Bad Homburg

Ich richtete mich in der Wohnung meiner Vorgängerin mit neuen Möbeln ein, einige konnte ich auch von ihr übernehmen. Es war richtig hübsch, und die Arbeitsstelle machte mir auch sehr viel Spaß. Ich musste Vorträge halten, Ernährungslehre vor Kurteilnehmern geben und Hausfrauenkurse an Wochenenden. Nach Hause fuhr ich selten, erstens war es für mich über die Landstraße zu weit, und außerdem hatte ich nicht jedes Wochenende frei. Dafür besuchte mich meine Mutter mit Melanie. Ja, meine Mutter reiste mir überall nach. Ich brauchte bloß husten, und sie war da.

Das Beste war natürlich, dass ich diesen „netten und verständnisvollen Arzt“ hatte, der mir meine Tabletten verschrieb. Wenn ich mir heute überlege, welche Mengen ich damals konsumiert habe und mit welch hohen Dosen ich überhaupt vor der Klasse stehen konnte, dann ist das selbst für mich nicht mehr nachvollziehbar. Eine dieser Tabletten würde mich heute mindestens zwei Tage im Trancezustand halten, und damals nahm ich mindestens drei oder vier davon am Tag und konnte dann erst richtig arbeiten. Es ist unglaublich, was ein Körper alles aushalten kann! Allerdings ernährte ich mich richtig gesund, abgesehen von meinen Fressattacken, doch diese „ungesunde“ Nahrung holte ich ja wieder raus.

Eines Abends wartete ich auf einen jungen Mann, den ich auf einer Hochzeit kennengelernt hatte, der noch ein paar handwerkliche Dinge in meiner Wohnung erledigen wollte. Er kam nicht und ich trank den Wein, den ich für ihn besorgt hatte, alleine aus. In der Wohnung war es mir dann zu langweilig, und die Disco in Bad Homburg kannte ich noch nicht, also fuhr ich mit Tabletten und einer Flasche Wein intus kreuz und quer durch das Städtchen. Plötzlich hatte ich einen platten Reifen. Das bekam ich immerhin noch mit.

Ich stand mit dem Wagen in der Nähe einer Tennisbar, wo auch Tanz war, man aber Eintritt bezahlen musste – es war eine etwas edlere Diskothek. In meinem tranigen Kopf dachte ich: “Prima, da gibt es bestimmt einige Männer, die mir den Reifen wechseln können!“ Ich ging also schnurstracks rein, denn mit meiner Dosis Wein und Tabletten hatte ich keinerlei Hemmungen. Ich sprach an der Bar einen Mann an, der auch bereit war, den Reifen zu wechseln. Als ich wieder raus wollte, kam ein anderer Mann auf mich zu und wollte mit mir reden. Na gut, ich setzte mich mit ihm hin und er entpuppte sich als Therapeut, der wohl ziemlich schnell gemerkt hatte, was mit mir los war – angeblich könne er mir helfen, das wollte ich aber zu dem Zeitpunkt nicht. Während des Gesprächs bemerkte ich an der Bar zwei Männer, die von Weitem aussahen wie Ralf und meine große Liebe Eckhard aus Bad Wildungen. Ich wurde ganz aufgeregt und bewegte mich schnurstracks auf die beiden zu. Es waren aber zwei andere Männer, die ich in meinem nebligen Kopf verwechselt hatte. Die beiden verwickelten mich in ein Gespräch und ich blieb bei ihnen stehen. Sie tranken Wodka und boten mir auch einen an. Harte Sachen habe ich eigentlich nie getrunken, Wodka schon mal gar nicht, doch ich wollte nicht abseitsstehen und trank mit. Von da an hatte ich einen Filmriss.

