In der Wohnung am Riedborn

Ich fand eine schöne neue Eigentumswohnung und zog mit Melanie aus. Freunde aus der AA halfen mir beim Umzug, und wenn ich nun glaubte, jetzt wird alles besser, hatte ich mich gründlich getäuscht. Sicher, der ewige Streit mit meinem Mann war passé, aber nun musste ich mit Kind und Wohnung allein klarkommen. Damit nicht genug, ich suchte mir wieder eine neue Arbeitsstelle und fand eine halbtags in einem Bekleidungsgeschäft als Verkäuferin. Davor aber machte ich etwas ganz anderes.


Melanie kam eines Tages mit einer Zeitung und sagte: “Schau mal, Mama, hier wird eine Wirtschaftsberaterin gesucht, das wäre doch etwas für dich!“ Ich rief da sofort an, denn bei solchen Sachen hatte ich komischerweise nie Hemmungen, und erfuhr, dass es sich nicht um Hauswirtschaft oder Ernährungsberatung handelte, sondern Wirtschaft im Finanzbereich. Na, das war ja nun ganz was anderes, und für solche Themen hatte ich mich nie interessiert. Wenn Michael und ich abends mit Bekannten zusammensaßen, waren mir Gespräche über Banken, Versicherungen, Geldanlagen völlig fremd, es wurde für mich dann so langweilig, dass ich anfing zu gähnen und nach Hause wollte.

Jetzt ging ich tatsächlich zu diesem „Wirtschaftsdienst“ und absolvierte eine fantastische Ausbildung zum Finanzberater. Sogar in dunkelblauen Hosenanzügen lief ich rum, eine Kleidung, die mir ebenfalls nicht geläufig war, das lehnte ich ja schon bei meinem Mann ab, dieses schicke Auftreten. Kleidung war nun mal seit meiner Kindheit ein verhasstes Thema. Ich konnte sofort sagen, was mir gefiel, und eigentlich gefielen mir Frauen sehr, die gut angezogen waren – ich hatte einen recht guten Geschmack. Doch wie bei vielen Dingen im Leben dachte ich nur immer, dass es falsch sei, was ich tue, so auch in Kleidungsdingen: Schlabberpullis, Jeans und Kittellook waren mir vertraut, aber nicht die vornehme Masche. Nun also musste ich mich schick anziehen.

Ich lernte viel über den Finanzbereich, was mir im weiteren Leben zugutekam. Leider brach ich den Job ab, weil diese Tätigkeit meist abends und am Wochenende läuft, und das ging nicht wegen meinem Sohn. Konstantin war gerade sechs Jahre alt und ich konnte ihn nicht ständig abends allein lassen, denn nach einem halben Jahr kam er doch zu Melanie und mir und wollte auch bei uns wohnen. Nun waren wir drei wieder zusammen, und das in einer kleinen Wohnung. Keiner von uns war es gewohnt, auf so engem Raum zusammenzuleben.

Damit aber nicht genug, jetzt schaffte ich auch noch einen Hund an. Ich erinnerte mich an die schönen Filme, die es in meiner Kindheit gab: Lassie und Fury, Filme von Kindern mit einem Tierfreund. Vor allem wollte ich Konstantin damit eine Freude machen, damit er die Trennung aus seinem ersten Zuhause besser verkraften sollte. Dieser Hund hieß Bernie, war ein Cockerspaniel und brachte unseren kleinen Haushalt ganz schön durcheinander. Ich war mit Hunden aufgewachsen und sie waren immer meine Freunde gewesen, nur damals hat sich meine Mutter vorwiegend um den jeweiligen Hund gekümmert. Jetzt war ich dafür zuständig, und das merkte ich erst, als er da war. Natürlich spielten die Kinder mit ihm und gingen auch mal Gassi, aber die Hauptlast hatte natürlich ich.

