Mein Leben allein 1998–2004

Aus meiner Wohnung in Wörishofen zog ich am 1. Dezember 2001 in die Obere Mühlstraße. Wieder kam ich vom Regen in die Traufe. Die Wohnung war drei Jahre nicht bewohnt gewesen, ich fing mit dem Heizen an. Da begannen die Wände zu schwitzen, alles fing zu schimmeln an, meine Kleider wurden zerstört, die Rückwände der Schränke verbogen sich, die Wohnung stank in wenigen Wochen wie die Pest. Ein Bekannter besuchte mich und schwärmte, wie schön meine Wohnung eingerichtet ist. »Aber Sie müssen trotzdem so schnell wie möglich wieder ausziehen«, sagte er. »Das ist eine kranke Wohnung. Wenn Sie hier länger bleiben, dann sterben Sie.«


Obwohl ich anfangs darüber völlig irritiert war, weil ich stolz auf meine neu eingerichteten Wohnung war, musste ich ihm recht geben. Ich hatte nachts häufig Alpträume, und den Schimmel an den Wänden hatte ich schnell bemerkt. Die Wohnung war »patsch nass«.
»Da sind Wasseradern und Stromleitungen, Elektrosmog, das vertragen Sie nicht«, sagte ein Bekannter
Da musste ich ihm recht geben. Ich bestellte einen Rutengänger und Elektrosmog-Experten. Der Rutengänger, ein älterer Mann in meinem Alter, sagte zu mir: »Mädchen, sieh zu, dass du hier raus kommst. In vier Wochen bist du tot.«

Also hatte ich bereits zwischen Weihnachten und Neujahr die Kisten wieder gepackt, sofern ich sie bereits ausgeräumt hatte. Bis zum 1. April musste ich noch in der Wohnung bleiben, bis ich eine neue gefunden hatte. Ich lebte zwischen Kisten auf einem Quadratmeter freiem Wohnraum – es war schlimmer als im Gefängnis! Ich schlief auf der Erde an einer Stelle, die der Rutengänger als relativ frei von Wasseradern diagnostiziert hatte. Ein Baugutachter half mir mit seinem Gutachten, dass ich ohne größere Unkosten wieder aus der »kranken« Wohnung raus kam. Aber es ist klar, wirtschaftlich und psychisch unbeschadet kommt man nie aus so einer unglückseligen Wohnsituation heraus. Immerhin musste ich nicht die Differenzsumme zwischen Einzug und Mietdauer aufgrund des Zeitmietvertrags zahlen, was mich durchaus hätte ruinieren können!

Weil es mir so schlecht ging, empfahl mir der Rutengänger, ich solle mir doch beim betreuten Wohnen eine Wohnung suchen, was ich schließlich auch schweren Herzens tat, denn ich liebte meine neue Unabhängigkeit sehr, und immer nur von alten Menschen umgeben zu sein, gefiel mir wenig. Ich zog dennoch nach Gessertshausen. Das erste Jahr war noch erträglich, aber dann hielt ich es einfach nicht mehr aus und zog nach zwei Jahren in eine kleine Wohnung in Neusäss-Lohwald. Ich hatte meine neue Wohnung bereits vor dem Bezug auf Wasseradern und Elektrosmog untersuchen lassen, beides hielt sich in Grenzen, so dass ich hoffen konnte, in dieser Wohnung so lange bleiben zu können, bis der Herrgott mich zu sich holt. Denn von Umzügen hatte ich wirklich genug, ich musste sie immer allein machen, keiner aus meiner Familie half mir. Sie haben gern genommen, aber nie etwas gegeben.

Von Adi träumte ich immer noch täglich. Einmal träumte ich, dass Adi in einem neuen VW vorgefahren kam. Plötzlich stehen auch Bernhard und Christine vor dem Haus, und Adi sagt: »Steig schnell ein, Mutti, steig du hinten ein.« Er setzt sich neben mich und sagt: »Jetzt fahren wir los. Fahr los, Bernhard, wir fahren jetzt feiern.«
Dieser Traum brachte mich nach dem jahrelangen Schweigen dazu, meine Kinder wieder anzurufen, denn für mich war der Traum ein Zeichen, dass die Familie wieder zusammen finden sollte. Ich erzählte Bernhard und Christine, was ich geträumt hatte, und dass der Vater haben möchte, dass wir wieder zusammen kommen. Doch meine Kinde stellten sich taub und reagierten nicht. Wieder einmal war es, als spräche ich gegen eine Wand.

