30 Jahre weniger 4 ½ Monate Verwalter der Kreis-Sparkasse Bergzabern
Ein Rückblick

Brennend trieb’s dich hinaus zu den Menschen, zu schenken
Überströmendes Herz, und zu glauben. Es ward dir
Gift zum Dank für die Gabe. Die ausgestreckten Hände sie sanken.
Maske und Larve fiel von gelogenen Gesichtern.
Wünsche und Süchte bleckten wie Hunde nackt die
Gierigen Zähne. – Da wardst du müde, Herz.
Nicht stand wie ein Turm die Treue des Freundes.
Trost schwebte auf aus glaubenden Kinderaugen.
Sternglanz der Liebe legte ums Haupt dir die Hände.
Beug dich in Ehrfurcht!

Gerhard Schumann

»Ich dien!«
Erste Jahre in Bergzabern 1903-1905 und 1919-1922
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Als Einundzwanzigjähriger war ich vom 1. Oktober 1903 bis 5. Dezember 1905 kgl. Rentamtsgehilfe beim Rentamt Bergzabern unter dem damaligen Amtsvorstand Arras. In dieser Zeit glaubte ich die Menschen in Bergzabern als aufgeschlossen, freundlich, hilfsbereit und fortschrittlich kennengelernt zu haben.

Als die Sparkassenverwalterstelle im September 1919 ausgeschrieben war, sehnte ich mich nach diesem Bergzabern zurück, obwohl ich in Homburg in einem Hause wohnte, das meine Schwiegereltern zwei Jahre zuvor eigens für mich und meine Familie gekauft hatten; und obwohl mir Regierungsdirektor Ullmer im Jahre 1906 eröffnet hatte, er habe mich nach Kaiserslautern versetzt, weil die Bergzaberner Luft für mich nicht tauge.
Meine Bewerbung hatte Erfolg, und ich trat am 16. November 1919 meinen Dienst an.

Ich fand die Sparkassenräume im Hause des Sattlers Füß unterhalb des Bezirksamts, eine Stiege hoch, einen etwa 3 m langen dunklen Gang durchschreitend, der sein spärliches Licht nur von einem kleinen Fenster in der Tür zum Kassenraum erhielt, so dass man den Fußboden nicht erblicken konnte und tapsend vorwärts ging. Kassier Karch, Gehilfe Steller, Lehrling Lorch saßen im Kassenraum, und nebenan war mein Zimmer, das ich nun bezog.

Ich war entsetzt. Hier konnten wir unmöglich bleiben, wenn zum Sparverkehr der Scheck- und Giroverkehr hinzukommen sollte, wie vorgesehen. Eine meiner ersten Fragen war darum auch, ob hier nicht ein Haus für die Sparkasse zu kaufen sei? Man nannte mir die Paquesche Villa, jetzt Café Heist. An mehreren Nachmittagen stand ich vor diesem Haus: Netter Eingang, schöner Park, aber die Kundschaft müsste, um hierher zu gelangen, fast ausnahmslos an der Volksbank vorbei, und das Gebäude lag mir auch zu weit abseits vom Geschäftsverkehr.
Wenn eine Sparkasse ihren Zweck restlos erfüllen soll, dann muss auf dem Panier des Sparkassenleiters und seiner Helfer groß stehen: Ich dien!

Dieses Haus war also keinesfalls für uns geeignet. Nächste Frage: Wo ist ein Bauplatz, der besser geeignet wäre? Da wurde die Spitze am Bahnhof genannt, wo jetzt die Postomnibusse an- und abfahren. Er war mir wieder zu weit vom Geschäftsverkehr entfernt.

Für den 25. November 1919 war eine Sitzung des Bezirksausschusses anberaumt, und zwar in meinem Zimmer. Als alle versammelt waren, fiel mir bei manchen Mitgliedern eine recht gereizte Stimmung gegen den Bezirksamtsvorstand Herrn Oberregierungsrat Oßwaldt auf, wohingegen dieser mir wiederum ängstlich und zu nachgiebig schien. Dies hinderte mich jedoch nicht, auf den unhaltbaren Zustand hinsichtlich der Kassenräume hinzuweisen. Da aber kam ich schlecht an: Kaum sei ich hier, wollte ich schon kritisieren! Die Räume seien doch erst vor nicht allzu langer Zeit gemietet worden und hätten bisher voll genügt! Die Stimmung schien gegen mich zu sein, als Bürgermeister und zugleich Volksbankdirektor Schlitt ganz trocken bemerkte: »Der Mann hat recht!« Sogleich stimmte auch Geistlicher Rat Breitling zu, und nun schwenkten alle um!
Beschluss: Anderwärts mieten, oder ein Haus kaufen oder bauen.

