Der Streitfall, wie er auch in diesem Blog umfassend besprochen worden ist, ist für die beteiligten Autoren – Prof. Marita Krauss, Torsten Dewi und Katrin Kaiser (jetzt Tempel) – gütlich ausgegangen! Doch nicht nur das, der Vergleich vor dem Münchner Landgericht vom letzten Donnerstag, den 11. März 2010, kann als vielversprechendes Signal für Wissenschaftler und Sachbuchautoren gedeutet werden, das in Zukunft andere Streitfälle ähnlicher Art positiv zu beeinflussen vermag!

Meine Haltung in dieser Debatte war von Anfang an, den Plagiats-Vorwurf gegen das Autorenpaar Dewi / Kaiser (Tempel) als ungerechtfertigt zu behandeln, und gleichzeitig die Ansprüche der Augsburger Professorin Marita Krauss auf Entgelt für die Nutzung ihrer wissenschaftlichen Arbeiten als berechtigt anzuerkennen. Jetzt ist es amtlich: Wie in der Wochenendausgabe des Münchner Merkur und in der Süddeutschen Zeitung zu lesen ist, haben die Münchner Filmproduktion Hofmann & Voges und die Historikerin Marita Krauss vor dem Münchner Landgericht am Donnerstag, den 11. März 2010 einen bis zum 18. März widerruflichen Vergleich geschlossen. Ersten Aussagen der Justitiarin Dagmar Graef zufolge, die Hofmann & Voges vertritt,  wolle man keinen Widerspruch einlegen. Die Produktionsfirma wollte der Augsburger Professorin per einstweiliger Verfügung untersagen zu behaupten, die Nutzung ihrer Forschungen zur Verfilmung der Lebensgeschichte von Dr. Hope Bridges Adams Lehmann sei ein Plagiat und eine Urheberrechtsverletzung. Prof. Krauss ist jedoch aus dieser Verhandlung, in der sie die Beklagte war, ganz anders herausgegangen: Nun muss ihr die Produktionsfirma 15.000 Euro zahlen, und zwar, so der Richter, “als Abgeltung ihrer wissenschaftlich-publizistischen Leistung, die in der Auffindung und Darstellung des verfilmten Stoffes liegt”. Prof. Krauss’ Anwalt Patrick Jacobshagen resümiert: „Dieses Ergebnis ist eine Sensation. Eigentlich sollte meine Mandantin verklagt werden, jetzt aber wurden alle ihre ursprünglichen Forderungen erfüllt.“ Chapeau, Herr Anwalt!

Mit dem Vergleich hat die Filmproduktion in meinen Augen vermutlich noch Glück gehabt, denn der Nutzwert der Forschungen und Publikationen von Prof. Krauss zu diesem 5-Millionen-Filmprojekt (Arte / ZDF) hätte auch um ein Vielfaches höher taxiert werden können. Doch darüber muss hier nicht weiter debattiert werden, denn die Würfel sind gefallen und das Ergebnis steht fest.

Ich habe in meinem Artikel zu diesem Streitfall und vor allem in meinen Kommentierungen immer wieder auf die – in meinen Augen unglückliche – Rolle der Filmproduktionsfirma Hofmann & Voges in diesem Fall hingewiesen, die meiner Ansicht nach bereits während der Produktion für die Auffindung des Stoffes und die Nutzung der wissenschaftlichen Leistungen zu “Dr. Hope” an Frau Prof. Krauss hätte zahlen müssen – auch, um ihre Drehbuchautoren Dewi und Kaiser (jetzt Tempel) zu schützen. Es kann bei einem solchen Filmprojekt, wo sich die biographische Forschungslage zu “Dr. Hope” nahezu ausschließlich auf die Leistungen von Prof. Krauss konzentriert, nicht angehen, dass der Besuch einer Ausstellung und der Kauf einen Buchs für 19,90 Euro als Entgelt ausreichen soll, um damit den Großteil einer freien Verfilmung in den biographischen Fakten zu unterlegen und damit hohe Recherchekosten zu sparen.

Ich glaube, wir müssen auch darüber hier in diesem Blog nicht weiter diskutieren, das haben Dietmar Steinhaus, Roger Bader, Torsten Dewi und ich ausführlich und bisweilen kontrovers getan. Der Vergleich vor Gericht bestätigt Prof. Krauss’ und auch meine Ansicht völlig, und er entlastet das Autorenpaar Dewi/Kaiser (Tempel) von einem Vorwurf, der rufschädigend ist und den sie nicht – bei allen Kontroversen in manchen Sachfragen – verdient haben.

