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Neuerscheinung: Mit Wille, Durchsetzungsvermögen – und Gottvertrauen

Von der Kölner Biographin Claudia Cremer ediert, ist das Buch jetzt im Verlag des Biographiezentrums für den Buchhandel lieferbar geworden. Die Biographie von Ursulará gleicht einem spannenden Roman, den man erst aus der Hand legt, wenn die letzte Seite gelesen ist.

Aus der Verlagsinformation: Eines vorab: Das Leben von Ursulará (Pseudonym) ist in weiten Teilen an Dramatik nicht zu überbieten. Ihre ersten Lebensjahre etwa standen unter keinem guten Stern. Noch vor ihrer Geburt sprengte ihr Vater ihren Großvater, wenn auch unabsichtlich, in die Luft. Dann der Verlust von Schwester und Bruder sowie die Trennung ihrer Eltern. Schon sehr früh musste die junge Thüringerin lernen, sich – gegen alle Widrigkeiten – im Leben zu behaupten. Ihre Devise „Do-it-yourself“ resultiert aus diesen Kindheits- und Jugend-Erfahrungen – sie musste sich immer etwas einfallen lassen.

Den dazu nötigen Mut, ihr Leben konsequent selbst in die Hand zu nehmen, bewies Ursulará ein ums andere Mal. Beispielsweise als sie das Unmögliche wahr machte und dank ihres starken Willens das von ihr ersehnte Medizinstudium in Leipzig aufnehmen konnte. Plötzlich prägten Spitzel, Spione, Verhöre das Leben der angehenden Medizinerin. Krimispannung entsteht gar, als Ursulará die Anwerbeversuche der Stasi und ihre dramatischen Erlebnisse während ihrer drei Fluchtversuche in den Westen Deutschlands schildert.

Nach Abschluss des Medizinstudiums in Tübingen und während ihrer beruflichen Karriere musste sich die junge Ärztin mit Fleiß und Können gegen eine übermächtige männliche Konkurrenz durchsetzen. Ihre Biographie belegt, dass Ursulará viele ihrer Ziele und Ideen realisiert und dabei erfahren hat, wie entscheidend es ist, selbst in ausweglos scheinenden Situationen nie aufzugeben. Daher lautet ihre zweite Lebensdevise: „Für alles gibt es eine Lösung!“ Auch wenn dies, wie in ihrem Fall, bedeutet, an die Grenzen der eigenen körperlichen Belastbarkeit zu gehen, und nicht selten weit darüber hinaus.

Die flott geschriebene Biographie würdigt ihre Lebensleistung, auch wenn es zunächst ihre „Lehr- und Gesellenjahre“ sind, wie Ursulará sagt. Wer sie liest, gerät in einen Lesesog.

jetzt kommentieren? 04. Dezember 2012

Neuerscheinung: Jonas – Vierzehneinhalb Jahre

Eine der bedrückendsten und gleichzeitig Mut machenden Autobiographien, die wir im Verlag des Biographiezentrums bislang ediert haben.

Aus der Verlagsinformation: In der schwersten Phase seines Lebens blickt der Autor auf die vergangenen rund zwanzig Jahre zurück. Diese waren zunächst geprägt durch die Depressionen seiner ersten Ehefrau, die letztlich mit ihrem Suizid eskalierten, als sie im achten Monat schwanger war. Zwischen dem Autor und dem den Suizid der Mutter schwerstbehindert überlebenden Sohn Jonas entsteht dadurch eine wahre Schicksalsgemeinschaft. Nachdem Jonas mit vierzehneinhalb Jahren plötzlich stirbt, begibt sich der verzweifelte Vater für elfeinhalb Wochen in stationäre Klinikbehandlung.

Trotz aller Trauer, enttäuschten Hoffnungen, schweren Entscheidungen und schmerzlichen Erfahrungen, will sich der Autor vom Leben nicht unterkriegen lassen und seiner Zukunft wieder positiv entgegen sehen. Die selbst den Tod überdauernde Liebe und besondere Verbindung zu Jonas verleiht ihm die Kraft dazu. Er ist dankbar, dieses besondere Kind gehabt zu haben, das seiner schweren Behinderung zum Trotz ein echter Sonnenschein für seine Umgebung gewesen ist.

bisher 1 Kommentar 22. November 2012

Wieder lieferbar: Heinz Berggruen – Leben & Legende

Als gelernter Kunsthistoriker liebe ich noch immer die Kunst, auch wenn ich in deren Metier seit vielen Jahren nicht mehr arbeite. Die Biographie über Heinz Berggruen ist also eine Entdeckung wert.

Aus der Verlagsinformation: Als Heinz Berggruen Anfang 2007 mit 94 Jahren starb, wurde er in Berlin wie ein Staatsoberhaupt verabschiedet: Alle Medien des Landes würdigten ihn als »Mäzen« und »Museumsstifter«, als »Monument der Versöhnung« und »moralische Instanz«.

Mit 22 in die USA ausgewandert, kam der Sohn eines jüdischen Schreibwarenhändlers 60 Jahre später als international erfolgreicher Kunsthändler wieder und brachte eine legendäre Sammlung mit, die er im Jahr 2000 dem deutschen Staat als »Geste der Versöhnung« übereignete. Es war, wie die FAZ schrieb, »der größte staatliche Kunsterwerb seit Fürstenzeiten«.

Unzählige Artikel sind über ihn verfasst worden, und zumal er selbst einige autobiographische Werke hinterließ, scheint bereits alles bekannt. Und doch blieb Wesentliches ungesagt, und es gibt von und über Heinz Berggruen noch vieles zu entdecken.

jetzt kommentieren? 30. Oktober 2012

Paul Schmitz’ “Kriegskind” im “LeseZeichen” des BR

Schöner Erfolg für “meinen” Autor Paul Schmitz und auch für mich als Lektor und Ghostwriter, der das Manuskript so umgeschrieben hat, dass es eine gute Chance auf dem Buchmarkt hat. Hier die Ankündigung des BR:

“Unser Büchermagazin “LeseZeichen” – Sendung im BFS am 22.10.2012 um 23:25 Uhr (Sendung auf BR-alpha am 23.10.2012 um 17:30 Uhr und am 24.10.2012 um 23:45 Uhr) enthält Folgendes:

- Warum es nicht immer am Willen liegen muss – das Glück dreier Asylanten
(Mojtaba, Masoud und Milad Sadinam: „Unerwünscht“, Bloomsbury Verlag)

- Droben am Berg, da geht’s noch zu
(Vea Kaiser: „Blasmusikpop“, Kiepenheuer & Witsch Verlag)

- Ein „Kind der Schande“ rehabilitiert sich und findet seine Identität
(Paul Schmitz: „Kriegskind“, Grenz-Echo Verlag)

jetzt kommentieren? 22. Oktober 2012

Neuerscheinung: Eltern von ermordetem Mirco Schlitter veröffentlichen Buch

Am 3. September 2010 verschwindet der zehnjährige Mirco auf dem Heimweg von der Skaterbahn. Was folgt, ist die bisher größte Suchaktion in der Geschichte der Bundesrepublik. 145 Tage lang hoffen, bangen und beten Mircos Eltern. Dann wird ihr Sohn entdeckt: entführt, missbraucht, erdrosselt.

