Unverstandene Depressionen

Eigentlich wollte ich meine Geschichte mit meiner Kindheit beginnen, aber momentan gibt es in der Presse einige Berichte über Depressionen: Menschen, die berühmt waren, unter Depressionen litten und selbst ihr Leben beendeten. Ich fühle mich durch diese Berichte sehr an frühere Zeiten erinnert, als ich nicht mehr weiter wusste und mehrmals versucht habe, mich umzubringen. Da ich jedes Mal ein Gemisch aus Alkohol und Tabletten zu mir genommen hatte, hieß es halt immer nur, die ist tabletten- und alkoholsüchtig. Ich wurde in irgendeine psychiatrische Klinik gesteckt, auf Entzug gesetzt. Um meine seelischen und Gemütszustände kümmerte sich kaum jemand. Ich war süchtig, das musste man behandeln. Das Warum interessierte fast niemanden.

Kein Mensch wird sein Leben einfach mal so wegschmeißen oder beenden. Da gibt es ganz gewaltige, nicht auszuhaltende Gefühlsschwankungen vorher – oder eben noch schlimmer: eine totale Leere, ein riesiges schwarzes Loch, aus dem man einfach nicht herauskommt. Es geht nicht vor und nicht zurück, eigener Stillstand, und doch geht es draußen weiter. Kein Mensch kann mich verstehen, ich fühle mich unnütz auf dieser Welt, ja die Menschen um mich herum wären besser dran, wenn es mich nicht gäbe.

Um sein Leben zu beenden, gehört sehr viel Mut, denn es ist ja nicht mal ein Urlaub, aus dem ich wieder zurückkommen kann, mein Leben ist dann zu Ende. Nur die furchtbaren inneren Qualen sind noch schrecklicher, als der Weg in den Tod. Man will einfach nur, dass diese Qual aufhört, und damit wird sie wohl aufhören.

Wenn ich zurückdenke, habe ich immer ein anderes Leben gesucht, mit liebenden verständnisvollen Menschen und einem geborgenen Zuhause. Ich war immer allein, ohne Geschwister, und meine Eltern hatten mit sich jede Menge Probleme, dass sie mich oft gar nicht bemerkten. Ja, ich machte mich zeitweise auch fast unsichtbar, damit es nicht noch wegen mir Krach geben sollte. Meine Mutter hat mir schon früh erzählt, dass ich nicht geplant war, sie meinen Vater gerade kennengelernt hatte und sie nur wegen mir meinen Vater heiraten musste, sie sogar Abtreibungsversuche gemacht hatte, z.B. mit heißen Bädern, auf dem Feld von Steinen runtergesprungen sei oder von Treppen. Irgendwie hatte ich dann immer das Gefühl, mich wollte ja niemand und ohne mich ginge es meinen Eltern besser. Natürlich haben meine Eltern sich um mich gekümmert, viel zu sehr, so sehr, dass ich keine Luft bekam und selbst gar nicht gesehen wurde. Ich hatte das zu tun, was man mir sagte. Da wurde, denke ich, schon die Stimmungslage geboren, dass es besser für mich wäre, gar nicht auf der Welt zu sein.

Dazu dann die vielen Angriffe und Mobbing in der Grundschule. Ich habe als Kind oft irgendwo gesessen, zum Himmel geschaut und überlegt, wie es da oben wohl wäre. Das schlimmste damalige Ereignis war einmal Weihnachten. Meist gab es auch an solchen Feiertagen Streit zwischen meinen Eltern, das war ja nicht neu. Nun, dieses Weihnachten wollte ich alles tun, damit das nicht passiert. Ich fuhr mit meinem Vater nach Witzenhausen zum Einkaufen. Ich unterhielt mein Vater ständig mit irgendwelchen Erzählungen, weil ich so das Gefühl hatte, ihn unter Kontrolle zu haben. Dieses Reden habe ich mir in bestimmten Situationen bis heute nicht abgewöhnt.