So freue auch ich mich über die Waffenruhe, wie sie Torsten Dewi in seinem immer wieder lesenswerten Wortvogel-Blog ausruft, und gebe das letzte Wort (vor den Kommentaren) an Frau Prof. Krauss, die diesen Text vor wenigen Stunden als 35. Kommentar zum Artikel „Urheberrecht und biographische Sachverhalte: Filmbiographie “Dr. Hope” – ein Plagiat?“ gepostet hat, der es aber verdient, an dieser Stelle nach vorne geholt zu werden und damit den Abschluß des Falls würdigend zu runden.

Lieber Herr Dr. Mäckler, lieber Herr Dewi, lieber Herr Steinhaus,

da nun eine juristische Einigung stattgefunden hat, mit der ich leben kann und mit der offenbar auch Herr Dewi zufrieden ist, wie ich seinem Blog entnehme, möchte ich noch einiges richtigstellen. Es sind – dafür bin ich ja inzwischen bekannt – nüchterne Fakten.

1. Ich habe nie gesagt, der Film oder der Roman seien „Plagiate“, das war der Überschriftenredakteur des Münchner Merkur. Deshalb sage ich das auch in Zukunft nicht. Ich habe jedoch den Medien und auch dem Gericht gesagt, dass die Drehbuchautoren sich an meinem Buch bedient haben, dass meine Hope-Biografie die zentrale Grundlage des Films und des Romans bildet. Das Gericht beschloss daher, mir 15.000 € zuzugestehen „als Abgeltung der wissenschaftlich-publizistischen Leistung, die in Auffindung und Darstellung des verfilmten Stoffes liegt“.

2. Nachdem ich mir den Film angesehen und den Roman nach seinem Erscheinen sorgfältig durchgelesen hatte, schickte mein Anwalt Anfang November 2009 ein Schreiben an die Produktionsfirma, dem rund zwanzig Seiten detaillierte Gegenüberstellungen beilagen. Spätestens seit Dezember kennt also Herr Dewi die Vorwürfe im Detail. Es stimmt daher nicht, dass ich allgemeine, nicht präzisierte Vorwürfe gleich öffentlich erhoben hätte. Alle diese Dinge lagen bereits seit drei Monaten auf dem Tisch, bevor der Artikel im Münchner Merkur erschien.

3. Meine Recherche zu Hope ging über Jahre. Ich war damals freie Autorin und Publizistin, den Lehrstuhl in Augsburg habe ich erst seit 2008. Allein die privat finanzierten Recherchereisen für meine erste Hope-Biografie summieren sich auf rund 20.000 €. Da niemand Hope kannte, betrug darüber hinaus der Druckkostenzuschuss 5.000 €.

4. Niemand hat mir freiwillig Danksagungen oder Geld für meine Arbeiten angeboten. Für alles musste ich Agenten oder Anwälte beschäftigen. Die Produktionsfirma bot mir nach zähen Verhandlungen 2007 nicht etwa eine „fünfstellige Summe“, sondern genau 9500 €. Dafür sollte ich neben Beratung, die ich sehr gerne gemacht hätte, alle meine Materialien der Firma geben, ebenso vorsichtshalber alle möglichen Rechte (die es angeblich nicht gibt), auch meine Printrechte. Das wollte ich nicht und daher kam der Vertrag nicht zustande. Auch eine Danksagung im Roman sollte nur erfolgen, wenn ich ohne Kenntnis des Textes auf alle denkbaren Rechte verzichtete. Das wollte ich jedoch nicht, ohne den Roman zu kennen.

Das Münchner Landgericht hat nun am Donnerstag, den 11. März einen Vorschlag zur Lösung der Dinge gemacht, dem sowohl die Produktionsfirma wie ich beigetreten sind: Ich wurde einbestellt, weil die Produktionsfirma gegen mich eine einstweilige Verfügung eingereicht hatte, ich ging mit 15.000 € im Plus.

Ich finde, die Kraft, die wir alle in diese Auseinandersetzung gesteckt haben, sollten wir nun wieder anderen, kreativen Dingen zuwenden.

Ihre Marita Krauss