>Lebenserinnerung: Doris Lange

Lebenserinnerung: Doris Lange

Doris Lange Biographie: Erbbetrug (Teil 1)

14.02.2009|Kategorien: Lebenserinnerung: Doris Lange|Tags: , , , , , , , , , , , |

Hiermit eröffne ich die Reihe Biographien in Fortsetzung mit dem neuen Buch von Doris Lange, das rechtzeitig zu Weihnachten 2008 als Privatdruck im Verlag des Biographiezentrums ediert wurde. Das Buch hat 104 Seiten. Hier lesen Sie die nächsten Tage täglich rund 5-10 Seiten über einen unglaublichen Fall von Erbbetrug.

Doris Lange Biographie: Erbbetrug (Teil 2)

13.02.2009|Kategorien: Lebenserinnerung: Doris Lange|Tags: , , , , , , , , , , , |

Als Dora von einer neugierigen jungen Kollegin, mit der sie sich für eine Spielzeit lang die Theatergarderobe teilte und die abends zuvor beobachtet hatte, wie der noch „toll aussehende ältere Herr“ sie mit dem Auto abholte, ungeniert gefragt wurde, ob sich zwischen ihnen denn noch was abspiele, musste sie deren Frage amüsiert verneinen. Sowohl er als sie hatten in ihrem Leben schmerzliche und prägende Erfahrungen gemacht, die sie beide auf Distanz bleiben ließen. Wenn man sich früher und unter anderen Umständen kennen gelernt hätte, wäre es bestimmt eine der glücklichsten Verbindungen geworden. Nun vergoldeten sich diese jung gebliebenen Alten lediglich gegenseitig ihren Lebensherbst und genossen ihre harmonische Zweisamkeit, in der niemals Langeweile aufkam. Manchmal las er ihr einen interessanten Artikel vor, der ihm bei seiner morgendlichen Lektüre der Tageszeitung besonders aufgefallen war, und sie tauschten eingehend ihre Ansichten darüber aus, obgleich die Meinungen manchmal ganz unterschiedlich ausfielen. Weiterlesen

Doris Lange Biographie: Erbbetrug (Teil 3)

12.02.2009|Kategorien: Lebenserinnerung: Doris Lange|Tags: , , , , , , , , , , , |

Fünfunddreißig Jahre nach ihrer ersten Begegnung war für Dora dieser schicksalsvolle Tag gekommen, an dem sie den schmerzlichen Verlust des langjährigen geliebten Freundes Hellmut zu beklagen hatte. Da ihr über Monate schon wieder im Theater eine kleine Gastrolle übertragen worden war, kam sie einen ganzen Tag lang nicht dazu, ihn aufzusuchen. Es waren nämlich täglich Proben angesagt, manchmal sogar zwei, und dazu fanden abends die Vorstellungen statt. Hellmut zeigte für solche Dinge jedes Mal größtes Verständnis und meinte dann halb amüsiert und auch ein bisschen erleichtert, brauchte er doch an dem Tag keine Krawatte zu binden oder noch mal das Oberhemd zu wechseln: „Du kannst dein Publikum doch nicht enttäuschen, mach dir bitte deswegen nicht Sorgen. Ich bin ja kein kleines Kind, das einen Tag nicht mal alleine und ohne dich fertig wird. Also dann mach deine Sache wieder gut, Schätzchen, und Toi-toi-toi! Bis bald also!“ Und das sagte er so gelassen und heiter, wie es seiner Natur entsprach. Es war an einem Dienstag gewesen, als sie sich zuletzt sahen. Weiterlesen

Doris Lange Biographie: Erbbetrug (Teil 4)

11.02.2009|Kategorien: Lebenserinnerung: Doris Lange|Tags: , , , , , , , , , , , |