Aus der Verlagsinformation: In ihrem Buch „Mirco“, das am 6. September 2012 im adeo Verlag (Asslar) erscheint, erzählen Sandra & Reinhard Schlitter, wie es ihnen gelingt, mit dem Unfassbaren fertig zu werden. 

„Mit unserem Buch möchten wir zeigen, was uns geholfen hat, die Spirale von Hass und Verzweiflung verlassen zu können. Und wie man ein Leben führen kann, das trotz allem Zuversicht, Menschenliebe und Glauben vereint“, fassen Sandra und Reinhard Schlitter zusammen. In ihrem Buch „Mirco“, das sie fast auf den Tag genau zwei Jahre nach Mircos Verschwinden veröffentlichen, erzählen die beiden gemeinsam mit dem Journalisten und Autor Christoph Fasel von ihrem Leben mit Mirco, ihrer Verzweiflung, vom Glauben an Gott. Und davon, wie sie es sogar geschafft haben, dem Täter zu vergeben.

jetzt kommentieren? 06. September 2012

Neuerscheinung: Biografischer Roman von Mira Bilia – “Wechselspiel”

Immer wieder eine Freude, Publikationen von Mitgliedern des Biographiezentrums ankündigen zu dürfen!

Aus der Verlagsinformation: Der biografische Roman von Mira Bilia beschreibt die wahre Lebensgeschichte des Khalil Samet. In Zarka, Palästina, geboren, übersiedelt er schon als Kind mit seiner Familie nach Süddeutschland. Sein Dasein als Ausländer in Deutschland und sein Bemühen, in zwei unterschiedlichen Kulturen akzeptiert zu sein, ist nicht immer leicht. Durch ein “krummes Ding” landet er zur Untersuchungshaft in der JVA Stammheim. Während dieser schwierigen ungewissen Situation erinnert er sich an Stationen seines Lebens. 

Weitere Informationen hier: http://www.wortart-texterei.de/buchladen/
 
Leseprobe:
“Der Junge erzählt mir von der neuen Kneipe in der Stadt, ich kenne sie, früher wäre ich auch in solche Lokale gegangen. Wir fahren über Land nach Leonberg, dort hat Fritz eine Halle gemietet. Er ist da, wartet schon auf mich. Der Motor liegt noch fertig verpackt am alten Platz. Ich lenke routiniert den Hubwagen übers Gelände, lade das Paket mit Fritz´ Hilfe auf und steure es zum Auto. Der Junge lehnt am Wagen, raucht derweil eine Zigarette, schmunzelt, wer weiß, an was er denkt, an ein Mädchen? Der Kofferraumdeckel steht auf, schnell will ich das Ding im Auto verstaut sehen und davon fahren, ich bin froh, wenn der Motor endlich untergebracht ist. Seither hat zwar alles geklappt, es war sogar super leicht gewesen, aber der Junge ist dabei, da kann ich kein Risiko eingehen.
»Komm halt dich fest«,
fordere ich den Jungen kurz auf. Er langt geschickt hin und mit einem Ruck hieven wir das unförmige Paket in den Wagen. Er fragt nicht, was ich damit mache, er weiß inzwischen, dass ich auch am Wochenende mit verschiedenen Jobs Geld verdiene. Seit einigen Wochen nehme ich ihn mit, so kann er sich auf Baustellen und bei Umzügen selbst Geld erarbeiten, lernt jede Menge handwerkliche Griffe und Spaß haben wir sowieso dabei.
»Ich bring den Karren zurück«,
nicke ich dem Jungen zu, sehe, wie er sich zum Wagen dreht, und will mich beeilen, auf dass wir fix vom Gelände verschwinden. Zwei Schritte, ein gemütlicher Käfer surrt in der lauen Maienluft – ein Schrei zerreißt sie:
»POLIZEI … STEHEN BLEIBEN … SIE SIND FESTGENOMMEN!«
Die dunkle Gestalt taucht hinter einem Wagen auf, und noch eine, ich drehe mich zu dem Jungen, er starrt mich fragend an, aus dem Gebäude hinter ihm strömen noch mehr Männer in Uniform.
»STEHEN BLEIBEN!«, vibriert die Luft, jetzt fegen sie von allen Seiten daher.
»AUF DEN BODEN! «, hallt es zwischen den Gebäuden. Ich sehe Fritz am Gebäudetor, er hält die Arme in die Luft, schmeißt sich im nächsten Augenblick auf den Boden. Mich krallt etwas von hinten, stößt mich ins Kreuz, noch mal, ich falle, sehe den Jungen nicht mehr, überall Polizei, plötzlich trampelt und knackt es in allen Ecken, sie stürmen wie hungrige Insektenmonster, tausend Pistolenläufe lechzen mich an, noch ein Tritt von hinten, dem halte ich nicht Stand, taumle und falle, ein wuchtiges Etwas rammt sich auf meine rechte Schulter, Asphaltkrümel krallen mein Gesicht.
»BLEIB LIEGEN UND KEINE BEWEGUNG!«
Wie soll ich, ich klebe am Boden, einen Achter auf dem Rücken, wenn er ihn zuzieht, werden die Arme brechen. Grobe Hände tasten mich ab, fingern an meiner Gürteltasche, bis ich sie nicht mehr spüre.
»Der Junge, der Junge, wo ist der Junge?! «,
blinkt es dunkelrot in meinem Kopf. Wie, warum, wie kann das sein? Wer hat mich verraten? Das kann nicht sein, das darf nicht sein! Sirenen beschallen die Szene, im Augenwinkel blinken die skurrilen Bilder blau.
»Wo ist der Junge? Er hat nichts damit zu tun«,
presse ich irgendwie nach oben,
»Lasst ihn laufen, er hat nichts damit zu tun! «
Niemand reagiert darauf. Ich vernehme unverständliches Gemurmel in der Ferne, leises mechanisches Knacken. Oh mein Gott, auf mich blicken scharfe Kanonen – man Leute, ich bin doch harmlos, behalte bloß die Nerven und ballere nicht los! Bleibe erstarrt liegen, warte.
»Steh auf, aber langsam«,
befielt eine strenge Männerstimme, gleichzeitig zieht einer an meinem gefesselten Arm. Aufrecht suche ich den Jungen. – ER SOLL FLIEHEN -, schreit es in mir, er hat doch nichts damit zu tun! Mir stockt das Herz noch mehr, als ich ihn schreien höre, er liegt ein paar Meter weiter, ebenso mit dem Gesicht auf den Boden gepresst.
»Lasst ihn gehen, er hat nichts damit zu tun«,
versuche ich ihn zu verteidigen, aber ich kann mich nicht mal selbst retten.
»Ruhe!«,
tönt der Beamte trocken,
»Wir werden sehen, was wer damit zu tun hat.«
Die Betonung des „damit“ klingt irgendwie hämisch, wir sind ihre Beute, in ihr Netz getappt. Wie kann das gehen? Mir dreht sich alles, der Junge ist gefesselt, wird von Polizisten in einen Streifenwagen geschoben. Bald sitze ich in einem Polizeibus und verstehe, nach ein paar aufklärenden Worten des Beamten, ich sitze in der Falle, so eine Scheiße. Im Moment ist das nicht das wichtigste, der Junge ist dabei, das ist tragisch. Und mein Schatz weiß nichts davon. Tausend Bilder wirbeln in meinem Kopf, von ihr und uns und dem was kommen wird. Auf der Fahrt spricht keiner, die wollen nur dass ich friedlich bleibe, bringen mich aufs Revier. Langsam finde ich ein wenig Ordnung im Kopf. Ich werde es zugeben, das ist das Beste. Bin ja kein Schwerverbrecher, die Sache wird sich regeln lassen, so versuche ich mich zu beruhigen. Aber der Schock sitzt mir in allen Zellen, ich zittere, bin heiß und eisig zugleich. Ich denke an den letzten Ausflug und frage mich: Geht gerade eine Welt unter?”