Die beiden nahmen mich mit nach Hause, ich fuhr angeblich noch mein Auto, und einer von den beiden verbrachte mit mir die Nacht, von der ich überhaupt nichts wusste. Erst am nächsten Morgen, als ich langsam nüchtern wurde, merkte ich, wo ich war und was ich wieder angestellt hatte. Ich wollte nur weg und verabschiedete mich schnellstens. Natürlich hatte ich viel erzählt, unter anderem auch, wo ich arbeitete und wo ich wohnte. So besuchte mich der, mit dem ich zusammen genächtigt hatte, am nächsten Tag an meiner Arbeitsstelle. Da hatte ich echt was angestellt, denn dieser Mann war gar nicht mein Typ! Er war zwar nett, aber ich wollte z.Zt. weder ihn noch irgendeinen anderen Mann. Er ließ aber nicht locker und war dann abends in meiner Wohnung. Er versuchte auch gar nicht, mir wieder näher zu kommen, sondern wir führten richtig tolle Gespräche, die mir gefallen haben.

Wir verabredeten dann, dass ich ihn ein paar Tage später besuchen sollte – das war einige Kilometer von Bad Homburg entfernt über die sogenannte Saalburg nach Usingen. Ich war da zwar noch nie, aber das würde ich schon finden, dachte ich.

An bewusstem Tag hatte ich sehr viel in der Akademie zu tun und war außerdem reichlich übernächtigt, da ein Handwerker mir privat abends noch einige Regale in meiner Wohnung angebracht und wir die halbe Nacht über seine gescheiterte Beziehung gequatscht hatten. Mittags gab meine Kollegin Sekt aus, da trank ich was mit, bis zum Abend war ja noch lang. Nun, je später es wurde, um so unsicherer wurde ich, ob es richtig war, nach Usingen zu dem netten Mann namens Michael zu fahren. In meiner Wohnung stand noch eine halbe Flasche Wein, wovon ich 2 Gläser trank und ein paar Tabletten schluckte, und so war ich für das „Abenteuer“ Usingen gewappnet.

Ich fuhr die breite Straße über die Saalburg. Sie ist mehrspurig und ich merkte ziemlich schnell, dass ich todmüde wurde und Mühe hatte, nicht am Steuer einzuschlafen. Das passierte mir mehrmals, und so hielt ich bei der nächsten Gelegenheit an einer Telefonzelle an. Ich wollte Michael Bescheid geben, dass ich nicht mehr fahren konnte, er solle mich abholen. Da ging plötzlich die Tür der Telefonzelle auf und davor standen zwei Polizisten. „Gehört der Wagen dort drüben Ihnen?“ Sie zeigen mit dem Finger auf mein Auto.
„Ja“, sagte ich spontan.
„Dann kommen sie mal mit.“

Ich wusste überhaupt nicht, was sie von mir wollten. Ich stieg in das Polizeiauto und sie nahmen mich direkt mit in das Krankenhaus nach Usingen, dort wurde mir gleich Blut für eine Blutprobe abgenommen. Unterwegs erzählten sie mir, dass sie von einem Autofahrer angerufen worden sind, der hinter mir fuhr, als ich über alle vier Spuren Schlangenlinie gefahren bin.

Natürlich kam bei der Blutprobe genügend raus, etwas über zwei Promille. Sie nahmen mich mit auf die Polizeiwache und beratschlagten, wo sie mich hinbringen wollten. Da kam mir die rettende Idee, Michael anzurufen. Der kam auch tatsächlich und saß dann mit mir in der Polizeistation. Es gab nun zwei Möglichkeiten: Entweder sollte ich in die Psychiatrie nach Köppern oder Michael würde mich mitnehmen. Mein Führerschein wurde eingezogen und mein Auto blieb erstmal dort, wo ich es abgestellt hatte. Natürlich entschied ich mich für Michael, da er sich auch sofort bereit erklärte, mich mitzunehmen. So begann unsere langjährige Beziehung auf der Polizeiwache in Usingen.
 
Michael

Eigentlich hatte ich richtig Glück, dass ich diesen netten Mann kennengelernt hatte, denn sonst wäre ich ganz schön aufgeschmissen gewesen. Dass man mir den Führerschein entzogen hatte, war zwar bedauerlich, doch im Inneren wusste ich schon, dass ich oft mit ein bis zwei Promille Auto gefahren bin und dass das ganz schön gefährlich war – nicht nur für mich selbst, sondern vor allem für andere Menschen, die sich auf der Straße bewegten. Einmal kam ich mit einem eingebeulten Kotflügel in der Schule an und wusste überhaupt nicht, wo das passiert war.

