Arte zeigt am Mittwoch, 14. November 2012 um 21.45 Uhr eine sehenswerte Filmbiographie des Tänzers Merce Cunningham (1919-2009) von Marie-Hélène Rebois.

Aus der Senderinformation: Der 2009 im Alter von 90 Jahren verstorbene Tänzer und Choreograph Merce Cunningham galt als einer der führenden Köpfe des modernen Tanzes. Zwei Jahre nach seinem Tod zeichnet der Dokumentarfilm von Marie-Hélène Rebois den außergewöhnlichen Werdegang des herausragenden Choreographen nach. Im Zusammenhang mit der letzten Tournee seiner Dance Company im Jahr 2011 und der Digitalisierung der Mitschnitte seines umfassenden Repertoires stellt sich die Frage nach Cunninghams Vermächtnis.

Der Tanz ist seinem Wesen nach vergänglich und damit eine ephemere Kunst. Wie überlebt diese Kunstform den Tod ihres Schöpfers und die Auflösung seines Tanzensembles? Damit seine Kunst weiterlebt, entwarf Merce Cunningham noch zu Lebzeiten einen “Cunningham Legacy Plan”, für dessen Umsetzung sich heute Anwälte, Tänzer, Musiker, Archivare und Repetitoren einsetzen.

Für die Abschiedstournee der weltberühmten Merce Cunningham Dance Company im Jahr 2011, deren Auflösung Cunningham selbst testamentarisch verfügt hatte, wurden die wichtigsten Werke neu bearbeitet und noch einmal aufgeführt: “RainForest” (1968), “Antic Meet” (1958), “Suite for Five” (1956), “Squaregame” (1976), “CRWDSPCR” (1993). Alle Stücke verdeutlichen eindrucksvoll, dass sich ein Werk ständig erneuert, ohne dabei sein ursprüngliches Wesen zu verlieren.

Merce Cunningham ist und bleibt unnachahmlich: Sowohl sein revolutionäres Bewegungsvokabular, als auch seine Fähigkeit, sich in verschiedene Epochen hineinzuversetzen, waren einmalig. Er nahm sich große künstlerische Freiheiten und aufgrund seiner enormen Kreativität war er immer Avantgarde; er war seiner Zeit immer einen Schritt voraus.

Der Dokumentarfilm ist eine Hommage an einen Künstler, der sich vieler verschiedener künstlerischer Ausdrucksformen bediente – wie Tanz, Plastischer Kunst, elektronischer Musik und anderer neuer Technologien. Er verlieh ihnen dabei stets eine eigene Handschrift und erfand auch das Raum-Zeit-Empfinden neu.

Der Dokumentarfilm zeigt einerseits Interviews und Probenaufnahmen mit Cunningham sowie zahlreiche Ausschnitte aus der Abschiedstournee. Andererseits stellt er wichtige Weggefährten wie Andy Warhol, John Cage, Robert Rauschenberg oder Jasper Johns vor, alles Künstler, mit denen Cunningham gemeinsam an seinen Tanzstücken arbeitete. Außerdem wird der historische Zusammenhang beleuchtet, aus dem die amerikanische Tanzavantgarde hervorging: Seinerzeit herrschte Aufbruchsstimmung, der Weltraum wurde gerade erobert und das moderne Amerika geboren.