»Ihnen beim Verkaufen zuzusehen, ist ein Wunder.«
Berufsleben und Ehejahre Mitte der 60er Jahre bis 1992

Weil Bernhard stotterte und die Ärzte sagten, dass Musik und Singen ihm helfen könnten, kaufte ich ein Klavier und wir nahmen zu dritt Klavierunterricht. Die Stunde kostete 15 Mark, das war für uns viel Geld. Adi war natürlich dagegen, so wie er gegen alle künstlerischen Ambitionen war, und hob immer nur hervor, wie teuer das sei. Schließlich schaffte er es, dass wir mit dem Klavierunterricht aufhörten, weil er das Geklimpere nicht mehr ertragen konnte. Die Lehrerin bedauerte unsere Entscheidung natürlich, vor allem wegen Bernhard, der von uns Dreien der Talentierteste war. Wir konnten schon vierhändig miteinander spielen.


Bernhard spielte lieber Fußball, doch ich war dagegen, weil der Arzt mich warnte: »Die Lungen des Jungen sind noch nicht stark genug, er ist ja eher schmächtig.« Mit neun Jahren war Bernhard schwer an der Leber und Galle erkrankt. Tage- und nächtelang habe ich an seinem Bett gesessen und zu Gott gebetet, dass er ihn wieder gesund werden ließe. Bernhard aß nur wenig, alles spuckte er wieder aus. Vor allem das fette Essen, das Adi täglich wollte, mochte Bernhard überhaupt nicht. Für Adi musste alles mit Butterschmalz zubereitet werden, dadurch war das Essen noch fetter als normal. »Wenn ich keine Butter bekomme«, hatte Adi gedroht, »höre ich auf zu arbeiten.« Es hat Jahre gedauert, bis Bernhards Appetit sich wieder normalisierte. Bis heute verzieh er mir nicht, dass ich ihn nicht im Fußballverein spielen ließ. Doch ich hatte Angst, dass zu seiner angeschlagenen Leber und Galle auch noch Herzkrankheiten wegen der Überanstrengung kommen würden. Vielleicht war das falsch, aber ich kann es heute nicht mehr ändern. 

Damit sich sein schmächtiger Körper besser entwickelte, meldete ich Bernhard beim Turnverein an, doch Adi weigerte sich, seinen Sohn zum Training zu fahren. Christine sollte unbedingt Ballett machen, sie hatte Freude beim Betrachten der Bilder. Ich wollte Abendkurse machen, um mich weiter zu bilden. Ich wollte nicht nur Hausfrau sein. Aber wie sollte ich zur Volkshochschule kommen, wenn mich Adi nicht hinbrachte? Dann wollte Christine Theater spielen, auch das hat Adi verhindert. So hat er uns alles vergällt, was uns Spaß machte. Ich wäre so gern öfters ins Theater und zu Konzerten gegangen. Musik und Kunst liebte ich über alles. Schon im Krieg ging ich gern zu den Aufführungen der Feldbühnen. Aber mit meinem Mann war ich nur einmal im Theater. Wir saßen oben im »Juchhee« für 3,75 Mark. »Das ist doch nicht so schlimm«, sagte ich zu Adi.
»Ich mag das nicht!« sagte Adi. »Ich musste bei meinem Vater immer alles anschauen, das hat mir gereicht. Ich will nicht mehr ins Theater.«

Angeblich musste er mit seinem Vater immer ins Theater gehen. Wieder alles gelogen! Sein Vater ging überhaupt nicht gern aus, und schon gar nicht ins teure Theater. Er war Postamtmann, der war die Woche über zwischen Augsburg und Kempten unterwegs und am Wochenende am liebsten zu Hause.
Ich tanzte leidenschaftlich gern! Mit zehn Jahren tanzte ich schon den Walzer rechts- und linksrum. Ich ging auf alle Manöverbälle! Mein Vater und meine Mutter waren nicht dafür: »Die ist doch noch viel zu klein!« Aber eine Nachbarin legte immer wieder ein gutes Wort für mich ein: »Nun lasst die Veronika doch mitgehen. Die tut doch so gern tanzen!«

Ich hatte die Soldaten geführt! Ich wirbelte mit ihnen übers Parkett. Erst später, nachdem ich verheiratet war, war es aus mit meiner Leidenschaft. Adi war kein großer Tänzer. Und dann, nach Adis Tod, war es vorbei mit meiner Attraktivität, keiner forderte mich mehr auf oder holte mich ab. Selbst in Wörishofen zum Tanznachmittag im Kurhaus fand ich nur noch selten einen Tanzpartner.