Seltsamer Weise träumte ich nach Adis Tod oft von ihm. Mein Mann kommt heute noch sehr oft in meinen Träumen zu mir, weil er nicht fertig wird mit dem, was er auf dieser Welt hinterlassen hat. Er war wie mein drittes Kind, mein Sorgenkind, das ich nicht auf den richtigen Weg bringen konnte. Adi hatte eine Macht über mich, der ich mich nicht entziehen konnte. Es war mein sehnlichster Wunsch, dass mein Mann vor seinem Tod noch Frieden mit uns schließt. Er hat es nicht gemacht. So konnte er keine Ruhe finden. Auch noch zwei Jahre nach seinem Tod träumte ich jede Nacht ein bis zwei Mal von ihm. Er kam oft und stand vor mir. Er brauchte mich in seinem Leben hier auf Erden, und offensichtlich auch in seinem neuen Leben nach seinem Tod.

Ein Traum, der ebenfalls immer wiederkehrte, war folgender: Eine Stimme sagte mir, ich soll ans Telefon kommen. Ich ging dann hin und fragte: »Wer ist dort?«
»Ja, ich bin‘s, Mutti. Ich wollte dich nur fragen, wie es dir geht?«
Ich sagte: »Gut.«
Adi lachte und legte auf.
Oder ein anderer Traum: Ich probierte in einem Kaufhaus Kleider an. Plötzlich stand mein Mann neben mir. Ich sagte: »Komm rein, schau, gefällt es dir?«
Er guckte mich an, lächelte, sagte »nein« und ging wieder.

In einem anderen Traum hatte ich in Schöneschach mit Gott gesprochen. Ich rief laut: »Bitte, lieber Gott, mein Mann ist ohne Frieden zu machen von dieser Welt gegangen, von dieser Welt! Ich flehe dich an: Bitte gib meinem Mann den Frieden, denn ich halte es nicht mehr aus. Ich brauche den Frieden und meine Kinder auch.« Dann ging ich anschließend in eine Kapelle, die idyllisch am Waldrand lag, und betete. »Bitte, lieber Gott, gib mir die Kraft, das durchzustehen, was ich im Moment mitmache. Bitte schließe Frieden mit meinem Mann, denn wir brauchen alle unseren Frieden.«
Dann wachte ich auf.

In einem anderen Traum stritten wir um eine Wohnung. »Muss ich erst ins Hotel?« fragte ich.
»Ja, das kann möglich sein«, sagte Adi.
Christine kam wie ein Tintenfisch im Dunkeln von hinten in mein Wohnzimmer.
»Wer ist da?« rief ich erschreckt.
»Ja, ich bin‘s«, sagte Christine. »Du sollst nach Stätzling kommen zum Erschießen.«
Ich wachte schweißgebadet auf.  

Wenn ich schon keine Liebe bekam, versuchte ich über Rechtsanwälte, zumindest einen Teil meines Geldes zurück zu bekommen, aber ich hatte nicht mehr die Nerven, um meine Ansprüche gegen meine Kinder aggressiv durchsetzen zu lassen. Ich hasste meine Kinder niemals, aber ich wurde zunehmend böser auf sie. Egal, ob die Kinder ein Millionenvermögen erbten wie in unserem Fall, oder nicht, einen derart lieblosen Umgang haben keine Eltern verdient – weder Väter noch Mütter! Meine Kinder hatten das Gemüt von Fleischerhunden. Deshalb habe ich auch nach Adis Tod wieder meinen Mädchennamen angenommen. Einer Familie, die mich lebenslang geknechtet und zerstört hat, wollte ich nicht mehr angehören. Ich hätte diesen Schritt schon sehr viel früher tun sollen! Es schmerzte mich auch, dass ich von meinen Enkelkindern und Urenkeln abgeschnitten wurde. Dass, was mir meine Kinder angetan haben, wird ihnen keinen Segen bringen! Sie werden auch mit dem erschlichenen Wohlstand nicht glücklich werden.