Nach der Sitzung wollte Kassier Karch wissen, dass der Besitzer des Badischen Hofes verkaufen wolle. Ich wurde am nächsten Tag mit Herrn Dinkel einig, dass er sein Hotel um den Preis von RM 70.000 der Sparkasse verkaufen werde.
In den nächsten Tagen erfuhr ich: Der langjährige Verwalter der Sparkasse, Einnehmer Becker, wie er allgemein genannt wurde, weil er wohl die Einnehmereiprüfung gemacht hatte, war 1917 gestorben. Sein Nachfolger war der 2. Beamte Hagenbuch, der aber auch schon 1919 starb, worauf man den bisherigen Leiter des Kommunalverbandes, Schneider, als Sparkassenverwalter wählte. Aber bevor dieser seine Stelle antreten wollte, ergab sich, dass der Kommunalverband stark verschuldet war. Daher große Aufregung. Es gab erbitterte Vorwürfe gegen Schneider, Oberregierungsrat Oßwaldt, seinen Assessor, so dass Schneider schließlich die Nerven verlor und sich vom Zug überfahren ließ.

Als Hüter der Gerechtigkeit hatten sich vier Fritze in den Vordergrund geschoben: Walter Fritz, Ökonomierat in Niederhorbach, der schon bisher dem Bezirkstag angehörte und Wortführer war; Mattern Fritz, der ein Geschäftsbüro mit Vermögensverwaltungen betrieb; Mees Fritz, Weinhändler, und Ziegler Fritz, Kaufmann, diese drei in Bergzabern wohnhaft. Mees und Ziegler wurden 1920 in den Bezirkstag und Mattern in den Sparkassenausschuss gewählt. Sie führten schon vorher in der Stadt das große Wort.

<strong>Aber Gift und Galle gegen mich blieben.</strong>

Bei meinem Dienstantritt lag schon ein Beschluss des Sparkassenausschusses vor, dem Bezirk ein Darlehen von vier Millionen zu gewähren zur Abdeckung der Kommunalverbandsschuld. Man hatte weiter die Versetzung des Bezirksamtsvorstandes und seines Assessors bei der Regierung beantragt, weil man ihnen vorwarf, bei den Bauern zu viele Metzelsuppen besucht und den Dienst vernachlässigt zu haben. Da konnte man sich auf manche Ungemütlichkeit gefasst machen.

Am 9. Dezember 1919 verstarb der Bezirksamtssekretär Thyson, der die sogenannte Bezirksverzinsungskasse (bestimmt zur Einlage von Gemeindegeldern und Darlehensgewährung an die Gemeinden) geführt hatte. Ich wurde von Oberregierungsrat Oßwaldt gebeten, noch am gleichen Tage diese Kasse zu übernehmen. Zur Teilnahme an der Beerdigung wurden sämtlich Bezirkstagsmitglieder eingeladen mit dem Hinweis, dass anschließend eine Sitzung im Badischen Hof folgen solle. Mein Antrag zum Kauf des Hotels als zukünftiges Sparkassengebäude fand bei der Mehrheit des Bezirkstages Zustimmung. Zwei Mitglieder glaubten, dass die Sparkasse den Kaufpreis von RM 70.000 niemals bezahlen könne.

