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Lebenserinnerung: V. Obermüller

Neue Lebensgeschichte: Spannende Abrechnungsbiographie aus dem Landkreis Augsburg

15.04.2009|Kategorien: Lebenserinnerung: V. Obermüller, Verlag des Biographiezentrums|Tags: |

Lesen Sie anläßlich der 3. Auflage die erschreckende Autobiographie einer Frau, die 2004 im Landkreis Augsburg Schlagzeilen machte. Das Buch schrieb ich als Ghostwriter für Veronika Obermüller, die mit meiner Arbeit so zufrieden war, dass ich damit öffentlich werben darf. Hier zur Einstimmung ein Artikel aus dem Augsburger Extra vom 1. November 2004.

Schockierende Abrechnungsbiografie von Veronika Obermüller (1)

14.04.2009|Kategorien: Lebenserinnerung: V. Obermüller|Tags: , |

Hier nun die schockierende Abrechnungsbiographie von Veronika Obermüller (Wie ein Hauch auf dem schönsten Planeten – Mein Leben), die 2004 im Landkreis Augsburg für Aufsehen sorgte. Zur Vorgeschichte siehe auch hier:

Schockierende Abrechnungsbiografie von Veronika Obermüller (2)

13.04.2009|Kategorien: Lebenserinnerung: V. Obermüller|Tags: , |

»Findet Ihr denn kein Hasenbrot?«
Brilon – Meine frühe Kindheit 1924-1931
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Eine meiner ersten Erinnerungen habe ich an unser Wochenendhaus, das idyllisch gelegen inmitten von vier Morgen Tagwerk Wald stand. Zu Ostern versteckte mein Vater dort die Ostereier, und das restliche Jahr über harte Brotkanten. Wenn wir gerade nicht aufpassten, warf er sie weg und fragte uns dann scheinheilig: »Findet ihr heute überhaupt kein Hasenbrot?«

Schockierende Abrechnungsbiografie von Veronika Obermüller (3)

12.04.2009|Kategorien: Lebenserinnerung: V. Obermüller|Tags: , |

»Kind, sei artig!«
Arnsberg – Meine Schulzeit 1931-1938

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Zu Beginn meiner Schulzeit zogen wir von Brilon nach Arnsberg, wo mein Vater ein neues Haus mit 14 Zimmern gebaut hatte. Ich schlief mit Edeltraud und Franziska zu dritt in einem Durchgangszimmer; daneben im Hinterzimmer wohnte eine der älteren Schwestern. Sie musste uns beaufsichtigen, damit wir Kleinen keinen Unsinn machten. Die Jungs hatten oben im Dachgeschoss ihr eigenes Zimmer. Agnes schlief im Erdgeschoss neben dem Wohnzimmer. Das Wohnzimmer selbst war das Heiligtum des Hauses, da durften wir nur zu besonderen Anlässen hinein. Die Tür war meistens abgeschlossen. Neben dem Bad in der ersten Etage hatte Vater sein Büro eingerichtet, und am Ende des Gangs war das elterliche Schlafzimmer. Am anderen Ende des Gangs waren die Küche, die extra angebaut worden war, sowie große Spielzimmer und das Esszimmer. Weiterlesen

Schockierende Abrechnungsbiografie von Veronika Obermüller (4)

11.04.2009|Kategorien: Lebenserinnerung: V. Obermüller|Tags: , |

»Ihr stinkt ja wie tausend Ochsen!«
Mein Pflichtjahr 1938 im Münsterland

Wie alle anderen Mädchen im Deutschen Reich, musste ich vor meiner Lehre zuerst das Pflichtjahr absolvieren. Vater schickte mich ins Münsterland zu Tante Klara. Auf ihrem Landgut lebten neben Onkel Hermann und Tante Klara neun Kinder, eine Magd und ein Pferdeknecht. Das älteste Kind war 13 Jahre alt, ich war nur ein Jahr älter!