Sie – meine gutsituierten Kinder – zwangen mich letztendlich, dass ich zum Sozialamt gehen musste, um Unterstützung für meinen Lebensunterhalt zu erhalten, da die Rente nur zur Miete reichte. Von meinem Sohn bekam ich wortwörtlich nur zu hören: »Wie lange willst du noch leben? Verrecke doch endlich!« Er steige über mich drüber, sagte er öfters. Bernhard hatte sich im Laufe seines Lebens wirklich vom braven Kind zum Satan entwickelt, zum Widerling, der den Verdacht aufkommen lässt, es gäbe keinen Unterschied zwischen Verbrecher und Polizisten. Bernhards Handeln war kriminell! Ebenso Christines, beide schaukelten sich in ihren gehässigen Aktionen gegen mich gegenseitig hoch.
Ich schrieb meine monatlichen Ausgaben auf, jede Zahnpasta, jedes Brot. Ich konnte doch nicht nur von Kartoffeln leben!
Monatliche Ausgaben (Juni 2004):

Miete    €  500,-
Nebenkosten   €    50,-
Telefon    €    43,-
Sterbekasse   €    18,79
Strom    €    25,50
Bankgebühren   €     5,50
Heilgymnastik   €    60,-
Fahrtkosten   €    39,50
Medikamente Dr. Rath  €  250,-
DAK Praxisgebühr  €    10,-
Apotheke   €    70,-
    ————
    € 1.072,29

Für die Nebenkosten musste ich sparen, für Zahnarzt-Zuzahlungen musste ich sparen, für den Strom sparen, für Medikamente etc. Ich bekam eine monatliche Rente von € 1.330,51. Zog man davon 1.072,29 ab, blieb mir monatlich € 258,22 zum Leben – Essen, Kleidung usw. eingeschlossen… Weder Zeitung, Radio, TV u.a. normale Ausgaben waren darin enthalten. Meine Kinder wirtschafteten auf großem Fuß, ihre Pleiten musste ich bezahlen, aber als es an die Rückzahlung ging, weil ich nicht von Adis kleiner Rente leben konnte, verstießen sie mich endgültig.
Zu meinem 80. Geburtstag und zu Muttertag 2004 schickte mir Christine einen 10-Euro-Gutschein von Fleurop – ohne persönliche Worte oder einer anderen lieben Geste. Herzloser ging es nicht. Bernhard ließ überhaupt nichts von sich hören! Mich bestohlen und betrogen zu haben reichte ihm nicht, seit Jahren wünschte er mir nur noch den Tod. »Wie lange willst du eigentlich noch leben?« schrie er mich an. »Und wenn du umfällst,  dann steige ich noch über dich drüber.«

Die Geburtstage meiner Kinder und die von Adi waren immer groß gefeiert worden, meine nie, sieht man von meinem 65. Geburtstag ab, den wir beim Schmied in Adelsried schön gefeiert hatten. Zum 75. Geburtstag kam keinerlei Reaktion von meiner Familie, keine Karte, kein Anruf, kein Besuch, nichts! Den ganzen Tag wartete ich – umsonst. Nachts las ich in der Apothekerzeitung eine Hotel-Annonce und rief am nächsten Morgen an. Mit dem Zug fuhr ich allein und weinend in ein schönes Hotel in den Schwarzwald.

Das Wort »Mutter« hörte ich von Christine seit Jahrzehnten nicht mehr, obwohl ich es mir so sehr gewünscht hätte, ein schönes Mutter-Tochter-Verhältnis mit ihr zu pflegen. Nie brachte sie das Wort »Mutti« oder »Danke« über die Lippen, statt dessen wünschte sie mir in den letzten Jahren nur noch den Tod. Aber meine Kraft war bisher noch groß genug, um mich über all das Böse in meiner Familie hinwegzusetzen. Noch auf dem Totenbett gestand mir Adi, dass er für seine Liebhaberin eine Wohnung gekauft hätte, die Christine erben sollte, wenn diese Frau stirbt. Ich gönne meiner Tochter auch das Erbe dieser »schmutzigen« Wohnung, aber rechtens ist es nicht.

