Bad Sooden-Allendorf

Humpelnd fing ich meine neue Stelle in Bad Sooden-Allendorf an. Der Fuß tat höllisch weh und war geschwollen, trotzdem lief ich damit in der Küche und Klinik rum. Ich biss die Zähne zusammen und ließ mir nichts anmerken. Vielleicht wurde ich dadurch auch von meiner Angst abgelenkt, denn jetzt hatte ich ja etwas Sichtbares, das wehtat.

Die Küche war hell und modern eingerichtet. Meine Kollegin war in meinem Alter, für eine Diätassistentin allerdings zu dick. Dann gab es noch drei Köche, einen Küchenchef, eine Köchin und Küchenhilfen. Von allen wurde ich freundlich begrüßt und eine Zeit lang bei meinen Tätigkeiten beobachtet. Der Dienst begann morgens um 7.00 Uhr bis mittags, und abwechselnd musste man Spätdienst machen, das hieß abends noch mal zwei Stunden. Im Schwesternhaus hatte ich ein wunderschönes Zimmer mit Balkon, alles in einer ansprechenden Atmosphäre. Wenn da nur nicht diese ständige Unsicherheit und Ängste gewesen wären!

Gleich in der ersten Woche musste ich beim Chefarzt erscheinen und über meine „Verletzungen an den Armen“ berichten. Ich rutschte schon sehr unruhig auf meinem Stuhl hin und her, doch ich merkte gleich, dass dieser Mann mir keine Vorwürfe machen wollte, sondern sehr schnell begriff, dass ich in höchster Not war. Wir vereinbarten jede Woche eine Sitzung, damit ich über meine Probleme reden konnte. Zum ersten Mal fragte mich ein Mensch über Kindheit und meine inneren Zustände aus. Anfangs war das sehr schwierig für mich, denn die meisten Dinge hatte ich immer verschwiegen und mit mir alleine ausgemacht. Außerdem war das nicht irgendein Therapeut, sondern es war auch noch mein Chef.

Gleich zu Beginn ließ er sich die Akten aus der Psychiatrie in Göttingen kommen und kam zu einem anderen Ergebnis als die Ärzte dort. Meine Krampfanfälle waren lediglich durch die Vergiftungen ausgelöst worden. Ach du Schreck! Das war zwar eine gute Nachricht, aber ich hatte mich inzwischen total an die verordneten Tabletten gewöhnt – und die sollte ich jetzt weglassen! Was war dann? Nun kam ich zeitweise regelrecht in Panik, denn jetzt passierte mir bestimmt etwas!

Es war eine furchtbar schlimme Zeit für mich. Ich traute mich kaum zur Arbeit oder gar auf die Straße. Immer dachte ich, gleich falle ich um und bekomme einen Anfall. Zudem hatte ich mal einen Film aus Bethel gesehen – mit richtigen Epileptikern – und fand das ganz furchtbar, wie so ein Anfall aussah. Nicht nur, dass mir dabei etwas passieren könnte, sondern wenn das jemand sah, da musste ich mich doch schämen! Das war wirklich eine furchtbare Zeit… Der Chefarzt half mir sehr, denn wenn ich es gar nicht mehr aushielt, brauchte ich ihn nur anzurufen und konnte meist direkt zu ihm gehen. Er gab mir zur Überbrückung andere Medikamente. Das starke Medikament für Epileptiker hätte auf Dauer mein Gehirn empfindlich geschädigt.

Und dann kam die nächste Katastrophe: An einem wunderschönen Wintertag mit reichlich Schnee wollten eine junge Frau aus dem Schreibbüro, sie hieß Rosi, und ich nachmittags Schlitten fahren. Rosi hatte einen Schlitten und wir stiefelten froh gelaunt einen der naheliegenden Berge empor. Es war sehr lange her, dass ich Schlitten gefahren bin, und etwas steilere Abhänge ohnehin noch nie. Das war ein sehr steiler Abhang, den wir uns ausgesucht hatten, außerdem war der Schnee sehr tief und pulverig. Gleich beim ersten Runterfahren blieb ich beim Bremsen mit meinem linken Bein im tiefen Schnee stecken. Der Schlitten drehte sich, die Kufe landete auf meinem Bein und wir fielen mitsamt Schlitten quer auf meinen stecken gebliebenen Unterschenkel. Es war ein richtiges Knacken und Knirschen zu hören, und mir wurde übel vor Schmerz. Das Bein war kaputt, das spürte ich sofort!

