Hausbau

Michael wollte in eine andere Wohnung ziehen, möglichst in ein Haus. Wir hatten uns überlegt, dass es schön wäre, wenn Melanie endlich bei uns sein könnte, und dazu war die Wohnung zu klein. Ich besuchte sie zwar regelmäßig, auch mit Michael, aber ich hatte sie nie bei mir gehabt, und meine Mutter wurde auch immer älter. Es war für mich immer schon traurig gewesen, Melanie nach einem Besuch wieder zu verlassen, und mit Michael war es inzwischen eine feste Beziehung geworden – auch verstanden sich die beiden sehr gut. Nur die Wohnung war für drei Personen zu klein.

Wir schauten uns in der Umgebung Häuser an, doch so richtig gefiel uns keines. Da entschieden wir uns, selbst ein Haus zu bauen. Wir erstanden einen günstigen Bauplatz im Hintertaunus und der Grundstein wurde gelegt. Mein Vater hatte einiges Geld gespart und beteiligte sich an dem Unternehmen. Er hatte schon lange vorgehabt, mir eine Wohnung zu kaufen, als Geldanlage – nun dann eben so.

In den AA-Meetings wurde u.a. gesagt, dass man nach einem Entzug möglichst ein einfaches Leben ohne Selbstständigkeit oder Hausbau leben sollte, um sich nicht zu sehr zu belasten. Nur für mich galten diese Regeln nicht, glaubte ich immer. Die alten Verhaltensmuster – irgendwie alles hinzukriegen, notfalls eben mit Tabletten – funktionierten immer noch. Ich überforderte mich ständig und merkte es noch nicht einmal. Ich ging zwar regelmäßig in die Gruppe, doch vieles, was dort gesagt wurde, galt für mich nicht, ich war ja ohnehin kein richtiger Alkoholiker, dachte ich oft. Sicher, ich kannte viele Formen des Alkoholismus nicht, doch süchtig ist süchtig, egal ob nach Alkohol, Tabletten, anderen Stoffen oder auch Verhaltensweisen. In dem Moment, wo irgendetwas meine Gedanken ständig beeinflusst, sodass ich kaum an etwas anderes denken kann, stimmt etwas nicht mit mir. Aber ich wollte ja schon immer nicht abseitsstehen, sondern alles, was zum „normalen“ Leben gehört, mitmachen. Das war mein Fehler. Und da ich genau das nie kapieren, vor allem auf nichts verzichten wollte, gab es immer wieder – auch nach meiner letzten Langzeitkur – kleine Rückfälle. Allerdings habe ich es bis heute geschafft, nie mehr in einer Psychiatrie eingewiesen zu werden.

Die speziellen Tabletten, die mir damals meine Neurologin gab, halfen wirklich gut. Ich hatte auch kein schlechtes Gewissen deshalb, sie hatte sie mir ja verschrieben und sie wusste um meine Suchtanfälligkeit. Leider wurde ich auch von diesem Mittel abhängig und brauchte immer mehr, und irgendwann musste auch dieses gegen ein anderes ausgetauscht werden – wieder eines, das nicht süchtig machen sollte…

Eines hatte ich zumindest im Griff: Ich verlor nie mehr die ganze Kontrolle und nahm immer nur abends von diesen Stoffen. Gab es bisweilen Unstimmigkeiten in meiner Partnerschaft, trank ich auch mal Alkohol. Disharmonie aushalten konnte ich nicht, obwohl ich oftmals Streit provozierte, völlig irrational, doch dann hatte ich es in der Hand, unter meiner Kontrolle: ein Verhalten aus meiner Kindheit, wenn ich den Streit zwischen meinen Eltern auf mich lenken wollte. Trotzdem war alles besser, als allein zu leben, das konnte ich überhaupt nicht, obwohl Michael mit seinen äußeren Ansprüchen mir oft ganz schön zu schaffen machte. Er war in der Modebranche tätig und musste schon von Berufswegen auf Äußerlichkeiten bedacht sein, doch sein Lebensstil war für mich einfach zu schwierig. Ich hatte schon Probleme mit dem ganz einfachen Leben, und dann noch auf so viele Dinge im Außen achten! Das war zu viel für mich, aber ich glaubte immer, dass ich das schaffen würde. Ich zog mich auch mal gerne schick an, doch am wohlsten fühlte ich mich nun mal in Jeans und Pulli. Jahrelang bin ich in Kliniken im Kittel rumgelaufen, da hat keiner auf ein schickes Outfit geachtet. Und jetzt sollte ich plötzlich modebewusst aussehen – am besten 24 Stunden um die Uhr.

