Ein Buch übers Weggehen und Ankommen, über Heimatgefühle und über die Sehnsucht nach der Vergangenheit: „Manches vergisst man nie“ erzählt 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Lebensgeschichten von Flüchtlingen, Vertriebenen und Ausgebombten. Das Buch schildert eindrücklich, wie Familien in den letzten Kriegsmonaten alles aufgeben und ihr altes Leben hinter sich lassen mussten.


Aus der Verlagsinformation: Manchmal blieben für die Flüchtlinge nur ein paar Augenblicke Zeit, um die wichtigsten Habseligkeiten zusammenzusuchen – nur wenige Augenblicke, um in eine ungewisse Zukunft aufzubrechen. Das Buch richtet den Blick auf diese Menschen und ihre Geschichten: auf Männer und Frauen, die dem Bombenhagel auf Berlin oder Hamburg entkamen. Auf Mütter, Kinder und alte Menschen, die zu Fuß oder mit dem Pferdewagen aus den deutschen Ostgebieten aufbrachen. Was alle verbindet: alle fanden in Schwarmstedt und den Dörfern in der Umgebung ein neues Zuhause. Ein Zuhause, dass für den einen oder anderen irgendwann sogar zur zweiten Heimat wurde.

„Manches vergisst man nie“ – das ist auch der Beweis dafür, dass ein Leben in Frieden und einem vereinten Europa unbezahlbar ist. Hinter dem Buch steht das Team des Heimatarchivs Schwarmstedt, ein Ort im Heidekreis im Herzen Niedersachsens. Irgendwann hielten die ehrenamtlichen Forscher ein Schulheft aus dem Jahr 1948 in der Hand. Kinder aus dem Schwarmstedter Ortsteil Bothmer sollten damals Aufsätze über ihre Erinnerungen an den Krieg schreiben. Heute, Jahrzehnte später, sind diese authentischen Schilderungen aus erster Hand ein Dokument der Zeitgeschichte von unschätzbarem Wert. Die Helfer des Heimatarchivs begaben sich auf die Suche nach den Kindern von damals, sie werteten Fotos und Jahrgangslisten aus, spürten Nachkommen auf. Nach unzähligen Gesprächen war klar: die Schulaufsätze mussten weiter geschrieben werden. Dazu kamen viele weitere Geschichten. Herausgekommen ist eine Sammlung von 57 Biografien.

Das Heimatarchivs dokumentiert, wie sich die Flüchtlinge in der neuen Umgebung durchbeißen und gegen Vorurteile ankämpfen mussten. Das Buch zeigt außerdem den ausgeprägten Fleiß der Flüchtlingsfamilien – alle Geschichten sind geprägt von dem unbändigen Willen, das Beste aus dem Leben zu machen. [Text: Torben Hildebrandt]

„Manches vergisst man nie – Flucht und Ankommen in der heutigen Samtgemeinde Schwarmstedt“, 287 Seiten, zahlreiche Fotos. Preis: 26 Euro, Herausgeber: Heimatarchiv Schwarmstedt, im Handel ab 9. November 2020, bestellbar auch unter www.heimatarchiv-schwarmstedt.de

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