Trotzdem hatten wir viel Freude und Spaß mit dem kleinen Kerl, vor allem Konstantin freundete sich sehr mit ihm an. Nur ich hatte mir wieder einen Stein in meinen Weg gelegt, den ich nicht einfach wegräumen konnte. Nachdem ich merkte, was ich da wieder angestellt hatte, versuchte ich ihn zwar abzugeben, aber das funktionierte nicht, und außerdem nahmen mir das meine Kinder zu Recht übel. Das hätte ich mir vorher überlegen müssen! Vor allem war das eine kleine Wohnung und kein Haus mit Garten, wo man den Hund hätte einfach mal rauslassen können… Dreimal am Tag musste er mindestens draußen laufen, und da fing der Ärger bald an. Natürlich liefen auch die Kinder mit ihm, aber das Interesse, mit Bernie rauszugehen, war doch zu sehr Pflicht, als dass es Kindern auf Dauer Spaß machen würde. Vor allem musste ich von da an immer überlegen, ob der Hund draußen war, wenn ich irgendwohin gehen wollte – und in Urlaub fahren war auch nicht drin. Das ging nur mit Hund oder gar nicht, denn eine Pension war zu teuer. Somit hatte ich aber auch oft ein Alibi, um nicht irgendwohin fahren zu müssen bzw. zu können.

Kleine Auszeiten nahm ich mir und fuhr tageweise zu meiner Mutter. Dort konnte ich immer gut relaxen, wurde wunderbar aus dem eigenen Garten bekocht, Bernie hatte seine Freiheit und schon der Weg dorthin war für mich eine richtige Urlaubstour, weil ich ja keine Autobahn fuhr, sondern auf Landstraßen durch den Vogelsberg. In diesen kurzen Urlaubstagen half ich natürlich auch meiner Mutter bei besonderen Aufgaben, die sie alleine nicht mehr bewältigen konnte. Sie hatte also Hilfe und ich meinen Kurzurlaub.

Das Leben in der kleinen Wohnung war zeitweise sehr laut, sodass Melanie nach einem Jahr in ein Zimmer zu einer netten älteren Dame zog, weil sie bei dem Trubel nicht für ihr Abitur lernen konnte. Nun war ich mit Konstantin und Bernie allein. Ich ging halbtags arbeiten, dann kümmerte ich mich um Haushalt und Schule meines Sohns. Leicht war das alles nicht für mich, ich hielt mich aber tapfer, da ich regelmäßig zu AA-Meetings ging und dort inzwischen nette Bekannte hatte, die mir auch hin und wieder halfen und vor allem immer da waren, wenn es mir mies ging. Außerdem ging ich regelmäßig zu Cooper. Alkohol trank ich keinen Tropfen mehr, und so konnte ich meine Tabletten zum Schlafen gut dosieren – ich brauchte sie nach wie vor.

Um meinen Weg abzukürzen, las ich nach wie vor viel Esoterikbücher und besuchte bei einem Psychologen in Wiesbaden Kurse, um mein Leben besser bewältigen zu können. Ich war immer der Meinung, dass ich vielleicht nur lange genug suchen musste, um dann einen „Knopf“ bei mir zu finden, den ich nur zu drehen bräuchte, und schon wäre ich ein anderer Mensch. Mir genügte nicht das Leben, wie ich es führte, sondern ich versuchte in sogenannten Auditing-Sitzungen, wo ich in andere Leben zurückversetzt wurde, eine Schwachstelle zu finden, um es mir hier und jetzt leichter zu machen. Dafür gab ich viel Geld aus von meinem Sparbuch. Dieser Psychologe war früher bei Scientology und hatte einige Kurse der „Church“ in seinem Programm. Das Leben sollte endlich leichter und freundlicher für mich werden. Alles war immer so zäh, schwierig, immer nur anstrengen und kämpfen. Warum ging es nicht leichter und fröhlicher. Dabei war ich ein humorvoller Mensch und lachte sehr gern, doch das waren leider bloß immer nur kurze Momente.