Michael kannte einen guten Anwalt, der sich mit meinem Fall befasste. Ansonsten war ich oft über Nacht bei ihm in Usingen und er fuhr mich dann morgens zur Schule. Nachmittags oder abends konnte ich den Bus bis zu meiner Wohnung nehmen. Unsere Beziehung entpuppte sich als recht schön, bis auf meine kleinen Abstürze, die immer wieder passierten – vor allem, wenn ich allein war. Wir redeten darüber und Michael hatte anfangs sehr viel Verständnis, ich konnte ihn auch immer anrufen, wenn etwas war, er kam sofort. Mein schönes Auto, das ich noch zur Hälfte von Manfred hatte – ein hellblauer VW-Käfer metallic – wurde verkauft, denn ein Jahr oder länger war mein Führerschein sicher weg.

Ein Abend in meiner Wohnung ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Michael hatte inzwischen einen Zweitschlüssel, war aber ein paar Tage geschäftlich unterwegs. Nun konnte ich endlich nach Herzenslust futtern, so richtig „vollfressen“. Also besorgte ich nach der Arbeit mehrere Tüten mit Fressalien – alles Mögliche, Schokolade, Mohrenköpfe, Plätzchen und auch etwas Pikantes wie Fisch, Wurst, Käse, Puddings. Ganz entspannt setzte ich mich in meiner Wohnung in einen Sessel, neben mir auf dem Tisch und rundherum meine Fressalien sowie eine Kanne Wasser, denn zwischendurch musste ich immer trinken, damit alles im Magen gut vermischt wurde, sonst ließ es sich nicht wieder auskotzen. Ich saß ganz aufgeregt da, riss die Verpackungen auf und stopfte so schnell ich konnte alles in den Mund. Dann trank ich Wasser dazu, und als der Magen so voll war, dass nichts mehr reinging, brach ich auf der Toilette alles wieder aus. Das klappte wie auf Kommando, ich brauchte nicht mal einen Finger in den Hals zu stecken.
Was waren das für Gefühle? Erst das Süße oder Sahnige auf der Zunge, und dann wuchs das Ganze wie eine unheimliche Gier nach Mehr, so schnell konnte man überhaupt nicht essen, nur reinstopfen! Der Bauch füllte sich, die innere Leere fühlte sich besser an, aber ich wurde nur im Magen voll, nicht in meiner Seele. Ich wollte weiter essen, immer rein, rein, rein, es ging dann aber zwischendurch nichts mehr rein, und so musste ich alles wieder rausholen. Das war dann auch eine Riesenerleichterung, als wenn aller Mist aus dem Inneren mit rauskam! Ich habe immer gesagt, von allen Süchten war dieses Fressenmüssen am schlimmsten. Sobald nur ein Krümel „verbotene Nahrung“ in den Körper kam, ging die Suchtmaschine los und war nicht mehr zu bremsen. Schlimm war das vor allem, wenn ich irgendwo eingeladen worden war und ich aß ein Stück Kuchen, dann ging es los und ich hätte alles, was auf dem Tisch stand, in mich reinstopfen können. Das ging natürlich nicht bei einer Einladung, und dieses Suchtgefühl dann aushalten zu müssen, war ganz furchtbar. Das kann man nicht beschreiben, es ist eine Gewalt, die man nicht steuern kann. Man wird mitgerissen, wie ein Strudel, der sich immer schneller dreht – man ist drin und kann nicht raus. An etwas anderes zu denken geht nicht, es gibt nur das Suchtmittel, und davon immer mehr. Alles dreht sich nur darum, der Kopf und der ganze Körper ist voll davon. Rien ne vas plus: Nichts geht mehr!

