Ingeborg Wagner
…und ich steh immer wieder auf
Mein Leben
Privatedition 2010
(Alle Rechte vorbehalten)

 

„Mutter, warum bist du alt geworden!“

…war das ein Tag! Meine Mutter ist vorgestern ins Krankenhaus eingeliefert worden. Sie hatte plötzlich Luftnot und saß schwer atmend auf ihrem Bett – abends um 22.30 Uhr.

Mir passte das wieder mal überhaupt nicht. Ärgerlich und ungeduldig hatte ich gesagt: „Och Mutti, musst du immer abends mit solchen Sachen kommen! Du weißt doch, dass ich dann wieder nicht einschlafen kann.“ Meistens war nämlich gar nichts, sie bemerkte nur wieder irgendetwas an sich, bekam Angst und steigerte sich da hinein. Wenn ich das sah, bekam ich jedes Mal Herzklopfen, weiche Knie, automatisch Angst um sie, so wie schon als kleines Kind, Angst, dass meiner Mutter etwas passieren könnte. „Ich hab dir doch so oft schon gesagt, wenn dir irgendetwas Probleme bereitet, dann sag es mir früher!“ Ich wusste nie, war das nur Panikmache oder tatsächlich ein körperliches Krankheitssymptom.

Sie schaute mich auch vorgestern ängstlich und kläglich an und sagte: „Ja, ich dachte, es geht wieder weg, ach das geht wohl auch, aber ich bin so wackelig auf den Beinen, trau mich nicht allein auf die Toilette.“ Ich schaute sie prüfend an und merkte, dass da wirklich etwas nicht stimmte.

Sie war inzwischen 89 Jahre alt und konnte wegen ihrer stark arthrotischen Knie lange schon nicht mehr richtig laufen, hatte ein Altersherz, was ihr öfters Schwierigkeiten bereitete, aber ansonsten war sie organisch recht gesund. Und ganz besonders war sie geistig völlig intakt und interessierte sich noch für vielerlei Dinge.
Ich war vor über sieben Jahren zu ihr gezogen, um mich um sie zu kümmern, da es damals von meinem Leben her auch gepasst hatte. Dass dieses Zusammenleben vielerlei Probleme für beide Seiten brachte, davon erzähle ich später.

„Mutti, wenn es dir wirklich nicht gut geht, dann rufe ich jetzt den Notarzt, es kann nachts schlimmer werden und dann wissen wir wenigstens, was los ist.“
„Nein, ich will keinen Arzt, der schickt mich nur wieder in ein Krankenhaus, und das will ich nicht!“
„Ach was, der schaut nur mal nach, was ist, und dann wissen wir beide Bescheid.“
„Gut, aber dann den Hausarzt.“
„Mutti, es ist heute Freitagabend, da gibt es nur den Notarzt.“
„Na gut, wenn du meinst, dann hilf mir aber vorher noch auf die Toilette.“

Ich drückte den Notrufknopf und wartete, dass sich jemand meldete. „H a l l o, meiner Mutter geht es nicht so gut, sie ist sehr schlapp und hat extreme Luftnot, können sie einen Arzt vorbeischicken?“
„Ja, machen wir, kommt sofort!“

Meine Mutter prüfend anschauend und doch etwas ängstlich, sagte ich ganz cool zu ihr: „Na komm, Mutti, dann wollen wir mal.“ Ich half ihr, aufzustehen und merkte, wie wackelig sie war, sie hing förmlich an meinem Arm. Schritt für Schritt, ganz langsam bewegten wir uns zur Toilette. Ich drehte sie bedächtig zu der Kloschüssel und setzte sie hin. Plötzlich kippte sie zur Seite, war für kurze Zeit ohnmächtig, kam dann aber wieder zu sich und sagte leise: „Jetzt dachte ich, es geht zu Ende, ich möchte aber noch ein bisschen hier bleiben!“