Was ich an den Wochenenden in Wiesbaden wunderbar lernte, war, andere Menschen richtig anschauen zu können. Das war immer schon ein großes Problem für mich. Vor allem auch bei Vorstellungsgesprächen fiel es mir selbst auf, dass ich mein Gegenüber nicht anschauen konnte. Das kam nicht gut an, es störte mich, also übte ich dies in den Kursen stundenlang, bis ich es konnte. Wieder das Üben und Trainieren! Das wollte ich immer umgehen, es war mir zu anstrengend. Auch Sport hat mir nie Spaß gemacht, da musste ich ja trainieren, das war in der Schule schon so. Da bewunderte ich meine Tochter, wie sie regelmäßig zum Training ging und übte, übte, übte, nur um ein paar Zentimeter weiter zu kommen. Irgendwie sollte bei mir immer alles gleich auf Anhieb klappen.

Auch diese Außenseitertherapien brachten mir nicht den ersehnten Erfolg. Cooper sagte immer, „lass das, was dir nicht gut tut, einfach sein, lass es stehen wie die Flasche und lebe deinen Weg ohne das Gift.“ Das kann man auf alles übertragen, auch auf Menschen. Loslassen, stehen lassen – ganz einfach und doch so schwer.

Nach einiger Zeit traf ich mich wieder mit Michael, wir unterhielten uns viel und unternahmen Ausflüge, auch mit den Kindern. Da wir uns wieder prima verstanden und ich unsere kleine Familie zusammenhalten wollte, wagten wir es noch einmal, zusammenzuziehen. Cooper sagte dazu überhaupt nichts, er ließ mich ausprobieren, wie er es immer nannte.

Ich verkaufte meine kleine Wohnung und kaufte mit Michael ein wunderschönes großes Haus – in unser erstes wollte ich nicht mehr, da war zu viel negative Vergangenheit drin. Wenn, dann ganz neu anfangen! Dieses Haus war ein Fachwerkhaus mit einem großen Garten und sogar einem Schwimmbad. Es erinnerte mich sehr an meine Heimat und ich kniete mich richtig in die Umbaumaßnahmen rein. Es machte plötzlich einen Riesenspaß, zu planen, auszusuchen und mitzuarbeiten. Da meine Wohnung schnell verkauft war, lebten Konstantin und ich ein halbes Jahr auf einer richtigen Baustelle. Michael war tagsüber weg, ich beaufsichtigte die Handwerker und die anfallenden Arbeiten. Es war seit Langem die schönste Zeit für mich. Der Sommer war warm und alle Türen standen auf, sodass Leute ein- und ausgingen. Melanie war oft bei uns, der Hund sprang rein und raus. Ein Haus der offenen Türen. Wir hatten viel Freude bei der Arbeit.

Als alles fertig war im Spätherbst, zog Michael ein, und damit war die fröhliche Zeit zu Ende. Er schaute wieder ständig nach irgendwelchen Spuren auf dem Boden und fand sie natürlich auch, denn wir hatten ja Bernie. Auch alles andere musste ständig auf „Hochglanz“ poliert sein – alles wie gehabt hundert oder besser zweihundert Prozent. Nun waren wir aber einige Zeit getrennt und ich hatte allein mit den Kindern gelebt, außerdem ließ ich mir nicht mehr alles vorwerfen, ohne darauf zu reagieren. Ich war nicht mehr das kleine Mädchen, das immer nur ja sagte, sich dann in die Ecke verzog und sich zudröhnte. Ich fing immer mehr an, mich zu wehren, und das wiederum kannte mein Mann nicht von mir. An meinem 47. Geburtstag eskalierte ein Streit zwischen Melanie und Michael und somit auch zwischen mir und ihm. Meine anberaumte Geburtstagsfeier wurde abgesagt, ich verzog mich in mein Zimmer, legte mich auf mein Bett und verstand gar nichts mehr. Was war jetzt wieder los? Schon wieder fiel mein schwer erkämpftes Leben in sich zusammen. Seit Michael und wir in dem Haus wieder zusammenwohnten, verstanden wir uns zunehmend weniger. Dann wollte ich meinen Geburtstag feiern und jetzt der totale Eklat… Ich lag auf meinem Bett und wurde immer deprimierter, ich konnte mich kaum noch bewegen, wie versteinert. Innerlich fuhr ich wie in einem Fahrstuhl nach unten, immer tiefer, immer tiefer, ich dachte, jetzt sterbe ich, und es war mir egal. Ich hätte nicht aufstehen können, nicht einmal den Telefonhörer abnehmen, ich war wie gelähmt. Mein innerer Fahrstuhl fuhr mit mir in das tiefste schwarze Loch, ich konnte, ich wollte mich auch nicht mehr wehren.