Klar, wenn ich auch ohne Erlaubnis Schlitten fuhr, dachte ich gleich! Meine Mutter hatte es mir immer verboten.
Wir waren beide erschrocken und ich heulte und jammerte über mein Bein. Rosi packte mich auf den Schlitten und zog mich den Berg runter nach Hause. Dort rief sie die Oberschwester an, die einen Rettungswagen alarmierte, der mich ins Krankenhaus brachte. Oh je, und abends hatte ich eine Sitzung beim Chefarzt, die musste ausfallen. Nun hatte ich zusätzlich noch ein äußerst mulmiges Gefühl. Ich hätte überhaupt keinen Schlitten fahren dürfen, und schlussendlich wäre ich ohnehin zu spät zu dem Termin gekommen, und dann war ich erst drei Monate in dieser Stelle… Jetzt bekam ich bestimmt die Kündigung. Auch das noch!

Das Bein kam in einen Streckverband und ich musste vier Wochen im Krankenhaus bleiben, genau über Weihnachten. Meine Kollegin, Rosi und natürlich meine Eltern besuchten mich, aber dieses Rumliegen war nun wirklich nicht mein Fall. Ich konnte nicht flüchten, Tabletten konnte ich auch keine besorgen, und rauchen ebenfalls nicht. Dem Chefarzt schickte ich eine Karte und entschuldigte mich mal wieder für mein Fehlen. Daraufhin bekam ich eine sehr nette Weihnachtskarte einen Tag vor Weihnachten von ihm. Er war mir nicht böse, gekündigt wurde mir auch nicht, und er wünschte mir gute Besserung.

Ein Segen, das war geklärt, ich konnte weiter dort arbeiten! Ich bekam einen Gips und durfte nach Hause. Da der Bruch gesplittert war, dauerte es einige Monate, bis ich wieder arbeiten konnte. Davor bekam ich einen Anruf von meinem Chef, in dem er sich nach meinem Befinden erkundigte und ankündigte, dass er mich mal besuchen wolle. Meine Eltern waren gerade dabei, in unserem Haus eine Heizung einzubauen, und so sah es hier aus wie auf einer Baustelle. Meine Mutter und ich bekamen Blumen mitgebracht und Herr Chefarzt saß auf einer Teppichrolle. Wir unterhielten uns, und er erzählte mir von einem bevorstehenden Vortrag über Ernährung in Hann. Münden. Dann fragte er mich, ob ich Lust hätte, mitzukommen. Ach du meine Güte, ich sollte mit meinem Chef zu einem Vortrag? Natürlich habe ich bejaht und lief bzw. humpelte ziemlich nervös hin und her. Das größte Problem, was zog ich da an? Wie lief das ab? Da waren doch bestimmt nur Ärzte. Hoffentlich hatte ich dort keine Angst und konnte mich richtig benehmen. Das war wirklich eine Etage zu hoch für mich, aber absagen ging nicht, ich musste da mit.

Ich fuhr mit meinem Vater nach Witzenhausen und wir kauften einen Hosenanzug, damit das noch verbundene Bein nicht zu sehen war. Der bewusste Tag kam und vor unserem Haus hielt ein grüner Porsche, der Wagen meines Chefs. Das war zur damaligen Zeit etwa so, als wenn in dem kleinen Dörfchen ein Raumschiff gelandet wäre. Bei uns war Zonenrandgebiet, ein Porsche verirrte sich hier nie. Und jetzt stand einer vor unserem Haus! Nach der Begrüßung humpelte ich zittrig zu diesem Wunderauto. Meine Eltern standen beide hinter dem kleinen Badezimmerfenster und schauten zu, wie ich in den Wagen einstieg und das Auto mit mir verschwand.