Bei der Akterrichtung durfte ich nicht mitwirken, damit ich nicht »zu üppig« würde. Am Tage nach der Akterrichtung bot der Weinhändler Julius Kimmle RM 120.000 für das Haus.
Man hatte von mir die Stellung einer Kaution in Höhe von RM 20.000 gefordert. Ich schlug vor, mich das Haus des wegziehenden Dr. Götzmann am Eingang zum Kurtal kaufen zu lassen, und dann auf dieses Haus eine Sicherung für die Sparkasse gutzuheißen. Das Anwesen sollte RM 28.000 kosten. Fast gleichzeitig kam Ökonomierat Walter mit dem Vorschlag: Der ab 1. April 1920 nach Bergzabern versetzte Zollverwalter Mühlhäuser, gebürtig in Niederhorbach, solle als Mieter in die Sparkasse aufgenommen werden. Ein egoistischer Schmarotzer hätte vielleicht seinen Vorteil erblickt und ja dazu gesagt. Ich aber machte Front dagegen. Ein Steueramt dürfe niemals mit der Sparkasse in einem Haus untergebracht sein. Man könne nicht jedem Kunden auseinandersetzen, dass dieses mit dem Finanzamt nichts gemein habe. Misstrauen und Erregung seien hoch genug gespielt. Ja, da hatte ich mein Glück verscherzt!

Man bestand nun auch auf Wertpapieren für die Kaution, zumal wohl etliche glaubten, dass das in Aussicht genommene Haus mit RM 28.000 überbezahlt sei. Nun versteifte ich mich erst recht darauf, dass der Zollverwalter nicht in das Sparkassengebäude kommen dürfe, denn als Repräsentant der Kasse fiele es mir nicht ein, ihm zuliebe in den oberen Stock zu ziehen und auf die Wohnung über der Sparkasse zu verzichten. Mühlhäuser konnte im Kurtal ein Haus kaufen (jetzt Villa Daheim), und die ganze Streiterei war für die Katz. Aber Gift und Galle gegen mich blieben.

Als Herr Dinkel Ende März 1919 das Hotel räumte, mussten zwei große Spiegel in den Wirtsräumen (2,50×3 und 2×3 m groß) entfernt und versteigert werden. Ökonomierat Walter war eigens zur Versteigerung erschienen und flüsterte dem Schreinermeister Bader zu, der diese Spiegel erwarb, er möge auch auf den Spiegel im Hausgang ein Gebot abgeben. Für 90 Reichsmark bekäme er ihn zugeschlagen. (Der Hausgang bekam sein Licht zu dieser Zeit nur durch ein kleines Fenster in der Tür und durch das Oberlicht. Die Seitenbauten verhinderten jegliches Licht von oben.) Nachdem Mühlhäuser abgewehrt war, missgönnte man uns, d. h. Schulrat Dellmeyer und Familie, Putzfrau und mir und meiner Familie diesen »Luxus«. Als Bader den Spiegel herausnehmen wollte, zersprang er in Stücke und der Erwerber fluchte, dass er sich hatte verführen lassen.

Die Krankenhauskasse war schon Jahre von meinen Vorgängern mitgeführt worden, und sie steckten dafür jährlich 600 Mark ein. Nun lief alles über ein Girokonto, so dass das Kassenbuch nur eine Abschrift von diesem Konto bedeutete, und die 600 Reichsmark wurden eingespart.

Bei der übernommenen Bezirksverzinsungskasse war schon seit dem Jahre 1914 kein Rechnungsabschluss mehr gemacht worden, und das Kassenbuch wies Lücken auf. Beispielsweise waren Wertpapiere (Pfandbriefe) ausgelöst worden, und der Gegenwert stand noch auf dem Postscheckkonto des Bezirksamts. Nach mühseligem Zusammensuchen verblieben RM 700 Fehlbetrag, den die Inflation ausglich.

Zu den Glocken- und Metallablieferungen lagen Quittungen der Ablieferer über die empfangenen Gegenwerte beim Bezirksamt vor, aber ein Kassenbuch war nicht zu finden. Die Überweisungen des Reiches zur Bezahlung der abgelieferten Gegenstände fanden sich ebenfalls noch auf einem Postscheckkonto: des Bezirksamts. Natürlich wurde mir das Vergnügen, auch diesen Stall zu misten, übertragen.

