Ich freue mich immer, Publikationen der Mitglieder des Biographiezentrums vorzustellen. Heute lege ich Ihnen das neue Buch der Biographin Agnes Doering ans Herz.

Aus der Verlagsinformation: In ihrer bei der Geschichtswerkstatt Büdingen erschienenen Autobiografie beschreibt Agnes Doering ein Bad Soden, wie sie es als Kind in den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erlebte, wenn sie ihre Ferien bei den Großeltern in „Haus Rombach“ verbrachte.
 
Soden ist meine Kindheit, mein magischer Ort. Nur er kann Zauberwinde auf den Weg schicken. Um in mein Soden zu gelangen, muss ich nicht dorthin fahren, sondern die Reise nach innen antreten, mich zurückversetzen lassen in den Raum, wo Ort und Zeit sich zu Erinnerungen verbinden, nicht statisch festgemauert sind, sondern flexibel mitwachsen als ein Teil von mir, der lebendig bleibt. Haus Rombach nannten wir das Haus, in dem die Eltern meiner Mutter, Gertrud und Richard Rombach, wohnten. (…) Soden ist in spezieller Form Heimat für mich, anders als alle anderen Orte, in denen ich gelebt habe. Soden war Ferienort, in dem ich lange Sommerwochen als Kind verbracht habe.“
 
Agnes Doering lebt mit ihrem Mann Johannes, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, in Unna in Westfalen. Sie studierte Germanistik und Evangelische Theologie, heute leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten, schreibt, entwickelt kulturelle Projekte. Hauptsächlich arbeitet sie jedoch als Biografin, hilft Menschen, ihr Leben aufzuschreiben und als Dokument für ihre Nachfahren festzuhalten. „Wenn mir Menschen ihr Leben erzählen, entdecken sie es neu.“ Mit diesem Buch, ihren eigenen Kindheitserinnerungen, hat sie somit auch versucht, sich selbst auf die Spur zu kommen. Dabei schreibt sie mit entwaffnender Offenheit über die schwierige Ehe ihrer Eltern, über den Vater, bei dem die Karriere Lebensinhalt war, und die feinsinnige Mutter, Sängerin und Pianistin, eine Künstlernatur.
 
Ihre Großeltern in Bad Soden sind ebenfalls ein außergewöhnliches Paar: die Großmutter, Gertrud Rombach, war eine geborene Bosch, eine „höhere Tochter“, gelernte Klavierlehrerin und trat ebenfalls als Pianistin auf. Der Großvater, ein studierter Kunstmaler, arbeitete auch als Fotograf, war Cellist, aber auch journalistisch tätig. Georg Wilhelm Hanna nannte ihn in seiner „Geschichte des Heilbades Bad Soden-Salmünster“ den „Kulturellen Initiator des Heilbades Bad Soden (…) Er gründete 1952 die Kurkapelle, gab 1960 die Kurzeitung heraus, schuf Werbeprospekte in Wort und Bild und rief Kunstausstellungen ins Leben. Bad Soden war für ihn, auch durch die lokale Pressearbeit, zu einem ausfüllenden Wirkungskreis geworden. Er war kein Amtsträger im kommunalen Bereich, aber ohne Richard Rombach wäre das öffentliche Leben in der Badestadt, vornehmlich in den Aufbaujahren des Heilbades nach dem Zweiten Weltkrieg, nicht gut denkbar gewesen“.
 
Ein eigenes Kapitel ist den Tieren im „Haus Rombach“ gewidmet. Ob Hund, Katze, Hühner oder Grünfink „Purzel“, alle führten dort ein sehr eigenwilliges Leben. In Bildern festgehalten, illustrieren sie die Erinnerungen. „Es gibt noch einige Fotos von der Omi und Purzel. Kokett blickt die Omi in die Kamera, Purzel auf ihrem Kopf oder auf der Schulter. Das ist die Omi, wie sie leibt und lebt. Die höhere Tochter, immer auf Wirkung bedacht in ihrem sodnerischen gemütlichen Heim, wo die Tiere verrückt spielen und niemand auf Etikette achtet.“

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