Berufssuche

Was gab es für Berufe, bei denen ich nicht zu Hause wohnen musste, sondern ich weg konnte? Studieren war ja nun nichts, da hätte ich noch ein paar Jahre in der Schule und zu Hause verbringen müssen – und dann die ewigen Geldsorgen! So entschloss ich mich, Krankenschwester zu werden. Ständig malte ich mir aus, wie es wohl wäre, wenn ich Geld verdienen würde und ich älter wäre – da ginge es mir sicher sehr viel besser! Nun, mit Krankenschwester wurde es schon mal nichts, da ich mir ein halbes Jahr vor dem Schulende ein Knie beim Tanzen ausrenkte.

Ich durfte tatsächlich eine Tanzschule besuchen und war vielleicht gerade dreimal dort, als es passierte. Meine Eltern waren nicht zu Hause, ich stellte das Radio laut an und tanzte Twist. Diesen Tanz konnte ich richtig gut, das ging auch wunderbar allein, ich kam sogar mit dem Kopf bis auf die Erde. Dabei wurden natürlich die Knie besonders stark belastet – und plötzlich ein wahnsinniger Schmerz! Ich flog hin und sah, dass das eine Knie doppelt so dick war wie vorher. Ich schaute es mir genauer an und klopfte mit der Hand dagegen, und tatsächlich sprang die Kniescheibe zurück. Auftreten konnte ich zwar nicht, aber das Knie sah wieder normal aus. Ich saß auf der Erde und wartete, bis meine Eltern nach Hause kamen. Sie holten den Arzt und der schickte mich ins Krankenhaus. Gottlob brauchte das Knie nicht operiert werden, da ich mit dem Reinklopfen der Kniescheibe genau das Richtige gemacht hatte, ich also nur eine Bänderdehnung hatte, es war nichts gerissen. Doch die ganze Aktion brachte mir vier Wochen Krankenhausaufenthalt ein, mit Streckverband und anschließend das ganze Bein in Gips, auch noch mal vier Wochen. Ich hieß im Krankenhaus „unser Twistbein“. So lustig war es aber für mich nicht, zumal ich fast ein halbes Jahr nicht richtig laufen konnte.

Nicht unwichtig war nach dem Krankenhausaufenthalt meine Gewichtszunahme. Von Kalorien hatte ich damals noch nichts gehört, und so aß ich alles auf, was ich bekam, und abends schnuckte ich Schokolade, Pralinen, all die schönen Dinge, die mir meine Besucher mitbrachten. Es war ja langweilig, still im Bett zu liegen, da half essen ungemein, und so polsterte ich meinen Umfang gewaltig auf. Als ich später wieder laufen konnte, habe ich mich mit meinem Übergewicht so geschämt, auf die Straße zu gehen, dass ich sogar im heißen Sommer immer einen dünnen Mantel anzog.

Dann beschloss ich abzunehmen und aß nur noch Gemüse und Salat aus dem Garten meiner Mutter. Ich saß am Tisch meiner Eltern, sie aßen die schönsten Speisen, und ich saß mit einer Salatgurke, Möhren oder Tomaten daneben. Diese Prozedur hielt ich vier Wochen durch und meine Pfunde purzelten auf Normalgewicht. Später sagte mir mal ein Patient in der Diätberatung: „Fräulein, Sie sind ja auch nicht die Schlankste…“ Daraufhin reduzierte ich auf Idealgewicht und habe es heute immer noch. Nie mehr in meinem Leben hatte ich Übergewicht. Klappte es mit der Verdauung mal nicht richtig, weil ich zu viel Schokolade gegessen hatte, trank ich Bekunis-Tee. Tee ist ja gesund, dachte ich.

Und mit Tanzschule war dann auch nichts mehr. Da durfte ich mit den anderen etwas mitmachen – und dann so etwas! Meine Mutter hatte mir sogar ein wunderschönes Kleid aus hellblauer Atlasseide für den Abschlussball genäht. Ich brauchte es nie. Und genau deshalb wurde das mit der Ausbildung zur Krankenschwester auch nichts. Man sagte mir: „Als Krankenschwester müssen Sie fest auf den Beinen stehen.“ Und ich kam humpelnderweise mit einem Stock an. Was nun?