Als wir nach Hause kamen, es war bereits Heiligabend, stand die Haustür auf und meine Mutter putzte noch den Hausflur und die Treppe. Mir fiel gleich das Herz in die Hose, denn sofort wusste ich, das war nicht gut. Und richtig, mein Vater stiefelte die Treppe hoch, ich mit eingezogenem Kopf hinterher und heftig an den Fingern kauend. „Musst du jetzt noch putzen, kannst du nicht einmal fertig sein, wenn ich nach Hause komme?“, schrie mein Vater und trat gegen den vollen Putzeimer, sodass der gegen die Wand flog und auskippte. Sofort fing meine Mutter an, zu schreien, und der schlimmste Streit war im Gang. Ich verzog mich leise, es bemerkte mich niemand. Meine Mutter lief die Treppe hoch, weinte, schloss sich in einem Zimmer ein. Mein Vater rief nach mir, ich solle ihm etwas zu Essen machen. Auf alle Fälle wurde es immer dunkler, meine Mutter kam nicht die Treppe runter, mein Vater ging hoch, klopfte an die Tür, sie kam aber nicht raus. Dann ging er in sein Zimmer und weinte auch. Ich stand hinter irgendwelchen Türen, hörte angespannt nach oben und biss meine Finger vor Aufregung und Anspannung fast ab.

Ich war damals vielleicht acht Jahre alt, es war Heiligabend, meine Eltern hatten sich eingeschlossen. Es gab noch keinen geschmückten Weihnachtsbaum, kein Weihnachtsessen, keine Plätzchen, auf Geschenke hätte ich verzichtet, so wie ich damals auf alles verzichtet hätte, wenn nur meine Eltern sich wieder verstanden. Ich war allein. Zu Tante Lina, zu der ich immer in solchen Situationen lief, wollte ich heute an Heiligabend auch nicht gehen. Ich setzte mich vor die Haustür auf die kalte Steintreppe, saß zusammengesunken, den Kopf zwischen den Händen stützend, und war zum ersten Mal richtig verzweifelt. Immer hatte ich geglaubt, dass ich zwischen meinen Eltern vermitteln kann, nur jetzt war alles aus. Damals wollte ich das erste Mal in meinem Leben mit acht Jahren am liebsten nicht mehr da sein. Ich gab auf, es hatte alles keinen Sinn. Ich saß hier im kalten Winter an Heiligabend allein auf der Treppe vor meinem Zuhause. Es gab keinen Weihnachtsbaum, keine Lichter, nichts. Ich war todtraurig, ich konnte es nicht fassen. Ich hätte zu meinen Verwandten rechts oder links gehen können, denn die saßen bestimmt an einem festlich geschmückten Tisch am Weihnachtsbaum, aber ich war wie gelähmt vor Trauer, und ich hätte mich auch geschämt, dass es bei uns eben kein Weihnachten gab.

Irgendwann stand ich auf, ging traurig ins Bett, und anstatt zu schlafen, hörte ich in die Nacht hinein, ob sich im Haus etwas tat. Immer hatte ich die Ohren auf, immer stand ich unter Angst, was jetzt schon wieder passierte. Wo war mein Vater, wo war meine Mutter, es war Heiligabend und ich war allein. Sie hatten mich völlig vergessen, was sollte ich auf dieser dunklen Welt?

Dieses Gefühl, nicht wichtig, nicht willkommen zu sein, hat mich mein ganzes Leben begleitet. Später wurde es durch Therapien und vor allem durch meinen Glauben besser. Ich beschäftigte mich mit vielen Religionen und fand im Buddhismus die größte Stütze. Was brachte es mir, mich umzubringen, wenn ich doch wiedergeboren wurde und dann ähnliche Aufgaben gestellt bekam, wie in diesem Leben? Ich stellte mir das Leben wie ein Soll- und Haben-Konto vor. Habe ich zu viel Miese auf dem Konto, muss ich sie abarbeiten, habe ich dagegen viel im Haben, werde ich mit Aufgaben und das vielfach dazugehörige Leid verschont. Also es half nichts! Ich musste weiter leben. Bis ich soweit dachte, musste ich noch einige schwierige Lebensabschnitte bewältigen und habe mehrere Male versucht, mich tatsächlich umzubringen.