Ich war furchtbar erschrocken, mein Herz schlug rasend, meine Beine wurden weich, der Kopf hämmerte, aber ich ließ mir nichts anmerken und beruhigte sie mit den Worten: „Das wirst du auch, der Arzt ist bestimmt gleich da.“ Innerlich war ich jedoch fix und alle, half ihr, sich wieder anzuziehen, aber sie konnte nicht mehr aufstehen, so schwach war sie. Ich wollte ihr Herz nicht noch mehr belasten und ließ sie einfach sitzen und hielt sie fest. Sicherlich hatte der Rettungsdienst schon öfters einen Menschen auf dem Klo gesehen. Den Sitz konnte ich noch schließen, aber mehr ging einfach nicht. Sie saß zusammengefallen da, kreideweiß, ja fast bläulich im Gesicht, schaute mich voller Angst an und ich hielt sie schwer hängend in meinem Arm.

Da kam auch schon der Rettungswagen mit dem Notarzt, ich war heilfroh! Ich machte ihnen die Tür auf, führte sie zu meiner Mutter und erklärte dem Notarzt, was gewesen war. Sie hoben sie auf einen Tragesitz und nahmen sie mit in den Rettungswagen. Ich gab die Personalien an und packte ein paar Sachen zusammen. Der Notarzt sagte mir dann an der Tür, dass meine Mutter eine starke Tachykardie habe und behandelt werden müsse, es wäre aber nicht lebensbedrohlich, ich brauche nicht mitzukommen, könne aber später mal anrufen.

Ich wusste, dass ich im Krankenhaus nur im Weg stand, blieb also zu Hause und rief nachts gegen 1.00 Uhr im Krankenhaus an. Eine nette Ärztin beruhigte mich, sie würden das schon in den Griff bekommen, ich solle mir keine Sorgen machen, ansonsten riefen sie mich an. Nun ja, ich konnte in der Tat nichts tun und legte mich ins Bett in der Hoffnung, ein wenig schlafen zu können. Nur daran war überhaupt nicht zu denken, mein Herz raste weiter, ich zitterte und mir gingen tausend Gedanken durch den Kopf. Was ist, wenn sie jetzt tatsächlich stirbt… nun, vielleicht ist es besser… nein, das geht nicht… aber dann haben wir beide endlich unsere Ruhe… aber was soll dann hier aus dem Haus werden… soll ich dann hier bleiben… aber dann bin ich ganz allein, außer meinem Hund… nein, ein paar Jahre könnte sie doch noch leben… sie ist doch eigentlich noch ganz fit… aber was wird, wenn sie bettlägerig wird… ich kann das dann gar nicht mehr schaffen… ach, sie wird nicht sterben… und wenn doch, soll ich meinen Kindern Bescheid sagen… aber doch nicht mitten in der Nacht… das wird schon wieder, es war ja schon öfters so ähnlich… So ging das hin und her, mein Kopf sprang vor lauter Denken fast auseinander, und zu den jeweiligen Gedanken kamen wellenartig die körperlichen Reaktionen.

Ich nahm noch eine Schlaftablette, aber die half nicht viel, und sprang wieder aus dem Bett, lief die Treppe runter nach draußen, rauchte unruhig eine Zigarette, ging wieder nach oben. Libo, mein Hund, immer mit, wieder ins Bett, bis ein klein wenig Dösen mich etwas beruhigte.

Am nächsten Tag war ich früh aus dem Bett, kochte mir Kaffee, aß schnell etwas, zog mich hastig an, ließ den Hund raus, suchte für meine Mutter noch ein paar Sachen zusammen und verließ mit den Worten zu Libero – „Frauchen kommt gleich wieder“ – das Haus. In einer ungewissen Stimmung fuhr ich ins benachbarte Krankenhaus nach Witzenhausen. An der Pforte fragte ich: „Heute Nacht ist meine Mutter, Frau Wagner, hier eingeliefert worden, können Sie mir bitte sagen, auf welchem Zimmer sie liegt?“
Die Pförtnerin antwortete mir: „Station 1 auf der Überwachungsstation, die Zimmernummer sagt man Ihnen auf der Station.“

Der Aufzug dauerte mir zu lange, ich lief die Treppe hoch. Natürlich war nicht gleich eine Schwester zu sehen, ich lief ungeduldig hin und her, schaute in einige offene Zimmer, bis ich jemanden fand, der mir Auskunft geben konnte. Ich klopfte an die Tür, öffnete sie und sah meine Mutter am Fenster in einem Bett liegen. Sie machte einen besseren Eindruck als am Abend zuvor, was mich natürlich schlagartig beruhigte.