<strong>»Herrgott, lassen Sie sich von denen doch nicht alles gefallen!«</strong>

Aufgefallen war mir schon am ersten Tage meines Dienstes, dass Kassier K. die rotgestempelten Hunderter- und Tausender-Banknoten gesondert bündelte und sie einem regelmäßig abends erscheinenden jungen Mann gegen grüngestempelte Noten austauschte. Warum? Ach, die Volksbank bekommt für die Roten französische Francs billiger! Das war ein schamloser Schmuggel. Denn das Reich hatte Belgien zugesagt, die dort während des Krieges verbliebenen rotgestempelten Noten zum Goldmarkwert einzulösen. Da konnte Geld »gemacht« werden. Ein Rotgestempelter wurde mit 60 % Aufschlag über die Grenze nach Frankreich und von da nach Belgien geschmuggelt. Wenn ich mich recht erinnere, hätte das Reich schließlich 61 Milliarden Goldmark an Belgien zahlen müssen, was dann verweigert wurde. Ich ließ diese Noten allabendlich an die Staatsbank Pirmasens schicken, um diese Gaunerei bei uns zu unterbinden.

Als ich gegen Ende November 1919 meinen Besuch bei der Volksbank machte, war der Empfang durch Kassier Herold (Bürgermeister und zugleich Bankdirektor Schlitt war nicht da) äußerst kühl. Und als ich ein gegenseitiges Verrechnungskonto vorschlug (wir verkehrten bisher nur über die Staatsbank Pirmasens miteinander), da glaubte Herold sein »Mütchen etwas kühlen« zu können. Er forderte bissig, dass Guthaben der Volksbank bei uns mit 3,6 %, also wie tägliche Spareinlagen verzinst werden sollten, während umgekehrt Guthaben der Sparkasse bei der Volksbank mit 1 % Zins abgerechnet würden. Scheck- und Kontokorrentverkehr? Das sei noch allein Sache der Volksbank!
Erst als im Jahre 1922 der spätere Volksbankdirektor Müller aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, wurde unser Verhältnis mit der Volksbank besser, und die Flegeleien schliefen allmählich ein.

Die Bezirkstagssitzungen, zu denen ich regelmäßig hinzugezogen wurde, waren höchst unerquicklich. Man hatte an allen Handlungen des Bezirksamtsvorstandes und seines Assessors etwas zu nörgeln, so dass ich einmal nach einer solchen Sitzung gegenüber Oberregierungsrat Oßwaldt in heller Wut herausplatzte: »Herrgott, lassen Sie sich von denen doch nicht alles gefallen!« Herr Oßwaldt war Junggeselle und ein guter Mensch.

Eine Hauptfrage war nun, wie die Gläubiger des Kommunalverbandes zu befriedigen seien. Bekannte man, dass die Sparkasse ein Darlehen von vier Millionen, wie beschlossen, nicht gewähren könne, fachte man wieder die alten Gehässigkeiten zu neuem Leben an. Darum riet ich dem Bezirksamtmann, er möge veranlassen, dass mir Einblick in die Geschäftsbücher des Kommunalverbandes gewährt würde mit dem Hinweis, ohne Klarsicht könne die Sparkasse nicht helfend mit Geldern eingreifen. Aber der neue Geschäftsführer – ehemals Reisender bei der Firma Ziegler – saß auf hohem Ross und verweigerte mir den Einblick.

Nun schlug ich ein Rundschreiben von mir an die Bezirkstagsmitglieder vor, dahingehend, dass die Darlehensaufnahme und Zinszahlung in der bisher angenommenen Höhe wohl nicht erforderlich sei, wenn man jeden eingehenden Betrag sofort an die Gläubiger weitergäbe, die Sparkasse auch wohl mit einem Kredit aushelfen könne, aber da müsste ich klar sehen. Und darunter verstünde ich, dass bei der Sparkasse ein Konto eingerichtet würde, worauf jeder Schuldner des Kommunalverbandes auch wie bisher bei der Volksbank einzahlen könne, die Kontoauszüge dieser Bank wie vom Postscheckkonto in meine Hände kämen, wie auch die Forderungen der Gläubiger und ich allein verfügungsberechtigt würde.