Heute habe ich in der Zeitung gelesen, dass die meisten Suizidversuche nicht unbedingt ein Beenden des eigenen Lebens zum Ziel haben, sondern ein Aufschrei oder Hilferuf sind, dass man so nicht weiter leben kann. Das stimmte auch bei mir, nur hatte ich zu damaliger Zeit niemanden, der mir helfen konnte. Schon früh fragte ich, warum ich denn überhaupt leben soll, was ist der Sinn des Lebens? Was soll das alles: Ich werde geboren, gehe in die Schule, muss arbeiten, und dann muss ich doch sowieso sterben, warum dann nicht gleich?

Meine Eltern waren mit solchen Fragen völlig überfordert. Meine Mutter sagte immer: „Mädchen, was sollen diese Gedanken, du hast dir das Leben nicht gegeben, du darfst es dir auch nicht nehmen!“ Meine Mutter und mein Vater waren einfache Menschen, die damals von Psychologie überhaupt keine Ahnung hatten. Sie haben so gelebt und mich so erzogen, wie sie es konnten. Dass das für mich nicht immer richtig war, wussten sie nicht, denn Schwierigkeiten gab es in jeder Ehe und Erziehung. Ich war halt von Anfang an ein Mensch, der sich nicht gewehrt hat, sondern alles über sich ergehen ließ. Ich rebellierte nie. Meine Mutter sagte immer: „Solange du in die Grundschule gegangen bist, warst du ein ganz braves Mädchen, ich konnte dich überall mit hinnehmen.“

Ich kannte es nie oder habe es gleich als Kleinkind verlernt. Das Wort: Nein! Rebellieren, so wie die meisten jungen Menschen es tun, gab es bei mir nicht. Vor fremden Menschen hatte ich später immer Angst, vor allem vor jungen Menschen in meiner Altersklasse – und besonders vor jungen Männern. Ich fühlte mich total unwohl in deren Gesellschaft, wollte aber mitmachen und merkte sehr schnell, dass ich mit Alkohol viel freier war und nicht diese Ängste hatte. Eigentlich verabscheute ich Alkohol, aber um mir Mut zu machen, trank ich immer öfter eine kleine Menge, es half ungemein. Natürlich hatte ich so nicht unbedingt einen klaren Blick oder konnte Männer gut einschätzen. Ich wollte einfach nur geliebt werden und dabei sein, gesehen werden. Leider suchte ich mir immer schwierige Beziehungen aus, die meist von Anfang an zum Scheitern verurteilt waren. Eine Therapeutin sagte mir mal: „Sie suchen sich diese Männer aus, um kämpfen zu müssen, um betrogen zu werden, um schlimme Gefühle aushalten zu müssen, so wie sie es auch schon als Kind mussten.“ Wenn dann wieder so eine Verbindung in die Brüche ging, war das für mich gleichbedeutend mit sterben müssen. Ich konnte dann einfach nicht weiter leben, es gab überhaupt keine Möglichkeit. Man wollte mich wiedermal nicht, ich wusste nicht weiter und mir blieb nur, mich in meinen schrecklichen Gefühlen abzutöten. Das konnte ich dann gut mit einem Alkohol-Tablettengemisch. Gott sei Dank wurde ich rechtzeitig gefunden, der Magen wurde ausgepumpt, der Kreislauf stabilisiert, ein paar Gespräche, und das Drama Leben ging weiter.