Na, jedenfalls ging an dem Abend, als ich da zwischen meinen aufgerissenen Verpackungen saß und mich vollstopfte, meine Wohnungstür auf und Michael stand in der Tür. Ich war ja nicht von Alkohol oder Tabletten benebelt, sondern bis auf die Fresserei nüchtern. Ich habe mich in dem Augenblick, als er zur Tür reinkam und mich sah, so geschämt, wie wohl in meinem ganzen Leben nicht mehr. Am liebsten wäre mir gewesen, der Boden hätte sich aufgetan und ich wäre einfach verschwunden. An unser Gespräch kann ich mich nicht mehr erinnern, aber Michael war mir nicht böse. Irgendwie hatte er ziemlich viel Geduld mit mir.

Nach einem Jahr bekam ich meinen Führerschein zurück und kaufte einen neuen Wagen, einen roten Polo. Eine Zeit lang konnte ich mich – von einigen Ausfällen abgesehen – gut über Wasser halten. Ich war mehr in Usingen bei Michael als in meiner Wohnung, und so fielen die Extremausfälle, wenn ich allein war, schon mal weg. Irgendwann zog ich ganz zu ihm und gab meine Wohnung auf, ich hatte ja meinen Führerschein wieder, ein neues Auto und konnte somit allein zur Arbeit fahren. Allerdings passte mir das auch nicht, so viel unter Kontrolle zu sein, und wenn ich allein zu Hause war, nahm ich manchmal doch mehr von meinen tollen Pillen und lag öfters schlafend im Bett, wenn Michael nach Hause kam. Sicher sah er dann einige Unordnung in der Wohnung, die auf meinen benebelten Kopf hinwies. An viele Dinge kann ich mich gar nicht erinnern, und somit weiß ich auch nicht, wie es damals in meiner Umgebung aussah und was ich für ein Durcheinander hinterließ, bevor ich im Bett verschwand.

Eines Tages oder besser Abends kam Michael nach Hause, ich lag im Bett und er drehte völlig durch. Er schrie, zerrte mich aus dem Bett, packte meine Koffer und sagte dauernd: „Jetzt reicht es! Das kann ich nicht mehr aushalten, du hast mir so oft versprochen, damit aufzuhören, es wird stattdessen immer schlimmer! Ich fahre dich jetzt zu deinen Eltern, ich kann nicht mehr. Du musst wieder in eine Klinik!“

Schlagartig wurde ich halbwegs nüchtern im Kopf und versuchte ihm wieder alles zu versprechen, aber er ließ sich darauf nicht mehr ein. Er verfrachtete mich und die Koffer in seinem Auto und fuhr los. Das war nun was ganz Neues! Bisher hatte das noch niemand gemacht, mich rausgeschmissen. Meinen Eltern war sogar vom Arzt empfohlen worden, mich mal vor der Tür stehen zu lassen und sich nicht mehr um mich zu kümmern. Sie haben es aber nie fertiggebracht – vielleicht hätte es ja geholfen, oder ich wäre tatsächlich in der Gosse gelandete, wie das mal eine Frau über mich sagte.

Meine Eltern schickten mich mit Michael gleich weiter nach Göttingen in die Klinik. Am nächsten Tag, als ich nüchtern wurde, wollte ich wieder weg. Es war keine geschlossene Station und somit ließ man mich gehen. Auf dem Flur standen zwei Ärzte, die sich über mich unterhielten. Ich musste an ihnen vorbei und bekam ihr Gespräch mit. „Warum lassen Sie diese Frau gehen, die ist doch völlig fertig?“, sagte der eine. „Genau deshalb, sie ist ganz schnell wieder hier, ihre Akte ist sehr lang, wir können nichts mehr für sie tun, sie ist ein Fall für die Langzeitpsychiatrie, sie wird ohne Aufsicht nie draußen leben können“, erklärte der andere.

Ich war völlig geschockt, als ich das hörte. Ich wollte nur weg, bloß raus hier. Aber wohin? Ich lief aufgescheucht durch die Stadt und kam irgendwann am Bahnhof an. Mein Kopf arbeitete fieberhaft und mir war ganz schlecht. Ich fuhr zu meinen Eltern. Meine Mutter machte die Tür auf und schlug förmlich die Hände über dem Kopf zusammen. „Was willst du denn hier? Wir denken, du bist in der Klinik?“

„Ich bleibe jetzt hier und mache einen richtigen Entzug, allein. Kein Arzt und keine Klinik, das kann ich allein, jetzt reicht es! Macht euch keine Sorgen, mir ist es ernst, wirklich ernst.“ Dieses Gespräch der beiden Ärzte, das ja nicht für meine Ohren bestimmt gewesen war, hatte wie eine Bombe eingeschlagen.