jetzt kommentieren? 05. September 2012

Neuerscheinung: Detlef Uhlmann – Mein Leben als Chef von Deutschlands edelstem Bordell

Na, das nenne ich eine spannende Biographie, die kurz nach Veröffentlichung derzeit in den Medien – beispielsweise in der Bildzeitung – weitergeschrieben wird, weil der Autor vor der Strafjustiz geflohen ist.

Aus der Verlagsinformation: Das „Bel Ami“ in Berlin war und ist nicht nur ein Bordell. Es ist eines der edelsten Etablissements, die es in Deutschland je gegeben hat. Über viele Jahre waren die Prominenten, Reichen und Mächtigen Stammgäste und ließen dort die Puppen tanzen. Man amüsierte sich nächtelang, der Champagner floss in Strömen, Geld spielte keine Rolle.

Nach über 30 Jahren im Geschäft hat Detlef Uhlmann nun all seine spannenden, skurrilen und unterhaltsamen Erlebnisse in einem Buch zusammengefasst und gewährt so einen Blick durch das Schlüsselloch. Als ausgebildeter Kapitän wurde er verblüffend leicht zu einem der bekanntesten Bordellbesitzer Deutschlands. Doch wie kam es dazu? Und wie schaffte er es das „Bel Ami“ zu Deutschlands edelstem Club zu machen? Was passierte dort alles und welche Wünsche wurden erfüllt? Detlef Uhlmann erzählt aus seinem riesigen Fundus an Geschichten und entführt den Leser in die Halbwelt von menschlichen Abgründen, aber auch von Glamour, Sex und Luxus.

Der Autor
Detlef Uhlmann, geboren 1942, gründete Ende der 1970er-Jahre das Bel Ami. Im Lauf der Jahre hat er den Club zu einem der edelsten Bordelle Deutschlands ausgebaut, in dem sich Prominenz und Geldadel die Klinke in die Hand geben. 2009 wurde er wegen Steuerhinterziehung zu 3 Jahren Haft verurteilt und musste den Club aufgrund der Steuerschulden zunächst schließen, bevor er ihn 2011 neu eröffnete. Er lebt in Berlin.

jetzt kommentieren? 04. September 2012

Neuerscheinung: “Ja, natürlich! Ich erzähle frei.”

Für mich ist es immer eine Freude, substantielle Bücher edieren zu dürfen. Dazu gehört mit Sicherheit auch das neue Lern- und Lehrbuch zur Kunst des Erzählens von Norbert Kober, das jüngst in meiner xlibri.de Buchproduktion erschienen ist. Auch zum biographischen Erzählen eigener Lebensgeschichten ist das umfangreiche Werk sehr zu empfehlen! 

Aus der Verlagsinformation:  Wir hören gerne Menschen zu, die eine wahre oder erfundene Begebenheit lebendig und anschaulich erzählen können. Sie entführen uns in andere Welten, lösen Gefühle aus, sie amüsieren uns und übermitteln in manchen Fällen mit ihren Geschichten sogar Lebensweisheiten und Verständnis für größere Zusammenhänge. Ist es nun aber Zufall, ob jemand gut oder schlecht erzählt? Ist es erlernbar? Wenn ja, was sind die Fertigkeiten, deren Entwicklung zu einem „guten“ erzählerischen Ausdruck führen?

Der bekannte Erzählkünstler und Erzählpädagoge Dr. Norbert Kober erklärt in diesem Lehr- und Lesebuch kurzweilig und dennoch in vollem Umfang, worauf es beim freien, mündlichen Erzählen von Märchen und Geschichten wirklich ankommt.