Einmal versuchte ich mir die Pulsadern aufzuschneiden, auch da hat man mich rechtzeitig gefunden. Beim letzten Mal nach dem Tod des Vaters meiner Tochter Melanie hätte ich es fast geschafft. Ich konnte einfach nicht weiterleben. Er war der erste Mensch, der sich mit meinem Innenleben auseinandersetzte und mich immer wieder motivierte, mir Dinge erklärte, die ich nicht verstand. Zum ersten Mal hatte ich wirklich das Gefühl, geborgen zu sein, es gab jemanden, der nicht ständig an mir rummeckerte, er sah mich und meine Bedürfnisse, zudem war er auch noch Arzt, sodass ich glaubte, solange er bei mir ist, kann mir überhaupt nichts passieren. Als er dann plötzlich verstarb, wusste ich überhaupt nicht, wie ich weiterleben sollte. Die ganze Welt erschien mir damals wie eine riesige Arena mit wilden Tieren, die mich vernichten wollten. Es gab einfach kein Entrinnen, keinen Weg aus diesem dunklen gefährlichen Loch. Ich ging damals zu einem Psychiater und bat ihn, mich auf eine geschlossene Station zu bringen, damit meine Tochter nicht auch noch ihre Mutter verlieren sollte, sie war gerade mal ein knappes Jahr alt. Der meinte nur: „Wenn Sie das so sagen, passiert Ihnen nichts, da brauchen Sie keine stationäre Behandlung!“ Einen Tag später lag ich in Göttingen in der Anästhesie und wurde künstlich beatmet.

Ich war in den Wald nahe unserem Wohnort gefahren. Davor hatte ich mir in Göttingen jede Menge frei verkäuflicher Schlaftabletten besorgt und eine Flasche Martini, damit es schneller wirken sollte. Mein Auto blieb dann mitten im Wald im Gestrüpp stecken. Ich nahm eine Decke unter den Arm, meine Flasche und die Tabletten und lief noch ein Stück weiter in den dichten Wald. Es sollte mich niemand finden. Ich breitete die Decke aus und freute mich richtig, bald nicht mehr dieses furchtbare Leben aushalten zu müssen. Dabei schluckte ich alle Tabletten mit dem Martini so weit es ging hinunter. Die Tabletten schmeckten schrecklich, doch ich würgte sie irgendwie rein, dann weiß ich nichts mehr.

Meine Mutter hatte an diesem Tag ein ungutes Gefühl, als es Abend wurde und ich nicht nach Hause kam. Sie sagte zu meinem Vater: „Ich habe so eine Angst in mir, dass der Ingeborg etwas passiert ist. Sie wollte noch spazieren gehen und sicher ist sie wieder in Berlepsch, fahr doch mal dort hoch und schau, ob du sie finden kannst.“ Mein Vater wollte nicht, da er gerade sein Auto putzte, überlegte es sich dann doch und fuhr los. In Berlepsch traf er einen Förster, den er kannte und der ihm Folgendes sagte: „Was es doch für Leute gibt, da steht mitten im Wald ein Auto.“ Mein Vater wurde sofort hellhörig, fragte nach der Automarke und wusste dann irgendwie gleich, dass ich das sein musste. Sie fanden mich im Dickicht, bewusstlos. Die leere Flasche und leeren Tablettenschachteln um mich herum. Es muss ein furchtbarer Anblick für meinen Vater gewesen sein, er ist später nie mehr in diesem Teil des Waldes gewesen.

Der Förster rief einen Rettungswagen und ich wurde nach Göttingen transportiert. Man gab damals meinem Vater meine ganzen Sachen mit, weil sie nach ärztlichem Ermessen nichts mehr für mich tun konnten. Ich wurde zwar an ein Beatmungsgerät angeschlossen, aber man glaubte nicht, dass ich durchkommen würde, da ich bereits eine Untertemperatur von 15 Grad hatte – und wenn ich doch wieder aufwachte, wäre mein Gehirn so stark geschädigt, dass ich noch nicht mal mehr meinen Namen kennen würde.

Ich lag tatsächlich drei Wochen im Koma und dann wachte ich wieder auf. Neben mir saß der Pfarrer aus unserem Dorf – und ich hörte etwas laut schnarchen, das war das Beatmungsgerät. Weiter wusste ich nichts. Danach kam eine schreckliche Husterei und ständiges Gefühl des Erstickens, das war sehr schlimm, das weiß ich noch. Die Tabletten mussten zum Teil ausgehustet werden. Da bekam ich Todesangst. Angst, keine Luft mehr zu bekommen und zu ersticken. Davor wollte ich sterben, welche Ironie. Ich konnte mich an nichts mehr erinnern, konnte noch nicht einmal bis zehn zählen. Es dauerte Wochen in einer Reha, bis mein Gehirn allmählich wieder funktionierte. Es war eines meiner unglaublichen Wunder, von denen ich einige erlebte.