Interessant ist, dass ich in der Hauptschule wegen meiner Kleidung, die mir meine Mutter verpasst hatte, gehänselt worden war, und dann suchte ich mir einen Mann aus der Modebranche, der meistens auch etwas an meiner Kleidung auszusetzen hatte! Und vor allem, er beobachtete mich oft, dass ich auch ja keinen Fehler machte, z.B. bei Tisch. War ich etwas zittrig, was nach einer schlaflosen Nacht häufig vorkam, und mir fiel etwas hin, verschüttete etwas oder kleckerte nur, wies mich Michael mit einer manchmal für mich abfälligen Bemerkung und der dazugehörenden Mimik zurecht. Oder er verbündete sich mit jemand, der anwesend war, als wolle er sagen: „Meine Güte, sie kann noch nicht mal vernünftig essen. Wie kann man nur…“ – und das in einem grinsenden Tonfall. Sicher meinte er es nicht so, und man sagte mir auch, ich solle diese Bemerkungen einfach ignorieren, nur ich konnte das überhaupt nicht aushalten, unterbewusst erinnerte mich das an meine Volksschulzeit, als Mitschüler grinsend um mich herumstanden und mich auslachten. Natürlich war mir das in den Momenten nicht bewusst, aber ich reagierte regelrecht panisch darauf und rastete manchmal total aus. Und schon hatten wir den größten Streit.

Ein späterer Therapeut, von dem ich viel gelernt habe, hat mir mal gesagt, dass man viele Dinge aus der Kindheit im späteren Leben wieder sucht, um sie immer wieder nachzuspielen, bis man die Rolle irgendwann satthat und von der Bühne als Schauspieler abtritt. Man sucht auch die dazugehörigen Menschen. Meistens ist uns das nicht bewusst, lässt man aber sein Leben Revue passieren und betrachtet es von außen wie ein Zuschauer, wird vieles Unverständliche klar und ergibt einen Sinn. Manchmal spielen wir eine traurige oder schmerzhafte Rolle das ganze Leben lang, weil wir ein schlimmes Gefühl immer wieder haben wollen. Das ist dann masochistisch oder eben auch einfach nur vertraut, so wie ein Gefängnis vertraut und sicher sein kann. Freiheit, Freude und Wohlbefinden sind mir nicht geheuer und machen sogar Angst, sodass ich dann unbewusst diese schönen Gefühle wieder kaputtmache. Da war ich ein echter Meister drin, nur damals konnte ich das alles noch nicht sehen und somit auch nicht ändern.

Wir bauten also unser Haus, was auch wirklich sehr schön wurde, und zogen nach einem Jahr ein. Jetzt konnten wir Melanie holen, und das taten wir in einer richtigen Nacht- und Nebelaktion, denn Melanie wollte nicht wirklich mit mir leben, sie fühlte sich bei Oma sicher und aufgehoben – wie sollte das mit ihrer chaotischen Mutter werden? Zu Michael hatte sie damals Vertrauen, und so packten wir sie ins Auto und nahmen sie mit. Meine Mutter war natürlich schwer sauer und machte einen Riesenaufstand. Ich verstand das damals überhaupt nicht, aber wirklich nüchtern und realistisch habe ich vieles in meinem Leben nicht gesehen. Ich wollte nur einfach endlich meine Tochter bei mir haben. In der AA sagt man, dass die wirkliche Nüchternheit erst nach vielen Jahren Abstinenz kommt.

