und Internet faszinierte mich sofort, mehr noch beeindruckte mich die Tiefe der Artikel, die scheinbar mit leichter Feder geschrieben, fundiert und klug erscheinen. Da merkte ich schnell: Diese Qualitäten sind Orientierung für mich, Maßstab, vermutlich nicht zuletzt gelegt durch Christof Zirkels Masterstudium des Biografischen und Kreativen Schreibens an der Alice Salomon Hochschule Berlin, wo auch Lutz von Werder lehrt. Ich freue mich über den Linktausch mit dem Kollegen und über seinen freundlichen Tipp, meinen biographischen Schreibkurs betreffend. Lesen Sie Christof Zirkels Blog!
13. April 2009
Lutz von Werders Ratgeber zum kreativen und biographischen Schreiben sind immer eine große Freude zu lesen, und ein Gewinn für alle, die sich selbst und ihre Persönlichkeit weiterentwickeln möchten.
Im Juli 2008 ist eines seiner Standardwerke – gemeinsam verfasst mit Barbara Schulte-Steinicke, Dozentin für akademisches Schreiben an der Berliner Alice Salomon Fachhochschule – wieder ediert worden. Ich möchte es Ihnen ans Herz legen:
Lutz von Werder / Barbara Schulte-Steinicke
Schreiben von Tag zu Tag
Wie das Tagebuch zum kreativen Begleiter wird
Ein Handbuch für die Praxis
Patmos Verlag 2008
“Erkenne dich selbst” und “Werde, der du bist” – das sind wohl eine der größten Aufgaben unseres Lebens, individuell, als auch gesellschaftlich. Wer ständig das Leben der Anderen führt, verliert sich schneller, als er sich je gefunden hätte. Auf dieser Suche ist das kreative-biographische Schreiben eine große Hilfe.
Wir im Biographiezentrum bieten dazu zahlreiche Kurse an, nicht nur diesen, und natürlich Prof. von Werder in seinem Institut für kreatives Schreiben Berlin e.V. Ich habe nur begeisterte Teilnehmerstimmen gehört. Auch für uns – damit darf ich ruhig ebenso im Namen meines Kollegen Stefan Schwidder sprechen, dessen Ratgeber zum biographischen Schreiben sehr praxisorientiert und erfolgreich ist – stellt Prof. von Werders Arbeit die Messlatte dar, an der wir Zöglinge uns orientieren.
Nun zum Buch: Dem Thema des Tagebuchschreibens entsprechend, ist es nach Tagen gegliedert – besser gesagt nach Tagwerken, denn die Aufforderung zur Eigenleistung in Form von Übungen und Tipps ist allgegenwärtig. Mir gefällt das ausgezeichnet! Die größten Probleme des biographischen Schreibens liegen nicht im Mangel an Wissen, sondern am fehlenden Tun – am kontinuierlichen Schreiben, Tag für Tag. Dazu ermuntert das Buch.
Das 1. Kapitel macht mit den Schreibtechniken für das kreative Tagebuchschreiben vertraut. Es beginnt mit einem Fragenkatalog: Fragen zur eigenen Geschichte, Fragen zu den Grundbegriffen der eigenen Weltanschauung, Fragen zu Freundschaft, Liebe und Partnerschaft, Fragen zur beruflichen Identität und Ökonomie, Fragen zu Tagträumen, Visionen und Phantasieprojekten. Weil natürlich die individuellen Antworten das Spannende und die Herausforderung darstellen, legt das erste Kapitel wichtige Grundlagen dazu, die auch medienübergreifend sein können: Beispielsweise das Malen von Mandalas, um zur eigenen Konzentration und Mitte zu finden, wird für den 11. Tag empfohlen.
Nun, das Arbeitsprogramm ist beachtlich, aber machbar. Auch ich predige meinen Biographie-Studenten: Schauen Sie weniger in die Glotze und mehr in sich und Ihre Welt! Dann ist auch genügend Zeit für die biographische Arbeit vorhanden. Für den 19. Tag empfehlen Lutz von Werder und Barbara Schulte-Steinicke das “Schreiben nichtabzusendender Briefe” – auch eine Technik, die es in sich hat, wenn der Schreiber sich seinen Emotionen (Liebe, Wut, Hass) stellen muss, die er jemand anderem gegenüber – häufig im Laufe vieler Jahre – angesammelt hat.