Nach einiger Zeit, keine Ahnung, wie lange ich so dagelegen hatte, sah ich plötzlich in dem Dunkel eine rote kleine Flamme, der Fahrstuhl setzte sich langsam nach oben wieder in Gang und ich dachte: Ich möchte doch leben. Das Ganze ging weiter retour nach oben, ich konnte mich wieder bewegen, ich war wieder da. Vor der Tür hörte ich Stimmen, die sagten: „Sie hat bestimmt wieder etwas geschluckt!“ Nein, diesmal nicht, dachte ich – ich wäre überhaupt nicht dazu in der Lage gewesen. Aber so war das oft. Ging es mir mal besonders schlecht oder ich war richtig mies drauf, dann hieß es sofort aus meiner Umgebung: „Was hat sie denn wieder geschluckt!“ Genau das ist das Problem, wenn sich ein Suchtkranker in seiner gewohnten Umgebung ändert. Eigentlich ist das für die Familie teilweise ganz praktisch. Man funktioniert. Wenn es zu viel wird, nimmt man irgendwelche Aufputschmittel oder Dämpfer, damit es weitergeht, und setzt für die anderen einfach keine Grenzen, weil man sie selber nicht hat und sieht.

Ein Süchtiger kennt keine Grenzen, deshalb ist er ja süchtig! Je mehr man seine Sucht in den Griff bekommt bzw. sich von seinen jeweiligen Suchtmitteln verabschiedet, umso mehr muss man Grenzen setzen, und das ist nicht immer bequem für die Familie. Da ich aber Angst hatte, wieder irgendetwas oder jemanden zu verlieren, war ich nie wirklich ehrlich zu mir, und dieses Abgrenzen dauerte sehr lang. Ich wollte beides: Mein äußeres Leben nicht verlieren, und gleichzeitig innerlich wachsen – und das passte meist nicht zusammen. Ich hörte immer wieder in den Meetings von Betroffenen, die alleine lebten, weil sie genau diesem Ärger entgehen wollten.

Also, unser kurzes Zusammenleben war wieder zu Ende, und diesmal für immer, das war mir total klar. Michael und ich gingen vorher noch zu einem Paartherapeuten, um uns Hilfe zu holen und es vielleicht doch noch zu schaffen. Beide wollten wir unsere Familie nicht zerstören, wir versuchten wirklich alles! Aber ich musste mich erst einmal innerlich weiterentwickeln, bevor ich mich ständig auf äußere Fassaden konzentrieren konnte. Der Paartherapeut sagte zu Michael: „Ihre Frau ist Ihnen zehn Jahre davongelaufen, sie ist nicht mehr an dem Punkt, an dem Sie sich kennengelernt haben, das passt so nicht mehr zusammen.“

„Ich wollte doch nicht“, sagte Michael, „dass meine Frau sich verändert, ich wollte doch nur, dass die Symptome verschwinden.“
„So geht das aber leider nicht.“
Michael: „Und wie kann man das wieder zusammenbekommen?“
„Indem Sie beide eine neue Basis finden.“
„Wie lange dauert das?“
Therapeut: „Das kann drei bis vier Jahre dauern.“
Michael: „Das ist mir zu lang, dann sollten wir uns trennen. Damit es endgültig ist, müssen wir uns auch scheiden lassen.“

Mir war das total klar, nur war es trotzdem, als wenn mich eine Bombe getroffen hätte. Mit zittrigen Knien verließ ich die Praxis und schweigend fuhren wir nach Hause. Das war es nun.

Wo jetzt wieder hin? In dem Haus konnte ich nicht allein bleiben, das war viel zu teuer in der Unterhaltung, das wusste ich sofort. Allerdings fiel es mir unglaublich schwer, aus diesem Haus auszuziehen, ich hatte es richtig geliebt. Es war nach langer Zeit ein Ort gewesen, wo ich gerne geblieben wäre, ich kannte ja auch jede Ecke und fast jeden Nagel. Überall hatte ich mitgewirkt, und jetzt sollte ich hier raus! Verstehen konnte ich das vom Kopf her schon, nur mein Gefühl wollte davon überhaupt nichts wissen. Also wieder auf ein Neues!