Für Melanie fing wieder eine schwere Zeit an. Sie hatte jetzt zwar ihre Mutter und einen Ersatzvater, also eine richtige kleine Familie, doch Oma und Opa waren weit weg, und Freundinnen hatte sie nun auch keine. Alles war fremd für sie, und zu Hause war es auch nicht gerade einfach. Ich arbeitete noch in Bad Nauheim, ca. 24 km von unserem neuen Wohnort entfernt, Michael war ständig unterwegs und Melanie in einer fremden Umgebung ohne Freunde und Bekannte. Außerdem wurde das gute Verhältnis zu Michael schlagartig anders, denn Melanie sollte nun auch auf viele Äußerlichkeiten achten, was sie von Oma nicht gewöhnt war. Ständig Schuhe ausziehen, und wehe, da war Dreck darunter! Niemals an die Wände fassen oder irgendwo im Laufen essen und dann Krümel verteilen! Immer nur aufpassen, aufpassen – und diesmal nicht auf ihre Mutter, sondern auf die vielen Sonderwünsche ihres Ersatzvaters. Ich schaute nur noch auf den Boden, ob nicht tatsächlich irgendwo ein Fußtritt zu sehen war. Das war für uns beide eine sehr schlimme Zeit.

Melanie wäre gerne wieder zu Oma gefahren. Sie ging in Usingen in die Förderstufe und musste jeden Morgen und mittags mit dem Bus fahren. Irgendwann hatte sie auch Freundinnen, doch das dauerte lange, denn wenn tatsächlich mal ein Mädchen mit im Haus war, verschwand es meist sehr schnell wieder, wenn Michael auf der Bildfläche erschien und genau darauf achtete, dass ja nichts mit ungewaschenen Fingern angefasst wurde.

Melanie saß einmal auf der Treppe, war furchtbar traurig und sagte: „Mama, wie soll ich denn in der Schule aufpassen, wenn ich hier zu Hause schon auf so viele Dinge achten muss!“ Sie tat mir unglaublich leid, was hatte ich nur wieder angestellt? Melanie fühlte sich bei uns nicht wohl. Die einzige Freude, die ich ihr machen konnte, war, sie sportlich zu unterstützen. Sie spielte schon gern Fußball, auch mit den Jungs im Ort, die sie bald voll integrierten, und Melanie fing an, sich mehr und mehr für Leichtathletik zu interessieren. Anfangs fuhr ich sie in benachbarte Sportvereine, doch bald fuhr sie allein mit dem Fahrrad oder Bus dorthin. Ich förderte sie, wo ich konnte, denn sie brauchte etwas, womit sie sich richtig wohlfühlen und Frustrationen abbauen konnte und sich zu etwas zugehörig fühlen. Sie interessierte sich am meisten für Speerwerfen und Kugelstoßen und hat es später bis zur Deutschen Meisterschaft gebracht und viele Urkunden bekommen.

Das Reformhaus, in dem ich arbeitete, wurde zugemacht, und somit verlor ich meinen Arbeitsplatz. Eine Zeit lang war ich zu Hause, aber das gefiel mir nicht. Ich fand eine Tätigkeit, für eine Firma in Reformhäusern Brot zu backen und damit den dazugehörigen Ofen und natürlich die Brotmischung anzubieten. Grundsätzlich war das eine interessante Tätigkeit, nur war ich ständig unterwegs in Orten, die weiter weg waren, und musste dort auch übernachten. Das lief dann natürlich wieder schief, weil meine Versagensängste oder soziale Phobien wieder stärker wurden und ich auch tagsüber Beruhigungsmittel brauchte, nur um dieses In-der-Öffentlichkeit-Stehen, Vorträge halten, etwas vorführen anders nicht zu bewältigen war. Ich konnte es ja bestens, meine fachliche Kompetenz war auch in der Reformhausbranche wirklich sehr gut. Ich hatte nur immer diese Angst, es eben nicht zu können, und dazu an den Abenden vermehrt Schlafschwierigkeiten. Ausgehen ohne meinen Mutmacher Alkohol ging überhaupt nicht, und da ich keinen trinken wollte, konnte ich nicht ausgehen und blieb zu Hause. Dabei fühlte ich mich aber auch nicht wohl, weil ich schon gern mit Kollegen ausgegangen wäre: ein schöner Job, aber leider eben nichts für mich! Um nicht wieder abzurutschen, gab ich diese Tätigkeit auf und suchte etwas Neues.

