Fragen öffnen Erinnerungsräume. Für viele sind sie Grundlage der biographischen Arbeit, um sich selbst und anderen auf die Spur zu kommen. Manche Fragenkataloge in dieser kleinen Bücherliste sind trivial und genügsam, andere subtil und tricky – suchen Sie sich das aus, was Sie weiterbringt.

Hier eine kleine Auswahl aktueller Bücher, alphabetisch geordnet und verlinkt mit Amazon, so dass Sie sich informieren können:

Wer bin ich? 777 indiskrete Fragen
Von Rolf Dobelli

Aus dem Inhalt:

– Was wäre schlimmer: wenn Sie sich nicht mehr verlieben könnten oder wenn sich niemand mehr in Sie verlieben könnte?
– Könnten Sie Ihren gegenwärtigen Lebenspartner weiterempfehlen?
– Lieben Sie sich noch, oder mögen Sie sich schon?
– Möchten Sie Ihr Chef sein?
– Was wäre Ihnen lieber: dass man Sie vermögender schätzt, als Sie sind, oder ärmer?
– Wo, glauben Sie, sind die interessanteren Leute zu finden: im Himmel oder in der Hölle?

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Findet mich das Glück?
Von Peter Fischli und David Weiss

Aus dem Inhalt:

Das originelle Künstlerbuch des international renommierten Schweizer Duos Fischli/Weiss ist Fragen gewidmet, die sich jeder ab und zu stellen mag:

– Ist das Leben ein seltsames Höhlensystem?
– Gibt es zu viel des Guten?
– Driftet alles auseinander?
– Wie wirke ich?
– Soll ich untertauchen?
– Was denkt mein Hund?

Es sind keine Wissensfragen, sondern Fragen, die vielfach unbeantwortet bleiben können, vielleicht auch, weil sie so simpel scheinen.

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Fragebogen
Von Max Frisch

Aus dem Inhalt:

– Wieviel Aufrichtigkeit von einem Freund ertragen Sie in Gesellschaft oder schriftlich oder unter vier Augen?
– Wenn Sie einen Menschen in der Badehose treffen und nichts von seinen Lebensverhältnissen wissen: woran erkennen Sie nach einigem Gespräch […] trotzalledem den Reichen?
– Haben Sie schon einmal gemeint, daß Sie sterben, und was ist Ihnen dabei eingefallen: […] (f.) die Unordnung in den Schubladen?

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Alles über meine Mutter / Alles über meinen Vater
Von Susanne Fröhlich und Constanze Kleis

Weniger originelles Werk mit traditionellem Fragenkatalog, wie er bei Elma van Vliet (siehe unten) Jahre früher wesentlich umfangreicher auftaucht. Doch Plagiatsvorwürfe hin oder her: Letztlich kommt es auf die Antworten der Befragten an, und die sind bei jedem Menschen individuell. Daher erfreuen sich diese Fragebücher großer Beliebtheit – so ähnlich sie vielfach sind, rücken die befragten Mütter und Väter doch in den Mittelpunkt, statt das Gefühl zu haben: Mich fragt eh keiner bzw. für mich und mein Leben interessiert sich niemand.

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Fragen an dich, meine Mutter
Von Anne-Mette Fuhrmann

Ebenfalls traditioneller Fragenkatalog, leicht feministisch ausgerichtet: hübsch ediert.

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Alles über mich
Von Philipp Keel

Bisweilen schlichte Fragen, so dass Ihre Antworten überraschen können:
– Was magst Du an Dir besonders?
– Was magst Du an Dir gar nicht?
– Nenne Deine drei besten Freunde (absteigend).
– Was kannst Du Deinem besten Freund nie verzeihen, und warum?

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Anleitung zur Autobiografie in 300 Fragen
von Gerhild Tieger

Zum Start ist das Büchlein zu empfehlen, das mit seinen Fragen weite Teile zum biographischen Erinnern abdeckt.

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Mama, erzähl mal: Das Erinnerungsalbum deines Lebens
Von Elma van Vliet

4-bändige Reihe der populären Familien-Fragebücher: Mama, Papa, Oma, Opa – alle bekommen einen eigenen Band gewidmet und sollen damit zum Erzählen gebracht werden.

Kritisch könnte man zwar fragen, wie weit die Entfremdung (und damit auch das tiefere Desinteresse am Leben seiner Nächsten) schon fortgeschritten sein mag, wenn Kataloge zur Befragung nötig werden. Doch lassen wir uns von Grübeleien nicht irritieren, die solchen Büchern eine Alibi-Funktion unterstellen: Weil man zu faul für eigenes Interesse am anderen ist, was ja anstrengend ist, schiebt man ein Buch mit Fragen über den Gabentisch, statt selbst zu fragen.