Ich ging an ihr Bett und tätschelte sie ein wenig auf die Wange mit den Worten: „Na Mutti, wie ist es, geht es dir besser?“
„Die wollen eine Magenspiegelung mit mir machen, das will ich aber nicht“, überfiel sie mich gleich.
„Was, warum?“
„Mit meinem Blut stimmt was nicht, ich lass das aber nicht machen“, sagte sie noch mal mit Nachdruck.
„Mutti, ganz ruhig, ich erkundige mich erst mal bei dem Arzt.“ Gleich sprang mein Computer im Kopf an, wieso Magenspiegelung, sie war doch wegen Luftnot und Tachykardie eingeliefert worden. Und da ich ein klein wenig von Medizin verstand, zu den Ärzten nicht das unbedingte Vertrauen hatte und in den Krankenhausbetrieb aufgrund von Personalmangel schon mal gar nicht, musste ich das jetzt gleich klären. „Mutti, mach dir keine Sorgen, ich kümmere mich darum!“ Mit diesen Worten ging ich aus dem Zimmer, um eine Schwester zu suchen, die mich zu dem behandelnden Arzt bringen könnte.

Auf dem Gang kam mir ein Arzt entgegen, der gerade zu meiner Mutter wollte. Ich begrüßte ihn, stellte mich als die Tochter von Frau Wagner vor und wir gingen zusammen in ihr Zimmer. „Hallo, Frau Wagner“, sagte er etwas lauter zu meiner Mutter, sie war zwar nicht schwerhörig, aber so sprach man im Allgemeinen alte Menschen an. „Sie haben viel zu wenig Blut und deshalb müssen wir eine Magenspiegelung machen, um zu sehen, woher das kommt!“
„Nein, nein, nein, das lass ich nicht machen, ich habe doch nichts am Magen, sondern am Herzen.“ Er drehte sich zu mir um und erklärte mir, dass man bei der Blutuntersuchung festgestellt hatte, dass sie nur noch 8 HB habe, also fast die Hälfte Blut wie normal. Man habe bei ihr morgens im Schieber Teerstuhl gefunden, und so stand die Vermutung fest, dass sie Magenbluten haben könnte. Der schnelle Herzschlag und die enorme Schwäche würden also durch den Blutverlust verursacht.
„Oh, das ist aber verdammt wenig“, sagte ich erschrocken. Und zu meiner Mutter: „Mutti, ich denke, in dem Fall muss diese Spiegelung gemacht werden, denn man muss doch sehen, wo bei dir ein Loch ist, damit man es schließen kann.“
Meine Mutter sah mich unsicher an und sagte dann kleinlaut: „Meinst du wirklich, na, wenn du das sagst, dann muss es wohl sein.“
„Ich hatte doch auch mal eine Magenspiegelung, ist zwar nicht so toll, aber so schlimm ist es auch nicht, ich bleibe ja bei dir“, beruhigte ich sie.
Der Arzt nickte zustimmend mit den Worten: „Wir werden das möglichst in der nächsten Stunde erledigen, Sie bekommen auch eine leichte Betäubung, Sie spüren da nicht viel, und eine Bluttransfusion bekommen Sie dann auch.“
„Siehst du, Mutti, erst stopfen sie das Loch, dann bekommst du frisches Blut und Montag bist du dann wieder ganz fit.“
Sie lächelte mich ängstlich an, war aber dann einverstanden.