„Kobers Erzählkurse – ein Genuß zu besuchen und als Buch lehrreich zu lesen. Unbedingt empfehlenswert!“
Andreas Mäckler, Biographiezentrum

„In diesem Erzählbuch stellt er sich der Herausforderung, wie Menschen das freie Erzählen von Geschichten lernen können. Kober wendet sich belesen und leichtfüßig an Einsteiger wie Fortgeschrittene, Alltagserzähler und wissenschaftlich Interessierte. Kompetent und liebevoll gemacht, vom Text bis zur Illustration!“
Frank Vohle

Der Autor:

Dr. (phil.) Norbert Kober, Jahrgang 1969, gilt als „Missionar der Mündlichkeit.“(1) Dem gebürtigen Steirer ist die mündliche Erzählkunst nicht in die Wiege gelegt worden – zumal würde niemand, der seiner „mündlichen Erzählkunst par excellence …“(2) lauscht, glauben, dass er lange ein Stotterkind war. Das vorliegende Lehr- und Lesebuch ist die Zusammenfassung aus über zehn Jahren angewandter Erzählforschung und Bühnenerzählkunst. Hier fließen auch Kobers’ praktische Erfahrungen aus seiner Lehrtätigkeit in der Goldmund-Erzählakademie und im Lehrerbildungszentrum der Ludwigs-Maximilians-Universität ein.

1) Süddeutsche Zeitung 10/06
2) Münchner Merkur 12/05

jetzt kommentieren? 21. August 2012

Neuerscheinung: Der verstrahlte Westernheld

Auch wenn es keine Biographie ist, stelle ich das neue Buch von Rudolph Herzog hier gerne vor, hatten wir in den letzten fünfzehn Jahren doch immer wieder viele schöne Treffen und Tage zusammen – zuletzt im April in Bad Sooden-Allendorf, da drehte er im Grenzmuseum für einen biographischen Dokumentarfilm.

Aus der Verlagsinformation: Leichtsinn, Wahnsinn, Paranoia – Rudolph Herzogs Bilanz des fahrlässigen menschlichen Umgangs mit atomarem Material. Der Schaffner Walter Gregg aus dem verschlafenen Städtchen Mars Bluff in South Carolina ist am 11. März 1958 gerade in seiner Garage mit allerlei Kleinkram beschäftigt, als plötzlich ein ohrenbetäubender Knall die Stille zerreißt. Nachdem sich die über dem Grundstück stehenden beißenden Rauchschwaden gelichtet haben, bietet sich ein Bild der Verwüstung: Mitten im Hof klafft ein 22 Meter breiter Krater – und in ihm steckt eine halb zerfetzte Atombombe, die sich versehentlich von einem Flugzeug der US Army gelöst hatte. Immerhin: wohin die Bombe gefallen war, konnte jeder sehen. Anders geschah es zehn Jahre später, als bei einem Flugzeugabsturz vor Grönland eine Wasserstoffbombe verschwand – und bis heute nicht gefunden worden ist. Auch die deutsche Wissenschaft war keineswegs tatenlos: So wollte der Wasserbauingenieur Friedrich Bassler in den 1970er-Jahren mithilfe von 200 vergrabenen Wasserstoffbomben eine Verbindung zwischen dem Mittelmeer und der Qattara-Senke in Ägypten freisprengen, um einen Stausee zur Stromerzeugung zu schaffen.

Diese eigentlich unfassbaren Geschichten sind nur drei von vielen, die Rudolph Herzog zusammengetragen hat. Und es ist beinahe überraschend, dass sie sich nicht noch öfter so oder ähnlich zugetragen haben – immerhin hielten die USA ab 1960 ständig atomar bestückte Flugzeuge in der Luft, um einen möglichen sowjetischen Erstschlag kontern zu können. Herzog, der sich bisher u. a. mit der hochgelobten TV-Reihe The Heist (BBC) und der Dokumentation Heil Hitler, das Schwein ist tot! einen Namen gemacht hat, zieht Bilanz über die zwar kurze, aber verheerende Geschichte des Umgangs der Menschen mit atomarem Material.

Er schreibt über die Verbreitung der Uran-Zentrifugen (wie heute im Iran), über verschwundenes oder noch heute in Kasachstan frei herumliegendes Atomwaffenmaterial, Plutonium im Weltall, Weltuntergangsmaschinen und anderen Irrsinn, den das Atomzeitalter (bisher) hervorgebracht hat. 

Teilweise können wir heute über derartig bizarre Geschichten lachen – weil sie grotesk anmuten, und wir gemessen an dem, was jahrzehntelang dräute, glimpflich davon gekommen sind. Während des Kalten Krieges war indes den Wenigsten zum Lachen zumute. Die Angst vor dem großen Knall gehörte fest zum Gefühlsinventar der Menschen, in Deutschland gar so sehr, dass man es nur für eine Frage der Zeit hielt, wann die Bundesrepublik sich als Pufferzone zwischen den Großmächten USA und Sowjetunion in eine Strahlenwüste verwandeln würde.

Dass nicht nur Normalbürger sich mit den Gefahren der Atomkraft auseinandersetzen mussten, sondern auch die Reichen und Schönen Hollywoods, beweist der Snow Canyon in Utah – der war nämlich nicht nur als Drehort für Monumentalfilme beliebt, sondern lag auch in unmittelbarer Nähe eines Atomtestgebiets. Schauspieler wie John Wayne und Susan Hayward starben später an Krebs, ebenso viele andere an Dreharbeiten im Canyon Beteiligte.       
             
Dabei versprach die neue Technologie vor gut siebzig Jahren nicht nur kriegerische Vorteile, sondern auch die Vereinfachung von Arbeitsprozessen und sogar medizinischen Nutzen. Zu der anfänglichen Unerfahrenheit der Verantwortlichen gesellte sich schnell Paranoia, aber auch Größenwahn. Die Planung so bizarrer Ideen wie der Sprengung eines zweiten Panama-Kanals mittels 300 (!) Atombomben zeugen davon ebenso wie der Bau immer größerer und gefährlicherer Waffen (Wasserstoffbomben, Kobaltbomben). Ganze Landstriche wurden durch leichtsinnige Atomtests unbewohnbar gemacht, betroffen waren nicht nur die Bewohner abgelegener Inselatolle, sondern auch die australischen Aborigines.