Bernhard und Christine haben sich zutiefst schuldig gemacht, nicht nur wirtschaftlich. Wie wollen sie damit fertig werden? Wie wollen sie einem Richter erklären, dass sie mich aus ihrem Leben geschmissen haben? Wie wollen sie mit ihrer eigenen Undankbarkeit und Niveaulosigkeit leben?

Mir war die Versöhnung immer ein Anliegen. Dass die Wahrheit auf den Tisch kommt, dass sie mir sagen, was sie gegen mich haben. Ich habe mit diesem Buch nun meinen Teil dazu beigetragen. Ich bin gespannt auf ihre Reaktion. Werden Christine und Bernhard den Mut aufbringen, zu reagieren? Und wenn ja, wie? Bernhard und Christine haben mich mindestens dreißig Jahre lang verachtet, aber sie waren immer zu feige, mir ins Gesicht zu sagen, was ich verbrochen haben soll, dass sie mich derart niederträchtig und schlecht behandelt haben, wie es keiner Mutter zu wünschen ist. Ich hatte Christine einen Engel geschickt, und auch Schmuck, weil sie in meinen Gedanken trotz allem Bösen, das sie mir angetan hat, immer mein Engel war. Doch sie wollte nicht mein Engel sein, da holte ich mir dieses Zeichen der Versöhnung wieder zurück mit dem Hinweis, dass sie es offenbar nicht bemerken wollte. Statt dessen wollten mich meine Kinder sogar verhungern lassen.

Dieses Buch ist auch ein Hilferuf an Gott. Das Bedürfnis, es zu schreiben, wurde in den letzten Jahren immer dringender und größer. Mehr als einmal sagte ich mir: »Du musst die Wahrheit über dein Leben erzählen und Frieden mit deiner Familie schließen, sonst kannst du in deinem nächsten Leben auf dieser Erde kein Glück finden. Du musst dein Leben richtig stellen, sonst kannst du nicht von dieser Welt gehen.«

Nicht einmal, zig Mal habe ich meinem Mann nahegelegt: »Sei so gut und schließe bitte Frieden mit uns! Sag, was unser Leben war. Ich weiß ja nicht, wer von uns beiden zuerst geht. Die Kinder werden keine Ruhe finden, wenn sie nicht die Wahrheit erfahren und Frieden geschlossen haben.« Adi dachte nicht daran, sich auch nur einmal die Mühe zu machen, sich mit seiner Familie und seinem Leben kritisch zu beschäftigen. Auch meine Tochter gab sich schnippisch: »Ich hab da keine Probleme damit!« sagte sie mir einmal, als ich sie um eine Aussprache gemeinsam mit ihrem Vater bat.

Mein Mann hat mich immer gebraucht, aber nicht geliebt. »Ich brauch dich«, das waren seine Worte, wenn er mich wieder einmal zurück holen wollte. Er brauchte mich wie ein kleiner Bub, der immer »Mutter« zu mir sagte. »Du bist ja nicht ganz normal«, warf er mir vor, wenn ich wegen ihm krank wurde und psychologische Hilfe brauchte. Aber wer in unserer Ehe nicht »normal« gewesen ist, möchte ich dahingestellt lassen.

An mir ist ein Verbrechen begangen worden, wie an so vielen anderen Frauen, auch im hohen Alter, die in ihren Familien gedemütigt werden. Die große Liebe, die am Anfang vorgegaukelt wird, ist schnell verflogen. Dann ist die Frau die Magd des Herren, der sich als solcher fühlt. Es funktioniert, weil die Frauen Sehnsucht nach einem Heim haben, dass ihnen ihr Mann scheinbar bietet. Aber unter welchen Opfern!

Diese Einsamkeit, die mir meine Kinder bescherten, ist kaum in Worte zu fassen. Ist es da als Gnade zu sehen, dass es immerhin noch den Fernseher gibt und eine Zeitung, um die Zeit totzuschlagen? Es ist schwer zu ertragen, sich weggeworfen zu fühlen.