Ich hätte lieber viel mehr gesungen und gemalt, als im Haus zu arbeiten. Adi nahm mir alles, was schön war. Er ist der totale Kulturbanause gewesen, der nicht einmal ein Buch las. Immer fragte er nur, was das kostet, und dass es hinausgeworfenes Geld wäre, ein Konzert zu besuchen, ins Theater zu gehen, Klavierunterricht zu nehmen oder zu Malen. Meine Lieblingsmaler waren List und Defregger, mein Lieblingskomponist war Mozart, auch Kirchenmusik hörte ich gern, vor allem von Bach. In meiner Jugend konnte ich nie ausgehen, und im Krieg war daran schon gar nicht zu denken. In meiner Ehe hat mir dann Adi alles verleidet, obwohl wir es uns hätten gut einrichten können. Wir hatten später ein Auto und hätten überall hinfahren können. Adi ging schon aus, aber nicht mit mir.

Ich ging in eine Eheberatung, Adi ging natürlich nicht mit. »Du weißt scheinbar überhaupt nicht, dass du eine Familie hast!« warf ich ihm vor. Er wollte einfach nicht, dass wir noch etwas anderes taten als das, was im Rahmen seines primitiven Lebens war. Nicht um die Bohne hat er uns einen Wunsch erfüllt. Immer hieß es: »Da ist kein Geld da!« Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir auch nur einmal etwas zusammen unternommen haben, das uns allen Spaß machte.

Ich glaube gar nicht mal, dass Adi die Kinder quälen wollte. Nein, er wollte mich treffen als Rache dafür, dass ich die Kinder auf die Welt gebracht hatte. Bernhard hält mir noch heute vor, dass ich ihn damals nicht Fußball spielen ließ. Doch ich folgte nur dem ärztlichen Rat. Dass ich eine Preußin bin, kam als weiteres Argument hinzu, das Bernhard mir später entgegenbrachte, als er begann, mich zu hassen und aufs schlechteste zu behandeln.

Mein Mann hat alles getan, um mich zu quälen. Wenn die Kinder, vor allem Bernhard, geärgert wurden, dann litt nicht er darunter, sondern ich. »Die hat ja die Kinder gewollt«, sagte er mir immer wieder, »nicht ich!«
Wenn es besonders schlimm wurde, stellte er die Vaterschaft in Frage. »Die Plagen sind nicht von mir!« Immer, wenn es etwas Unangenehmes zu erledigen gab, waren die Kinder plötzlich nicht mehr von ihm. Immer ließ er mich allein kämpfen. »Dir kann man auf dem Kopf rumscheißen und du sagst auch noch Danke dafür«, sagte Bernhard. Mir gegenüber war er frech, Adi gegenüber nie.

Bernhard wechselte die Schule nach Neusäß. In der letzten Schulklasse kam er in die Klasse des Rektors, da wurde er endlich in Ruhe gelassen. »Jetzt habt ihr den Kempf genug gequält«, sagte der Rektor. »Jetzt ist Schluss! Wenn auch nur einer daher geht und den Kempf Bernhard anrührt, kriegt er es mit mir zu tun.« Da ging es auch schulisch aufwärts mit Bernhard.
Eines Tages fragte mich der Rektor: »Was will der Bub denn werden?«
»Ja«, sagte ich. »Er hat Spaß am handwerklichen Arbeiten.«
»Mit Maschinen?« fragte der Rektor.
»Ja, er will immer etwas mit Autos zu tun haben. Automechaniker wäre was für ihn.«
»Dann soll er am besten eine Prüfung für die Maschinenbauschule in Augsburg machen.«
Bernhard war begeistert. »Und wenn du deine Lehre machst«, versprach ich ihm, »dann spare ich ganz feste und kaufe dir eine Autowerkstatt – und ein Auto dazu.«

