Zu meiner Schande muss ich gestehen, noch nie ein Perry Rhodan Heft gelesen zu haben – und das zum 50. Geburtstag der Serie am 8. September 2011! Mit einer Gesamtauflage von mehr als einer Milliarde Büchern und Heftromanen wäre das – allein schon statistisch – mehr als wahrscheinlich gewesen, dass auch ich als Vielleser… Nun gut, ich gelobe Besserung! Schon Band I dieser fulminanten Jubiläumschronik der Jahre 1961-1974, von Michael Nagula kenntnisreich geschrieben und mit spannenden Dokumenten angereichert, macht wirklich Lust zum Schmökern! Ausserdem ist der Band vom Hannibal Verlag würdig und schön ediert worden.

In den 90-er Jahren schrieb ich selbst etwa 30 Kurzkrimis für die Yellow Press (“Der 5-Minuten-Krimi”, “Ladykrimi”) und hatte viel Spaß an der Arbeit, weil sie gut bezahlt wurde und viele – wohl auch Millionen – Leser fand. Für einen Autor ist es eine große Herausforderung, Leser schon mit dem ersten Satz so zu fesseln, dass sie weiterlesen. Langeweile – wie vielfach in der sogenannten Hochliteratur zu beklagen – darf sich in diesem völlig zu Unrecht von der selbsternannten Literatur-Elite belächelten Genre kein Autor leisten.

So haben mich vor allem die vielen Autoren-Biographie in dieser Chronik interessiert, und wie sie quasi aus dem “Nichts” heraus Schritt für Schritt ein eigenes Perryversum geschaffen haben, das nun schon ein halbes Jahrhundert die Leser begeistert und sicherlich auch ein Parallel-Universum zu unserer Welt darstellt. Wer weiß schon so genau, ob nicht auch das Perryversum tatsächlich im Kosmos existiert und seine irdischen Autoren gar nichts erfinden mussten, sondern einfach nur darüber berichtet haben und berichten, wie Korrespondenten es tun? 😉  

Wie auch immer: Meine Hochachtung sei allen Perry Rhodan Autoren und Machern gewiss! Gratulation! Leben Sie hoch!

Aus der Verlagsinformation: Die Geschichte ist unglaublich, wurde aber in dieser Form noch nie erzählt: Anfang des Jahres 1961 traf sich Verleger Rolf Heyne mit den Autoren Karl-Herbert Scheer und Walter Ernsting (besser bekannt als Clark Darlton), um eine neuartige Science Fiction-Serie zu entwickeln. Es war der Grundstein für die weltweit erfolgreichste Romanserie mit einer Gesamtauflage von über einer Milliarde Büchern und Heftromanen.

Perry Rhodan traf den Nerv der Zeit: Science Fiction-Romane (und -Filme) waren ein Massenphänomen, das 1957 durch den »Sputnik-Schock«, den ersten Satelliten im Weltraum, befeuert wurde. Am 12. April 1961 flog Juri Gagarin als erster Mensch in den Weltraum, und John F. Kennedy hielt seine berühmte Rede, in der er versprach, noch in diesem Jahrzehnt solle ein Amerikaner auf dem Mond landen. Am 8. September erschien der erste Perry Rhodan-Heftroman. Inhalt: die erste Landung auf dem Mond am 19. Juni 1971, also annähernd 10 Jahre in der Zukunft bei Erscheinen des Romans und »zufällig« der Geburtstag von K. H. Scheer, Autor des ersten Romans und Vordenker einer komplexen technischen Welt der Zukunft.

Solche Geschichten sind zahlreich, und Autor Michael Nagula hat viele davon akribisch recherchiert und dokumentiert. Vorgeschichte und Start der Serie, die dann Woche für Woche – bis heute! – von mehreren Autoren fortgeschrieben wurde: die Anekdoten um Johnny Bruck, den genialen Illustrator der Titelbilder, intime Blicke hinter die Kulissen des Moewig Verlages, die ersten Fanclubs, dann Lizenzausgaben in Japan, Frankreich, den Niederlanden und sogar in den USA, dazu noch die umstrittene Produktion des ersten Kinofilms 1967 – das sind Hintergrundgeschichten aus der Gründerzeit, die viele Fans heute noch faszinieren. Michael Nagula hat dazu viele Fotos entdeckt, die diese Zeit dokumentieren. Diese ungewöhnliche Biografie einer Romanserie wird ergänzt durch wichtige Meilensteine der Romanhandlung. Ein wahrer Leckerbissen für die Fans!