Interessiert hatten mich damals Sprachen, da hätte ich nach Kassel auf die Sprachenschule gemusst und wäre doch nicht von zu Hause fort gewesen – jeden Tag nach Kassel mit dem Zug fahren und abends wieder zu Hause. Außerdem war das meinem Vater zu teuer. Dann gab es noch Zeichnen. Technische Zeichnerin oder Modezeichnerin wäre auch schön gewesen, doch damals gab es dafür nur Schulen in den Großstädten, ich hätte mir ein Zimmer suchen müssen, und das traute ich mir nicht zu. Da war mir die Vorstellung, in einem Schwesternheim zu wohnen, viel angenehmer. Mein Vater hätte gern gesehen, wenn ich eine Lehre auf der Bank oder bei der Post gemacht hätte. Doch um Himmels willen, den ganzen Tag sitzen und wieder nicht von zu Hause weg: nein, das nicht!

Bei der Berufsberatung wurde ich von einem damals neu aufgekommenen Beruf informiert: Diätassistentin. Das schien mir eine gute Sache zu sein. Ich musste von zu Hause weg, konnte in einem Schwesternheim ein Zimmer bekommen, und mit Medizin hatte das auch etwas zu tun. Dass ich aber hauptsächlich in Küchen zu tun hatte, das erzählte man mir nicht. Von Beratung und Aufklärung im Ernährungsbereich war da die Rede, aber doch nicht selber kochen! Niemals hätte ich diese Ausbildung angefangen, wenn mir das Ausmaß der Küchentätigkeit klar gewesen wäre. Als ich das merkte, war es zu spät, denn aufhören, etwas Neues anfangen – das hätte es damals nicht gegeben! Außerdem gab es nur drei Schulen damals in Deutschland, eine davon in Gießen, und da wohnte Tante Frieda. Sie war eine pensionierte Lehrerin, hatte eine kleine Wohnung und vermietete ständig ein Zimmer an Studenten. Meine Eltern fanden das natürlich besonders toll, denn Tante Frieda sollte auf mich aufpassen. Allerdings entpuppte sich Tante Frieda später als eine sehr tolerante Pensionärin, die alles andere tat, nur nicht auf mich aufzupassen. Ich fing also nach dem Realschulabschluss mit der Ausbildung zur Diätassistentin an.

Vor der Fachschule in Gießen musste ich ein Großküchenpraktikum absolvieren, was ich im Krankenhaus in Witzenhausen tat. Da ich bereits morgens um 6.00 Uhr anfangen musste, bekam ich im Krankenhaus unter dem Dach ein kleines Zimmer. Das erste kleine Zimmer für mich, ohne die Obhut meiner Eltern!

Morgens war das natürlich erst mal ganz schön heftig, so früh aufzustehen, dafür war ich aber auch nachmittags um 14.00 Uhr fertig und hatte den weiteren Tag frei. Da schlief ich erst mal eine Stunde, und dann konnte ich machen, was ich wollte. Manchmal fuhr ich zu meinen Eltern, aber meistens blieb ich in Witzenhausen. In der Küche lernte ich eine fertige Diätassistentin kennen, die ein paar Jahre älter war als ich und ebenfalls unter dem Dach des Krankenhauses ein Zimmer hatte. Sie war zwar verlobt, aber ihr Freund war in der Woche nicht da, und so unternahmen wir einiges zusammen. Vor allem lernte ich bei ihr das Rauchen, früher fand ich das blöd, mein Vater rauchte auch, aber es stank mir eigentlich viel zu sehr. Nun plötzlich rauchte ich auch und tue es heute nach vierzig Jahren immer noch – zwar sehr eingeschränkt und nur draußen, aber ich rauche. In irgendwelchen Kneipen wurde auch Alkohol getrunken, und so machte ich bereits nach ein paar Wochen Freiheit auch damit Bekanntschaft. Es schmeckte mir überhaupt nicht und den Geruch konnte ich gar nicht ab, doch jeder trank etwas in einer Kneipe, und jetzt wollte ich nicht mehr abseitsstehen, sondern mitmachen. Außerdem war ich sehr schüchtern, was fremde Menschen anging – vor allem jungen Männern gegenüber -, und das legte sich, wenn ich etwas getrunken hatte. Das war ein toller Nebeneffekt, dafür nahm ich den blöden Geschmack in Kauf. So machte ich also mit 16 Jahren, direkt nach der Schule, mit zwei Drogen Bekanntschaft. Damals wurde bereits der Grundstein zu meiner späteren Sucht gelegt, denn ich trank und rauchte nicht, weil es mir schmeckte, sondern weil ich damit meine Unsicherheit überdecken wollte. Meine Eltern durften das nicht wissen, sonst wäre ich ganz schnell wieder nach Hause geholt worden.