„Dorchen“, hatte Hellmut mehrfach gesagt, „wenn du die Papiere mal erbst, dann brauchst du dir keine Sorgen mehr um deine Zukunft zu machen, dann bist du eine Millionärin! Dann machst du eben alleine all die Weltreisen mit der „Queen Elisabeth“ oder einem anderen Luxusschiff, wozu ich mich einfach nicht mehr aufraffen kann. Wenn ich daran denke, vom Schiff auf schwankende Boote umzusteigen, das wäre zu halsbrecherisch für mich. Erinnerst du dich noch an den letzten Film der Reederei im Hotel Excelsior? Der war zwar eine ansprechende und überzeugende Einladung zu einer offensichtlichen Traumreise, aber für mich zu abenteuerlich, denn ich bin kein Artist. Ich habe die 90 überschritten, vergiss das bitte nicht. Das wirst du alles später als Millionärin ganz genüsslich alleine nachholen. Du wirst es erleben.“ Weiterlesen

Doris Lange Biographie: Erbbetrug (Teil 5)

10.02.2009|Kategorien: Lebenserinnerung: Doris Lange|Tags: , , , , , , , , , , , |

Äußerlich ruhig, doch innerlich aufgewühlt, verabschiedete sich Dora von ihrer Erbnichte. So hatte sie das nicht geplant. „Aber, was habe ich denn erwartet?“, sagte sie zu sich selbst, als sie im Bus saß, um nach Hause zu fahren. Und dann war sie sogar ein wenig stolz auf sich, denn immerhin hatte sie sich endlich dazu durchgerungen, etwas zu unternehmen, sich zu wehren. Jedenfalls war der erste Schritt dazu getan, und das empfand sie als befriedigend. Jetzt gab es kein Zurück mehr, und vielleicht würden die beiden Banditen ja nun doch noch einlenken. Schließlich würde eine Klage viel Staub aufwirbeln, und das war das Letzte, was eine so geltungssüchtige Frau wie Annelie sich leisten konnte. Als nächstes musste sie sich also einen Anwalt suchen, damit dieses Luderchen das Ganze nicht für ein Strohfeuer hielt. Sie fand im Telefonbuch auch bald einen in ihrer Nähe und dachte nur: Eigenartig, in den allgemeinen Krimis und Filmen verfügt jeder Mensch gleich über „seinen“ Anwalt, bloß ich muss erst einmal Ausschau nach einem Rechtsanwalt halten. Etwas weltfremd scheine ich wohl tatsächlich zu sein. Aber wer rechnet schon mit so viel geballter Kriminalität?! Weiterlesen

Doris Lange Biographie: Erbbetrug (Teil 6)

09.02.2009|Kategorien: Lebenserinnerung: Doris Lange|Tags: , , , , , , , , , , , |

Dann berichtete Dora von den Konten von Frau Edith Martin, der Schwester des Erblassers, für die sie nach dessen Steuererklärungen für Erbschaft und Schenkung auch noch einmal 8.400,- DM Erbschaftssteuern zu zahlen hatte. Und das war so gekommen: Nachdem Herr Häußler etwa zwei Wochen tot war, erhielt Dora von seiner Nichte unter anderem zwölf Sparbücher ausgehändigt, die sich in Onkel Hellmuts Schubladen befanden. Darunter war jedoch eines – und das muss der allzu beschäftigten Nichte in der Aufregung wohl entgangen sein – das lautete auf den Namen Edith Martin. Als Dora dieses bei der Bank vorlegte, hieß es, dass sie nur die Erbin Herrn Häußlers sei. Für das Konto seiner Schwester besäße aber eine andere Dame die Vollmacht, worauf Dora vollendete: „Ja, ich weiß, Annelie Schlamm!“ Darauf beendete die Bankangestellte das Gespräch, weil sie darüber nicht sprechen dürfe. Zur Rede gestellt, sagte Annelie bloß: „Zerreiß das Buch doch mit dem lächerlichen Sparbetrag von 135,- DM. Es mag sich zwar wirklich etwas geringfügig angehört haben angesichts der hier und da auftauchenden enormen Summen, aber Dora legte ein Jahr darauf noch einmal dieses Sparbuch bei der Deutschen Bank vor und versicherte, dass Frau Martin wirklich bereits sieben Jahren tot sei. Daraufhin wollte man der Sache einmal nachgehen und händigte Dora den kleinen Betrag auch aus, denn sie war inzwischen selber eine gute und glaubhafte Bankkundin, nachdem sie Hellmuts restliches Schweizer Guthaben gleich auf ihr Konto hier in Berlin hatte überweisen lassen. Zwar musste sie neben den Erbschaftssteuern alleine ein Drittel des überschriebenen Schweizer Guthabens an Schenkungssteuern dem Finanzamt überlassen, aber sie schlief aufgrund eines guten Gewissens bedeutend besser als ihr uneinsichtiger Hellmut es je getan hatte – vorerst jedenfalls. Weiterlesen