Ich schlief bei meiner Mutter im Ehebett oder besser lag ab und zu im Bett, ansonsten turnte ich durch die Gegend. Die Unruhe nahm immer mehr zu. Das kannte ich ja schon, nur diesmal war ich zu Hause und kein Arzt konnte mir im Notfall eine Spritze geben oder eine Tablette. Ich schwitzte, ich hatte Angst, ich hatte Herzrasen, aber ich wollte durchhalten. Irgendwie musste es doch gehen! Wenn ich keinen „Stoff“ mehr nahm, konnte ich nicht abstürzen, soweit dachte ich immerhin, und dann werde ich auch nicht eingesperrt. Diese Gedanken schwirrten zusätzlich durch meinen wirren Kopf. Nachts bekam ich sogar einige Krampfanfälle, meine Mutter muss Furchtbares miterlebt haben. Sie sagte, das ganze Bett hätte von meinem Zittern und Krampfen gewackelt. Als das Schlimmste überstanden war, rief ich unseren Hausarzt an und fragte ihn, ob er mich irgendwo in eine Suchklinik einweisen könne, ich wolle jetzt endlich ohne Tabletten leben lernen, nur wüsste ich nicht, wie.

Er kümmerte sich sofort darum, denn zum ersten Mal sah meine Umgebung eine wirkliche Ernsthaftigkeit meinerseits. Ich mag mir gar nicht ausdenken, wie schlimm diese Wochen auf meine kleine Tochter gewirkt haben müssen. Ein kleines Kind sieht die Dinge aus einer anderen Perspektive, es ist alles viel schlimmer als für die Erwachsenen. Ich weiß ja, wie viel Angst ich als Kind um meine Mutter hatte, und das waren nicht so schlimme Auftritte!

Ich bekam sehr schnell einen Platz in einer Suchtklinik in Bad Neustadt/Saale, einer BfA-Klinik. Ich brauchte einen Einweisungsschein mit Diagnose, und so rief ich meinen Neurologen in Bad Homburg an. Er sagte mir die Einweisung zu und fragte mich doch allen Ernstes, ob er mir ein Rezept mit meinen bevorzugten Tabletten schicken solle. Natürlich verneinte ich, aber irgendwie konnte ich das nicht verstehen. Da kämpfte ich mich allein durch einen Entzug, und ein Facharzt bot mir gleich wieder die „Droge“ an.

Nachdem ich gepackt hatte, fuhr mein Vater mich nach Bad Neustadt – wieder für ein halbes Jahr. Ich habe irgendwann einmal ausgerechnet, wie lange ich insgesamt wegen meiner psychischen Erkrankung in Kliniken verbracht habe. Es kamen etwa drei Jahre heraus.
 
Bad Neustadt

Nach Bad Neustadt fuhr ich in einer ganz anderen Verfassung, als zu den Klinikaufenthalten davor. Ich hatte mich alleine durch einen Entzug gekämpft. Jetzt wollte ich lernen, wie man überhaupt ohne diese furchtbaren Suchtgefühle leben könnte. In der ersten Suchtklinik ist an mir alles vorbeigerauscht, da wollte ich gar nichts lernen, aber jetzt wollte ich.

Es war ein schöner, großer Bau inmitten des Städtchens. Ich bekam ein hübsches Zimmer und hatte den Eindruck, gut aufgehoben zu sein. Die ersten vier Wochen gab es die sogenannte Kontaktsperre, die von allen nicht gerade begrüßt wurde. Sie war aber nötig, um Abstand von Zuhause zu bekommen und vor allem, um nicht beeinflusst zu werden. Man sollte sich ganz auf sich selbst konzentrie