Auf dieser Welt zu leben ist es derzeit sicherlich nicht immer angenehm, in der nächsten Welt wird es schöner sein. Das Grübeln und Leiden ist für mich immer unerträglicher geworden, vor allem nachts. Natürlich habe ich vergeben, aber diese totale Ausgrenzung schmerzt. Ich bin ein Opfer des Unrechts. Eine Mutter in dieser Art und Weise zu behandeln, kann nicht richtig sein. Hätte ich noch viel Geld, wären meine Kinder bestimmt bei mir geblieben, weil es noch etwas zu holen gab – das ist aber auch kein Kompliment für mich oder ein Zeichen für Liebe!

Immer wieder wurde ich gefragt: »Wo bringen Sie die Energie her?« Diese Frage stellte ich mir auch häufig: Was hält mich bei diesen Familienverhältnissen noch am Leben? Die Antwort ist einfach: Gott hält mich am Leben. Mein Glaube an das Göttliche hilft mir, dieses Leiden und Ausgestoßen-Sein durch meine Kinder zu überstehen. Undank ist der Welten Lohn!

Ich habe mein Leben lang gebetet, sonst hätte ich dieses Leben nicht ausgehalten. Beten und Gott vertraut. Gott ist bei mir und bleibt auch bei mir. Er schenkte mir trotz aller Widernisse so viel Gesundheit in meinem Alter von 80 Jahren, wo ich diese Zeilen schreibe, dass ich glücklich sein werde, wenn ich noch einige Jahre leben darf. Am liebsten im Kreis meiner Familie, wonach ich mich immer gesehnt habe. Auch meine Enkelkinder habe ich immer vermisst. Ich will nicht länger von allen Menschen meiner Umgebung geschnitten werden. Keiner spricht mehr mit mir. Das sollte sich ändern. Versöhnung oder endgültiger Bruch, die Entscheidung liegt nicht mehr bei mir, sondern bei Christine und Bernhard – und bei einer höheren Instanz, der auch sie unterworfen sind. Ungestraft kommt niemand davon. Als ich meine Tochter Christine fragte, was sie mir vorwirft, sagte sie bedenkenlos: »Du hast doch alles kaputt gemacht! Du musst dich bewähren, die Zeit muss heilen.«

Da sehe ich anders: Nicht ich muss mich bewähren, sondern sie müssen es!
Wir leben leider in einer verkommenden Zeit, wo Anstand und gutes Benehmen nichts mehr zählen. Kinder haben immer früher Sex, ein freundliches Verhalten älteren Menschen gegenüber – beispielsweise im Bus oder in der Straßenbahn – erlebe ich nur selten. Wir haben uns früher noch den Knigge gekauft und ihn studiert, doch davon sehe ich heute keine Spur. Vielleicht bin ich zu empfindlich und in meinen Moralvorstellungen antiquiert. Gute Erziehung und Höflichkeit sind heutzutage nicht mehr wichtig. Beispielsweise grüßte ich jahrelang die Menschen an der Bushaltestelle vor meiner Haustür, doch die meisten grüßten mich noch nicht einmal zurück, als ob ich gar nicht existent wäre. Dann fühlte ich mich, als müsse ich im Boden versinken und schämte mich, dass ich wieder einen Fehler gemacht hatte. Seitdem lasse ich immer Abstand zwischen mir und den Leuten, um nicht in Verlegenheit zu kommen, jemanden grüßen zu müssen, der mich nicht zurück grüßen will. Freunde sagten mir immer wieder, dass ich für diese Welt eigentlich gar nicht geschaffen worden bin. Deshalb war ich ja auch so viel und schwer krank.
Ich habe einen Wunsch: Lieber Gott, gib allen Menschen Liebe, Frieden, Güte und Gerechtigkeit. Ich wünschte mir, die Menschen würden endlich wissen, was sie tun, »denn sie wissen nicht, was sie tun.« Ich wünschte mir, dass bereits die Kinder wieder lernen würden, den Kreuzweg zu beten.

Ich wünschte mir von ganzem Herzen, dass meine Kinder ein reines Herz haben.
 

»Ich wollte bis ans Ende der Welt,
leider kam ich nicht weit.«
Gedanken zum Schluss
über mein nächstes Leben

Rückblickend muss ich sagen, dass ich nicht erreicht habe, was ich im Leben gewollt habe. In der Malerei entwickelte ich schon die Talente, die ich hatte, im Kunsthandwerk wurde ich immer geschickter und ha