Unruhig, ängstlich und still drückte ich mich in die Autopolster, am liebsten wäre ich darin verschwunden, statt dessen musste ich auf gestellte Fragen antworten. Nach kurzer Zeit hielt er an und sagte zu mir, dass es keinen Vortrag gäbe, er mir aber wichtige Dinge zu sagen hätte. Nicht schlecht, der Vortrag war passé, nur was wollte er mir denn sagen? Meine Unsicherheit war kaum auszuhalten, irgendwie kam mir die ganze Aktion ziemlich komisch vor.

Wir hielten vor einem Lokal außerhalb von Hann. Münden, stiegen aus, setzten uns in dem Lokal an einen Tisch und ich wartete gespannt, was jetzt kam. Er saß mir gegenüber, schaute mich sehr eindringlich an und fing an, mir in einer längeren Rede eine Liebeserklärung zu machen und bot mir das Du an. Ach du Schreck! Ich rutschte auf meinem Stuhl immer tiefer, den Kopf zog ich auch immer mehr ein und vermied angestrengt, ihn anzuschauen. Statt dessen sah ich mir genau gegenüber in einem Fernsehgerät die Mondlandung der Amerikaner an. Die Worte von ihm rauschten an mir vorbei.

Was war das denn jetzt? Er war doch mein Chef und doppelt so alt wie ich, ich schätzte mal Mitte vierzig, und ich war gerade einundzwanzig. Dazu war er ein sehr gut aussehender Mann, Chefarzt einer großen Klinik und verheiratet mit Familie. Irgendwas lief hier schief, das konnte doch gar nicht sein! In meinem Kopf wirbelte alles durcheinander und ich hätte jetzt sehr gern ein paar Beruhigungspillen gehabt, doch aufstehen, auf die Toilette gehen und meine Tasche mitnehmen, das fiel auf, also musste ich die ganze Angelegenheit so durchstehen. Nur duzen konnte ich ihn nicht, also sprach ich ihn nicht direkt an, sondern umschrieb die Sätze so, dass ich kein Sie oder Du brauchte. Ich konnte dazu nichts sagen, auch keine Bedenkzeit erbeten oder Ähnliches, das traute ich mich nicht. Also sagte ich gar nichts.

Wir fuhren dann sehr schweigsam nach Hause und ich war heilfroh, als ich aussteigen konnte und wieder zu Hause war. Meinen Eltern sagte ich nichts, ging in mein Zimmer und überlegte angestrengt, wie ich aus der Nummer wieder rauskäme. Dann fing ich an, einen Brief an ihn zu schreiben mit dem Inhalt, dass das wohl alles nicht ernst gemeint wäre und er nicht seine Frau betrügen könne, dass ich nur eine kleine, sehr junge Diätassistentin sei und er wegen mir doch nicht Ehe und Beruf aufs Spiel setzen könnte. Ich würde mit diesem Brief kündigen, eine andere Möglichkeit sah ich nicht.

Die ganze Nacht konnte ich nicht schlafen. Meine Eltern bekamen meine nächtliche Unruhe mit und am nächsten Morgen erzählte ich meiner Mutter die ganze Story. Die sagte doch glatt, so etwas Ähnliches hätten sie sich schon gedacht. Meine Mutter fand es zwar schade, ich ja auch, wenn ich dort kündige, pflichtete mir aber bei, dass ich wohl keine andere Chance hätte, um nicht die Geliebte eines verheirateten Mannes zu werden.

Der Brief kam zur Post und ich wartete gespannt auf eine Reaktion. Und die kam auch prompt. Er rief an und sagte, dass er das so nicht stehen lassen könne und die Kündigung nicht annehme, er müsse noch mal mit mir reden. Wieder erschien das tolle Auto vor unserem Haus und wir fuhren in ein Lokal, wo er mir unmissverständlich klar machte, dass er deshalb kein schlechterer Familienvater und Ehemann wäre, er brauche auch ein Teil seines Lebens für sich, eine Insel, auf die er sich zurückziehen könne, da sein Beruf und alles andere ihm eine Menge abverlangen würde.
Toll, nun fühlte ich mich richtiggehend verpflichtet, in die ganze Sache einzuwilligen, denn er hatte sich ja auch bereit erklärt, mir zu helfen. Ich hatte keine Chance gegen seine Argumentation, ich war wirklich wie Knetgummi in seinen Händen.