Danach habe ich nie mehr versucht, mir das Leben zu nehmen. Ich fing an, mich mit Glaubensdingen auseinanderzusetzen und sagte von da an: „Da ich das überlebt habe, denke ich, dass man mich da oben noch nicht will, wahrscheinlich habe ich doch einiges auf dieser Erde zu erledigen.“

Bis heute hat sich an diesem Denken nichts geändert. Auch jetzt gibt es immer wieder dunkle Tage, an denen mir das Leben zu schwer erscheint, aber eines habe ich gelernt: Nach jedem Dunkel wird es wieder hell, und immer wieder geht die Sonne auf. Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn sich der dunkle Zustand lichtet und es wieder heller und leichter wird. Wie in einem dichten, dunklen, unheimlichen Wald, wo plötzlich sich die Bäume lichten und die Sonne die Oberhand über das Dunkel gewinnt.

Es hat viele Jahre gedauert, bis ich verinnerlicht hatte, dass diese depressiven Zustände sich nach einiger Zeit wieder lösen. Auch diffuse Ängste, die mich ständig übermannten, habe ich gelernt besser zu bewältigen, mit ihnen zu leben. Es gab Zeiten, da konnte ich nicht alleine bleiben, aber auch nicht unter Menschen sein, nicht einfach raus gehen, nicht über Plätze, nicht über Straßen gehen. Vieles davon habe ich in langwieriger Kleinarbeit mir selbst abtrainiert, geblieben sind Höhenängste, Angst vor großen Hunden und Gewitter. Manchmal geraten auch diese realen Ängste außer Kontrolle, aber irgendwann sind solche Zustände wieder vorbei und das Leben ist leichter.

Allgemein braucht man für all diese, für andere nicht sichtbare inneren Kämpfe und Leidensdruck eine unglaubliche Kraft. Es kann vorkommen, dass ich dann von einem Spaziergang nicht erholt nach Hause komme, sondern fix und alle bin, weil unterwegs ein großer herrenloser Hund von Weitem sichtbar war und ich so schnell ich konnte die Flucht ergriffen habe und voller Panik zum Auto gelaufen bin. Warum dann diese Ängste sich bis zur Panik steigern, weiß ich nicht. In diesem Fall sehe ich dann in meinem Kopfkino, wie dieser Hund sich zur Bestie entwickelt, immer größer wird, mich sofort angreift und nicht nur beißt, sondern regelrecht zerfleischt, meinen eigenen Hund ebenfalls, als wenn es ein hungriger Wolf oder Bär wäre. Dann bin ich jedes Mal froh, wenn ich heil in meiner vertrauten Umgebung bin.

Diese Ängste schränken mich natürlich auch sehr ein. Städtereisen würden mich zum Beispiel sehr interessieren, wie Sankt Petersburg, Moskau, Venedig, Rom – um nur einige zu nennen. Doch niemals könnte ich in so einer Stadt mit einer Reisegruppe sein! Ständig würde ich vor irgendwelchen Abgründen, Brücken und dergleichen weglaufen oder einfach stehen bleiben. Früher wurde ich auch noch regelrecht von der Tiefe angezogen, ein furchtbares Gefühl. Das ist zum Glück heute etwas besser. In einem Hochhaushotel könnte ich nie im Zimmer bleiben vor lauter Angst, dass ich in die Tiefe springen würde. Auf Bahnhöfen habe ich ein reichlich ungutes Gefühl, wenn Züge schnell vorbeifahren, Angst, mich nicht unter Kontrolle zu haben und vor einen Zug zu springen.

Ich fahre keine Autobahn, weil ich vor vierzig Jahren mal mit dem Auto von einer Spur zur anderen geschleudert bin. Danach habe ich mich nie mehr mit meinem Auto auf die Autobahn getraut. Ich hatte diese Schleudern wunderbar bewältigt, den Wagen abgefangen und in die richtige Spur gebracht, da hätte ich doch stolz sein