Bernhard bestand die Aufnahmeprüfung mit Bravour, da wurde ich gleich zehn Zentimeter größer vor Stolz. Und bei der Abschlussfeier des Jahrgangs bereitete uns der Rektor eine weitere Überraschung, die er ebenfalls ganz stolz verkündete, weil er Bernhard ja persönlich gefördert hatte: »Der einzige«, sagte er der Klasse, »der aus eurer Klasse die Aufnahmeprüfung für den Lehrgang Maschinenbau bestanden hat, ist der Kempf Bernhard.«

Ich war überglücklich. Bernhard wurde ein superguter Schüler an der Maschinenbauschule, auch wenn es wieder die üblichen Schwierigkeiten gab. Die Mitschüler haben ihm nachgestottert und Bernhard wie einen Vollidioten behandelt. Auch wegen der Kleidung musste er manchmal leiden. Als es im Winter so kalt war, habe ich ihm Strickstrumpfhosen angezogen. Da lachten ihn alle aus. Ich hatte immer Sorgen, dass er heil mit dem Bus in die Stadt und dann wohlbehalten in der Schule ankam. Bernhard musste schon um fünf Uhr morgens aufstehen und um sechs Uhr aus dem Haus gehen.

Chistine und Bernhard wurden selbständig, und ich suchte mir eine Arbeit. Wir brauchten Geld, so begann ich am 1. März 1966 im Haus der Hüte in Augsburg. Adi hatte Lust auf Luxus bekommen und wollte unbedingt ein Auto. Mir war es recht. Im Haus der Hüte bekam ich die schöne Gelegenheit, endlich meine Kreativität ausleben zu können und dafür auch Anerkennung zu bekommen. Ich durfte wunderschöne Pelzhüte fertigen. Das war zwar eine ziemliche Arbeit, die sehr anstrengend war, allein das Nähen des Leders ist ein Kraftakt, aber es machte mir viel Freude.
Wenn ich mit unangenehmen Kunden oder einem ungemütlichen Chef zu tun hatte, lachte ich immer und nahm es mit Humor. Wenn ich geschimpft bekam, habe ich danach gesungen. Singen tue ich noch heute, wenn mir etwas Böses widerfährt oder wenn ich deprimiert bin. Mit den Kollegen hatte ich manchmal Probleme, weil bei mir das Geschäft gut lief und sie neidisch waren. Die Besitzer des Geschäfts merkten rasch, hoppla, die arbeitet nicht für sich, sondern für uns. Ich schneiderte tolle Modelle und räumte ihnen auch den Laden auf. »Ob ich mal in den Keller hinunter darf, der riecht so komisch«, fragte ich eines Tages.

»Ja, Sie können ruhig mal runter gehen«, sagte die Chefin.
Da lagen Hunderte von alten Hüten in den Regalen, die völlig verwahrlost waren. »Was machen Sie denn mit den Hüten?« fragte ich die Chefin.
»Die kann man nicht mehr verkaufen«, sagte sie. »Wir werfen sie weg.«
»Nicht verkaufen?« fragte ich ungläubig. »Das glaube ich nicht! Die verkaufe ich.«
»Wie wollen Sie das denn machen?« Jetzt war auch der Chef hinzu gekommen und zog die Augenbrauen hoch. »Die stinken doch.«
»Lassen Sie mich das nur machen«, sagte ich und ging an die Arbeit, stellte sie Hüte ins heiße Dampfbad, bimste und stärkte sie und zog die Nähte nach. Dann wickelte ich sie sorgfältig in Seidenpapier, damit sie schön in Form blieben und nicht wieder zusammenfielen. Frisch renoviert stellte ich sie im Laden zum Kauf aus und hatte vollen Erfolg. Keiner hätte gedacht, dass die alten Hüte noch mal neue Besitzer finden würden. Ich verkaufte sie alle! Jetzt war ich wirklich als Modistin anerkannt und durfte auch Modellhüte fertigen, Seiden- und Ganzerhüte, Tüllhüte usw. Wir stellten auf den Modemessen in München, Frankfurt und Düsseldorf aus.

Christine ging nach der Berufsschule in den sozialen Wohnungsbau und wechselte zur Baufirma Griesmann. Die Chefin, Frau Griesmann, rief mich öfters an und gratulierte mir zu dieser reizenden und schönen Tochter. Ich solle nur sehen, dass sie lange in der Firma bliebe, denn sie habe einige Söhne und würde sie in Zukunft gern als Schwiegertochter haben. Aber Christine wollte nicht.