Auf solche Ideen käme heute wohl niemand mehr, und auch die Zeiten atomarer Drohgebärden sind glücklicherweise – zumindest in westlichen Breitengraden – vorbei. Nach wie vor problematisch ist allerdings einmal mehr die Unwissenheit der Menschen. Nicht nur klapprige Atommeiler und die Frage der Endlagerung stellen uns vor Herausforderungen, sondern vor allem die schiere Menge des atomaren Materials, das noch in Umlauf ist. In vielen Fällen wissen wir nicht einmal, wo es sich befindet. Neben der eingangs erwähnten Wasserstoffbombe vor Grönland gelten schätzungsweise weitere 30–40 Kernwaffen als verschollen. Einige davon gingen im Kalten Krieg über besiedeltem Gebiet verloren. In Kasachstan liegen auf einem Testgelände von der doppelten Größe Sachsens viele Kilo waffenfähiger Stoff frei zugänglich herum.

Rudolph Herzogs Buch ist eine Bilanz des Schreckens, die eindringlich vor Augen führt, dass eine globale Problematik auch ein internationales, öffentliches Bewusstsein benötigt. Mithilfe fundierter Quellen – und einer gehörigen Portion Galgenhumor – zeigt Der verstrahlte Westernheld, dass es an der Zeit ist, endlich aus immer wiederkehrenden Fehlern zu lernen.

Rudolph Herzog, geboren 1973, ist Autor und Regisseur und machte sich mit seiner dreiteiligen Serie The Heist (2004) international einen Namen. Er ist Producer für große deutsche und britische Sender sowie NHK Japan. Sein Buch Heil Hitler, das Schwein ist tot! Lachen unter Hitler – Komik und Humor im Dritten Reich (2006) wurde ins Englische, Chinesische und Italienische übersetzt.

jetzt kommentieren? 10. August 2012

TV-Tipp: Hans Neuenfels – Mein Leben

Sonntags ist bei Arte Biographie-Tag. Am 22. Juli zeigt der Sender um 14.10 Uhr einen Lebensfilm über den Theaterregisseur Hans Neuenfels.

Aus der Senderinformation: Zwar feierte er im Mai 2012 bereits seinen 71. Geburtstag, doch bis heute gilt er als Enfant terrible des deutschen Theaters: Hans Neuenfels. Auch nach mehr als einem halben Jahrhundert als Regisseur sprüht er vor Ideen und Schaffenskraft. Der Film von Claudia Müller wirft einen Blick auf den Theaterregisseur und den privaten Hans Neuenfels, der mit der Schauspielerin Elisabeth Trissenaar seit mehr als 40 Jahren verheiratet ist.

Hans Neuenfels gilt als einer der kreativsten und mutigsten Theater- und Opernregisseure Deutschlands. Die Tatsache, dass er vor allem durch zahlreiche Theaterskandale berühmt wurde, hat dem unvoreingenommenen Blick auf seine Arbeit oft geschadet.

Als Enfant terrible des Theaters fiel Hans Neuenfels schon Anfang der 1970er Jahre auf. Mit 27 Jahren hatte er bereits 30 Stücke inszeniert, später wurde er als einer der “Väter des Regietheaters” gefeiert. Seinem Stil ist er bis heute treu geblieben. Der Kern seiner Arbeit als Regisseur liegt darin, seinen Zuschauern einen neuen und aktuellen Blick auf klassische Stoffe zu vermitteln. Kunst ist bei ihm nie statisch, sondern ein lebendiger Prozess.

Im vergangenen Jahr veröffentlichte er seine Biografie “Das Bastardbuch” und inszenierte zwei Opern. “Wenn man älter wird muss man mehr, nicht weniger machen”, sagt er, “weil die Zeit knapp wird”. Dass er sich nie geschont hat und einen ungesunden Lebensstil pflegt, ist allgemein bekannt.

Der Film wirft einen intimen Blick auf die Antriebskraft von Neuenfels’ Arbeit, seinen Umgang mit Erfolgen und Niederlagen sowie seine frühe Prägung durch die Surrealisten und die Psychoanalyse. Neuenfels wuchs während der Nachkriegszeit in Krefeld auf, flog mehrfach von der Schule und war mit Anfang 20 bereits der persönliche Assistent von Max Ernst.

Bis heute findet der exzessive Arbeiter seinen Halt in seiner Familie: Bei seiner nicht minder berühmten Frau, der Schauspielerin Elisabeth Trissenaar, und seinem Sohn, dem mehrfach preisgekrönten Kameramann Benedict Neuenfels. Mit Elisabeth Trissenaar hat er mehr als 60 Theater-, Film- und Opernproduktionen gemeinsam erarbeitet. Sie war und ist seine Muse.

Für dieses Porträt begleiteten die Regisseurin Claudia Müller und ihr Team die Familie auf die griechische Insel Paros. Mit großer Offenheit berichten Neuenfels und seine Frau, was ihre 40-jährige Ehe lebendig gehalten hat, und Sohn Benedict, wie ihn das Aufwachsen in einer “Zirkusfamilie” prägte.

Einblicke in seine Arbeitsweise liefern die Beobachtungen der Inszenierung von “Lohengrin” in Bayreuth und Archivmaterial aus den 1970er Jahren, als er die Frankfurter Theaterszene mit Produktionen wie “Medea” aufmischte. Hans Neuenfels ist immer ein Rebell geblieben: Ein sanfter Rebell, der die deutsche Theater- und Opernlandschaft nicht nur geprägt, sondern verändert hat.

jetzt kommentieren? 19. Juli 2012

Neuerscheinung: Biografie von Mr. amazon

Ich bin ein großer Amazon-Fan, das sieht man auch in diesem Blog mit den Amazon-Links und meinem Biographien-Buchladen, powered by Amazon. Amazon ist eine der wichtigen Säulen meiner Existenz als Publizist und Selbstverleger; auch kaufe ich viele gebauchte Bücher und DVDs über Amazon. Für die Meisten ist der wachsende Internet-Riese ein Segen, der stationäre Buchhandel dagegen gehört sicher zu den Verlierern der Medienverlagerung. Gleichwohl fällt mir kein spezieller Buchladen im Gegensatz zu Amazon ein, dem ich wirklich viel zu verdanken hätte, auch wenn von meinen Büchern im Dumont Buchverlag, Ullstein, C.H. Beck, Benedikt Taschen im Laufe meiner 25-jährigen Tätigkeit als Autor mehr als 200.000 Bücher über stationäre Buchläden verkauft worden sind. Inzwischen mache ich mehr Umsätze via Internet und Amazon.