Doris Lange Biographie: Erbbetrug (Teil 7)

08.02.2009|Kategorien: Lebenserinnerung: Doris Lange|Tags: , , , , , , , , , , , |

Der noble schwarze Bechstein-Flügel wurde von Doras telefonisch informiertem geliebten Theater, auf dessen Bühne sie über Jahre hindurch so eine amüsante und beglückende Zeit erlebt hatte, hocherfreut als Geschenk der vermeintlichen Millionärin entgegen genommen und sofort abgeholt. Nachdem man für das Renovieren und Stimmen des Instruments sowie das Neuvergolden der Saiten einige tausend Mark hatte ausgeben müssen, ziert dieses zu neuem Glanz gelangte Prunkstück nun das Foyer des renommierten Theaters und ist eine Augenweide und ein Ohrenschmaus für jedermann. Bei ihren gelegentlichen Besuchen in dem vertrauten Hause streichelt Dora manchmal, wenn sie sich unbeobachtet glaubt, dieses mit so netten Erinnerungen behaftete Instrument, auf dem ihr Hellmut auch schon hin und wieder mal neben den Noten seine Kaffeetasse abstellte, was Dora fast wie eine Entweihung empfand und woran sie sich all die Jahre nie gewöhnen konnte. Schnell wurde dann von ihr nebenan der Kaffeetisch gedeckt und der enthusiastische Pianist, der sich in letzter Zeit ganz gerne mal unterbrechen ließ und sich eine Pause gönnte, herüber gebeten. – In ihren beschränkten Zweizimmerwohnungen fanden leider weder Dora noch Annelie seinerzeit Platz für den dekorativen gigantischen Flügel. Dora besaß bereits zu dem Zeitpunkt ihr für hellhörige Mietwohnungen besser geeignetes tonklangregulierbares Digital-Piano, das sie sich erst im Rentneralter angeschafft hatte und an das sie gewöhnt war. Hätte sie jedoch geahnt, dass ihr die unersättliche Nichte absolut gar nichts von dem vorhandenen Vermögen übrig zu lassen beabsichtigte, würde sie doch versucht haben, das wertvolle Stück irgendwann mal zu verkaufen. Ihr Theaterdirektor, der sich im Namen des Theaters für das „hochherzige Geschenk“ schriftlich sehr nett und anerkennend bedankte, erzählte Dora in einem ruhigen Moment beiläufig, dass das renovierte Instrument gut und gerne wieder seine 100.000,- DM und mehr wert sei. Allerdings hätten die vorgenommenen Schönheitsreparaturen eine Kleinigkeit gekostet. „Doch jetzt ist der eindrucksvolle Bechstein-Flügel wirklich wieder wie neu!“, hatte er ihr glücklich strahlend versichert. Weiterlesen

Doris Lange Biographie: Erbbetrug (Teil 8)

07.02.2009|Kategorien: Lebenserinnerung: Doris Lange|Tags: , , , , , , , , , , , |

E p i l o g

Seit Jahren schon schickte Dora kurz vor Weihnachten ihrer Widersacherin Annelie anlässlich des Jahreswechsels immer ein paar Grüße in der Hoffnung, dass diese ihren begangenen Diebstahl inzwischen längst bereute, und um an ihren Anstand zu appellieren, denn dass sie durch und durch schlecht und kriminell sei, mochte sie immer noch nicht glauben. Schließlich stammte sie aus einer soliden und grundehrlichen Familie. – Die alte Dora vergegenwärtigte sich jedes Mal der Situation damals am 26. März 1998, als sie ihren Hellmut wieder mit frisch gebackenem Kuchen überraschen wollte, er aber nicht öffnete, so dass sie seine „hilfsbereite“ Nichte wegen des Zweitschlüssels anrief. Weiterlesen