Glücklich und stolz bin ich bei dieser Privatbiographie im Umfang von 386 Seiten, die Andrea Richter über ihre Mutter Elisabeth Richter geschrieben und im Verlag des Biographiezentrums ediert hat. Kennengelernt haben Andrea Richter und ich uns in meinem Büro in Fuchstal bei Landsberg am Lech: Da besuchte sie mich wegen einer Publikationsberatung ihres biographischen Projekts. Ohne dass ich viel davon erzählte, war Andrea sofort von unserem Angebot zur Ausbildung von Biographen begeistert und nahm an den Kursen in unserem Biographiezentrum in Bad Sooden-Allendorf teil.

Die Biographie von Elisabeth Richter ist so hervorragend geschrieben und ediert worden, dass sie mit dem Deutschen Biographiepreis 2010 ausgezeichnet wird.

Aus der Verlagsinformation: Eine junge Münchnerin im Jahr 1934. Wie kommt sie zum Studieren nach Kanada und in die USA, 1936 zu einer West- und Weltreise durch den amerikanischen Kontinent, über den Pazikfik und durch ganz Ostasien? Und wie kommt sie Jahre später, Anfang 1945, von Siebenbürgen/Rumänien für dreieinhalb Jahre als Kriegsgefangene nach Russland, in ein ukrainisches Kohlebergwerk in einen Schacht auf 800 Meter Tiefe?

Zwei Leben? Ein höchst ungewöhnlicher Lebensweg rund um den Globus, den Elisabeth Richter vor 70 Jahren in Briefen, Tagebüchern und Fotos zeitnah dokumentierte und jetzt, im Alter von 95 Jahren, mit ihren Erinnerungen angereichert hat. Ihr präziser, persönlicher, humorvoller und auch kritischer Blick zeigt ein Leben der Extreme – zwischen Freiheit und Zwang, Abenteuerlust und Überlebenskampf.

Es ist das Lebensbild einer starken und mutigen Frau.

“Die Idee dieser Reise – von Amerika über Ostasien nach Europa als Abschluss unserer zweijährigen Studienzeit in den Staaten – war die Eingebung eines Augenblicks”, schreibt Elisabeth Richter. “Sie wurde von uns zwei Austauschstudentinnen, Elisabeth und Gretel, im Vassar College / N.Y. an einem trüben, regnerischen Frühlingsnachmittag ausgeheckt.

Wir lagen auf dem Teppich unseres Zimmers, hatten einen großen Atlas vor uns und planten die Reiseroute, die wir durch den US-Kontinent nehmen wollten. Als wir mit dem Finger auf der Karte in Los Angeles angekommen waren und den großen blauen Ozeanfleck im Westen von Amerika sahen und weiter westwärts die vielen fremden, geheimnisvollen Länder, waren wir uns beide einig. So erträumten wir uns zunächst einmal die Reise, und dann gingen wir mutig, entschlossen und listig an die Ausführung.

Da wir beiden Mädchen jedoch die Fahrt allein für zu riskant hielten, suchten wir unter unseren Austauschstudenten nach zwei männlichen Gefährten. Dies war ein schwieriges Kapitel, denn unsere Anforderungen diesbezüglich waren hoch.

Nach einigen Umfragen waren dann auch zwei junge Männer bereit, dieses Wagnis mit uns einzugehen. Die Erlaubnis unserer Eltern für die große Reise wurde durch ein Kabeltelegramm eingeholt. Als Reiseroute gaben wir aus einem verstaubten Reisebericht aus der College-Bibliothek einige sehenswerte Städte und Orte in Japan, Korea, der Mandschurei, in China, Französisch-Indochina und Indien an.

Wir begannen, uns Empfehlungsschreiben für Konsulate und Missionsstationen zu besorgen, kauften Filme und Insektenpulver und ließen uns gegen Pocken, Typhus, Pest und Cholera impfen, fragten nach Dampfer- und Eisenbahnlinien und lernten einige Worte Japanisch und Chinesisch.

Nach all diesen Vorbereitungsprozeduren traten wir am 15. Juni 1936 in New York – mit wenig Gepäck belastet und in einem alten Chevrolet, Baujahr 1927 – unsere Abenteuerreise westwärts Richtung Ostasien an…”

Über die Autorinnen:

Elisabeth Richter, geb. 1913 in München, Studium von Sport, Englisch und Geographie/Geologie Lehramt Gymnasium in Berlin, Kanada und den USA, Weltreisende, Kriegsgefangene in Russland. Lebt in München.

Andrea Richter, geb. 1954 in München, Studium der Architekur/Innenarchitektur, Kunst- und Architekturgeschichte, Archäologie und Geschichte, arbeitet als freie Journalistin und Biographin. Lebt in Prem und München.

PS.: Am 20.09.2013 erschien im Münchner Merkur ein längerer Artikel zum Buch sowie zum 100. Geburtstag der Jubilarin:  Die zwei Seiten eines Lebens