Das 2. Kapitel ist dem literarischen Tagebuch gewidmet. Nach einer kurzen Einführung zu dessen Geschichte geht es gleich an die Arbeit. 1. Tag: “Listen Sie alle Dinge in Ihrem Haushalt auf, die Sie besonders gern haben. Schreiben Sie dann auf, weshalb das eine oder andere Ding so wichtig für Sie ist.” Die Aufgabe für den 16. Tag dürfte den Meisten nicht schwer fallen: “Schreiben Sie heute mal richtigen kitschigen Mist, ohne ihn durchzustreichen oder zu verbessern.” Die Aufgabe des 68. Tags: “Schreiben Sie mal einen Satz ohne den Buchstaben E.” “Supi – gar nicht üb_l…” – würde ich mal schreiben.
Sie sehen schon: Das Buch ist eine kluge Fundgrube humorvoller und tiefgründiger Anregungen.
Das 3. Kapitel behandelt das Schreiben des selbsttherapeutischen Tagebuchs. Ein tolles Kapitel! Denken Sie einmal kurz nach, was heutzutage das mächtigste Werkzeug in Ihrem Leben ist. Ist es Ihr Auto? Ihr Haus? Ihr Bankkonto? Oder sind es Worte, die Sie täglich sprechen und hören und die Ihre Gedanken und Aktionen lenken. Was empfinden Sie, wenn Ihnen jemand eine Liebeserklärung macht? Oder Sie beschimpft, Ihnen seinen Hass ins Gesicht schleudert? Worte können heilen, ebenso wie sie zutiefst verletzen. Deshalb hat das biographische Schreiben immer auch eine selbsttherapeutische Funktion. “Heilende Sprüche erinnern” (1. Tag), “Dialog mit der Angst” (41. Tag), “Zukunftsvision der nächsten fünf Jahre” (95. Tag) sind einige der Schreibaufgaben, um mit sich selbst und seinem Leben wieder ins Reine zu kommen.
4. Kapitel: Ein philosophisches Tagebuch schreiben. Wunderbar! Ich bin ohnehin der Überzeugung, dass unser Leben viel mehr im Kopf als in der materiellen Realität stattfindet – zumindest bei mir ist das der Fall (und wohl bei den meisten anderen klugen Menschen auch). Deshalb ist die Lebensgeschichte unserer Gedanken und Ideen – ja, unserer Phantasien – ein spannendes Thema (darüber maile ich auch gerade mit der Schriftstellerin Ruth Gogoll). “Das Ich und der Teufel” wird am 47. Tag zur Aufgabe gestellt: “Beschreiben Sie Erfahrungen mit Ihrem destruktiven Schatten und benennen Sie die Konsequenzen, die Sie als Ich aus dieser Entdeckung gezogen haben.” Hier begegnen sich philosophische Reflektion und Eigentherapie. Überhaupt muten viele Übungen in diesem Kapitel so an, als setzen sie die selbsttherapeutische Arbeit fort – in vergeistigter Form.
5. Kapitel: “Chancen, Krisen und Störungen im Tagebuchschreiben” sind unvermeidlich, deshalb werden sie hier thematisiert. Schreibblockaden hat jeder mal, aber die sind kurierbar. Wie das geht? Ganz einfach: Lesen Sie das Werk!
Summa summarum: Wenn Sie mich fragen, ob das Buch auch einen Nachteil hat, irgend etwas schlechtes, das man darüber sagen könnte, dann vielleicht nur dies: Schade, dass es nicht von mir geschrieben worden ist
(kleiner Scherz muss sein).
11. Februar 2009
Mein Blog ist jetzt 14 Tage online, und schon kam gestern die erste Arbeitsanfrage: Eine Knastbiographie sollte im Auftrag eines Verlags publikationsreif gemacht, also nicht nur korrigiert, sondern auch gekürzt und umgeschrieben – in Spannung gebracht werden. Die Mängel des Manuskripts fielen sofort ins Auge. Sie sind typisch für Anfängerfehler, deshalb schreibe ich Ihnen kurz etwas darüber. Wesentlich mehr über die Kunst des guten Schreibens lernen Sie selbstverständlich in meinem Kurs. Für den Buchmarkt zu schreiben können Sie lernen – wie jedes andere Handwerk allerdings nicht von heute auf morgen.
