Lesenswerte Anthologie! Aus der Verlagsinformation: Die Gemeindeschwestern in der DDR versorgten Alte und Kranke, wechselten Verbände, setzten Spritzen und nahmen in ihren Stationsräumen einfache Untersuchungen vor. Geregelte Arbeitszeiten kannten sie nicht, genauso wenig wie unlösbare Probleme: “Geht nicht, gibts nicht!” war die Devise von Schwester Regina – ganz im Stil der gewitzten Gemeindeschwester Agnes aus dem Fernsehen -, und getreu diesem Motto organisierte sie Einwegspritzen, Windeln und den unkonventionellen Abtransport schmutziger Wäsche. Man machte etwas “richtig oder gar nicht”, findet Tilli, und deswegen endete ihre Arbeit nicht mit der medizinischen Vesorgung: Wie die meisten Schwestern half sie ihren Patienten auch bei anderen Lebensproblemen.

In einem sind sich alle zehn Frauen, die in diesem Buch zu Wort kommen, einig: Die Zeit als Gemeindeschwester war trotz der harten Arbeit die schönste in ihrem Leben.

Marion Heinrich
Gemeindeschwestern erzählen
Vorwort von Gesine Lötzsch
192 S., brosch., mit Abbildungen
Verlag Neues Leben, 12.95 €
ISBN 978-3-355-01771-8

»Schwester Agnes«, die auf ihrer weißen Schwalbe durch die Dörfer brauste und den Bedürftigen half, wurde in den 70er Jahren zu einer Fernsehikone. Bis heute steht sie stellvertretend für die zahlreichen Gemeindeschwestern in der DDR, die genauso zupackend, gewitzt und energisch waren wie die Fernsehschwester. Zehn dieser außergewöhnlichen Frauen berichten der Autorin Marion Heinrich von ihrem Alltag, erzählen ihre schönsten Anekdoten genauso wie die tragischsten Momente ihres Berufslebens.  

Die Gemeindeschwestern lebten ihren Beruf mit Leib und Seele und standen für ein Gesundheits- und Pflegesystems, das insbesondere auch die Versorgung der Hilfsbedürftigen in ländlichen Gebieten stets garantierte. Sie waren praktisch rund um die Uhr für ihre Patienten da und trugen dabei große Verantwortung. Unermüdlich standen sie ihnen zur Seite und kümmerten sich um die medizinische Grundversorgung in den Städten und Gemeinden. In ihrem Beruf kamen sie den Menschen nahe – und waren oft auf sich allein gestellt, mussten improvisieren und unkonventionelle Lösungen für alle Probleme finden.

Die Autorin Marion Heinrich entwirft anhand persönlicher Schilderungen des Werdegangs und Arbeitsalltags das umfassende Bild eines Berufes, den es in dieser Form nicht mehr gibt. Gesine Lötzsch (Die Linke), die mit dem Projekt »Agnes« ein alternatives Versorgungsmodell nach dem Vorbild der Gemeindeschwestern wieder ins Gespräch gebracht hat, verfasste ein Vorwort und hat das Buchprojekt nach Kräften unterstützt.

Marion Heinrich
geboren 1954, absolvierte ein Journalistik-Studium in Leipzig. Sie arbeitete für das DDR-Fernsehen, Schwerpunkt Wissenschaftsjournalistik. Nach der Wende war sie Redaktionsleiterin, Autorin und Producerin für verschiedene Sender der ARD und der Schweiz. Seit 2005 arbeitet sie im PR-Bereich.