Langzeitarbeitslosigkeit wäre für mich nichts denkbar gewesen, in dieser Beziehung war ich wirklich immer auf Zack. Einen Job weg, und schon hatte ich den nächsten und hab dadurch sehr viel Wissen, auch in anderen Bereichen, erworben.

Eines Tages bekam ich vom Arbeitsamt ein Stellenangebot in Bad Nauheim in einer Klinik für ein paar Monate, eine Diätassistentin zu vertreten. Obwohl ich nun schon längere Zeit in keiner Klinik gearbeitet hatte, nahm ich die Stelle an. Es war zwar eine Tätigkeit in einer Küche, aber es gefiel mir trotzdem. Ich arbeitete mich richtig gut ein und wurde auch bald von den Mitarbeitern geschätzt und war bald traurig, dass diese Stelle leider befristet war. Vielleicht hatte ich deshalb auch weniger Bedenken, es nicht zu schaffen – auf alle Fälle wurde es eine meiner erfolgreichsten Tätigkeiten überhaupt in meinem Berufsleben. In der Hauptsache war ich für die Diätküche zuständig, ging auf Station und beriet Patienten, und wenn es sein musste, half ich sogar dem Küchenpersonal bei ihren Arbeiten. Mir fiel auch auf, dass diese Küche nicht richtig strukturiert war, und gab das an die Personalabteilung weiter. Als ich leider gehen musste, wurde ich von allen freundlich verabschiedet und bekam ein sehr gutes Zeugnis.

Dann war ich wieder zu Hause… Was sollte ich jetzt tun? Langweilig wurde es mir nicht gerade, ich hatte mich um Haus und Garten zu kümmern, um meine Tochter und um Michael. Eigentlich war ich ausgefüllt, doch es trieb mich weiter. Ich wollte nie nur Hausfrau sein, da hatte ich das Gefühl, keine Anerkennung zu bekommen. Ohne Bestätigung von außen, und sei es nur durch mein monatliches Gehalt auf dem Konto, hatte ich immer noch im Inneren das Gefühl, nichts wert zu sein. Da mich Medizin schon immer sehr interessiert hatte und ich ursprünglich gerne studiert hätte, überlegte ich mir, eine Heilpraktikerschule zu besuchen. Ich fing also mit einem Wochenendkurs an und war hellauf begeistert. Das war mein Ding! Dem Unterricht konnte ich bestens folgen, war wie so oft die Beste und stellte mir schon in meinen Gedanken vor, wie es sein würde, eine eigene Praxis zu habe.

Da wurde ich plötzlich von der Klinik in Bad Nauheim angerufen und gebeten, dort vorzusprechen. Die Diätassistentin, die ich einige Monate vertreten hatte, war tragischerweise ums Leben gekommen, und nun musste die Stelle neu besetzt werden. Dort hatte es mir gefallen und es war keine Frage, dass ich wieder hin wollte, aber diese Heilpraktikerschule gefiel mir auch. Was machte ich also? Weil ich immer glaubte, alles zu schaffen, nahm ich die Stelle an und ging weiter zur Schule. Das hieß, ich hatte kein Wochenende mehr frei. Vierzehntägig musste ich in der Klinik auch samstags und sonntags arbeiten, und das andere Wochenende im Monat fuhr ich zur Schule. Natürlich hatte ich dann zu Hause kaum Zeit, es blieb viel liegen, ich war ständig gereizt und meine Schlafprobleme wurden wieder massiv. Michael hatte natürlich auch von seiner Partnerin nicht viel und orientierte sich anderweitig. Es kam sogar so weit, dass er sich trennen wollte. Das ging aber überhaupt nicht, was sollte ich denn meinem Vater sagen? Er hatte sich an dem Haus finanziell mitbeteiligt. Es ging hin und her, ich gab schweren Herzens die Schule auf, obwohl ich ein halbes Jahr später die Prüfung hätte machen können, aber das Geldverdienen war mir wichtig. Irgendwann pendelte sich unsere Partnerschaft wieder ein und Melanie war natürlich auch froh, dass ihre Mutter öfter zu Hause war.