Lesen Sie Romanmanuskripte von Anfängern, schauen Sie als erstes auf die Komposition der
- Dialoge,
- der szenischen und atmosphärischen Beschreibung, sowie die
- Einbindung unserer Sinne: Hören, Sehen, Fühlen, Riechen, Schmecken
Die meisten Anfängermanuskripte bedienen nur die auditive Ebene: Ein Dialog folgt dem nächsten, als würde ständig nur gequasselt, über Hunderte von Seiten hinweg. Woran liegt das? Ich glaube, es hängt mit den Erinnerungs-, aber auch den Wahrnehmungstechniken zusammen, die die meisten Menschen zumeist im Verbalen ausgeprägt haben. Sie nehmen bewusst Worte wahr und können sie auch erinnern, aber alle anderen sinnlichen Wahrnehmungen bleiben im Unterbewusstsein:
- wie etwas genau aussieht,
- wie es schmeckt,
- wie es riecht,
- wie es sich anfühlt.
Viele Anfänger gehen praktisch “blind und taub” durch die Welt, zumindest machen sie sich kaum ihre Wahrnehmungen bewusst. Wer sich jedoch nichts bewusst macht, kann darüber auch nicht schreiben! Das ist ihnen hoffentlich klar. Gute Autoren habe sich einer intensiven Wahrnehmungs- und Bewusstseinsschule unterzogen, damit sie über all die Aspekte unseres Lebens so schreiben können, dass wir ihre Bücher gerne lesen, weil wir sie als facettenreich und spannend empfinden – wiederentdecken. Das sollte auch Ihr Ziel als Autor sein: Nur das, was Sie entdecken, können Ihre Leser wiederentdecken. Holen Sie das Beste aus sich und Ihrer Welt raus und wachsen Sie!
Natürlich kann ein spannendes, aussergewöhnliches Thema handwerkliche Mängel etwas ausgleichen, wie die “Zockerbiographie” von Klaus F. Schmidt zeigt, die ich vor kurzem besprochen habe. Aber es kann sie nicht ungeschehen machen. Deshalb engagieren Verlage einen guten Lektor mit der Fähigkeit, als Ghostwriter zu unterstützen. (Was bei dem Buch von Klaus F. Schmidt der Fall war: Das Lektorat hat sicher viel geholfen).
Da der Buchmarkt mit Manuskriptangeboten überfüllt ist, engagieren viele Autoren schon im Vorfeld, beim Schreiben, einen Lektor bzw. Schreib-Coach -spätestens jedoch, bevor sie ihr Manuskript an Verlage anbieten, denn nur dann haben sie eine Chance, dass es angelesen wird. Sind die ersten zwei Seiten nicht spannend geschrieben, wird bestenfalls noch etwas weitergeblättert, und dann die Absage-Taste gedrückt (sofern heutzutage überhaupt noch eine Absage – per Mail, kaum noch per Post – versendet wird).
Zur Eigentherapie und als Hobby ist das Schreiben natürlich immer zu empfehlen. Die eigene Lebens- und Familiengeschichte aufzuschreiben ist ein unschätzbarer Gewinn und kostbarer Nachlass. Aber die wenigsten sollten damit versuchen, ohne professionelle Hilfe auf den Buchmarkt zu gehen.
09. Februar 2009
Fragen öffnen Erinnerungsräume. Für viele sind sie Grundlage der biographischen Arbeit, um sich selbst und anderen auf die Spur zu kommen. Manche Fragenkataloge in dieser kleinen Bücherliste sind trivial und genügsam, andere subtil und tricky – suchen Sie sich das aus, was Sie weiterbringt.
Hier eine kleine Auswahl aktueller Bücher, alphabetisch geordnet und verlinkt mit Amazon, so dass Sie sich informieren können:
Wer bin ich? 777 indiskrete Fragen
Von Rolf Dobelli
Aus dem Inhalt:
- Was wäre schlimmer: wenn Sie sich nicht mehr verlieben könnten oder wenn sich niemand mehr in Sie verlieben könnte?
