Am 16. Februar 2014 starb in Cuxhaven mit Gert “Kralle” Krawinkel einer der profiliertesten deutschen Rockgitarristen, der mit der Band TRIO internationale Erfolge feierte. Der Autor Klaus Marschall hat die Autobiographie des TRIO-Trommlers Peter Behrens zu Papier gebracht und ihm beim Formulieren des Nachrufs auf den Bandkollegen beiseite gestanden. Den Text mailte Klaus Marschall mir heute freundlicherweise zur Publikation zu:

Mensch Kralle,
jetzt hast Du, das selbst ernannte und von mir anerkannte „Herz von TRIO“, endgültig und für mich viel zu plötzlich die Bühne verlassen und gegen einen Platz eingetauscht, an dem ich Dich nicht besuchen kann, um mit Dir gemeinsam die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien zu schauen, wie wir es in den vergangenen Jahren auf Deiner Finca in Spanien immer gehalten hatten, wenn ein Großereignis der Ballkünstler stattfand.

Das werde ich genauso vermissen wie Deine norddeutsche, direkte, stets verlässliche Art der Freundschaft, die zwischen uns gerade in der letzten Dekade zunehmend gewachsen war. In Erinnerungen lasse ich vor meinem geistigen Augen Stationen durchlaufen wie jene, als ich, hinter Dir stehend, zeigte, wie Du bei einem unserer ersten TRIO-Songs „Lady oh Lady“ die Gitarrensaiten anschlagen musst, damit der Sound möglichst fett klingt. Legendär Deine Zubereitung des „Hähnchen im Römertopf“ in der TRIO-WG oder auch unsere internen Wettkämpfe, wer im Wechselspiel zwischen Schlagzeug und Gitarre die Führung bei solchen Stücken wie „Ja Ja wo gehts lank Peter Pank schönen Dank“ übernimmt und wer sich dem anderen unterordnet. Letztendlich einigten wir uns auf Unentschieden. Unvergessen für mich und alle TRIO-Fans, neben den unzweifelhaften Spielkünsten als Saitenvirtuose, Dein Beitrag zum Lied „Los Paul“, in dem viele Zitate von Dir als ungehobelter Fußballzuschauer der Sportschau Einzug hielten und ewig jung bleiben werden.

Sehr traurig schreibe ich diese Zeilen, weine gefühlt unaufhörlich und will Dir in Gedanken doch eigentlich anders begegnen. Wahrscheinlich willst Du gar nicht hören „Ruhe in Frieden“, sondern stehst, wo immer Du jetzt auch bist und mir zusiehst, mit Deiner geliebten Fender Stratocaster in den Händen bei aufgedrehtem Verstärker da und wartest auf das Kommando „Keep on rocking!“

Wir sehen uns später, Dein Freund Peter.

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