Schockierende Abrechnungsbiografie von Veronika Obermüller (5)

10.04.2009|Kategorien: Lebenserinnerung: V. Obermüller|Tags: , |

»Sie suchen ein Lehrmädchen? Hier ist es!«
Meine Lehre als Hutmacherin 1939-1941

Als ich wieder nach Hause kam, sagte Mutter zu mir: »Kind, du bleibst jetzt daheim!«

Schockierende Abrechnungsbiografie von Veronika Obermüller (6)

09.04.2009|Kategorien: Lebenserinnerung: V. Obermüller|Tags: , , |

»Aber Sie dürfen es keinem Menschen weitererzählen!«
Arbeitsdienst und Kriegsjahre 1941-1942

Weil die Enttäuschung der Lehrzeit so unheimlich groß war, ich mir aber auch nicht vorstellen konnte, zu Hause zu bleiben, meldete ich mich im Herbst 1941 freiwillig zum Arbeitsdienst in Flensburg. In dieser Zeit durften Juden bereits nur noch mit aufgenähtem gelben Judenstern auf der linken Brustseite in der Öffentlichkeit auftreten.

Schockierende Abrechnungsbiografie von Veronika Obermüller (7)

08.04.2009|Kategorien: Lebenserinnerung: V. Obermüller|Tags: , , |

»Ich will nicht erschossen werden.«
Wie ich meinen Mann Adi kennen lernte – Kempten 1942–1946

Kaum kam ich in Kempten an, erhielt ich wieder einen Stellungsbefehl und musste mich bei einem Zahlmeister melden, der mir erzählte, dass er aus Hagen in Westfalen käme. Er schaute mich an in meinem Dirndl und sagte: »Nee, Mädel, Du bist mir zu schade. Du hier in die Kaserne, in der Nähstube arbeiten? Da hast du keine Ruhe vor den Kerlen! Nee, diese Verantwortung übernehme ich nicht.«

Schockierende Abrechnungsbiografie von Veronika Obermüller (8)

07.04.2009|Kategorien: Lebenserinnerung: V. Obermüller|Tags: , , , |

»Glaube nicht, dass dir dein Mann den Tee ans Bett bringt.«
Hochzeit 1946 und die frühen Jahre in Ottmarshausen

Weihnachten 1945 stand vor der Tür, Adi wollte so schnell wie möglich Verlobung feiern. Zu Hause dürfe er aber nicht feiern, sagte er. Deshalb bat ich meine Wirtin Frau Herkommer, die gute Beziehungen zum Metzger hatte, ob sie nicht unsere Verlobungsfeier ausrichten könnte. Sie sagte ja, ließ die Verlobungskarten drucken, die Adi in Auftrag gegeben hatte, und ich half ihr bei den Vorbereitungen. Wir hatten alles schön gekocht und dekoriert, und wer ist nicht gekommen? Der Herr! So saßen wir am Heilig Abend allein da. Weiterlesen

Schockierende Abrechnungsbiografie von Veronika Obermüller (9)

06.04.2009|Kategorien: Lebenserinnerung: V. Obermüller|Tags: , , |

 »Spielen Sie viel und singen Sie mit ihm.«
Bernhards Geburt 1951 und die Jahre danach

Meine Schwiegermutter wurde von Tag zu Tag kränker. Sie hatte offenen Krebs von der Brust aufwärts bis zum Kinn und wurde bestrahlt. Das führte zu Verbrennungen, ihre linke Seite war voller Blasen, so groß wie 5-Mark-Stücke. Die platzten auf und dann war nur noch rohes Fleisch auf ihren Knochen zu sehen. Ich musste sie morgens und abends waschen und mit Zinksalbe einreiben, damit die Wunden nicht eiterten. Schwiegermutter lag nur noch in ihrem Schlafzimmer, wir hatten das restliche Haus für uns. An ihrer Schlafzimmertür stand eine Schüssel mit Sagrotan, damit jeder die Hände desinfizieren konnte, der mit ihr in Berührung kam. Weiterlesen