So habe ich gestern die Biografie von Richard L. Brandt über Jeff Bezos, Gründer von amazon.com, in einem Rutsch gelesen. Sie ist kurzweilig geschrieben und inhaltlich – was wäre anderes zu erwarten gewesen? – spannend. Ob es ein großes Werk der Biografik ist, sei dahingestellt. Aber auf alle Fälle ist das Buch lesenswert, denn Bezos ist sicherlich eine der großen, prägenden Figuren des Internetzeitalters.     

 Aus der Verlagsinformation: Was steckt wirklich hinter dem Phänomen Amazon? Wer ist der Architekt hinter dem größten Online-Händler der Welt? Der Gigant unter den Online-Händlern – seine Marktmacht, sein Service und seine Ambitionen sind legendär und Vorbild für viele. Doch nur wenige kennen die Person hinter diesem Erfolg – den Macher und genialen Strategen Jeff Bezos.

Die Geschicke von amazon sind untrennbar mit der Persönlichkeit ihres Gründers verwoben. Nur ein genialer „Nerd“ wie er konnte in der aufstrebenden Internet-Euphorie der 80er-Jahre so erfolgreich sein, denn seine Vision war nicht, ein weiterer Online-Händler zu werden, sondern schlicht der beste.

Dieses Buch zeigt, wie das Patent auf den Bestellbutton „One Click“ oder das Produkt Kindle und andere Ideen dazu beigetragen haben, amazon zum erfolgreichsten Onlinehändler der Welt zu machen. Dieses Buch zeichnet ein faszinierendes Bild der Persönlichkeit von Jeff Bezos.

„Mr. amazon“ des Bestsellerautors Richard L. Brandt ist nicht nur eine Unternehmerbiografie, sondern bietet tiefe Einblicke in die Erfolgsstrategien und Pläne eines Unternehmens, das nicht nur den Buchhandel revolutioniert hat, sondern einen Paradigmenwechsel in Vertrieb und Verkauf im 21. Jahrhundert eingeleitet hat. Ein Muss für jeden, der schon einmal über das Internet gekauft hat oder mit dem Internet Geld verdienen möchte.

bisher 1 Kommentar 06. Juli 2012

Neuerscheinung: Biografie.Theater

Das neue Heft FOKUS SCHULTHEATER 11 - Zeitschrift für Theater und ästhetische Bildung, erschienen in der edition Körber-Stiftung, ist dem Wechselspiel von Biografie und Theater gewidmet. Substantiell in den Texten und schön ediert, ist es allen sehr zu empfehlen, die sich in diesem Bereich professionell oder interessensmäßig tummeln. Denn Hand aufs Herz: Ist nicht unser ganzes Leben Theater?

Aus der Verlagsinformation: Theater lebt immer auch von der Identifikation, vom Wiedererkennen des Eigenen und vom Erkennen des Fremden. Doch wie lassen sich biografische Erfahrungen im Theater inszenieren? Eine Frage, die besonders die Theaterarbeit mit Jugendlichen prägt, denn eine Stärke des Schülertheaters liegt in seiner Subjektzentrierung: Es geht darum, eigene Standorte zu bestimmen, Werk und Leben in Beziehung zu setzen und diese ästhetisch-dramatisch zu gestalten.

»Biografie.Theater« setzt sich mit den vielfältigen Bezügen zwischen eigenem und fremdem biografischem Material auseinander, fragt nach dem individuellen Bezug der Darsteller und nach deren theatralen Ausdrucksformen.

Der elfte Band der Reihe »Fokus Schultheater« bietet dazu wissenschaftliche Beiträge von Miriam Dreysse und Gudrun Herrbold sowie informative Praxis- und Didaktik-Artikel, die anhand vieler Beispiele das Verhältnis von Biografie und Theater diskutieren.

jetzt kommentieren? 28. Juni 2012

Neuerscheinung: Die seelenlose Gesellschaft

Ich denke immer gern an Till Bastian, als wir und andere Krimiautoren 2002 in München die Criminale organisiert haben. Besonders schätzen lernte ich seine tieferen Reflektionen, die den Krimi als Vehikel benutzten, um über gesellschaftliche Fragen nachzudenken.

Dieses neue Buch von ihm ist kein Krimi, liest sich aber spannend.  Technik fressen Seele auf. Was passiert mit einer Gesellschaft, deren Mitglieder ihre Identität immer mehr verlieren? Der Arzt und Psychotherapeut Till Bastian unternimmt eine differenzierte Bestandsaufnahme und Ursachenforschung.

Aus der Verlagsinformation: In seinem neuen Buch geht Till Bastian dem von außen geleiteten Charakter nach und dessen verzweifeltem Bemühen, im Mainstream mit zu schwimmen. An die Stelle von Herkules am Scheideweg tritt Herkules der Überforderte und Ausgenbrannte. Je mehr Optionen es gibt, je größer wird auch der Anteil an ungelebtem Leben: Lost in decision! Die digitalen Identitäten, die sich jeder in beliebiger Form erschaffen kann, helfen nicht gegen die innere Leere, soziale Verwahrlosung und Einsamkeit. Ein Beispiel ist das Hikkikomori-Syndrom: immer mehr junge Männer, in virtuellen Welten versunken, verlassen ihre Wohnung nicht mehr. Auf der anderen Seite steht die erbarmungslose Vernichtung der „Ware“ Arbeitskraft. Bastian sieht diese seelisch, körperlich und geistig erschöpften Menschen täglich in seiner Praxis. Was tun, damit wir unsere verlo-rene Seele, das, was den Menschen im Innersten zusammenhält, wieder finden können? In seine Überlegungen bezieht er sich auf zwei Verfechter des Partisanentums der Seele, Hen-ry David Thoreau und Herman Hesse.

„Jeder Schritt, der zu mehr emotionaler Autonomie führt – also zu mehr Bereitschaft, nach dem zu handeln, was wir unabhängig von allen äußeren Gehirnwäschen als innerlich richtig für uns selbst fühlen – ist ein Schritt zum Überleben.“

Über den Autor
Till Bastian, Jahrgang 1949, ist Arzt und Psychotherapeut an einer Fachklinik für psychoso-matische und internistische Medizin und Autor zahlreicher Bücher. 2010 erschien Seelenleben – Eine Bedienungsanleitung für unsere Psyche. Er lebt mit seiner Familie in Isny im Allgäu.

jetzt kommentieren? 14. Juni 2012

Neuerscheinung: Zwischen Mailaise und Magie

Wiederum nicht unbedingt ein biographisches Buch, das unser Verlag neu im Programm hat, doch sind Leben und Theater nicht nahe beieinander? Sind nicht auch Biographien vielfach inszenierte Werke einer Bühnenkunst, die das Leben ist? Wie auch immer: Thomas de Neves neues Buch ist nicht nur eine Pflichtlektüre für Theatermacher und Kulturliebhaber.