Ich zog mit Konstantin und Bernie in eine schöne Wohnung in Usingen. Traurig über den Auszug und dass unsere kleine Familie nicht funktioniert hatte, versuchte ich mich wieder einmal auf ein neues Leben einzustellen. Für Konstantin war das sicher auch nicht einfach, doch er hatte seinen Vater ja nicht verloren, Michael wohnte fast um die Ecke und Konstantin konnte immer zu ihm, wenn er wollte. Die Umstellung war für mich sehr schwer, vor allem trauerte ich dem Haus hinterher: Das hatte man nun davon, wenn man sich mit Haut und Haaren wirklich für etwas engagierte, dann tat es bei Verlust besonders weh! Aber es half nichts, den Kopf hängen zu lassen, wir hatten es ja zum zweiten Mal probiert, und es ist eben fehlgeschlagen.

Gut, dass ich meinen Sohn und den Hund hatte, ich weiß nicht, ob ich diesen Neuanfang ohne abzustürzen geschafft hätte. Ich merkte wieder ständig, wie ich innerlich zusammensank, immer kleiner wurde, mich am liebsten verkrochen hätte in irgendeine Ecke, irgendwelche Pillen geschluckt, damit ich diesen Schmerz nicht aushalten musste. Das ging aber nicht, ich musste funktionsfähig bleiben. Manchmal war es so schlimm, dass ich morgens wirklich nicht wusste, wie ich den Tag überstehen sollte. Alles um mich herum war schön, nur innerlich zog es und zog es mich ständig nach unten, ein richtig vernichtendes Gefühl! Wie sollte ich das jetzt alles alleine schaffen? Gut, niemand meckerte mehr an mir oder meiner Arbeit herum, doch wie sollte ich weiter leben? Ich lag einige Male auf dem Fußboden und hätte am liebsten mit den Zähnen vor Schmerz in den Teppich gebissen: ein Gefühl von am-liebsten-nicht-mehr-da-sein-wollen, aber doch müssen. Da war mein Sohn! Wenn er mich so verzweifelt sah, sagte er zu mir: „Mama, ruf doch mal die Elke an.“ Elke war eine Frau, die ich aus der AA-Gruppe kannte, sie war Alkoholikerin und schaffte es nicht, trocken zu werden. Meist war sie betrunken, wenn ich mit ihr telefonierte. Danach wusste ich immer eines: So ging es nicht! Aber wie dann? Wie sagte man uns immer: „Lebe nur 24 Stunden, nur heute will ich versuchen, diesen einen Tag zu leben und nicht alle meine Lebensprobleme auf einmal zu lösen.“
OK, auf ein Neues!

Eigentlich bekam ich alles wunderbar hin, wenn nur nicht immer diese Angst vorher wäre und das Gefühl, es nicht zu schaffen. In den jeweiligen Situationen selbst hatte ich die nötige Kraft und auch den Durchblick. Irgendwie bewältigte ich einen Tag nach dem anderen, besuchte regelmäßig ein AA-Meeting, kümmerte mich um meinen Sohn, um den Hund und ging halbtags noch zum Arbeiten, aber es kostete mich eine unglaubliche Kraft, mich nicht fallen zu lassen. Am meisten half mir die Tatsache, dass ich Kinder hatte und nicht wollte, dass ihre Mutter hinter den Mauern einer psychiatrischen Einrichtung verschwinden würde. Manchmal war das ein Gefühl, als wenn ich wie eine Stoffpuppe wäre. Sie knickte immer wieder ein und ich stellte sie immer wieder auf – das waren meine Hauptaktivitäten, mich immer wieder aufzurichten.

Warum war das Leben für mich nur so wahnsinnig schwer? Cooper sagte immer, „Sie machen es schwer, es ist ganz leicht.“ Gut, dass ich ihn hatte. Er war wie ein Vater, zu dem ich immer hingehen konnte,