Schockierende Abrechnungsbiografie von Veronika Obermüller (10)

05.04.2009|Kategorien: Lebenserinnerung: V. Obermüller|Tags: |

»Du siehst nichts, aber du weißt alles.«
Umbaujahre in Ottmarshausen – die 50er und frühen 60er Jahre

Äußerlich verlief unser Leben in ruhigeren Bahnen, so wie ich es mir immer gewünscht hatte. Adi kam pünktlich zum Mittag- und Abendessen. Aber das war auch schon alles, von Harmonie zwischen meinem Mann und mir keine Spur. Adi ging seine eigenen Wege.

Schockierende Abrechnungsbiografie von Veronika Obermüller (11)

04.04.2009|Kategorien: Lebenserinnerung: V. Obermüller|Tags: |

»Ihnen beim Verkaufen zuzusehen, ist ein Wunder.«
Berufsleben und Ehejahre Mitte der 60er Jahre bis 1992

Weil Bernhard stotterte und die Ärzte sagten, dass Musik und Singen ihm helfen könnten, kaufte ich ein Klavier und wir nahmen zu dritt Klavierunterricht. Die Stunde kostete 15 Mark, das war für uns viel Geld. Adi war natürlich dagegen, so wie er gegen alle künstlerischen Ambitionen war, und hob immer nur hervor, wie teuer das sei. Schließlich schaffte er es, dass wir mit dem Klavierunterricht aufhörten, weil er das Geklimpere nicht mehr ertragen konnte. Die Lehrerin bedauerte unsere Entscheidung natürlich, vor allem wegen Bernhard, der von uns Dreien der Talentierteste war. Wir konnten schon vierhändig miteinander spielen. Weiterlesen

Schockierende Abrechnungsbiografie von Veronika Obermüller (12)

03.04.2009|Kategorien: Lebenserinnerung: V. Obermüller|Tags: |

»Du gehst von dieser Welt, aber du kommst in eine andere.«
Die Jahre der Trennungen – Adis Tod 1998

In Adelsried klagte Adi ständig: »Ich habe meine Heimat verloren.« Das Zusammenleben war noch schlimmer als in all den Jahrzehnten zuvor. Ich war immer noch sterbenskrank und befürchtete, zurück ins Krankenhaus zu müssen. Monatelang hatte ich in der Klinik gelegen, mein Mann und meine Kinder besuchten mich so gut wie überhaupt nicht. »Ich hoffe, du verreckst endlich und kommst nie wieder!« – diese Worte musste ich mit 72 Jahren – jedenfalls teilweise – wieder einmal wahr machen. Ich ging und sagte zu Adi: »Ich gehe, aber ich verlasse dich nicht.« Dies war der zweite Rausschmiss, der mich bis heute schmerzt. Weiterlesen

Schockierende Abrechnungsbiografie von Veronika Obermüller (letzter Teil)

02.04.2009|Kategorien: Lebenserinnerung: V. Obermüller|Tags: |

Mein Leben allein 1998–2004

Aus meiner Wohnung in Wörishofen zog ich am 1. Dezember 2001 in die Obere Mühlstraße. Wieder kam ich vom Regen in die Traufe. Die Wohnung war drei Jahre nicht bewohnt gewesen, ich fing mit dem Heizen an. Da begannen die Wände zu schwitzen, alles fing zu schimmeln an, meine Kleider wurden zerstört, die Rückwände der Schränke verbogen sich, die Wohnung stank in wenigen Wochen wie die Pest. Ein Bekannter besuchte mich und schwärmte, wie schön meine Wohnung eingerichtet ist. »Aber Sie müssen trotzdem so schnell wie möglich wieder ausziehen«, sagte er. »Das ist eine kranke Wohnung. Wenn Sie hier länger bleiben, dann sterben Sie.« Weiterlesen