Lieber ließ sie sich mit einem Freund vom Bernhard verkuppeln, der Sohn eines Limonadenherstellers war. »Ich geb dir ein paar Flaschen Limo«, sagte Vinzenz lachend zu Bernhard, »und du gibst mir deine Schwester.«
So geschah es, doch eines Tages sagte Christine zu mir: »Du, ich mag den Jungen nicht – weil er stottert.«
»Das darfst du aber nicht«, sagte ich. »Bloß wegen des Stotterns oder eines anderen kleinen Gebrechens darfst du niemals einen Menschen wegschicken. Deinen Bruder müsstest du ja sonst auch wegschmeißen, bloß weil er stottert.«
Wenn die beiden Jungen sich unterhielten und stotterten, klang das schon recht komisch. Wir hatten viel Spaß zu Hause. Mein Schwiegersohn stottert ja heute noch. Anfangs lag er mir immer in den Armen oder saß auf meinem Schoß. Herr Schwab – so hieß er – bettelte mich förmlich an: »Gib mir doch die Christine, ich kann ohne sie nicht sein. Ich gehe in den Siebentischwald und erschieße mich.« Das waren seine Worte, bald erwies er sich auch als krankhaft eifersüchtig. Weil er dauernd bei uns anrief, kaufte ich Christine ein eigenes Telefon. »Ich reiß das Telefon aus der Wand, wenn der Kerl noch mal anruft«, schrie Adi, völlig genervt. An manchen Tagen rief Herr Schwab jede Viertelstunde an, oder er lag weinend in meinen Armen, weil er auch eine schlechte Kindheit hatte. Sein Vater war ein Trinker, die Ehe zerrüttet. Der Junge kam in ein Münchner Internat und dann in die Lehre bei Foto Lechenmeier, wohin er von seinen Eltern förmlich »verkauft« wurde. Weil er mir leid tat und ich mir dachte, dass sein Stottern ebenso psychisch bedingt wäre wie bei Bernhard, und dass ihn Liebe und Geborgenheit heilen könnten, gab ich nach all seiner Bettelei meine Einwilligung zur Verlobung. Erst nach der Hochzeit zeigte sich Vinzenz‘s wahres Wesen, und er wurde frech und unverschämt. Wie man sich nur in einem Menschen täuschen kann! Auch mein künftiger Schwiegersohn entwickelte sich zur Katastrophe.

Bei der Landung der ersten Menschen auf dem Mond 1969 saßen wir den ganzen Tag und die halbe Nacht vor dem Fernseher und haben gebetet, dass die Männer auch wieder wohlbehalten auf die Erde zurück kämen. Die hüpfenden Astronauten zu sehen, das war schon aufregend! Meine Mutter sagte immer: »Wenn du nicht brav bist, dann schieße ich dich auf den Mond!« Wenn sie heute noch leben würde und wüsste, dass man das wirklich tun kann und Raumflüge zum Mond fast schon normal geworden sind, dann würde sie herzlich lachen über ihren Spruch aus den 30er Jahren. »Oder ich schicke dich dahin, wo der Pfeffer wächst!« 

Nach der Maschinenbauschule ging Bernhard nach Regensburg in die Technikerschule, wo er sich erfolgreich gegen 400 Bewerber durchgesetzt hatte. Nur 124 Lehrlinge wurden angenommen, Bernhard wurde zum Maschinenbau-Techniker ausgebildet. Ich war glücklich. Alle 14 Tage fuhren wir zu ihm nach Regensburg, ich putzte ihm das Zimmer, bezog die Betten neu und brachte ihm frische Wäsche und Lebensmittel, schaute nach dem Rechten, wie es eben eine Mutter macht. Selbst fremde Toiletten zu putzen war ich mir nicht zu schade, damit die Jungs es sauber hatten. Mit frisch gebackenem Kuchen verwöhnte ich sie. Nach drei Jahren kam Bernhard mit einem Einser-Zeugnis nach Ottmarshausen zurück und ich war überglücklich – aber nicht lange! Ich weiß nicht, warum, aber von einem Tag auf den anderen lehnte mich Bernhard ab und sprach nicht mehr mit mir. Er entzog sich mir völlig. Damals war er 18 Jahre alt.
»Was ist los mit dir? Es war doch alles in Ordnung, du bist glücklich aus Regensburg zurück, warum redest du nicht mit mir?«
Er gab mir keine Antwort – bis heute nicht. Ich bereitete ihm ein schönes Willkommensessen, da sagte er plötzlich, als wir unsere Suppe löffelten: »Vater, das verzeihe ich dir nie, dass du eine Preußin geheiratet hast.«