Aus der Verlagsinformation: In 19 Essays und fünf Intermezzi entschlüsselt Thomas de Neve die Geheimnisse erfolgreicher Theaterkunst. Sein Buch „Zwischen Malaise und Magie. Theater im Leben – Leben im Theater“ überzeugt durch vielschichtiges Insiderwissen und messerscharfe Analysen des komplexen Theatergeschehens.

Eines vorab: Thomas de Neves Buch wird nicht nur Theatermacher und Theaterwissenschaftler begeistern. Auch jeder kulturell Interessierte wird sein profundes Werk, das aus 19 Essays und fünf Intermezzi besteht, mit Hochgenuss lesen. Denn der Autor, selbst seit über 30 Jahren als Schauspieler, Regisseur und Dozent international tätig, macht neben den künstlerischen auch die psychologischen Prozesse der Theaterarbeit transparent. Etwa wie glaubwürdige Emotionen entstehen, wie Denken, Fühlen und Sprechen zusammenhängen und in welchem Verhältnis das Privatleben des Schauspielers zu seiner Kunst steht.

Sein Buch Zwischen Malaise und Magie. Theater im Leben – Leben im Theater verdeutlicht alle relevanten Aspekte und Facetten von Dramaturgie, Regie und Schauspiel. Angefangen von der Textanalyse und Konzeptentwicklung bis zu der Herausforderung, auch in der 60. Vorstellung noch präzise und lebendig zu aufzutreten, gewährt de Neves Erstlingswerk tiefe Einblicke in die Probleme, Fallstricke und Möglichkeiten des Theaters. Deutlich wird zum Beispiel, wie die modische Sucht nach Neuem künstlerischer Aussagekraft im Wege stehen kann, bestimmte Schauspieltechniken in Sackgassen führen und was Bühnenpräsenz und künstlerische Persönlichkeit eigentlich ausmacht.

Zusammenspielen, Ego und Schauspieler, Emotion und Gefühl, Hingabe und Kontrolle – all diese Themen bringt der Theaterkenner mit seltener Schärfe auf die Lesebühne. De Neve scheut sich nicht, bestimmte Praktiken sowie Gewohnheiten im Theatergeschehen zu kritisieren, etwa warum auf der Bühne oft mit Spektakulärem aufgetrumpft und mit Sex sowie Gewalt ein Feuerwerk gezündet wird. Warum das Verhältnis zwischen Schauspieler und Regisseur mal zu zärtlich, mal tyrannisch ist. Oder warum Egozentrismus einen Schauspieler dazu bringt, der Figur, die er spielen soll, im Wege zu stehen und somit eine verkehrte Rolle zu spielen.

Durchgängig belegt und illustriert de Neve seine Argumentation mit konkreten Beispielen. Auf jeder Seite, in jedem Absatz und in jeder Zeile dieses außergewöhnlich fundierten Buches spürt der geneigte Leser, dass der Autor vom Fach ist und  auf eine jahrelange vielschichtige Praxis zurückblicken kann, Erfahrung statt Theorie eben. Im Vorwort schreibt der vielfach preisgekrönte holländische Schauspieler Gijs Scholten van Aschat, Thomas de Neves Buch sei eine „Pflichtlektüre für Berufsgenossen und Theaterliebhaber”. Dem ist nichts hinzufügen.

Über den Autor
Thomas de Neve arbeitet seit über 30 Jahren als Schauspieler, Regisseur und Dozent. Nach seinem Germanistik- und Geschichts-Studium absolvierte de Neve eine Schauspielausbildung. Später erweiterte er sein Können immer wieder in internationalen Workshops. Als Schauspieler und Regisseur wurde der gebürtige Deutsche, der seit 1980 in den Niederlanden lebt, vor allem durch seine Arbeit mit amerikanischen und russischen Theatermachern geprägt. Neben Regie-Arbeiten in Deutschland, den Niederlanden und Italien ist de Neve sowohl an verschiedenen Universitäten, für Unternehmen als auch an der renommierten Schauspielakademie Maastricht als Dozent tätig.

jetzt kommentieren? 01. Juni 2012

Neuerscheinung: Landkarten des Lebens

Wo kommen wir her? Wo stehen wir jetzt? Wie wurden wir zu dem, was wir sind? Was hält uns? Wie geht es weiter? Fragen über Fragen zu Gestaltung unseres Lebens, denen Gundula Gause und Rainer Wälde in ihrem neuen Buch nachgehen.

Aus der Verlagsinformation: In ihrem jetzt erschienenen Buch „Landkarten des Lebens“ (adeo Verlag) gehen Gundula Gause und Rainer Wälde in der Mitte ihres Lebens auf Spurensuche. In den Tälern, Schluchten, Sackgassen und auf Gipfeln des Lebens. So entfaltet sich eine Lebenslandkarte zweier Menschen, die ihren Weg gefunden haben. Und die eine Brücke zum Leben ihrer Leser schlagen.

„Wir wagen in diesem Buch einen Blick auf die imaginäre Landkarte unseres Lebens. Auf ihr haben wir die Orte einge-tragen, die in unserem Leben eine wichtige Rolle spielen, die Wege, die wir gegangen sind – im tatsächlichen wie im über-tragenen Sinn“, erklären Gundula Gause und Rainer Wälde im Vorwort des Buches.

Doch ist das Buch nicht nur ein bewegendes Lebensporträt der Nachrichten-Moderatorin und des Filmemachers, sondern auch eine Einladung, den eigenen Weg nachzuzeichnen, Schritt für Schritt die eigene Lebenslandkarte zu entwickeln, das Motto seines Lebens zu entdecken und somit den Blick für den weiteren Weg zu schärfen.