Der Arzt verschwand, und kurz darauf kam eine Schwester, die meine Mutter mit dem Bett in die Endoskopie abholen wollte. Als sie schon mit dem Bett halb aus dem Zimmer war, rief von draußen eine andere Schwester: „Frau Wagner, das Ganze verzögert sich, wir haben eine Entbindung im Kreißsaal und heute (es war Samstag) nur eine Anästhesistin.“
„Na, hoffentlich kommt das Kind schnell, sonst dauert das ja ewig, und das ist dann nicht so toll für meine Mutter“, entgegnete ich. „Außerdem: Wieso eine Anästhesistin, sie soll doch nicht operiert werden, so eine leichte Betäubung kann doch auch der Arzt machen, der die Magenspiegelung durchführt?“
„Nein, das geht leider nicht, da muss ein Narkosearzt dabei sein, das ist Vorschrift“, sagte die Schwester.

Ich fand das wirklich scheiße, da ich ja wusste, wie viel Angst meine Mutter vor allen Eingriffen und überhaupt Krankheiten hatte, und jetzt sollte sie noch warten. „Die sollen mehr Personal einstellen, gibt doch genug Arbeitslose, anstatt ständig neue Vorschriften…“, brummelte ich vor mich hin. Ich wurde natürlich wieder nervös, wie immer, wenn etwas nicht gleich klappte.

Ich packte die mitgebrachten Sachen für meine Mutter aus und stellte fest, dass man die ausgezogenen zusammengeknüllt einfach in ihre Tasche geschmissen hatte. „Echt unmöglich, wie die alles hier reingeknallt haben! Aber du wirst ja dann verlegt, wenn es dir besser geht, und deshalb braucht man nicht alles in einen Schrank zu räumen, eben Personalmangel!“

„Ach Ingeborg, ich bin ja so froh, dass du bei mir bist, was würde ich jetzt nur ohne dich tun, ich bin so froh und du bleibst doch auch hier, bis ich fertig bin.“
„Na klar, ich komme mit runter und warte vor der Tür und pass auf, dass alles richtig abläuft!“

Meine Mutter war sehr erschöpft und schlief ein. Ich verhielt mich ruhig, schaute sie an und bemerkte, wie eingefallen sie aussah. Und schon setzte ich mich vor lauter Unruhe wieder in Bewegung, lief im Zimmer hin und her, schaute dabei aus dem Fenster, ohne irgendetwas wirklich zu sehen – der Kopf war wieder angesprungen mit meinem Kopfkino. Wenn sie erst Blut bekam, würde es ihr wieder besser gehen, beruhigte ich mich selbst.

Nach fast zwei Stunden kam wieder eine Schwester und sagte: „So, Frau Wagner, jetzt geht es endlich los!“
„Das Kind schon da? Das ging aber schnell“, sagte ich sarkastisch zu der Schwester.

Meine Mutter verkroch sich tief in ihrem Bett, als wenn sie sich verstecken wollte. Ich griff eine Seite des Betts, die andere die Schwester, und wir fuhren den Gang auf der Station entlang bis zum Fahrstuhl, dann nach unten zur Endoskopie. Die Schwester machte die Tür auf und schob meine Mutter mit dem Bett hinein. Ich winkte ihr aufmunternd nach und bekam ein komisches Gefühl in der Bauchgegend, denn ich wusste aus eigener Erfahrung, dass eine Magenspiegelung eben nicht so toll ist.

Erst lief ich wieder mal unruhig den Gang hin und her, kein Mensch zu sehen, alles wie ausgestorben. Es war Wochenende und die Klinik ohnehin laut Zeitungsberichten in einigen finanziellen Schwierigkeiten: Patientenabbau, Stellenabbau, Übernahmegespräche, das Übliche in unserer heutigen Zeit. Hoffentlich machen die das richtig und meine Mutter kriegt nicht so viel mit, dachte ich bei mir und setzte mich dann nach einigen Metern des Hin- und Herlaufens auf einen der Stühle vor der Endoskopie. Das Ohr Richtung Tür gedreht, bekam ich ein paar Sätze von drinnen mit. „Frau Wagner, wir sind gleich fertig, ganz ruhig liegen bleiben, dann geht es schneller“, hörte ich den Arzt sagen, und von meiner Mutter ein leises Stöhnen. Das verstand ich wieder nicht! Ich denke, sie haben sie betäubt, wieso redet er dann mit ihr und sie stöhnt auch noch!