Ich war wie vom Blitz getroffen, mein Mann hat dazu überhaupt nichts gesagt. Er sagte nie etwas, um mich zu verteidigen. Immer weniger wusste ich, in welcher Funktion ich Adi eigentlich sehen sollte: Als Vater oder als Mann, oder als… Ein Ehemann, der zu seiner Frau hielt, war er auf keinen Fall! Sonst hätte er mir geholfen.
Bernhard machte ein Praktikum in der Firma Hauser, wo sein Vater als Geschäftsführer arbeitete. Auch hier bewährte sich Bernhard. Alle staunten, wie gut dieser kleine Mann arbeiten konnte, denn körperlich war Bernhard nicht groß gewachsen. Um es den Männern gleich zu tun, fing er mit dem Biertrinken und Rauchen an, was er aber wegen seines Leberschadens nicht gut vertrug. Ich hatte Angst um ihn, denn ein Arzt hatte mir vor Jahren gesagt, dass der Junge wahrscheinlich nicht alt werden würde. Deshalb versuchte ich, ihn von allem Üblen fernzuhalten. Er sollte es doch schön haben, wo er sich bisher in seinem Leben immer nur quälen lassen und viel leiden musste, auch gesundheitlich. Ständig hatte er das Essen ausgespuckt. Auch die Nahrung aus dem Reformhaus nützte nichts.
Eines Tages fragte er mich, warum wir so arm seien?
»Aber wir sind doch überhaupt nicht arm«, sagte ich. »Wir haben doch alles, was wir brauchen. Oder fehlt dir irgend etwas?«
»Ich will aber nicht der Sohn von armen Eltern sein«, sagte Bernhard trotzig. »Ich will der Sohn von dem Herrn Steger sein – dem Chef der Firma Hauser.«
»Dann musst du dich von ihm adoptieren lassen«, sagte ich. »Dann erbst du dessen Firma und bist ein reicher Mann. Aber will er dich überhaupt adoptieren?«
Bernhard schwärmte von dessen vielen Autos und ich tat so, als nähme ich alles auf die leichte Schulter. Aber in Wirklichkeit tat es mir im Herzen weh.

Nach dem Praktikum wurde Bernhard zum Militärdienst nach Lagerlechfeld eingezogen. Dort reparierte er Flugzeuge, besonders Starfighter. Alle Prüfungen absolvierte er hervorragend, ich war überglücklich. Je mehr er in der Schulzeit zu leiden gehabt hatte, desto schöner sollte nun sein berufliches Leben werden, stellte ich mir vor. Auch er war ganz stolz. Ihm wurde sogar angeboten, als Leutnant in die USA zu gehen. Ich redete ihm gut zu, er solle die Chance nutzen, doch er lehnte ab. Lieber arbeitete er bei der KUKA in Lechhausen. Er war so fleißig, dass er innerhalb eines halben Jahres drei Gehaltserhöhungen bekam. Eines Tages kam er nach Hause, wir saßen bereits am Abendtisch, und sagte: »Was meint ihr dazu, wenn ich zur Polizei gehe?«
Ich war so erschrocken, dass ich ganz laut »nein!« rief. »Entschuldige, Bernhard«, sagte ich. »Es ist deine Entscheidung, aber es war meine spontane Reaktion.«
Bernhard ließ sich nicht abbringen, auch wenn ich mir gleich dachte, dass diese Entscheidung nicht gut sein konnte; so ein feiner, sensibler Junge, der kann doch nicht zur Polizei gehen! Den schlagen die Ganoven zusammen, ohne dass er sich wehren kann.

Doch Bernhard ging Anfang der 70er Jahre nach Nürnberg zur Polizeischule. Glücklich war er dort nicht. Schon bald schimpfte er: »Diese Arschlöcher!« Man hörte wenig Gutes über die Polizei, in D