Die Arbeit in der Küche machte nicht wirklich Spaß, ich hätte damals noch von dem Beruf zurückgekonnt, aber die Freiheit reizte mich doch sehr, und so machte ich mir leider keine Gedanken über die Zukunft in der Küche. Nach einem halben Jahr durfte ich in der Diätküche bereits selbstständig Diäten zubereiten, doch von Beratung war weit und breit nichts zu sehen, das machte die Diätküchenleiterin selbst. Eigentlich hätte mir das zu denken geben müssen, denn mit Küche wollte ich eigentlich nichts zu tun haben!

Nach einem Jahr kam ich dann zu Tante Frieda nach Gießen, um die zweijährige Diätschule zu besuchen.
 
Diätschule in Gießen

Meine Eltern brachten mich zu ihr, gaben Tante Frieda Verhaltensmaßregeln, was mich anbetraf, und ließen mich dann in einer für mich damals großen Stadt allein.

Die Schule war im Institut für Ernährungswissenschaften und an die Uni Gießen angeschlossen. Unser Unterricht begann morgens um 7.30 Uhr mit praktischen Anleitungen in der Diätküche, nachmittags hatten wir theoretischen Unterricht. Verteilt auf verschiedene Kliniken, hatten wir Patienten zu versorgen, die ganz spezielle Diätformen bekamen. Damit nicht zu viele Schülerinnen morgens in der Diätküche waren, mussten wir im Laufe der zwei Jahre auf verschiedenen Stationen Praktikum machen. Das war nichts anderes als eine Stationshilfe, die den Schwestern zur Hand ging und an den Visiten teilnehmen durfte. Zum ersten Mal hatte ich also Kontakt zu Patienten, denen wir das Essen servierten und die Betten machten, ihnen auch mal einen Schieber brachten, oder manchmal bei der Blutabnahme helfen konnten. Hin und wieder durften wir auch Medikamente stellen und sie an die Patienten verteilen. Damals lagen die kranken Menschen sehr viel länger auf den Stationen als heute, und es gab auch noch keinen Personalmangel, sodass wir oft sehr nette Beziehungen aufbauen konnten und für längere Gespräche noch Zeit war.

Nachmittags trafen wir uns alle wieder zu den einzelnen Unterrichtsfächern. Eine unliebsame Tätigkeit war der Aufenthalt in der sogenannten Milchküche in der Frauenklinik. Erst einmal ging diese Tätigkeit bereits morgens um 6.00 Uhr los, was uns natürlich allen viel zu früh war. Zum anderen war dort eine unglaubliche Hitze, die der große Sterilisator verbreitete. In dieser Milchküche wurden die Fläschchen mit verschiedenen Milch- und Breisorten für die Babys zubereitet. Damals gab es mehr Neugeborene als heute, und zum anderen kam in Mode, dass die Frauen ihre Kinder nicht unbedingt stillen sollten oder wollten. Also gab es viele Fläschchen. Außerdem war dort eine sogenannte Milchküchenleiterin, die von allen gefürchtet war. Sie hatte buchstäblich Haare auf den Zähnen, was wahrscheinlich von der ständigen Hitze kam.