Wieder verspannte sich mein ganzer Körper bei dem Gedanken, was die arme alte Frau jetzt durchmachen musste. Auf meinem Sitz rutschte ich unruhig hin und her, kaute auf meinen Lippen rum und zappelte mit den Händen auf und ab.

Dann endlich ging die Tür auf, eine Schwester schob das Bett raus und meine Mutter lächelte mich an. Da war ein ganzer Berg von ihr abgefallen, das konnte ich richtig spüren. „Und, was ist, was Schlimmes, habt ihr etwas gefunden?“, fragte ich die Schwester.
„Da müssen Sie den Arzt fragen, ich kann dazu nichts sagen.“
Nervös lief ich auf der Stelle, bis der Arzt kam. „Und, was ist mir ihr?“

Der Arzt erzählte mir, dass er ein großes altes Magengeschwür bei meiner Mutter gefunden habe, welches wohl geblutet hatte, im Moment aber nicht mehr. Er habe eine Biopsie gemacht, um abzuklären, ob es eventuell bösartig wäre, da meine Mutter ja komischerweise keine Magenschmerzen hatte.

Erst einmal war ich beruhigt, denn laut meines Wissens würde man an einem Magengeschwür nicht unbedingt sterben, und die Frage nach Krebs schob ich gleich beiseite.

Eine Schwester kam und wir fuhren meine Mutter wieder auf die Station in ihr Zimmer. „Ich habe nicht viel gemerkt, habe zu dem Arzt gesagt, wann er anfangen würde, dabei war es schon vorbei.“ Sie strahlte förmlich vor Erleichterung.
„Ich kann nur nicht verstehen, warum du keine Magenschmerzen hattest“, sagte ich, „da muss man doch unheimliche Schmerzen haben bei so einem Geschwür. Du hast mir doch erzählt, dass dein Vater, der ja solche Geschwüre hatte, sich vor Schmerzen auf der Erde gewälzt hat.“

„Ja, richtige Schmerzen hatte ich auch nicht, nur oft so einen Druck, und die letzte Zeit nicht so viel Hunger und war immer gleich satt“, sagte sie.
Mit einem mulmigen Gefühl fiel mir ein, dass ich mich erst gestern darüber aufgeregt hatte, weil mein gekochtes Essen zum Teil auf ihrem Teller blieb und ich sie angefahren hatte, dass mir Kochen ohnehin keinen Spaß mache, es nur wegen ihr tue und sie dann die Hälfte auf dem Teller ließe.

Sie entgegnete ganz traurig: „Es schmeckt wirklich gut, ich hatte mich auch drauf gefreut, bekomme aber einfach nichts mehr runter.“
Das war ja nun tatsächlich so und ich hab sie auch noch angeschnauzt. Nun, bei dem Gedanken ging es mir nicht so gut, ich bekam Gewissensbisse. Mir fiel auch ein, dass sie am Abend zuvor mit ihrem Rollstuhl am Spülbecken in der Küche stand, sich ständig an die Magengegend fasste und trotzdem aufstand und spülen wollte. „Ach, ich habe solche Kreuzschmerzen!“
„Mutti, dann setzt dich hin, ich mach das schon.“
„Ich will mich doch auch ein bisschen betätigen“, entgegnete sie. Mir kam das komisch vor, dass sie seit längerer Zeit kaum stehen konnte, sich immer in die Magengegend fasste und von ihren starken Rückenschmerzen redete.

Der Hausarzt hatte ihre Beschwerden mit Osteoporose erklärt, dass sie bereits einen starken Rundrücken habe, die Wirbelsäule keinen richtigen Halt mehr und daher die starken Schmerzen kommen. Gut, das war einleuchtend, aber es hätte ja nun auch vom Magen kommen können. So gingen mir einige Gedanken durch den Kopf. Meine Mutter lächelte mich an, wurde müde und schlief ein.

Kurze Zeit später kam ein Arzt rein, den ich als den Sohn einer Freundin erkannte und der sich auch mit dem betreff