Paris und Mainz waren die Orte, an denen Gundula Gause Politikwissenschaften, mittlere und neuere Geschichte sowie Publizistik studierte.  Seit 1989 arbeitet die Journalistin als Redakteurin und Moderatorin verschiedener Sendungen für das ZDF. Seit1993 ist sie Nachrichten-Moderatorin im „heute journal“. Ehrenamtlich engagiert sich die Protestantin seit vielen Jahren für das katholische Hilfswerk „missio“.

Rainer Wälde ist Berater, Filmemacher, TV-Moderator und Buchautor. Er ist Mitbegründer und  Vorsitzender des Deutschen Knigge-Rats. Seine Fernsehserie „In 115 Tagen um die Welt“ und der  Film „Meine Reise zum Leben“ wurden mit  dem World Media Award ausgezeichnet. Mit seiner Frau Ilona leitet er die TYP Akademie und bietet persönliches Coaching zur „Landkarte des Lebens“ an. www.typakademie.de

jetzt kommentieren? 30. Mai 2012

Neuerscheinung: Der Hölle entkommen

Spannendes Buch aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und danach. „Der Hölle entkommen“ ist ein erstklassig recherchierter Roman, der authentisch von den Zuständen im Kriegsgefangenenlager erzählt.

Aus der Verlagsinformation: Georg von Beeke und seine Kompanie geraten gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Eingesperrt in ein Lager am Rhein erleben sie die Hölle auf Erden. Fluchtversuche enden in der Regel tödlich. In der Gemeinschaft finden Georg und seine Kameraden immer wieder die Kraft, ihr Schicksal zu ertragen. Und noch etwas lässt Georg durchhalten: Die Sehnsucht nach seiner großen Liebe, Marie. Als ihm nach Hitlers Selbstmord schließlich die Flucht gelingt, macht er sich auf den Weg zu seiner Familie. Im zerstörten Deutschland begegnen Georg verschiedene Menschen, deren Schicksale von den chaotischen Zuständen der Nachkriegszeit bestimmt werden.

Zum Autor:
Eberhard Bordscheck wurde 1943 in Dortmund geboren. Der gelernte Großhandelskaufmann besuchte neben der täglichen Arbeit in einem Sanitär- und Heizungsfachhandel die Abendschule, um an der Pädagogischen Hochschule in Dortmund seinen Abschluss zu machen und Lehrer zu werden. Er unterrichtete anschließend bis zu seiner Pensionierung 2006 in den Fächern Deutsch, Geographie, Geschichte, Religion, Sport und Englisch. Wissensdurstig studiert Bordscheck bis heute, zuerst berufsbegleitend Katholische Theologie in Münster, derzeit in einem Altersstudiengang Ur- und Frühgeschichte in Köln.

jetzt kommentieren? 29. Mai 2012

Neuerscheinung: Das Leben der Elsässer unter deutschen Kaisern und französischen Königen

Nicht unbedingt ein biographisches Buch, das ich in den letzten Monaten ediert habe. Doch es erzählt viel und spannend über das Leben der Menschen im Elsaß von der Römerzeit bis zur Gegenwart.

Aus der Verlagsinformation: Stetig wechselnde Unterdrücker, Besatzer und Herrscher in den letzten 2.000 Jahren haben die Kultur, Sprache und Traditionen im Elsaß bis heute geprägt. Karl G. Engels zeichnet in seinem Buch „Das Leben der Elsässer unter deutschen Kaisern und französischen Königen“ die geschichtlich relevanten Etappen nach und ermöglicht auf diese Weise ein besseres Verständnis der Einzigartigkeit dieser herrlichen Region.

Über Landschaft, Kunst, Folklore oder Wein des Elsaß wurde bereits viel geschrieben, deutlich seltener hingegen über die wechselvolle Geschichte des Landstrichs zwischen Vogesen und Rhein. Umso interessanter ist, dass Karl G. Engels eine Vielzahl historischer Quellen ausgewertet hat, um in seinem neuen Buch „Das Leben der Elsässer unter deutschen Kaisern und französischen Königen“ darzulegen, wie sich die geschichtlichen Geschehnisse auf Land und Leute ausgewirkt haben. Auch wenn der Buchtitel irreführend erscheint, da Engels sich nicht auf die Jahrhunderte unter der Herrschaft des französischen bzw. deutschen Adels begrenzt, sondern alle relevanten Geschichtsfakten bereits seit der Römerzeit chronologisch darstellt – lesenswert ist sein Buch allemal.

Engels versteht es, den Leser von Seite zu Seite mehr in den Bann der historischen Entwicklungen zu ziehen. Geschickt reichert er geschichtliche Fakten und Anekdoten mit seinen persönlichen Erfahrungen im Elsaß an und macht sein Buch, auch dank seines lockeren Schreibstils, zu einem kurzweiligen Lesevergnügen. Die Ausführungen des ambitionierten Freizeit-Historikers verdeutlichen die unzähligen Wirren, denen die Elsässer, quasi als der Spielball mächtiger Interessen wechselnder Potentaten, immer wieder ausgesetzt waren.

Der Leser erfährt unter anderem, wie und wo sich die alten Römer bis heute im Elsaß verewigt haben, was ein Klimaphänomen zwischen 300 bis 630 n.Ch. damals für die Menschen bedeutete, wie sich Kriege, Hungersnöte sowie Epidemien auf die Bevölkerungsdichte auswirkten, welches Dasein Bauern und Handwerker im Mittelalter fristeten und welche Folgen es hatte, dass der Adelstitel nach 900 n.Ch. plötzlich vererbbar war. Zahlreiche Bilder und Skizzen im Buch illustrieren und dokumentieren die Geschehnisse im Wandel der Zeit.

Die geschichtlichen Abläufe und Hintergründe betrachtet Engels unbelastet von politischen und ideologischen Vorurteilen oder Rücksichten so, wie sie sich tatsächlich zugetragen haben. Selten wurde bisher in dieser Klarheit vermittelt, weshalb das Elsaß, einem Zankapfel gleich, über die Jahrhunderte hinweg zwischen Deutschland und Frankreich hin- und hergerissen wurde. Dieses Buch leistet somit einen wertvollen Beitrag, um das Verständnis zwischen Elsässern und Deutschen weiter zu verbessern. Auf den Punkt gebracht: Engels’ umfassendes Werk ist nicht nur historisch Interessierten zu empfehlen, sondern allen, die das Elsaß besuchen und besser kennen lernen möchten.

jetzt kommentieren? 29. Mai 2012

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