Kurze Zeit später fing ich wieder an zu arbeiten, und Manfred und ich sahen uns mehrmals die Woche in seinen Chefarzträumen in der Klinik, die richtig pompös eingerichtet waren. Ich bekam sogar einen Generalschlüssel, sodass ich mich nachts alleine aus der Klinik rausschleichen konnte. Ein bisschen gebauchpinselt fühlte ich mich schon: ein so toller Mann, der sich für mich interessierte! Wir arbeiteten auch weiter an meinen Problemen, und so wurde ich mehr und mehr von ihm regelrecht abhängig. In seiner Nähe fühlte ich mich zum ersten Mal in meinem Leben richtig geborgen und verstanden. Er motivierte mich immer wieder, wenn ich Angst vor irgendwelchen Dingen hatte, machte mir Mut und half mir aus dem ganzen Tabletten- und Alkoholwust herauszukommen. Für meine Schlafprobleme gab er mir dosiert irgendwelche Tabletten – und einmal sogar nur Plazebos, wovon ich aber nichts wusste – und ich schlief prächtig und war vor allem wieder seit langer Zeit morgens richtig ausgeschlafen. Das lief einige Monate so gut, bis er leider den Fehler machte und mir von den wirkungslosen Tabletten erzählte, weil er mir klarmachen wollte, dass ich auch ohne Schlafmittel schlafen könnte. Das war es dann! Von da an konnte ich wieder nicht schlafen und er durfte mir nur noch Packungen geben, woraus hervorging, dass es auch wirklich ein Schlafmittel war.

Die Zeit ging dahin, ich konzentrierte mich nur noch auf meine Arbeit in der Klinik und auf unsere Treffen. Inzwischen hatte ich doch den Führerschein gemacht und einen alten weißen VW-Käfer erworben. Von seinem Haus aus konnte mein Chefarzt den Parkplatz einsehen und wehe mein Auto stand abends nicht auf seinem Platz, dann rief er morgens gleich in der Küche an, und der Küchenchef rief durch die ganze Abteilung: „Frau Wagner, zum Chef!“

Da bekam ich dann gleich morgens eine Standpauke. Mehr und mehr vereinnahmte er mich, sodass ich mich schon deshalb nirgends mehr allein hintraute. Auf einer Weihnachtsfeier im Betrieb bekamen auch einige Leute mit, was zwischen uns lief, und ruckzuck war es in der ganzen Klinik Gesprächsthema. Von allen Seiten wurde ich kritisch oder auch lächelnd beäugt. Natürlich hörte ich auch hin und wieder blöde Bemerkungen, es war schon manchmal wie ein Spießrutenlaufen. Nur Manfred wusste nicht, dass die Klinik es wusste, ich habe es ihm auch nie erzählt, ich wollte ihn nicht beunruhigen.

Es war schon ein sehr isoliertes Leben und eigentlich ähnlich wie bei meinen Eltern in meiner Kinder- und Jugendzeit. Auf der einen Seite half er mir und ich fühlt mich auch geborgen, nur das Leben draußen lief ohne mich ab. Ich durfte immer weniger mein freies Leben führen, sofort stellte er mich zur Rede, wenn er mitbekam, dass ich mal abends aus war. Um dem Ärger zu entgehen, ließ ich es dann ganz, fühlte mich zunehmend eingesperrt und fing wieder an, mich mit Alkohol oder Tabletten zu betäuben. Die Wochenenden war er natürlich bei seiner Familie, ich durfte höchstens mal zu meinen Eltern fahren.