- Könnten Sie Ihren gegenwärtigen Lebenspartner weiterempfehlen?
- Lieben Sie sich noch, oder mögen Sie sich schon?
- Möchten Sie Ihr Chef sein?
- Was wäre Ihnen lieber: dass man Sie vermögender schätzt, als Sie sind, oder ärmer?
- Wo, glauben Sie, sind die interessanteren Leute zu finden: im Himmel oder in der Hölle?
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Findet mich das Glück?
Von Peter Fischli und David Weiss
Aus dem Inhalt:
Das originelle Künstlerbuch des international renommierten Schweizer Duos Fischli/Weiss ist Fragen gewidmet, die sich jeder ab und zu stellen mag:
- Ist das Leben ein seltsames Höhlensystem?
- Gibt es zu viel des Guten?
- Driftet alles auseinander?
- Wie wirke ich?
- Soll ich untertauchen?
- Was denkt mein Hund?
Es sind keine Wissensfragen, sondern Fragen, die vielfach unbeantwortet bleiben können, vielleicht auch, weil sie so simpel scheinen.
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Fragebogen
Von Max Frisch
Aus dem Inhalt:
- Wieviel Aufrichtigkeit von einem Freund ertragen Sie in Gesellschaft oder schriftlich oder unter vier Augen?
- Wenn Sie einen Menschen in der Badehose treffen und nichts von seinen Lebensverhältnissen wissen: woran erkennen Sie nach einigem Gespräch [...] trotzalledem den Reichen?
- Haben Sie schon einmal gemeint, daß Sie sterben, und was ist Ihnen dabei eingefallen: [...] (f.) die Unordnung in den Schubladen?
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Alles über meine Mutter / Alles über meinen Vater
Von Susanne Fröhlich und Constanze Kleis
Weniger originelles Werk mit traditionellem Fragenkatalog, wie er bei Elma van Vliet (siehe unten) Jahre früher wesentlich umfangreicher auftaucht. Doch Plagiatsvorwürfe hin oder her: Letztlich kommt es auf die Antworten der Befragten an, und die sind bei jedem Menschen individuell. Daher erfreuen sich diese Fragebücher großer Beliebtheit – so ähnlich sie vielfach sind, rücken die befragten Mütter und Väter doch in den Mittelpunkt, statt das Gefühl zu haben: Mich fragt eh keiner bzw. für mich und mein Leben interessiert sich niemand.
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Fragen an dich, meine Mutter
Von Anne-Mette Fuhrmann
Ebenfalls traditioneller Fragenkatalog, leicht feministisch ausgerichtet: hübsch ediert.
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Alles über mich
Von Philipp Keel
Bisweilen schlichte Fragen, so dass Ihre Antworten überraschen können:
- Was magst Du an Dir besonders?
- Was magst Du an Dir gar nicht?
- Nenne Deine drei besten Freunde (absteigend).
- Was kannst Du Deinem besten Freund nie verzeihen, und warum?
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Anleitung zur Autobiografie in 300 Fragen
von Gerhild Tieger
Zum Start ist das Büchlein zu empfehlen, das mit seinen Fragen weite Teile zum biographischen Erinnern abdeckt.
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Mama, erzähl mal: Das Erinnerungsalbum deines Lebens
Von Elma van Vliet
4-bändige Reihe der populären Familien-Fragebücher: Mama, Papa, Oma, Opa – alle bekommen einen eigenen Band gewidmet und sollen damit zum Erzählen gebracht werden.
Kritisch könnte man zwar fragen, wie weit die Entfremdung (und damit auch das tiefere Desinteresse am Leben seiner Nächsten) schon fortgeschritten sein mag, wenn Kataloge zur Befragung nötig werden. Doch lassen wir uns von Grübeleien nicht irritieren, die solchen Büchern eine Alibi-Funktion unterstellen: Weil man zu faul für eigenes Interesse am anderen ist, was ja anstrengend ist, schiebt man ein Buch mit Fragen über den Gabentisch, statt selbst zu fragen.
02. Februar 2009