Für all diese verschiedenen Praktikums-Zeiten gab es natürlich auch Beurteilungen, die sich auf die Gesamtnote am Ende auswirkten.

Mich interessierte zumeist der theoretische Unterricht: Anatomie, Physiologie, Psychologie, Diätetik, Hygiene waren die Hauptfächer. Ich fand es unheimlich spannend, die Zusammensetzung und Arbeitsweise unseres Körpers kennenzulernen. Ich passte sehr gut auf und galt schon bald als die beste Schülerin, die sicher ein gutes Examen machen würde – wenn da nicht die vielen Nebenbeschäftigungen von mir gewesen wären!

Meine Mitschülerinnen, es gab nur junge Mädchen und Frauen, darunter eine Dunkelhäutige aus Ghana, trafen uns auch privat. Wir gingen Kaffee trinken, besuchten uns gegenseitig, was bei zwei Schülerinnen am schönsten war, denn sie hatten ein Zimmer in einem Haus, in dem mehrere Studenten lebten: Das hieß sturmfreie Bude. Wir anderen waren meist zur Untermiete untergebracht, wo das Mitbringen von Besuch nur sehr eingeschränkt möglich war – auch bei mir, denn Tante Frieda beäugte mich am Anfang sehr genau. Das ließ jedoch später nach, zumal sie auch sehr viel unterwegs war – mal bei ihrem Bruder in Gießen, dann bei ihrer Freundin mit sieben Katzen, oder sie fuhr mehrere Wochen zur Kur. Ich hatte ein sehr schönes Zimmer bei ihr, was auch nicht allzu weit von der Schule und von der Stadt entfernt war.

Die besagten zwei Schülerinnen hatten durch ihre Mitbewohner sehr schnell Kontakt zu Ingenieurschülern, und so wurde ich dann eines Abends zu einem Treffen eingeladen. Nie werde ich diesen Abend vergessen, denn er war richtungsweisend für viele Jahre später. Ich saß da mit einigen meiner Mitschülerinnen und mit jungen Männern der Ingenieurschule zusammen. Sehr geübt war ich in solchen Dingen ja nicht, und mir gegenüber saß auch noch ein sehr gut aussehender junger Mann. Sofort wurde ich leicht ängstlich, rutschte nervös auf meinem Stuhl hin und her und wäre am liebsten abgehauen. Das war nun endlich die Gelegenheit, doch noch in einer Schule dazuzugehören und nicht abseitszustehen. Hier konnte mir keiner etwas verbieten. Aber ich fühlte mich alles andere als wohl. Wenn ich jetzt gehen würde, war ich für die gesamte Schulzeit wieder ein Außenseiter. Also sagte ich mir: Inge, halt bloß durch, und vor allem so, dass die anderen deine Nervosität nicht merken. Auf dem Tisch standen Bierflaschen, und natürlich trank auch ich Bier. Und auf einmal verschwand meine Unsicherheit, meine Ängstlichkeit, und ich taute auf. Ich konnte mich an den Gesprächen beteiligen und wurde zunehmend lustiger.

Ein Ingenieurschüler interessierte sich besonders für mich, ich mich aber eher für den mir Gegenübersitzenden. Ich ließ den anderen abblitzen und ging spät in der Nacht tatsächlich mit dem gut aussehenden jungen Mann nach Hause. Ganz klar wollte er mich nicht nur nach Hause bringen, sondern zumindest mit mir knutschen. Das war dann mein erster wirklicher Kuss, und der war benebelt. Ich hatte sogar so viel getrunken, dass ich mich am nächsten Tag nicht genau an den Vorgang erinnern konnte. Schade eigentlich, wenn ich mir das heute so bedenke.

So lief das dann später viele Jahre ab: Alkohol, Mann kennenlernen, knutschen und ins Bett. Ich habe bis heute nie einen Mann völlig nüchtern kennengelernt und bin nie das erste Mal mit ihm nüchtern ins Bett gegangen. Es blieb wie ein Ritual. Traf ich einen Mann, der gut aussah, ging ich regelrecht stiften, wenn ich nichts getrunken hatte. Doch seit der Zeit in Gießen hatte ich nun einen Mutmacher, einen vermeintlich guten Freund, und musste keine Angst mehr haben. Dass das aber ein großer Fehler war, sagte mir damals niemand, ich habe natürlich auch niemanden gefragt. Keiner bekam meine Unsicherheit mit, ich kam gut bei den anderen an und war endlich, wie ich dachte, mitten im Leben angekommen. Es ging mir gut.