Zwischendurch wollte ich weg aus Bad Sooden-Allendorf, mal zur Weiterbildung als Ernährungsberaterin nach Düsseldorf oder zur Umschulung zur Masseurin, dazu hatte ich vom Arbeitsamt die Genehmigung bekommen, denn die Tätigkeit in der Küche war wirklich nicht mein Fall. Es ging sogar soweit, dass ich manchmal morgens vor der Küchentür einfach umfiel und kurze Zeit bewusstlos war, wenn ich nur den Geruch in die Nase bekam. Aber ich durfte nicht weg. Manfred organisierte mir ein kleines Büro, in dem ich Beratungen abhalten konnte, das wäre doch dasselbe wie Ernährungsberaterin, meinte er, und ich bekam auch mehr Geld… Na, und eine Umschulung kam schon mal gar nicht infrage. Mehrere Kündigungen von mir landeten im Papierkorb. Und jedes Mal gab ich klein bei, denn er konnte mich immer wieder auf Spur bringen. Ihm gegenüber hatte ich null Chance, mich durchzusetzen, wenn er es nicht wollte. Ab und zu nahm er mich zu einem Medizinerkongress oder Seminar mit, sodass wir uns auch mal draußen frei bewegen konnten. Das ging in dieser Gegend ja nun gar nicht, aus Angst, jemand könnte uns zusammen sehen, denn er war nun mal sehr bekannt als Arzt und auch als Mitglied des Lions Club. Um mich immer wieder bei Laune zu halten, bekam ich auch hin und wieder schöne Geschenke bis hin zu einem hellblauen VW-Käfer, zu dem er mir mit Geld verhalf. Den Rest bekam ich von meinem Vater, dem ich den Betrag in Raten zurückzahlte.

Eines Tages nach mehreren Jahren musste Manfred im Auftrag des Lions Club für mehrere Wochen nach England. In dieser Zeit ging ich viel mit einem befreundete Koch aus, der mit mir zusammenarbeitete, der über alles Bescheid wusste und mit dem ich mich gut austauschen konnte. In dieser Zeit merkte ich plötzlich, wie schön es war, einfach mal auszugehen oder nur mal in einem Lokal zu essen, ohne beobachtet zu werden – ganz zu schweigen von dem Besuch einer Disco. Für mich stand nach kurzer Zeit fest, ich musste mich aus diesem Gefängnis befreien, und mein Freund und Kumpel wollte mir dabei helfen.

Manfred kam aus Leeds zurück, es war Herbst und ich hatte vor, im Frühjahr die Klinik zu verlassen und meine Ausbildung zur Masseurin zu absolvieren. Mit dem Arbeitsamt war alles besprochen, ich musste nur warten, bis der neue Ausbildungsgang begann, und so lange wollte ich noch in der Klinik bleiben. Dann merkte ich ein paar Wochen später, dass ich schwanger war. Wie konnte das passieren, ich hatte doch immer die Pille genommen. Ach du Schreck, was jetzt tun? Jetzt wusste ich gar nicht mehr ein noch aus! An einem Abend, Manfred war ein paar Tage in Hamburg, rief ich seine Frau an und wollte mich mit ihr unterhalten. Die ganzen Jahre hatte ich immer ein ungutes, richtig mieses Gefühl, wenn ich sie sah – ich war die Frau, mit der ihr Mann sie betrog. Auf mich machte sie immer einen sehr netten und sympathischen Eindruck. Sie besuchte mich also, und da ich nichts zum Trinken hatte, bot ich ihr Buttermilch an. Ich dagegen hatte an dem Abend Wein getrunken, sonst hätte ich mir das nie getraut. Ich erzählte ihr von dem Verhältnis mit ihrem Mann und dass ich jetzt schwanger sei.

Am nächsten Morgen dachte ich nach dem Aufwachen: „Was war das denn für ein blöder Traum, Manfreds Frau war hier?“ Ich stand auf und sah auf dem Tisch die leeren Buttermilchgläser, da wusste ich, dass es kein Traum war. Nun war ich völlig durch den Wind. Was hatte ich denn jetzt wieder angestellt? Wenn das Manfred erfuhr! Ich bekam zu meiner Misere noch totale Panik. Hier half nur eines: Ich musste mich umbringen, da gab es jetzt kein Entrinnen mehr. Mir fiel in dem Moment auch ein, dass ich mal eine Schwester beobachtet hatte, wie sie abends den Schlüssel vom Stationszimmer in der Küche in einer Schublade versteckte. Was tat ich also? Ich trank mir etwas Mut an, ging hinüber zur Klinik, besorgte mir den Schlüss