Beim Verlesen meines Rundschreibens vor Herrn Oßwaldt wurde dieser so erregt und wollte nichts davon wissen, dass ich abbrach und ohne sein Einverständnis handelte. Und siehe: es klappte! Aber es gab zuerst doch Stank.
Zwei Tage nach Absenden meines Schreibens besuchte ich Herrn Ziegler, der inzwischen Sparkassenausschussmitglied geworden war, und wollte ihn in meine Pläne noch etwas näher einweihen. Ich hatte kaum sein Büro betreten, da schwenkte er mir einen Brief entgegen, den er von Volksbankkassier Herold empfangen und der so ungehörig sei, dass er mir den Inhalt vorenthalten müsse. Dieser Brief aber erreichte das Gegenteil von dem, was er erreichen sollte.
Zu der Sitzung des Bezirkstags, die den Fall Kommunalverband besprach, wurde ich nicht eingeladen, aber mein Vorschlag fand Zustimmung. Ab 1. Juli 1920 wurde ich verfügungsberechtigt über die Gelder des Kommunalverbandes und siehe da, die Verschuldung des Verbandes war gar nicht so hoch, wie behauptet! Dreiviertel Million Mark, die auf den Konten bei der Volksbank, der Staatsbank Pirmasens und auf dem Postscheckkonto lagen, befriedigten die Gläubiger so, dass die Sparkasse nicht mal mehr einen Kredit gewähren musste. Der Herr Geschäftsführer des Kommunalverbandes und seine zwei Assistenten kündigten. Ein Fräulein Homberg bei dem neuen Bezirksamtsassessor, Regierungsrat Heinz, übernahm die Ausstellung der Mehlbezugsscheine, und wir bei der Sparkasse übernahmen Korrespondenz usw. Dadurch wurde viel Geld eingespart. Einen sichtbaren Vorteil hatten wir: Wir erbten die Kommunalverbandsmöbel.

Wohl durch die schweren Kritiken im Bezirkstag und in der Bevölkerung verschreckt, wurde Stadtsekretär Blumröder, der bisher die Bezirkskasse geführt, aber zu Sitzungen des Bezirkstages in diesem Jahr niemals eingeladen oder erschienen war, »amtsmüde«. Er mag auch befürchtet haben, dass er allein gelassen würde bei der nun fälligen Abrechnung über die Familienunterstützungsgelder, die er sorglos all die Kriegsjahre auf Anweisung des Bezirksamts an die Gemeinden in Pauschalbeträgen überwiesen hatte. Wer sollte nun rasch die Bezirkskasse übernehmen, nachdem der neue Bezirksamtssekretär Boßlet lungenkrank war? Sie blieb an mir hängen.

Ich hatte nun kaum die Rechnungen der Bezirksverzinsungskasse für die Jahre 1914 bis 1919 erstellt und mich über die Belege der Glocken- und Metallabrechnung hergemacht, da erschienen drei Herren aus Berlin – keiner unter 220 Pfund schwer – und forderten die Rückzahlung von RM 6.000 angeblich in der Metallablieferung zu viel überwiesener Gelder. Ich hatte überhaupt noch keine Ahnung, was überwiesen worden war, und meinte: »Wenn Sie schon zu dritt eine so weite Reise machten, müssten Sie doch einwandfreie Belege haben für Ihre Behauptung. Meine Abrechnung stimmt, soweit ich sehen kann.« Da verschwanden die Wohlgenährten und ließen nichts mehr von sich hören. Die Endabrechnung ging auch nicht ganz auf, aber niemand fragte nochmals danach.

Am schwierigsten gestaltete sich die Abrechnung über die Familienunterstützungen. Hier lagen auch nur die Familienunterstützungsakten mit den Quittungen der Empfangsberechtigten vor. Darum blieb mir nichts anderes übrig, als mir Formblätter drucken zu lassen, in die ich Posten für Posten, Monat für Monat die ausgezahlten Beträge mit den Namen der Empfänger eintragen musste: vom Beginn des Krieges bis zur Gegenwart. Und dabei stellte sich heraus, dass auch hier nicht alles aufging. Man hatte Akten von verzogenen Unterhaltsberechtigten abgeschickt, ohne die Quittungen zurückzubehalten, und meistens nicht festgehalten, w o h i n die Einzelnen verzogen waren. Also hatte ich am Schluss eine Mehrausgabe von 7-10.000 RM, deren Berechtigung ich nicht nachweisen konnte.

Ich schlug darum dem Sachbearbeiter bei der Regierung vor, die Restzahlung unter Nichtbeachtung des unmöglich mehr nachzuweisenden Betrages anzuweisen. Aber der Bürokrat bestand auf restloser Aufklärung, und so musste auch hier die Inflation einen Strich unter die Rechnung ziehen und meine ganze Nachtarbeit war für die Katz.

Beim Bezirksamt war an die Stelle des Herrn Oberregierungsra