Damit mein Leben sich ja nicht ruhig einpendelte, wurde ich plötzlich, ganz unverhofft wieder schwanger. Eigentlich wollten wir beide kein Kind mehr, und überhaupt sollte angeblich mein Mann laut eines Klinikberichts zeugungsunfähig sein – und ich jetzt doch schwanger? Ich war ja nicht gerade die Supermutter, hatte genug mit mir zu tun, und ich hatte bereits eine Tochter. Trotz Verhütung war es passiert. Was nun? Michael überließ es mir, mich dafür oder dagegen zu entscheiden. Tage- und nächtelang überlegte ich, doch es war wie bei Melanie: Ich konnte mich nicht dagegen entscheiden, und so wollte ich das Kind bekommen! Als die Entscheidung gefallen war, freuten wir uns beide und Melanie ganz besonders. Da ich zu dem Zeitpunkt schon 38 Jahre alt war, ließ ich eine Fruchtwasseruntersuchung machen. Es war alles in Ordnung und man sagte mir auch, was es werden würde. Ich hielt bis zur Geburt dicht und erzählte niemanden, dass es ein Junge werden würde. Wieso bekam gerade ich zwei Kinder, eines trotz Pille und eines, weil angeblich der Vater zeugungsunfähig war? Hat da vielleicht jemand von oben dran gedreht? Die Existenz meiner Kinder hat mir tatsächlich am meisten geholfen, auf den richtigen Weg zu kommen.
Lange bevor ich überhaupt schwanger war, träumte ich von der Geburt meines Sohnes. Es war wieder einer dieser Träume, die anders waren, so wie gelebte Wirklichkeit. Ich hatte Michael davon erzählt, und als ich dann tatsächlich schwanger war, ging es darum, würde ich eine richtige Geburt haben oder wieder einen Kaiserschnitt? Medizinisch gesehen waren die Ärzte einstimmig gegen eine normale Geburt, nur ich hatte sie ja im Traum schon erlebt. Also was würde wohl stimmen? Wer bekam recht? Das interessierte sogar meinen Mann.

Die Schwangerschaft verlief wieder bestens. Wie schon bei Melanie, konnte ich auf Zigaretten, Alkohol und andere Tabletten verzichten. Von meinem Frauenarzt bekam ich allerdings Valium verschrieben für Notfälle. Dieses Mittel würde keine Schäden bei dem Kind verursachen, sagte er, und für Notfälle brauchte ich etwas. So kam ich zu Valium, was ich bisher nie genommen hatte.

Warum konnte ich in einer Schwangerschaft, wenn es um mein Kind ging, auf krankmachende Substanzen verzichten? Vielleicht, weil ich auf keinen Fall ein Kind schädigen wollte, zumal mein eigenes, oder auch, weil es nicht um mich ging. Gutes für mich tun – irgendwie konnte ich das nicht! Ich schaute immer nach außen: Was machen andere? Womit stehe ich nicht abseits? Wie kann ich Geld verdienen, wie kann ich mich aufwerten? Das ging nur durch äußere Leistung, so dachte ich damals, doch bewusst war mir das nie.

Ein ganz wichtiger Meilenstein in meinem Leben war mein wichtigster und langjähriger Therapeut, den ich damals durch Zufall fand. Ich hatte immer mal ein paar Sitzungen bei einem Psychologen gehabt, aber es ging nicht über die Probesitzungen hinaus, weil ich nie das Gefühl hatte, das sei jetzt der Richtige, von dem kann ich etwas lernen. Also ließ ich es ganz und ging mehr oder weniger regelmäßig in AA-Meetings. Da fühlte ich mich aber auch nie so ganz zugehörig, da ich damals der Meinung war, mit Alkohol nie richtig abgestürzt zu sein, sondern in erster Linie mit Tabletten, und außerdem hat