Da ich anfing, vermehrt auszugehen, entsprechende Klamotten kaufte und rauchte, brauchte ich natürlich mehr Geld. Mein Vater bezahlte die Schule und gab Tante Frieda monatlich Geld für das Zimmer. Ich bekam ein geringes Taschengeld, was überhaupt nicht reichte. Also musste ich Geld verdienen. Ich ging zur Arbeitsvermittlung für Studenten und bekam als Erstes drei verschiedene Stellen zum Putzen. Von morgens 7.30 Uhr bis nachmittags 17.00 Uhr war ich in der Schule. Danach ging ich also putzen und abends meistens in eine Disco, die nicht weit von Tante Friedas Wohnung entfernt war. Meist kam ich da nicht vor Mitternacht nach Hause. Das heißt, ich war ganz schön im Stress.

Bald hatte ich einen Freund, für den brauchte ich auch noch Zeit. Hansi, so hieß er, studierte Pädagogik und wollte Lehrer werden. Tante Frieda war richtig begeistert von ihm, nur bei mir hielt die Begeisterung nicht lange an. Es gab so viele gut aussehende Studenten, und außerdem wollte ich keinen festen Freund. Da konnte ich ja wieder nicht machen, was ich wollte!

Nach einiger Zeit lernte ich andere junge Männer kennen und Hansi war Geschichte. In der ganzen Zeit in Gießen hatte ich dann keine länger dauernde Freundschaft mehr. Es war auch ohne wesentlich praktischer, ich ging abends allein aus und lernte immer neue Leute kennen, meist in einer richtigen urigen kleinen Disco in einem Gewölbekeller, schön schummerig, alte Bierfässer als Tische und Tropfkerzen darauf. Natürlich trank ich vorher mindestens zwei Gläser Bier oder später auch Wein, denn sonst wäre ich da nie alleine hin. So war ich mutig und hatte überhaupt keine Hemmungen oder sogar Angst.

Meine damalige Freundin hieß Heide und war im Gegensatz zu mir ein richtig braves junges Mädchen. Sie hatte ein Zimmer bei sehr netten Leuten zur Untermiete, ging zur Schule, lernte sehr fleißig, ging auch nicht nebenbei arbeiten, sie brauchte nicht so viel Geld wie ich. Heide ermahnte mich oft, mein Leben ein wenig ruhiger zu gestalten, nur davon wollte ich nichts wissen. In der Schule gingen meine Leistungen gewaltig zurück, denn zum Lernen hatte ich gar keine Zeit. Aber Heide half mir immer aus der Patsche. Sie hatte irgendwann einen festen Freund und führte ein ruhiges anständiges Leben. Mir waren irgendwann die Stunden als Putzhilfe zu wenig, und so machte ich zusätzlich noch ein- oder zweimal die Woche nachts Sitzwachen in der Klinik. Das wurde gut bezahlt und schwierig war es auch nicht gerade. Nur der nächste Tag wurde etwas anstrengender, denn ich ging von der Sitzwache morgens direkt in die Schule. Den praktischen Unterricht kriegte ich ohne Schlaf ganz gut hin, nur nachmittags bei den Vorlesungen schlief ich häufig ein. Danach legte ich mich ein paar Stunden in meinem Zimmer hin und abends war ich wieder auf Tour. Ich hatte ein ständiges Schlafdefizit.

Dann lernte ich einen Mann kennen, in den ich mich richtig verliebte, nur leider liebte er eine andere, die ihn kurzfristig verlassen hatte. Ich glaubte natürlich, ihn über den Verlust hinweg trösten zu können, sodass er die andere nicht mehr wollte. Dem war aber leider nicht so, er ging zurück und ich stand da. Und da