Als ich vor wenigen Tagen über die Copy/Paste-Biographie in eigener Sache schrieb und das Buch “Andreas Mäckler” bei VDM bestellte – in Erwartung eines biographischen Werks über mich im Copy/Paste-Verfahren -, hätte ich trotz genügend Warnungen im Internet nicht gedacht, dass das Ergebnis in meinen Augen schlichtwegs Betrug ist! Ich habe schon einige publizistische Entgleisungen miterlebt, aber hier wird systematisch Etikettenschwindel betrieben. Mir juckt es in den Fingern, unter Hinweis darauf und in Verbindung mit meinem Persönlichkeitsrecht dagegen juristisch vorzugehen. Wer von den Tausenden anderen Betroffenen aus der Wikipedia macht mit? 

Dass der Inhalt des 108-seitigen Buchs von Wikipedia stammt, ist deutlich auf der Vorderseite des Umschlags deklariert: gut. Auf dessen Rückseite sind die ersten Zeilen des Wikipedia-Artikels über mich abgedruckt – auch gut. Ein werkbiographisches Buch über die entsprechende Person daher zu erwarten, liegt auf der Hand.

(Klicken Sie auf die Abbildung, um Sie zu vergrößern) 

Doch schlägt man das Taschenbuch auf, bei BoD in Norderstedt billig gedruckt, staunte ich nicht schlecht, gerade mal den Wikipedia-Artikel über mich auf 3 Seiten vorzufinden, und dann auf rund 100 Seiten eine Aneinanderreihung anderer Historiker, mit denen mich zumeist nichts weiter verbindet als Beruf und Wikipedia-Präsenz. Würde das Buch heißen: “Architektur- und Kunsthistoriker mehrerer Jahrhunderte” o.ä., wäre das primitive Sammelwerk zumindest halbwegs korrekt etikettiert, aber mit mir bzw. “Andreas Mäckler” hat das dünne Buch fast nichts zu tun. Statistisch gesehen sind in solchen Büchern der “VDM-Biographien” kaum mehr als 1-3 Prozent der deklarierten Namen drin, wie ich jetzt erfuhr.

Vielleicht war ich naiv, als ich den Artikel zur Copy/Paste-Biographie schrieb und mich fragte, wie die Produktion solcher Bücher funktioniert, wie sie VDM tausendfach über Wikipedia-Personen und thematisch hunderttausendfach zusammenkopiert anbiet. Ich dachte, dass basierend auf einem Wikipedia-Artikel vielleicht alle Verlinkungen verfolgt und per Copy/Paste aneinander gereiht würden. Keine Ahnung, wie in einem solchen Fall so ein Buch zu lesen wäre. Dashalb hatte ich es ja bestellt, um mich darüber zu informieren. In meinem Beispiel kämen nach dem kleinen Wikipedia-Eintrag über mich lange Artikel über Karlsruhe (meine Geburtsstadt), Marburg (Studienort), Bayern (wo ich wohnte), “Ghostwriter” als eines von vielen verlinkten Stichwörtern, “Dumont Buchverlag”, “Bettine von Arnim”, vielleicht auch kostenfreie Pressetexte zu meinen Büchern, etc. pp. hinzu. Ob sich das alles dann im Buch spannend liest, was in der Wikipedia sinnvoll geschrieben und klug verlinkt worden ist? Ich konnte es mir nicht vorstellen.

Vielleicht mag es seinen eigenen Charme haben, derart seriell zusammenkopierte Werke zu rezipieren, aber mit einer seriösen Werkmonographie, wie sie im Titel suggeriert wird, hat diese Produktionsform des Edierens nichts zu tun. Hier werden mit dem Namen von Personen im Buchtitel einfach nur schamlos Geschäfte gemacht. Unglaublich! Dagegen ist unser Meister des Copy/Paste-Verfahrens, Ex-Doktor zu Googleberg, ja noch ein Geistesheld, der mit seiner Dissertation immerhin ein sinnvolles Werk zusammenkopiert hat (oder hat schreiben lassen und sein Ghostwriter hat versagt?).